Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Bäcker
Nirgends gibt es so gutes Brot in so vielen Varianten wie in Deutschland. Es gibt also gute Gründe, sich für den Beruf des Bäckers zu entscheiden, auch wenn die Romantik des Handwerks im Preiskampf unterzugehen droht. Ein Bäcker backt Brot und Brötchen - das weiß jeder. Aber darin erschöpft sich seine Arbeit nicht. Auch Feinbackwaren aus Blätter-, Mürbe- und Hefeteig sowie süße Verführungen wie Sahnetorten gehören zum Sortiment vieler Bäckereien. «Wir decken 80 Prozent des Konditor-Handwerks ab», sagt Peter Becker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks mit Sitz in Bad Honnef. Zum kommenden Ausbildungsjahr wurde die Ausbildungsordnung neu geregelt. Künftig lernen angehende Bäcker auch, kleine Gerichte, wie sie immer häufiger in Bäckereien angeboten werden, zuzubereiten. Selbst das Belegen von Brötchen will trainiert sein. «Da gehört ein bisschen Pfiff dazu», sagt Becker. Vor dem Backen muss der Bäcker nach Rezept den Teig herstellen. Damit beim Abmessen der Zutaten nichts durcheinander gerät, sollten Interessenten mit dem Schulfach Mathematik nicht auf Kriegsfuß gestanden haben. «Das Prozentrechnen muss man beherrschen», betont Becker. Muskelkraft spielt dagegen keine so große Rolle mehr. «Niemand muss zentnerschwere Mehlsäcke schleppen», so Becker. Auch für Frauen sei der Beruf deshalb attraktiv. Eines hat die Technik den Bäckern aber noch nicht abgenommen. Die Aussicht, jeden Tag zwischen 2.00 und 5.00 Uhr morgens in der Backstube antreten zu müssen, schreckt viele ab. «Für die meisten ist das später überhaupt kein Thema mehr», versichert Becker. «Man ist ja auch früh wieder zu Hause und hat einen freien Nachmittag vor sich.» Nicht einfach wegwischen lassen sich aber Bedenken, die sich auf die schwierige wirtschaftliche Lage des Bäckerhandwerks beziehen. Die Zahl der backenden Betriebe ist nach Angaben des Zentralverbands zwischen 1990 und 2002 von 23 626 auf 18 169 gesunken. Die kleine Bäckerei um die Ecke hat es immer schwerer, sich gegen Discounter und Aufbackstationen zu behaupten. Kleine Bäckereibetriebe, die in diesem Wettbewerb bestehen wollen, müssen sich anstrengen. «Nur wer beste Qualität und individuelle Produkte bietet, wird sich halten», prophezeit Ernst-Oliver Schulte von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Hamburg. Für angehende Bäcker heißt das, dass sie auch eine Portion Unternehmergeist mitbringen sollten. Fertige Bäcker erwartet nach Gewerkschaftsangaben ein monatliches Einstiegsgehalt von rund 1650 Euro in West- und 1100 Euro in Ostdeutschland. Im vergangenen Jahr standen knapp 31 500 junge Frauen und Männer in einem Ausbildungsverhältnis - elf Prozent aller Beschäftigten. Da das Bäckerhandwerk über Bedarf ausbildet, kann nicht jedem nach der dreijährigen Ausbildung ein Arbeitsplatz garantiert werden. Für die Zukurzgekommenen hält Verbandspräsident Becker einen Trost bereit: «Unsere Leute haben Teamfähigkeit bewiesen und werden daher auch in anderen Branchen gern genommen.»
Bademeister
Sommer, Sonne, Sonnenschein: Wer nicht ab in den Süden kann, verbringt die Ferienzeit oft gerne im Freibad. Für Bademeister ist jetzt die stressigste Zeit im Jahr - auch, weil Fachkräfte fehlen. Schwimmbegeisterte Azubis haben daher gute Chancen. Bademeister haben ein echtes Image-Problem. Was man im Freibad von ihrem Job mitbekommt, sieht nicht gerade spannend aus: Sie stehen am Beckenrand und passen auf, dass niemand ertrinkt. Dabei sind Fachangestellte für Bäderbetriebe, wie Bademeister offiziell heißen, nebenbei auch noch Betriebswirte, Chemiker, Klempner und Animateure. Die Chancen auf einen Job sind gut. Immer vorausgesetzt, man übersteht die Aufnahmeprüfung. "Leute, die meinen, sie würden bei uns das Schwimmen lernen, sind hier fehl am Platz", sagt Ausbildungsleiter Mario Jungkuhn von den Berliner Bäder-Betrieben. Ein Kopfsprung vom Dreimeterturm, Schwimmen gegen die Uhr und Streckentauchen gehören zu den Prüfungsaufgaben. Einige Bäder verlangen sogar, dass Auszubildende das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber haben. "Viele haben vor der Ausbildung auch bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft als Rettungsschwimmer gearbeitet. Das ist dann schon die halbe Miete", sagt Martin Burgers, Leiter der Städtischen Bäder in Wesel. Wer alle Aufnahmeprüfungen meistert, steht als Azubi vom ersten Tag an am Beckenrand und hilft bei der Aufsicht. "Dass man jemanden vor dem Ertrinken retten muss, kommt zwar relativ selten vor. Dass sich ein Kind ein Bein aufschlägt oder ein älterer Badegast Kreislaufprobleme bekommt, ist hingegen Alltag", sagt Robert Holaschke, Referent für den Bäderbereich bei der Bayerischen Verwaltungsschule in München. Kontaktfreudig zu sein, sei dabei ganz wichtig, betont Burgers. Der zweite wichtige Teil der Ausbildung spielt sich hinter den Kulissen ab. "Wir haben in den Schwimmbädern sehr viel, zum Teil sehr teure Technik. Damit muss man sich auskennen", sagt Holaschke. Bei vielen Arbeitgebern durchlaufen die Azubis auch außergewöhnliche Stationen: In Wesel arbeiten die angehenden Bademeister ein paar Wochen bei der Feuerwehr mit. "Man muss lernen, auch mit schlimmen Dingen umzugehen. Nur dann behält man in einer solchen Situation einen kühlen Kopf", sagt Burgers. Ein Wermutstropfen für viele Bademeister sind die Arbeitszeiten: "Man arbeitet immer dann, wenn die Freunde frei haben", sagt Holaschke. Am Wochenende ist im Freibad Hochbetrieb. Und im Sommer fallen ohnehin eine Menge Überstunden an. Dafür lockt ein relativ sicherer Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst, denn viele Bäder sind nach wie vor in der Hand der Städte und Gemeinden. Fachangestellte für Bäderbetriebe verdienen dort je nach Berufserfahrung zwischen 2180 und 2412 Euro im Monat. Infos der Arbeitsagentur
Bahnkaufmann/-frau
Ohne den Beruf des Kaufmanns im Verkehrsservice wäre der Ablauf des zügigen Bahnreisens gar nicht möglich: Jeden Tag arbeiten Tausende von ihnen im Schichtdienst auf den mehr als 110 Hauptbahnhöfen Deutschlands und in Hunderten von Zügen. Anushya Valliapan ist eine von ihnen. Man trifft die junge Frau am Service Point der Deutschen Bahn auf dem Bahnhof Hamburg-Altona, dem wichtigsten Start- und Endpunkt des Schienenverkehrs in Norddeutschland. Eine Reisende möchte von ihr wissen, ob der schon auf Gleis acht bereitstehende Eurocity nach Wien über Prag fährt und sie dort für zwei Tage unterbrechen kann. Valliapan lässt sich den Fahrschein zeigen. «Ja, ohne Problem», lautet die Antwort. Diese Auskunftskompetenz qualifiziert Valliapan auch für den Dienst im Reisezentrum, wo nicht nur einfach die Fahrscheine verkauft werden. Das Heraussuchen auch komplizierter Zugverbindungen, Platzreservierungen und Preiskalkulationen gehören ebenfalls zu dem Job. Andere Servicekräfte arbeiten in den Zügen - Jennifer Batsch beispielsweise. Dienstbeginn ist in Dortmund, sie fährt als Zugbegleiterin im ICE nach Berlin und am selben Tag noch zurück. «Während der Fahrkartenkontrolle erkläre ich den Kunden Anschlussmöglichketen. Vereinzelt verkaufe ich mit dem handlichen tragbaren Computer Fahrkarten.» Zu den Aufgaben des Zugpersonals gehört auch, beim Ein- und Aussteigen behilflich zu sein, über den nächsten Halt zu informieren und Durchsagen zu machen. Größter Ausbilder für diesen Beruf ist die Deutsche Bahn AG. «Wir haben bundesweit etwa 1000 Auszubildende», sagt Sabine Brunkhorst von der DB in Hamburg. Bewerber für eine Stelle brauchen einen Realschul- oder guten Hauptschulabschluss. Außerdem werden gute Englischkenntnisse verlangt. Nach den Vorgesprächen stehen ein Eignungstest und eine bahnärztliche Untersuchung an. Dann erst kann die Ausbildung im Bahnbetrieb, in der Berufsschule sowie in bahneigenen Einrichtungen beginnen. Die Bahnneulinge erfahren Einzelheiten über Streckennetz und Verkehrsmittel, den Umgang mit vorhandenen Informations- und Kommunikationssystemen und erhalten auch kaufmännisches Training. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Prüfung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Verkehrsservice wird vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer abgelegt und gilt nicht nur für den Bereich der Deutschen Bahn. «Bei uns sind 75 Unternehmen organisiert, die Personenverkehr mit Eisenbahn betreiben», sagt Friedhelm Bihn vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Köln. Auch hier sind diese Kaufleute gefragt. «Firmen bilden auch selbst aus», ergänzt der beim VDV für Ausbildung zuständige Michael Weber-Wernz. Während der Ausbildung werden bei der DB monatlich 600 Euro im ersten bis 700 Euro in dritten Jahr gezahlt. Das Anfangsgehalt liegt dann zwischen 1500 und 1700 Euro. Dazu kommen je nach Einsatz Zulagen.
Baubiologe
Bonn - Asbest oder Schimmelpilze: Wer so etwas in der Wohnung hat, wird schnell krank. Deshalb gibt es Baubiologen. Sie halten Schadstoffe aus den eigenen vier Wänden fern. Die Jobaussichten sind rosig. Bisher besetzen sie nur eine berufliche Nische. Doch sie werden immer gefragter: die Baubiologen. Denn das Umweltbewusstsein hat längst die eigenen vier Wände erreicht. «Die Hauptaufgabe von Baubiologen besteht darin, möglichst alle Störfaktoren in der Wohnung oder am Arbeitsplatz zu identifizieren und Möglichkeiten zur Beseitigung zu empfehlen», beschreibt Frank Mehlis, Vorsitzender des Verbandes Baubiologie in Bonn, den Job. Bislang ist Baubiologe noch keine geschützte Berufsbezeichnung. Auch Wünschelrutengänger dürfen sich so nennen. Zwar bemühen sich die Interessenverbände um eine entsprechende Anerkennung. Bis dahin sei es aber wichtig, bei der Ausbildung auf die staatliche Anerkennung des gewählten Instituts zu achten, sagt Sabine Müller-Dietrich, Geschäftsführerin des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen in Jesteburg in der Lüneburger Heide. In Deutschland bietet etwa das private Institut für Baubiologie + Ökologie (IBN) seit 1977 einen Fernlehrgang Baubiologie an. Dieses Institut hat die Zulassung von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht in Köln bekommen, erklärt Geschäftsführer Rupert Schneider. Der vom IBN angebotene kostenpflichtige Fernlehrgang erfordert einen Zeitaufwand von insgesamt 700 Stunden. Darin sind zwei dreitägige Begleitseminare am Ort enthalten. Auf dem Lehrplan stehen Themen wie Ökobilanz der Baustoffe, Holzschutz, Hausschädlinge und Pilze, aber auch Wassersparmöglichkeiten, Energiesparkonzepte, Strahlung, ökosoziale Raumordnung sowie Baurecht. Zur Weiterbildung bietet das IBN Aufbau-Seminare in Messtechnik und Raumgestaltung an. Zulassungsvorschriften für das Studium an der IBN oder für den Beruf allgemein gibt es derzeit keine. «Von Vorteil ist eine abgeschlossene Ausbildung aus den Bereichen Umwelttechnik, Biologie, Chemie, Medizin, Elektrotechnik, Bauwesen oder aus einem verwandten Fachgebiet», erklärt Müller-Dietrich. Als persönliche Eigenschaften sollten Interessierte ein sicheres und kompetentes Auftreten, analytischen Verstand und Flexibilität im Hinblick auf die Arbeitszeiten mitbringen. In der Praxis sehen sich die Baubiologen vor allem mit den Einflüssen von Schadstoffen auf die Menschen konfrontiert, wie Müller-Dietrich erläutert. «Baubiologische Untersuchungen werden mit dem Ziel durchgeführt, in Innenräumen vorhandene Umweltbelastungen zu erkennen und effiziente Sanierungsmaßnahmen zu erarbeiten.» Entsprechend gefragt ist ihr Fachwissen auch bei der Planung von Neubauten. Für Bauingenieure bedeutet das in den Lehrgängen erworbene baubiologische Wissen nach Erfahrungen von Schneider einen klaren Vorteil bei modernen Bauprojekten. «Gerade in der Haus- und Lüftungstechnik sind zur Verbesserung des Wohnklimas neue Konzepte gefragt», sagt er. Bauingenieure könnten sich mit einem durch die Baubiologie gestärkten Portfolio besser auf einem durch wachsenden Konkurrenzkampf geprägten Markt profilieren. Danach arbeiten Baubiologen sowohl als Angestellte beispielsweise in Biobaumärkten oder Baufirmen als auch selbstständig. Die meisten von ihnen sind freiberuflich tätig. Das Einkommen dieser Gruppe hängt deshalb in erheblichem Maß vom Eigenengagement, gezielter Werbung und einer guten Vernetzung mit Berufskollegen ab. Deshalb sollten an dem Job Interessierte vor allem Durchhaltevermögen und Beständigkeit zu ihren persönlichen Eigenschaften zählen. Service: Kostenloses Beratungstelefon des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen, Montag bis Freitag von 09.00 bis 17.00 Uhr, Telefon: 0800/200 1 0 07 Homepage des Berufsverbands Deutscher Baubiologen Webseite des Instituts für Baubiologie Verband für Baubiologie im Internet Berufsaussichten von Baubiologen Die beruflichen Chancen eines Baubiologen sind wegen der wachsenden Aufgaben der Umweltanalytik gut. Frank Mehlis, Vorsitzender des Verbandes Baubiologie, schätzt, dass es in Bayern eine größere Nachfrage nach diesen Fachleuten gibt als in Schleswig-Holstein. «Es gibt ein starkes Nord-Süd-Gefälle - das liegt wohl am Bewusstsein für Umweltproblematiken.» (dpa/tmn)
Bauingenieur
Düsseldorf/Aachen - Es gibt viele Berufe, die in der Gesellschaft ein hohes Ansehen genießen: Mediziner, Juristen oder Architekten gehören dazu. Zu den weniger prominenten Berufen, die auch noch einen schlechten Ruf haben, zählt der des Bauingenieurs. Meist steht der verantwortliche Techniker im Schatten der Kreativen - dabei sind die Einsatzmöglichkeiten breit, und vielen gefällt das Handfeste an der Tätigkeit. «Ist ein Bauwerk geglückt, stehen meist die Architekten im Rampenlicht und holen sich das Lob ab. Wenn irgendetwas schief geht, werden die Bauingenieure zur Rechenschaft gezogen», sagt Andrea Wilbertz von der Ingenieurkammer-Bau NRW in Düsseldorf. Dabei sei die vergleichsweise schlechte Reputation der Berufsgruppe nicht nachzuvollziehen. Schließlich leisteten Bauingenieure eine mindestens ebenso wichtige Arbeit wie die Architekten. «Bauingenieure sind viel kreativer, als manch einer es vielleicht vermutet.» Zudem sind die Einsatzmöglichkeiten für die Ingenieure enorm vielfältig: Nach dem Studium können sie Stellen in klassischen Baufirmen annehmen, aber auch in Verwaltungen und Ministerien, auf Bauämtern oder bei Wasserverbänden arbeiten. Und die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt sind für Bauingenieure nach Angaben der Kammer seit einiger Zeit wieder recht positiv. «Die schlechte Baukonjunktur und das technik-unfreundliche Gesamtklima haben sicher auch dazu beigetragen, dass sich in der Vergangenheit wenige junge Menschen für diesen Studiengang entschieden haben», sagt Andrea Wilbertz. Und noch ein Grund sei für den Rückgang der Studentenzahlen verantwortlich: das anspruchsvolle Studium. Hier sei vor allem eine mathematisch-technische Begabung gefragt. Das bestätigt Prof. Konstantin Meskouris von der Fakultät für Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen. «Die Anforderungen an die Studenten sind sehr hoch, dem sind viele nicht gewachsen.» Zudem schrecken seiner Ansicht nach viele junge Menschen vor der großen Verantwortung zurück, die ein Bauingenieur trägt - schließlich kann gerade in jener Branche vieles passieren. Auch Meskouris bedauert, dass es eher die Architekten sind, die als kreativ-künstlerische Köpfe gelten - und die Bauingenieure meist in deren Schatten stehen. «Schon seit Jahrzehnten gilt der Spruch: Ingenieur ist man nicht, man kauft sich einen - dieser Beruf gilt einfach nicht als schick und sexy.» Insgesamt 220 Studienanfänger verzeichnet der von ihm betreute Fachbereich im laufenden Semester, der Frauenanteil liegt bei rund 25 Prozent. Dabei seien Frauen häufig besser und motivierter als ihre männlichen Kommilitonen, erzählt Meskouris - und das, obwohl der Beruf eigentlich als typische Männerdomäne gilt. Nicht zuletzt wegen der Praktika «auf dem Bau» sei das so. Sie gelten als unabdingbare Voraussetzung für ein solches Studium. Möglichst mehrere Wochen sollte ein Ingenieurs-Student auf Baustellen verbracht haben. «Nur dort kann man auch die Menschen kennen lernen, mit denen man seine Visionen später einmal verwirklichen möchte», betont der Professor. Seine Visionen zu verwirklichen - das war auch für den 25 Jahre alten Stefan Kammerer das Wichtigste bei der Wahl seines Studienfachs. Er gehört zu den besten Absolventen der Massivbau- und Baustoffinstitute an den Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, seine Diplomarbeit an der Fachhochschule Biberach (Baden-Württemberg) wurde mehrfach ausgezeichnet. «Das Bauingenieurwesen ist handfester als Architektur, man kann noch kreativer sein, planerischer arbeiten und diese Pläne dann auch umsetzen», sagt Kammerer. Gleichwohl sei er sich des hohen Risikos bei seiner Berufsausübung täglich bewusst. «Schon im Studium hat man uns eingeschärft, dass wir im Grunde immer mit einem Fuß im Gefängnis stehen». Immerhin sei man als Bauingenieur zumeist gegen etwaige Planungsfehler versichert. Doch ohne Einsatz und Risiko gibt es keine Ergebnisse - und die meisten zivilisatorischen Errungenschaften fallen nach Ansicht von Konstantin Meskouris in den Bereich des Bauingenieurwesens. «Ohne Bauingenieure gäbe es keine zivilisatorische Infrastruktur, kein Wasser, keinen Strom, keine Verkehrswege - kurz: Es gäbe keine materielle Grundlage für ein menschenwürdiges Leben und keine Zivilisation.» (dpa/gms)
Bauzeichner
Damit Bauideen keine Luftschlösser bleiben, braucht es die Bauzeichner. Sie sind am Beginn eines jeden Projekts aktiv. Aus den Vorlagen von Architekten oder Ingenieuren fertigen sie maßstabsgerechte Zeichnungen und Baupläne an, die etwa als Grundlage für Baugenehmigungen gebraucht werden. Wer sich um die dreijährige Ausbildung bewirbt, braucht einen guten Realabschluss oder Abitur. "Die Unternehmen legen Wert auf gute Mathenoten und räumliches Vorstellungsvermögen", sagt Frank Riediger von der Handelskammer Hamburg. "Man muss mit einem Blick sagen können, ob sich eine Idee verwirklichen lässt", erklärt Michael Assenmacher von Industrie- und Handelskammer zu Köln. Bei der Wahl ihrer Azubis legen die Firmen Wert auf kommunikative Fähigkeiten: "Bauzeichner sind ständig im direkten Gespräch mit Bauherren und Kunden", sagt Mandy Winkler, Ausbildungskoordinatorin bei der Sellhorn Ingenieurgesellschaft in Hamburg. Früher vor allem am Zeichenbrett aktiv, müssen Bauzeichner heute Programme für CAD (Computer Aided Design) beherrschen. "In großen Firmen wird fast ausschließlich am Computer gezeichnet", so Riediger. Bautechniker organisieren auch viel: Sie ermitteln etwa den Bedarf an Baustoffen, erfassen Fortschritte von Bauvorhaben und sorgen dafür, dass alle Unterlagen und Berechnungen rechtzeitig da sind. Bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes sollte man sich über den gewünschten Schwerpunkt im Klaren sein. Im Bereich Architektur gilt es, Planungsunterlagen und Roh- und Ausbauzeichnungen zu erstellen. Wer den Ingenieurbau als Schwerpunkt hat, beschäftigt sich vor allem mit der Planung von Brücken oder Industriegebäuden. Im Tief-, Straßen- und Landschaftsbau sind Verkehrswege oder K weiterbilden. "Das dauert zwei Jahre, an der Abendschule sind es vier", erklärt Winkler. "Man sitzt keinesfalls die ganze Zeit allein vor einem riesigen Zeichentisch, sondern ist viel draußen und im Gespräch mit anderen Menschen", sagt Assenmacher. Es mache Spaß, Pläne für Gebäude zu entwerfen, an denen man später vorbei läuft, sagt Winkler. "Als Bauzeichner oder Bautechniker begleitet man den ganzen Prozess." Die Jobsuche ist zuletzt jedoch schwieriger geworden: "Der große Bauboom ist vorbei", sagt Assenmacher. "Viele Zeichenfirmen sind ins Ausland abgewandert." Chancen sehen die Experten darin, sich eine Nische zu suchen - "als Bauzeichner für Umbauten zum Beispiel, besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden", empfiehlt Assenmacher. Hauptverband der Deutschen Bauindustrie Internet: www.bauindustrie.de
Bestattungsfachkraft
«Bestatter? Die verkaufen doch nur Särge und holen die Toten ab.» Dieses Vorurteil bekommt Sascha Altes oft zu hören. Dabei liebt der 21-Jährige diesen Beruf. Und deshalb hat er sich nun dazu entschlossen, die dreijährige Ausbildung zur geprüften Bestattungsfachkraft zu absolvieren. «Der Beruf des Bestatters ist unglaublich vielseitig, und man hat viel mit Menschen zu tun», erzählt Altes, der seit dem 1. August die Berufsausbildung in einem Düsseldorfer Bestattungsunternehmen absolviert. Sascha Altes ist einer der 360 zukünftigen Bestatter, die derzeit nach der seit dem 1. August geltenden neuen Ausbildungsordnung lernen. Von den bundesweit 3800 Bestattungsinstituten bilden 12 Prozent aus, so der Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB) in Düsseldorf. Verbandsgeschäftsführer Rolf Lichtner sieht es sehr positiv, dass die bisherige, berufsbegleitende Ausbildung nun in eine Verordnung mit festen Ausbildungsmodulen geändert wurde. Der Inhalt der aktualisierten Ausbildungsordnung ist breit gefächert. Das Organisieren von Trauerfeiern, das Bearbeiten von Bestattungsaufträgen und Verwaltungsaufgaben gehören ebenso dazu wie der Umwelt- und Gesundheitsschutz. «Auf die Azubis kommt einiges zu, aber sie wissen ja auch, auf was sie sich einlassen», sagt Thomas Borowiec vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Bei diesem Berufsbild stelle man sich als Lehr-Verantwortlicher schon auch manches Mal die Frage, ob man diese - vor allem psychischen - Belastungen den Jugendlichen überhaupt zumuten könne. «Doch diese Frage kann man ganz klar mit Ja beantworten», sagt Borowiec. Im Grunde sei der Beruf des Bestatters ein klassischer Handwerksberuf. Natürlich spiele die psychologische Komponente eine wichtige Rolle in ihrem Beruf, erzählt die Bestatterin Almut Salm. Schließlich habe man nicht nur den täglichen «Umgang» mit den Toten, sondern vor allem mit deren trauernden Hinterbliebenen, bei dem viel Fingerspitzengefühl gefragt sei. Seit fast 16 Jahren arbeitet die 50-jährige Düsseldorferin nun in diesem Beruf, und eigentlich mache ihr nur eines richtig zu schaffen: «Wenn die Angehörigen eine anonyme Beerdigung wünschen und den Verstorbenen ohne irgendeine Feierlichkeit so schnell als möglich unter die Erde bringen möchten.» Eine Erfahrung, die ihr Azubi Altes allerdings bislang noch nicht machen musste - und das, obwohl er seit seinem 15. Lebensjahr im elterlichen Bestattungsbetrieb mitgeholfen hat. Gleichwohl ist er froh um den psychologischen Teil innerhalb der Ausbildung, der teilweise von der Universität Regensburg übernommen wird. Dort arbeitet der Theologe und Psychologe Prof. Thomas Schnelzer mit den Auszubildenden und versucht ihnen vor allem eines klarzumachen: «Indem man den Umgang mit dem Tod ins Lächerliche zieht, tut man sich keinen Gefallen. Man sollte diese Belastung als positive Herausforderung ansehen und entsprechend würdevoll damit umgehen.»
Informationen:
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Internet Bundesinstitut für Berufsbildung: www.bibb.de (dpa/tmn)
Bierbrauer
«Hopfen und Malz - Gott erhalt's» lautet ein bekannter Spruch unter Biertrinkern. Nicht nur der Genuss des «kühlen Blonden», auch seine Herstellung hat in Deutschland lange Tradition. Etwa 110 Millionen Hektoliter Bier werden hierzulande jährlich gebraut. Den Gärprozess überwachen Brauer und Mälzer heute meist am Computer. Dazu braucht es viel technisches Know-how. Von Hand gebraut wird Bier kaum noch. «Bierbrauer haben eher mit der Produkt- und Prozessüberwachung zu tun», sagt Michael Assenmacher von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin. Sie müssen technische Einrichtungen, Anlagen und größere Maschinen bedienen, mit denen der Brauprozess gesteuert wird. Die Tätigkeit des Brauers erfordere daher ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Sorgfalt. Vom Einkauf der Rohstoffe bis zum Abfüllen des Biers ist der Brauer für den gesamten Herstellungsprozess zuständig. Er hat auch die Verantwortung für die Hygiene der Rohre und Tanks, in denen das Bier gebraut wird, und muss Proben entnehmen. Bewerber für den Beruf sollten daher fit in Mathematik, Chemie und Physik sein, da sie auch Analysen und Berechnungen machen müssen, erklärt Assenmacher. Die Maische müsse bei einer bestimmten Temperatur durchkochen, der Gärprozess stimmen und das Malz vom Vorlieferanten geprüft werden. Das Berufsbild habe sich seit der Einführung der automatisierten Sud-, Gär- und Abfüllprozesse in den Brauereien stark gewandelt, sagt Achim Nieroda vom Deutschen Brauer-Bund in Berlin. Wo früher noch die Gärbottiche von Hand gereinigt wurden, seien heute eher EDV-Kenntnisse gefragt, die in der dreijährigen Berufsausbildung zum Brauer und Mälzer vermittelt werden. Darin lernen die Azubis auch die Rohstoffe der Bierproduktion kennen, üben sich im Bereiten von Malz sowie dem Bedienen und Warten von Brau- und Abfüllanlagen. «Auch die Anforderungen an Auszubildende haben sich durch die technischen Innovationen der letzten 20 Jahre wesentlich geändert», ergänzt Anica Stief von der Brauerei Binding in Frankfurt/Main. Das Handwerk sei einer systemorientierten Steuerung gewichen, in der mit modernster Messtechnik gearbeitet wird. Laut Nieroda wird auch betriebswirtschaftliches Wissen in der Berufsschule vermittelt. Daneben stehen Mikrobiologie, Botanik, Biochemie und Analytik auf dem Lehrplan der jährlich rund 800 Auszubildenden. Gute Chancen auf eine Lehrstelle haben Schüler mit einem sehr guten Hauptschul-, einem guten Realschulabschluss oder Abitur, sagt Stief. Danach stehen Brauern viele Wege offen: Sie stellen Softdrinks oder Mineralwasser her und arbeiten in Molkereien oder bei Zulieferern. Sie verdienen laut dem Deutschen Brauer-Bund 2000 bis 2500 Euro im Monat. Jobs bietet laut Nieroda auch die Pharmaindustrie, da die Produktionsmechanismen mitunter ähnlich sind. «Da Bier weltweit gebraut wird, bestehen mit Gesellenbrief auch gute Chancen auf einen Job im Ausland», sagt Stefan Leppin von der Warsteiner Privatbrauerei. Vorteilhaft dafür ist der Ruf Deutschlands als Land des Bieres - deutsche Brauer seien im Ausland hoch angesehen. «Wer bereit ist, auch international zu arbeiten, hat sehr gute Karrierechancen», hat Wolfgang Janssen vom Friesischen Brauhaus zu Jever beobachtet. Hierzulande sinken die Beschäftigtenzahlen dagegen. Waren 1996 noch 45 038 Bierbrauer am Werk, gab es laut dem Statistischen Bundesamt 2007 nur noch 30 953. Brauer und Mälzer können sich vielfach weiterbilden. Gesellen können laut Wolfgang Janssen vom Friesischen Brauhaus zu Jever an der Brauerschule Ulm, der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) in Berlin oder der Doemens-Akademie in München zum Braumeister aufsteigen. Einen Studiengang zum Diplom-Braumeister bieten die VLB Berlin und die TU Weihenstephan, wo Bewerber mit Hochschulreife auch einen Abschluss als Brauerei-Ingenieur erwerben können.
Bilanzbuchhalter
Bilanzbuchhalter sind anerkannte Finanzjongleure eines Unternehmens. Sie müssen zunehmend schneller und häufiger aktuelle Zahlen liefern, etwa an den Vorstand. Dabei sind Kommunikation und Teamfähigkeit wichtig: "Ein Bilanzbuchhalter ist heute interner Berater eines Betriebs", sagt Heike Kreten-Lenz, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) in Bonn. Bilanzbuchhalter sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. "Sie sind in allen wirtschaftlichen Zweigen tätig", sagt Gordon Schenk, Referatsleiter kaufmännische Aufstiegsbildung beim Industrie- und Handelskammertag in Berlin. Zu ihren Aufgaben gehört die Organisation und Funktion des betrieblichen Finanz- und Rechnungswesens. Sie erstellen den Jahresabschluss, die Steuerbilanz und Lageberichte nach Handelsrecht, erstatten Bericht aus Finanz- und Betriebsbuchhaltung. Die meisten Bilanzbuchhalter sind fest angestellt, viele arbeiten aber auch selbstständig. Insgesamt sind in Deutschland nach Angaben des BVBC rund 100 000 von ihnen tätig. "In einem kleinen oder mittelständischen Betrieb ist der Bilanzbuchhalter Generalist", erklärt Kreten-Lenz. Die Lohnbuchhaltung könne dann genauso zu seinen Aufgaben gehören wie das Controlling. In einem großen Unternehmen ist der Bilanzbuchhalter Spezialist - zum Beispiel für Steuerrecht oder internationale Rechnungslegung. Wer sich für den Beruf des Bilanzbuchhalters interessiert, sollte nicht nur die Grundsätze der Buchführung beherrschen und gute Englischkenntnisse haben. "Spaß am Umgang mit Zahlen und analytisches Denken ist wichtig", meint Kreten-Lenz. Um Bilanzbuchhalter zu werden, ist eine Fortbildungsprüfung notwendig. Voraussetzungen sind eine kaufmännische oder verwaltende Ausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung. Die Prüfung zum bundeseinheitlichen Abschluss "Geprüfte/r Bilanzbuchhalter/in" findet vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) statt. Viele private Lehrgangsträger bieten auch interne Prüfungen an. "Die Prüfung ist sehr schwierig", sagt Prof. Horst Walter Endriss, Herausgeber eines Bilanzbuchhalter-Handbuchs. Eine intensive Vorbereitung anhand von Lehrgängen sei notwendig, um die Prüfung erfolgreich zu bestehen, meint Bernhard Ramann, Geschäftsführer des Bundesverbands selbständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter (b.b.h.) in Berlin. Bildungsträger wie Industrie- und Handelskammern, Volkshochschulen oder Fachschulen bieten Kurse an. Die Fortbildung dauert etwa zwei Jahre. Wann der Unterricht stattfindet, ist sehr unterschiedlich geregelt: Einige Bildungsträger bieten Blockunterricht an, andere Kurse an mehreren Abenden in der Woche. Auch Fernunterricht ist möglich. Die Kosten für einen Kurs liegen nach Angaben der Experten zwischen 2500 und 3500 Euro. Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sei Pflicht, sagt Ramann. Das Steuerrecht beispielsweise unterliege einem immer schnelleren Wandel auf Grund der Gesetzgebung. Informationen: Verband der Bilanzbuchhalter und Controller www.bvbc.de Verband der selbstständigen Bilanzbuchhalter www.bbh.de Deutscher Industrie- und Handelskammertag: www.diht.de
Binnenschiffer
Die Wasserstraßen werden für den Transport immer wichtiger. Davon profitiert der Beruf des Binnenschiffers: Die Ausbildungszahlen steigen. Die Berufsaussichten sind also gut - zumindest für alle, denen es nichts ausmacht, ständig unterwegs zu sein. Auf Flüssen und Kanälen wird derzeit zwar deutlich weniger als auf der Schiene oder der Straße transportiert. Dennoch haben Binnenschiffer gute Perspektiven. In den kommenden 10 bis 15 Jahren würden viele Schiffsführer in Rente gehen, erläutert Katja Wenkel vom Arbeitgeberverband der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg. Angehende Binnenschiffer haben damit gute Aussichten: «Die Chancen auf eine Festanstellung nach der Ausbildung liegen bei nahezu 100 Prozent.» Mit 498 Lehrlingen wurde 2009 das höchste Niveau seit 20 Jahren erreicht, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in Berlin ermittelt. Arbeit gibt es auf vielen Arten von Binnenschiffen. Dazu gehören Passagier-, Güter- und Tankschiffe. Auch Fähren und Schlepper sind auf Europas Wasserstraßen unterwegs. Der Kapitän in der Binnenschifffahrt heißt «Schiffsführer». Zur Deckmannschaft gehören Steuermann, Bootsmann, Matrosen sowie Schiffsmädchen und -jungen. Alle haben als Basis die Ausbildung zum Binnenschiffer absolviert. Ihr Job ist es, Schiffe samt Ladung von Hafen zu Hafen zu bringen oder Passagiere an Bord zu nehmen. Sie helfen beim Laden und Löschen, hieven das Schiff durch Schleusen und sichern das geladene Gut während der Fahrt. Auch für das Instandhalten des Schiffes sind sie verantwortlich. Binnenschiffer müssen daher vielseitig sein. Sie sind Maschinisten, Elektriker, Maler und Reinigungskraft in einer Person. Wer dabei an das Seemannslied «Nimm mich, Kapitän, mit auf die Reise» denkt, liegt gar nicht so falsch. Ununterbrochen auf dem Wasser von Castrop-Rauxel bis Antwerpen, von Dresden bis Hamburg - das ist keine Seltenheit. Binnenschiffer kommen herum. «Romantik spielt dabei auch eine Rolle», sagt Udo Köster, der für die B. Dettmer Reederei in Duisburg arbeitet. Einsam ist es nach seiner Einschätzung an Bord aber keineswegs. Zwei bis sieben Mann gehören im Durchschnitt zu einer Mannschaft. Wegen des ständigen Unterwegsseins will das Familienleben gut organisiert sein. «Man wird aus dem privaten Bereich gerissen», räumt Köster ein. Die Reedereien versuchen aber, den Besatzungen regelmäßige Aufenthalte bei ihren Familien an Land zu ermöglichen. «Galt früher die Regel '30 Tage an Bord, 15 Tage an Land', sind es heute je 15 Tage», sagt Köster. Binnenschiffer brauchen nicht nur nautischen und technischen Verstand. Wer auf dem Wasser zu Hause sein möchte, muss mit dem Team an Bord den Alltag teilen. Gemeinschaftsgeist und Zuverlässigkeit sind dabei gefragt. «Ohne soziale Kompetenzen geht das Ding schief», meint Köster. Das Alter spielt für den Beruf dagegen keine Rolle. Erwartet wird in der Regel ein Haupt- oder Realschulabschluss. Bewerber um einen Ausbildungsplatz haben außerdem gute Karten, wenn sie einen Bootsführerschein besitzen oder ihren Wehrdienst bei der Marine geleistet haben. Die Ausbildung dauert drei Jahre. In Deutschland lernen angehende Binnenschiffer an zwei Berufsschulen. Die größte Einrichtung ist das Schiffer-Berufskolleg Rhein in Duisburg-Homberg, mit der das Schulschiff «Rhein» zusammenarbeitet. Dort wohnen Azubis während der dreimonatigen Berufsschulblöcke. Ein weiterer Schulstandort ist in Schönebeck bei Magdeburg. Mit dem Facharbeiterzeugnis steigen die Schiffsmädchen und -jungen zum Bootsmann oder Matrosen auf. Am Arbeitsmarkt sind vor allem die höheren Qualifikationen gefragt. «Der Matrose ist unzeitgemäß. Wir brauchen Boots- und Steuerleute», sagt Köster. Nach zwei Jahren als Matrose oder einem Jahr als Bootsmann erfolgt der Eintrag als Steuermann im Schifferdienstbuch durch das zuständige Amt. Ein Anspruch auf Beförderung lässt sich daraus nicht ableiten. «Der Arbeitsvertrag richtet sich nach dem Bedarf», stellt Köster klar. Steuerleute weisen höhere Qualifikationen durch «Patentprüfungen» nach. Das können Befähigungsnachweise für bestimmte Schifffahrtsrouten oder das Radarpatent sein. Mehrere Patente sind Voraussetzung für eine Beförderung zum Schiffsführer. Der bestbezahlte Ausbildungsberuf Der Binnenschiffer ist der bestbezahlte Ausbildungsberuf in Deutschland. Lehrlinge erhielten 2009 bundesweit eine tarifliche Vergütung von 949 Euro brutto pro Monat, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn ermittelt hat. In keinem anderen Lehrberuf haben Azubis höhere Bezüge erhalten. Der spätere Lohn eines Binnenschiffers richtet sich nach der Fahrtdauer seines Schiffes. Schiffsführer können 4000 bis 4500 Euro monatlich verdienen. Weitere Informationen:
Biologisch-technischer Assistent
Von der zellbiologischen Forschung bis zum Landeskriminalamt reichen die Einsatzgebiete der Biologisch-technischen Assistenten (BTA). Klaus Fuisting, Diplombiologe aus Leverkusen, hat für den Verband der Biowissenschaften (VBIO) einen Film über die Ausbildung zum BTA gedreht. Nicht von ungefähr beginnt er mit "einem neuen Fall für Almut": Die Biologisch-technische Assistentin analysiert in einem Landeskriminalamt DNA-Spuren von einem blutigen Beweisstück. "Das ist ein spannender Beruf", sagt Fuisting. Und einer, bei dem Ausbildungsplätze begehrt sind: Fuistings Arbeitgeber, das Berufskolleg Kartäuserwall in Köln, hat jedes Jahr rund 260 Bewerbungen für rund 45 Plätze. Dennoch soll der Film für den Beruf werben: "Es finden sich häufig nicht genug Kandidaten, die den Anforderungen genügen", erklärt Thomas Wittling, Vorsitzender im Verband biologisch-technischer Assistenten (VBTA) in Diedorf (Bayern). Formal reicht der Realschulabschluss. Unverzichtbar sind sehr gute mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse. "Auch Sprachkenntnisse sind wichtig, an Universitäten arbeiten BTAs in englischsprachigen Teams", sagt Wittling. Bevor es so weit ist, durchlaufen sie eine zweijährige schulische Ausbildung. Die Schüler lernen den Umgang mit Pipette, Mikroskop und Zentrifuge. Und sie lernen beispielsweise, wie sich menschliches Erbgut vervielfältigen oder tierische Zellkulturen anlegen lassen. Bundesweit stehen mehr als 40 Schulen in privater oder staatlicher Trägerschaft zur Auswahl. Doch auch ohne Lehrgeld, das die Privatschulen erheben, ist die Ausbildung eine Investition: "Die Schüler müssen in jedem Fall ihre Lernmittel, Verpflegung und Unterkunft zahlen, wenn sie nicht mehr bei den Eltern wohnen können oder wollen", sagt Thomas Wittling. Demgegenüber sei eine klassische Ausbildung günstiger: "Biologielaboranten bekommen drei Jahre lang ihr Ausbildungsgeld." Laboranten gelten als Konkurrenten der schulischen Assistentenausbildung, sagt Carsten Roller, Leiter der Abteilung Ausbildung und Karriere beim VBIO in München. Die BTA-Ausbildung ist breit angelegt und mit 34 beziehungsweise für Realschüler 38 Wochenstunden randvoll und sehr arbeitsintensiv, sagt Wolfram Müller, Abteilungsleiter an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen. Das Berufskolleg bildet neben den klassischen BTA auch die Fachrichtung "Bioinformatik und Molekularbiologie" aus. Der neue Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Molekularbiologie und damit mit Datenmengen, die etwa bei der Entschlüsselung der menschlichen Erbinformationen mit Hilfe von Computern erfasst und mit spezieller Software ausgewertet werden können. Das Einstiegsgehalt eines BTA liegt bei 1800 Euro monatlich im öffentlichen Bereich und 2500 Euro in der pharmazeutischen Industrie, sagt Schulleiter Müller. "Unsere Absolventen werden auch gerne in der Schweiz beschäftigt. Dort sind die Einkommen deutlich höher."
Internet:
Eine Liste der anerkannten
Ausbildungsschulen findet sich beim "Kursnet" der Bundesagentur für
Arbeit unter
Bootsbauer
Als begeisterter Segler möchte der Münchner Sepp Werner nach dem Abitur in einem Jahr nur einen Beruf erlernen: Bootsbauer. «Dann kann ich eine Acht-Meter-Jacht nach meinen Vorstellungen bauen», schwärmt er. Zunächst steht aber die Suche nach einem Ausbildungsplatz an. «Etwa 200 Lehrstellen gibt es für diesen Beruf in Deutschland», sagt Claus-Ehlert Meyer vom Deutschen Boots- und Schiffbauerverband (DBSV) in Hamburg. Nicht viel für die große Zahl an Interessenten. «Es gibt genug Nachwuchs, aber man kann ihn nicht gebrauchen», klagt allerdings Uwe Küntzel, Inhaber einer Bootswerft in Hamburg. «Die Mathematikkenntnisse sind bei zahlreichen Hauptschülern nicht ausreichend. Vielen mangelt es auch an dem notwendigen handwerklichen Geschick.» Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung bis zur Gesellenprüfung. Eine Verkürzung auf drei Jahre ist bei sehr guten Noten in der Zwischenprüfung möglich. «Es gibt vier Berufsschulen. In Hamburg findet der Unterricht tageweise statt, in Travemünde, Brake und Duisburg im Blockunterricht», erklärt Klaus Neumann vom DBSV. Dazu kommen überbetriebliche Lehrgänge. Denn nur so lässt sich die Bandbreite der Materialverarbeitung erfassen. Holz, Kunststoffe, Stahl und Aluminium werden bei der Konstruktion von Booten verwendet, nicht selten in der Kombination aus Kunststoffrumpf und Holzaufbau. Vom olympiatüchtigen Renn-Achter bis zum gewerblichen Fischereikutter und Schiffen für die Wasserschutzpolizei fertigen die Bootsbauer alles, was den Namen Wasserfahrzeug trägt und auf Seen, Flüssen sowie in den Küstengewässern fahren soll. Gefragt sind beim Bootsbau außer handwerklichen Fähigkeiten auch Kreativität und Vorstellungskraft: «Man muss das Boot schon vor Augen haben ehe der Spantenplan fertig ist», sagt Sven Küntzel, der Juniorchef in der Hamburger Werft, der sich gerade auf seine Meisterprüfung vorbereitet. «Es muss sehr genau gearbeitet werden. Fehler rächen sich sofort, wenn das Boot zu Wasser gelassen wird.» Gutes räumliches Vorstellungsvermögen gilt als zwingend, denn nur damit können die Baupläne in eine dreidimensionale Form umgesetzt werden. Bei Holzbooten fertigen Bootsbauer Spanten, Rippen und Verkleidungen an, für Boote aus Kunststoff wird eine Negativform mit flüssigem Kunststoff ausgegossen. Die Facharbeiter fertigen das Deck und die Aufbauten, setzen Masten und bauen die technischen Anlagen ein. Jedes Boot braucht eine wasserresistente Oberflächenbehandlung. So spachteln, lackieren und polieren die Fachkräfte mit Atemmaske und auch Schutzkleidung. Viele der Arbeiten auf einer Werft sind aber auch Reparaturen. Die Ausbildungsvergütung für Bootsbauer richtet sich je nach Betrieb und ist nicht üppig. Zwischen 200 und 370 Euro monatlich nennt die Handwerkskammer in Hamburg die Beträge vom ersten bis vierten Lehrjahr. Nach den Angaben der Arbeitsagentur kann es allerdings auch deutlich mehr sein. «Wenn man ausgelernt hat, gibt es gute Verdienstmöglichkeiten, auch im Ausland», sagt Uwe Küntzel. Informationen:
Informationen im Internet:
Brauer
Deutsches Bier genießt Weltruf, und ausgebildete Brauer sind international gefragt. "Die etwa 1200 deutschen Brauereien produzieren pro Jahr mehr als 100 Millionen Hektoliter Bier", sagt Peter Hahn, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) in Berlin. "Das Bier ist nur so gut wie die Menschen, die es herstellen." So müssen Brauer und Mälzer gut und vielseitig ausgebildete Fachkräfte sein. "Bierbrauen ist ein fortlaufender Prozess, der sich nicht nach Arbeitszeiten richtet. Brauer müssen daher auch nachts und an Wochenende arbeiten", betont Olaf Hendel von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin. Die Laufbahn zum Brauer führt sowohl über die rein handwerkliche Ausbildung als auch über ein Studium. Notwendig ist mindestens ein sehr guter Hauptschulabschluss. Wer studieren will, braucht Fachhochschulreife oder Abitur. Im dualen System dauert die Lehrzeit drei Jahre. Die Ausbildung mit monatlichen Vergütungen zwischen etwa 600 im ersten und 850 Euro im dritten Lehrjahr endet mit der Facharbeiterprüfung. Derzeit bereiten sich rund 700 Azubis auf den Beruf vor. Neueinsteiger können als Gesellen mit 2000 bis 2500 Euro monatlich rechnen. Ein Meisterbrief ist nach der Änderung der Handwerksordnung nicht mehr zwingend notwendig, doch für eine Karriere empfehlenswert. "Wie übrigens ein Studium auch", ergänzt Darko Zimmer vom Brauer-Bund, selbst Diplom-Ingenieur für Brauwesen. Brau-Ingenieure finden schnell den Weg in die Führungsetagen. "Ihr Anfangsgehalt beginnt bei etwa 40 000 Euro im Jahr." Beim Studium gibt es zwei Möglichkeiten: Nach der Ausbildung zum Brauereifacharbeiter erwirbt man in vier Semestern Studium an einer Fachhochschule die Qualifikation zum Diplom-Braumeister. "Sein Wirkungsgebiet liegt entsprechend der überwiegend technisch-technologischen Ausbildung im praktischen Brauereibetrieb", erläutert Studienberater Heinrich Vogelpohl vom Fachbereich für Brauwesen der Technischen Universität München. Das Fachhochschulstudium ohne Lehrabschluss beginnt mit 15 Monaten Praktikum in Brauereien, Mälzereien oder verwandten Betrieben. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Chemie, Physik, Biologie, Maschinen- und Werkstoffkunde, Abfülltechnik sowie die Technologien der Malz- und Würzebereitung und der Bierherstellung. Abiturienten haben einen guten Start, wenn sie zum Hochschulstudium schon mit abgeschlossener Lehre antreten. Sonst müssen sie sechs Monate Praktikum absolvieren, ehe mit den neun Studiensemestern begonnen werden kann. Der Abschluss erfolgt als Diplom-Ingenieur oder Diplom-Ingenieurin. Die Brauwirtschaft gehört nach Angaben des DBB zu den wichtigsten Zweigen in der Lebensmittelbranche. Mehr als 33 000 Beschäftigte weist die Statistik aus. "Auch im Ausland weiß man deutsches Bier zu schätzen", sagt Hahn - und auch dort arbeiten Brauereien nach deutschen Vorgaben; viele Brauer haben sich dort eine neue Existenz aufgebaut oder arbeiten mit einem Zeitkontrakt in großen Brauhäusern. Informationen: Deutscher Brauerbund, Haus der Brauer, Neustädtische Kirchstraße 7A, 10117 Berlin Tel.: 030/209 16 70 E-Mail: info@brauer-bund.de Internet: www.brauer-bund.de
Brummifahrer
Lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung, kilometerlange Staus auf den Autobahnen und eine zumeist tagelange Trennung von der Familie - rosige Arbeitsbedingungen hören sich anders an. Nicht zuletzt deshalb zählt der Fernfahrer nicht gerade zu den Traumberufen und suchen Deutschlands Speditionen derzeit verzweifelt Brummifahrer, die ihre Güter transportieren. Rund 12 000 offene Fahrer-Stellen sind nach Angaben des Verbands für Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) derzeit zu besetzen. «Die Konjunktur brummt, die Speditionen haben jede Menge Fahrzeuge auf dem Hof stehen, finden aber keine Fahrer», sagt Verbandsgeschäftsführer Herbert Riedel. Denn das Problem seien nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die gestiegenen Ansprüche der Arbeitgeber an ihre Fahrer. Eine möglichst fehlerfreie deutsche Sprache, ein gepflegtes Äußeres sowie ein entsprechender Umgang mit Kunden seien heute Grundvoraussetzungen für eine Einstellung. Zudem müssten die Fahrer je nach Ladung speziell ausgebildet sein - etwa, wenn es um Verladung und Transport von hochexplosivem Gefahrengut geht. So sind bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zwar etwa 36 000 Brummifahrer arbeitslos gemeldet, finden jedoch trotz der gestiegenen Nachfrage keinen Job. Das Thema Ausbildung ist ein großes Problem in der Branche. Was früher die Bundeswehr leistete - ein Großteil der Lkw-Fahrer hatte den entsprechenden Führerschein während des Wehrdienstes gemacht - müssen heute Berufsschulen und Speditionen übernehmen. Das Logistikunternehmen Fiege aus Greven hat deshalb eine betriebseigene Fahrschule in Gelsenkirchen gegründet. Alle Fahrer, die dort ihren Lkw-Führerschein machen, erhalten die Garantie auf einen Job im Unternehmen. Doch auch hier ist das Bewerberpotenzial nicht immer das, was sich die Arbeitgeber vorstellen. Dabei hat ein Kraftfahrer allen Unkenrufen zum Trotz und entgegen seines schlechten Rufs durchaus die Chancen auf bessere Arbeitsbedingungen. «Die Lkw-Fahrer sitzen seit etwa einem Dreivierteljahr am längeren Hebel als die Arbeitgeber», sagt Matthias Rathmann vom Branchenmagazin «trans aktuell» in Stuttgart. Durch den hohen Bedarf der Spediteure könnten die Fahrer durchaus auf den Tisch hauen und gegenüber ihren Chefs auch auf ihren Rechten bestehen. «Viele Fahrer trauen sich aber kaum, sich zu wehren.» Der 59 Jahre alte Herbert Vießmann sitzt seit 1969 für eine auf Klaviertransporte spezialisierte Spedition hinter dem Steuer und weiß, weshalb sich seine Kollegen nicht wehren. «Jeder hat Angst um seinen Arbeitsplatz, die Chefs drohen teilweise massiv mit der Entlassung», erzählt er. Und das, obwohl die Fahrer durch die strengen Zeitvorgaben und das erhöhte Verkehrsaufkommen ohnehin schon genug unter Druck und permanentem Stress stehen. Auch Vießmann ist oft tagelang nicht zu Hause und gibt zu, dass die Familie sehr darunter leidet. Und doch: Trotz aller Einschränkungen und negativen Begleiterscheinungen ist Vießmann glücklich in seinem Beruf: «Ich bin mit Leib und Seele Brummifahrer.» Informationen: Dekra-Akademie, Handwerkstraße 15, 70565 Stuttgart, Telefon: 01805/335730 Weitere Informationen: www.dekra-akademie.de ( dpa/gms)
Buchbinder
Im Inneren wirkt das 100 Jahre alte archäologische Fachbuch mit den vielen Fotos erstaunlich modern. Doch am Einband hat der Zahn der Zeit Spuren hinterlassen: Der Rücken hat sich gelöst, desgleichen die Bindung. Der Deckel wirkt angestoßen und wurmstichig, das Papier ausgefranst. Buchbinder Jens Lienig trennt das Ganze auf, begradigt den Buchblock, zieht einen neuen Faden ein und klebt das neue Vorsatzblatt auf die Pappe des Deckels, den er zuvor zugeschnitten und mit Kunstleder überzogen hat. Am Ende der Behandlung ist das Buch wie neu und gerüstet für weitere 100 Jahre in den Regalen der Berliner Universitätsbibliothek. Lienig ist Buchbindermeister im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und Arbeitgeber von acht Angestellten. Es waren schon einmal doppelt so viele, doch dann verhängte der Senat eine Haushaltssperre und legte vorübergehend eine der wichtigsten Auftragsquellen trocken. Zum Glück hat Lienig allerdings auch private Kunden: Rechtsanwälte, die Zeitschriften und Loseblattwerke aufbinden lassen, Studenten, die ihren Abschlussarbeiten ein würdiges Aussehen verleihen wollen, oder einfach Besitzer alter, wurmstichiger Bücher. Ganz korrekt heißt der Beruf, den Lienig ausübt, «Buchbinder in der Einzel- und Sonderfertigung». Angehörige dieser handwerklich orientierten Fachrichtung sind die Spezialisten fürs Individuelle, wozu auch die Herstellung bibliophiler Sammlerstücke mit Ledereinband und Goldschnitt gehören kann. Nach der neuen Handwerksordnung ist die Buchbinderei ein zulassungsfreies Handwerk, so dass sich Gesellen nach der dreijährigen Ausbildung auch ohne weitere Berufserfahrung mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen können. Doch neben der Einzel- und Sonderfertigung gibt es Fachrichtungen, die wenig mit dem romantischen Bild des Buchbindens zu tun haben. Der Beruf umfasst auch zwei industrielle Spielarten: Buchfertigung und Druckweiterverarbeitung. «Von der Zahl der Ausbildungsstellen her bilden sie das Übergewicht», sagt Rainer Braml vom Verband Druck und Medien Westfalen-Lippe in Lünen. Obwohl die Tätigkeiten in der Praxis später wenig Berührungspunkte haben, werden die drei Fachrichtungen in den ersten zwei Jahren der Berufsschule gemeinsam unterrichtet. Für die Anforderungen der Industrie, wo Massenauflagen produziert werden, erscheint der Begriff des Buchbinders fast untertrieben. Hier ist deshalb schon einmal vom «Printfinisher» die Rede. «Printfinisher» befehligen einen ganzen Maschinenpark. Da wird geschnitten, gefalzt, geheftet, gebunden, geklebt, gelocht, gebohrt, geprägt, perforiert. In der Fachrichtung Buchfertigung geht es dabei um Bücher im engeren Sinn. Die Druckweiterverarbeiter kümmern sich mehr um Zeitschriften, Broschüren, Prospekte und Werbematerial. Die Buchbinder sind in der Industrie aber nicht diejenigen, die an den Maschinen stehen. «Diese Rolle fällt angelernten Hilfskräften zu», erläutert Braml. Wer eine Ausbildung absolviert hat, überwacht dagegen das Geschehen von der Warte des Maschinenführers aus, richtet die Geräte ein und übernimmt die Wartung. Dass man für diese anspruchsvolle Tätigkeit technisches Verständnis mitbringen und zumindest das Dreisatzrechnen beherrschen sollte, liegt auf der Hand. Doch vielen Bewerbern mangele es an solchen Voraussetzungen, geht eine Klage in der Branche. «Es gibt Betriebe, die Hände ringend nach geeigneten Auszubildenden suchen», weiß Braml. «Der Buchbinder in der Industrie ist eben vom Ansehen nicht besonders hoch angesiedelt.» Um das zu ändern hat der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) in Wiesbaden ein neues Internetportal für den potenziellen Nachwuchs freigeschaltet. Unter www.buchbinder-werden.de soll der Beruf des Buchbinders «modern und erlebnisorientiert» vorgestellt werden. Die Branche wünscht sich mehr Bewerber mit Realschulabschluss oder Abitur. In der Praxis genügt oft aber schon ein «vernünftiger Hauptschulabschluss», wie Jürgen Heinrichs vom Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) in Frankfurt/Main anmerkt. Jedes Jahr werden von Industrie- und Handwerksbetrieben bundesweit knapp 500 Auszubildende eingestellt. Ihre Vergütung liegt in der Industrie zwischen 762,54 Euro im ersten und 864,80 Euro im dritten Lehrjahr. Danach steigert sich der Verdienst: So macht der bvdm die Rechnung auf, dass eine 23-jährige Industriebuchbinderin im zweiten Gehilfenjahr bei einer täglichen Arbeitszeit von siebeneinhalb Stunden auf 2237,74 Euro brutto im Monat kommt. «Buchbinder gehören zu den Spitzenverdienern der technischen Berufe», lockt der Verband. Das Beispiel geht allerdings insoweit an der Realität vorbei, als nur knapp ein Viertel der Buchbinder weiblich sind. Sorgenfrei sind auch die Industrie-Buchbinder nicht - trotz oder vielleicht gerade wegen der guten Verdienstmöglichkeiten. Bücher lassen sich im Ausland günstiger binden als in Deutschland. «Viele Arbeiten sind in letzter Zeit zum Beispiel nach Tschechien verlegt worden», sagt Mark-Ingo Thielgen vom Verband Deutscher Buchbindereien für Verlag und Industrie (VDB) in Freiburg. Die deutschen Betriebe versuchen, sich durch zunehmende Spezialisierung zu behaupten. Ob die Buchbinderei eine große Zukunft hat, vermag Buchbindermeister Jens Lienig nicht zu sagen. Wenn gerade keine Haushaltssperre gilt, kann er aber auch von der Vergangenheit ganz gut leben: «Allein in der Berliner Staatsbibliothek schlummern eine Million Bücher, die repariert werden müssten.»
Buchhalter
Ein knochentrockener Job für penible Erbsenzähler - dieser Ruf eilt Buchhaltern voraus. Doch sie müssen mehr können als Rechnungen abheften. Analytische Fähigkeiten, Genauigkeit und Sorgfalt sind für den Berufsstand Pflicht. Eine Vorliebe für genaues Arbeiten müsse schon sein, sagt Bernhard Ramann, Geschäftsführer des Bundesverband selbstständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter (bbh) in Berlin. Neben Fachwissen in Sachen Rechnungswesen brauchen Buchhalter Kenntnisse in Steuerrecht, Finanzwesen und Kostenrechnung sowie EDV-Erfahrungen. Auch wenn sich der Job trocken anhört - die Zahlen sind ein wichtiger Faktor für den Erfolg jedes Unternehmens. «Das ist für den kleinen Handwerksbetrieb um die Ecke genauso relevant wie für einen Global Player», sagt Ramann. Der Buchhalter habe die harten Fakten auf dem Tisch - sämtliche Einnahmen und Ausgaben gehen durch seinen Computer. «Die Belege werden dann nach Vorgaben aufbereitet, so dass andere Mitarbeiter eines Unternehmens - etwa die Controller - mit diesen Zahlen arbeiten können», sagt er. Für Buchhalter gibt es keine geregelte Ausbildung. «Es gibt lediglich Ausbildungsberufe, die Buchhaltung beinhalten - dazu gehören Büro-, Industrie- oder Groß- und Außenhandelskaufleute», sagt Ramann. Innerhalb dieser Ausbildungen können sich Lernende allerdings zu Buchhaltern spezialisieren und zum Bilanzbuchhalter weiterbilden. «Das ist eine IHK-Fortbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetztes», sagt Ramann. Die spezialisierten Buchhalter sind besonders in großen Unternehmen gefragt. «In einem kleinen Handwerksbetrieb hingegen gibt es meist nur einen Bürokaufmann, der für alles zuständig ist - auch für die Finanzbuchhaltung», sagt Ramann. Buchhalter müssen sich ständig weiterbilden. Beraten dürfen sie nicht, das ist der grundlegende Unterschied zum Steuerberater. «Die Summe ihrer Qualifikationen befähigt Bilanzbuchhalter für verantwortungsvolle Aufgaben», sagt », sagt Heike Kreten-Lenz, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) in Bonn. Und sie werden gebraucht - in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher Verflechtungen besonders auf internationale Ebene. Für Bilanzbuchhalterin Ursula Carl, Abteilungsleiterin im Finanz- und Rechnungswesen bei der Real SB-Warenhaus GmbH, macht die Mischung den Reiz an ihrem Beruf aus: «Bilanzbuchhalter vermitteln Mitarbeitern die Herausforderungen des Rechnungswesens», sagt sie. Buchhalter kommen an vielen Orten zum Einsatz: «Neben den Abteilungen in großen Unternehmen arbeiten sie in Steuerkanzleien oder selbstständig», sagt Ramann. Sie haben immer die Liquidität des Unternehmens im Blick und können Entwicklungen vorausplanen. «Bilanzbuchhalter besetzen wichtige Positionen, die maßgeblich zu einer erfolgreichen Unternehmensführung beitragen», sagt Kreten-Lenz. Durch ihre breite Qualifikation haben Bilanzbuchhalter Aussicht auf gute Bezahlung. Durchschnittlich beträgt das Einkommen nach Erhebungen des BVBC rund 52 000 Euro jährlich. Von den rund 100 000 Bilanzbuchhaltern in Deutschland ist nach Verbandsangaben etwa jeder vierte selbstständig tätig - und das nach Ramanns Worten nicht unbedingt aus der Not heraus. Informationen: Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller, Am Propsthof 15-17, 53121 Bonn. Infos zu Bilanzbuchhaltern und Controllern: www.bvbc.de (dpa/tmn)
Buchhändler
Viel steiler hätte Sören Fischers Karriere als Buchhändler kaum verlaufen können. Vor wenigen Monaten war der 26-Jährige noch Auszubildender bei der Buchhandelskette Thalia in Hamburg, kurz danach Filialleiter. «Eine tolle Erfahrung», sagt Fischer, auch weil ganz neue Aufgaben auf ihn zukamen: «Kosten wollen berechnet, Personal soll geführt werden.» Allerdings hat Fischer keine gewöhnliche Buchhandlung geleitet. In Hamburg-Harburg übernahm er zusammen mit zehn anderen jungen Männern und Frauen eine Filiale, in der die Auszubildenden eigenverantwortlich zu entscheiden hatten. «Natürlich gibt es das eine oder andere Muss», sagt Fischer. «Keine Buchhandlung kann es sich leisten, oft gefragte Bestseller nicht im Regal stehen zu haben. Auch viele Klassiker dürfen auf keinen Fall fehlen.» Man müsse, sagt Fischer, nicht nur das Lesen lieben, sondern auch das Verkaufen. So sieht es auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt: Gefragt seien kaufmännisches Geschick und kommunikative Fähigkeiten. Jedes Jahr kommen 60 000 bis 70 000 neue Bücher auf den Markt. «Natürlich sollte ein Buchhändler auch das eine oder andere Werk selbst gelesen haben», sagt Petra Weihermüller-Klass, die bei Thalia in Hamburg für die Auszubildenden zuständig ist. «Aber vor allem benötigt er ein breites Allgemeinwissen, um den Überblick bewahren zu können.» Bundesweit gibt es rund 2700 Ausbildungsplätze. Die Vergütung ist regional verschieden. In Bayern beispielsweise werden monatlich 667 Euro im ersten und 787 Euro im dritten Lehrjahr gezahlt. Danach liegt das Einstiegsgehalt bei 1647 Euro. Auf dem Papier genügt ein Hauptschulabschluss. Oft können sich aber nur Realschüler und Abiturienten echte Hoffnungen machen. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Die Ausbildung in kleineren, unabhängigen Fachbuchhandlungen ist im Prinzip vergleichbar. Mitunter werden aber andere Schwerpunkte gesetzt. «Jeder Mitarbeiter betreut hier sein eigenes Fachgebiet», sagt Michael Menard von der Heine-Buchhandlung im Hamburger Univiertel. «Da muss er selbstverständlich über das nötige Wissen verfügen.» Zwar werden Fachbücher auch von den Buchhandelsketten verkauft. «Aber dort bekommen Sie nur die wenigen Titel, die oft nachgefragt werden», sagt Menard. «Von uns wird erwartet, dass wir das Fachgebiet in seiner gesamten Breite anbieten.» Sören Fischer ist inzwischen kein Filialleiter mehr. Das Pilotprojekt war nur auf drei Monate angelegt. «Das war eine tolle Zeit, in der wir viel gelernt haben», sagt Sören Fischer. Die meisten Azubis gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: «Wir freuen uns darauf, dass wir unsere Erfahrungen jetzt anderswo anwenden können», sagt Fischer, «und mal wieder etwas pünktlicher in den Feierabend gehen.»
Bühnenbildner
Vorhang auf! Der schwere Samt gleitet zur Seite und gibt den Blick auf die Bühne frei. Und was fällt einem als Erstes ins Auge? Nicht selten: das Bühnenbild. Dessen Macher spielen im Theater eine wichtige Rolle. Auch wenn sie nur im Hintergrund werkeln. Querdenker, Dickschädel, Besessene - im Studiengang "Bühnen- und Kostümbild" der staatlichen Kunsthochschule in Stuttgart sind Obsessionen willkommen. "Man muss eine Not haben, brennen für seine Sache", sagt Prof. Martin Zehetgruber, der das Fach unterrichtet. Bis zu 50 Bewerber stehen in Stuttgart jedes Jahr in dem Fach Schlange. Nur zehn Prozent werden genommen. Sie haben vorher eine Mappe eingereicht und die zweitägige Aufnahmeprüfung überstanden. "Stellen Sie mit Hilfe eines Kubus Schwindelgefühle dar", könnte eine Aufgabe darin lauten. Es geht darum, Begriffe ins Bildhafte zu übersetzen und dreidimensionales Vorstellungsvermögen zu beweisen. Allgemeines Interesse für Musik, Malerei und Literatur reicht nicht aus: "Das ist kein Freizeitstudium", betont Zehetgruber. "Wer eine Art Höhere-Töchter-Studium sucht, wird hier unglücklich." Katharina Schlipf ist glücklich. Die 27-Jährige hat ihr Diplom als Bühnen- und Kostümbildnerin in der Tasche. Und ihre Abschlussarbeit feierte Premiere: Georg Büchners Drama "Dantons Tod". Schlipf war dabei verantwortlich für Bühnenbild, Licht, Kostümbild, Requisite und Öffentlichkeitsarbeit. "Das ist meine erste eigene Bühnenbildproduktion", sagt sie stolz. Im Studium hat Schlipf an Modellen gearbeitet, "Tischarbeiten" genannt. Das sind maßstabsgetreue Bühnenbildentwürfe. "Ich kann auch sägen und flexen", erklärt Schlipf. In der Praxis müsse sie zwar nicht selbst bauen, aber davon etwas verstehen. Wenn es in den Werkstätten mal heißt "Diese Idee kann man nicht umsetzen", kann sie kontern: "Doch, das geht, ich habe das schon gemacht." Die Mischung aus Kunst, Handwerk und Technik macht den Beruf aus. Das macht die Tätigkeit besonders vielseitig, wie der Deutsche Bühnenverein in Köln erläutert. Die Arbeit steht ganz am Anfang jeder Inszenierung. Nach einer Textanalyse und einigen Recherchen erstellt der Bühnenbildner erste Entwürfe. Das ist der Moment, wo Katharina Schlipf "wie besessen ist", wie sie erzählt. Sie vertieft sich in Sekundärliteratur, wälzt stundenlang Bildbände und spürt der Geschichte nach. Und irgendwann entsteht aus Shakespeares 1611 uraufgeführten "Sturm" und einem Fotoband nächtlicher Langzeitbelichtungen von touristischen Ballungszentren auf Gran Canaria eine Bühnenbildidee: In der Mitte ein Swimmingpool, von Balkonen eingeschlossen, wo der Luftgeist Ariel dem Zauberer Prospero zu Diensten ist. Dabei ist das Theater nur der klassische Abnehmer für Bühnenbildner. Sie werden auch für Installationen, Ausstellungen oder Filmsettings ausgebildet, erklärt Evi Bauer von der Akademie der Bildenden Künste in München. Daher stehe nicht nur Theatertechnik und -geschichte auf dem Lehrplan, sondern auch technisches Zeichnen, Dramaturgie, Trickfilm und Video. Reich wird man dabei in der Regel nicht. "Bühnenbildner ist ein künstlerischer Beruf, es geht in erster Linie um die Sache und in zweiter Linie um das Geld", betont Bauer. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg kann die tarifliche Mindestgage bei einem festen Engagement 1600 Euro im Monat betragen. Darüber hinausgehende Gagen müssten frei ausgehandelt werden. Den einen Ausbildungsweg zum Bühnenbildner gibt es nicht. Der Deutsche Bühnenverein empfiehlt aber ein in der Regel fünfjähriges Studium an einer Kunsthochschule. Dabei handelt es sich meist nach wie vor um Diplomstudiengänge. Lediglich an der TU Berlin wird ein Master "Bühnenbild szenischer Raum" angeboten. Nach der Ausbildung arbeiten Bühnenbildner oft freiberuflich. Feste Anstellungen als Ausstattungsleiter an großen Bühnen sind die Ausnahme. (dpa/tmn)
Busfahrer
Michael Liebetrut hat zunächst eine Ausbildung zum Kraftfahrmechaniker gemacht und dann den Busführerschein. Anschließend steuerte er Reisebusse quer durch Europa - und befördert jetzt die Fußballprofis des 1. FC Köln. Liebetrut ist der Fahrer des Mannschaftsbusses beim frisch aufgestiegenen Erstligisten. Damit trägt er eine hohe Verantwortung: «Die Jungs müssen 75 Minuten vor Anpfiff im Stadion eintreffen, sonst kommt die ganze Vorbereitung durcheinander.» Für viele Busfahrer ist der Beruf nicht ganz so aufregend - aber noch immer sehr abwechslungsreich. «Unsere Mitarbeiter ziehen es vor, nicht jeden Tag die gleiche Strecke zu fahren», sagt Peter Stimming, stellvertretender Betriebsleiter von Bayern Express in Berlin. Das Unternehmen fährt im städtischen und im europaweiten Linienverkehr. Zusätzlich werden Busse für Reisegruppen angeboten. Für viele Fahrer bietet sich so eine gute Mischung: Sie schätzen es, immer wieder Stadtfahrten zu übernehmen, freuen sich dann aber auch auf längere Touren. Die Entlohnung von Busfahrern ist sehr unterschiedlich. Der zwischen der Gewerkschaft ver.di und dem Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen abgeschlossene Tarifvertrag beispielsweise sieht Stundenlöhne von 10 bis 10,53 Euro vor. Dazu kommen verschiedene Zulagen etwa für Schichtarbeit. Für eine Anstellung ist eine mehrjährige Ausbildung zum Beispiel als Berufskraftfahrer oder Fachkraft im Fahrbetrieb nicht zwingend. Grundsätzlich genügt der «Busführerschein», also Klasse D. Darüber hinaus erwartet Bayern Express aber noch mehr: «Die Leute müssen nicht nur große Fahrzeuge sicher bewegen können, sondern sollen ja auch mit den Fahrgästen umgehen», erklärt Stimming. Andy Schiller hat seinen Busführerschein bei der Bundeswehr gemacht und anschließend eine Stelle bei Bayern Express angetreten. «Man muss in jedem Augenblick ruhig bleiben können», nennt er eine weitere Voraussetzung für den Beruf. Auch durch ungeduldige Passagiere dürfe er sich nicht zum schnelleren Fahren verleiten lassen. Obwohl er seinen Beruf mag - bis zur Rente will er nicht mehr fahren. Langfristig möchte er lieber im Büro arbeiten, wo Strecken und Einsätze geplant werden. «Aber dafür muss ich mich dann schon noch fortbilden», sagt Schiller. In Frage kommt etwa eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb. Seit Herbst 2002 wird dieser Ausbildungsberuf angeboten. Drei Jahre lang werden junge Menschen nicht nur auf das Führen ihres Fahrzeugs vorbereitet, sondern zum Beispiel auch in Fächern wie Verkehrsmarkt, Planung, Werbung oder Beschwerdemanagement unterrichtet. So werden Fachkräfte im Fahrbetrieb breiter qualifiziert und können auch an anderen Stellen in den Verkehrsunternehmen eingesetzt werden. Die Üstra, die in Hannover Stadtbusse und -bahnen betreibt, bildet ab Herbst 2005 erstmalig zur Fachkraft im Fahrbetrieb aus. Das Angebot richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. Erwartet wird von den künftigen Azubis teamfähig, verantwortungsbewusst und zuverlässig zu sein und möglichst die Realschule erfolgreich abgeschlossen zu haben. Wer sich bewerben möchte, muss sich allerdings bis zum kommenden Jahr gedulden. Die Stellen für 2005 sind schon besetzt. |
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