Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Chauffeur
Wenn Minister, Konzernchefs oder Topmanager auf der Rückbank sitzen, wird von ihnen viel mehr verlangt, als nur eine gepanzerte Limousine zu steuern: Sie sind Allround-Talente, für die Routenplanung ebenso verantwortlich wie für das Einhalten der Termine. Ein eigener Ausbildungsberuf für Chauffeure fehlt bislang. Die Möglichkeit, sich entsprechend weiterzubilden, gibt es aber beispielsweise an der Chef-Fahrer-Akademie (CFA) in Karlsruhe. "95 Prozent unserer Teilnehmer arbeiten bereits als Fahrer in Behörden oder großen Unternehmen", sagt Walter Lutz, der selbst an der CFA unterrichtet. Die Fortbildung besteht aus Tagesseminaren mit verschiedenen Schwerpunkten, darunter auch Stil und Etikette: "Korrekter Umgang mit dem Chef, Sprache und gepflegtes Auftreten sind in dem Beruf einfach wichtig", sagt Lutz. Dass Chauffeure zuvor Kraftfahrer oder Kfz-Mechaniker waren, sei gar nicht so selten. "Aber der berufliche Hintergrund kann so bunt sein wie das Leben." Manfred Miller beispielsweise steuerte ursprünglich einen Müllwagen. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel fragte ihn eines Tages, ob er nicht sein Fahrer werden wolle. Miller sagte zu und ist heute, 15 Jahre später, immer noch Chef-Fahrer. Allerdings heißt der OB inzwischen Wolfgang Schuster. Wieviele hauptberufliche Fahrer es bundesweit gibt, ist statistisch nicht erfasst. "Zwischen 10 000 und 50 000", schätzt Lutz. Als Gehalt seien 2000 bis 3000 Euro brutto realistisch. In der Regel chauffieren Chef-Fahrer den Geschäftsführer oder den Unternehmensvorstand, häufig auch mehrere Vorstandsmitglieder. "Nur Fahren reicht nicht", sagt der Seminarleiter. "Der Service fängt davor an und geht danach weiter." Dazu gehört, frühzeitig zu wissen, wo genau es hingehen soll und eventuell auch das Gepäck ins Hotel zu bringen. Gefragt sind Persönlichkeiten mit Übersicht und ohne Angst vor großen Tieren: Ob Firmenchef oder Ministerpräsident -Chef-Fahrer müssen einen Draht zu ihrem Fahrgast finden. "Mancher Chef verbringt mit seinem Fahrer mehr Zeit als mit seiner Frau", sagt Lutz. Der Mann am Steuer sollte deshalb wissen, welche Zeitung er morgens und welche Getränke er für zwischendurch besorgen muss - und welche Musik gefragt ist. Fahrer, die schon Erfahrung im Steuern von gepanzerten Limousinen haben, sich in puncto Sicherheit aber noch weiterbilden wollen, können das beim Fahrsicherheitszentrum des ADAC in Augsburg. Dabei geht es durchaus nicht nur um Fahrer von Regierungsmitgliedern. "In der Regel sind das Chauffeure von Vorständen aus Banken und Versicherungen", sagt Fridtjof Atterdal, Sprecher der Fahrsicherheitszentren Südbayern. Die Chauffeure erwerben mit dem Sicherheitstraining eine Zusatzqualifikation. Dabei wird unter anderem die sichere Beherrschung des Fahrzeugs in Extremsituationen geübt, beispielsweise schnelles Wenden und punktgenaues Bremsen. All das sind Vorbereitungen für den Fall der Fälle. Doch wenn der Chauffeur seinen Wagen in Extremsituationen perfekt beherrscht, ist spontanes Bremsen auch im Berufsverkehr kein Thema - und der Chef im Fond kann ungestört seine Zeitung lesen. Internet: www.cheffahrer-akademie.de
Chemielaborant
Stundenlang allein über das Mikroskop gebeugt und nächtelang über Tabellen und Analysen: Das kann nur ein Chemielaborant sein. Doch das Klischee vom Eigenbrötler ist falsch. Abwechslung, Spaß, Herausforderung und Verantwortung sind nur einige der Schlagworte, die fallen, wenn Chemielaboranten ihre Arbeit beschreiben. Bundesweit absolvieren rund 5900 junge Frauen und Männer eine entsprechende Ausbildung. Die Theorie lernen sie in der Berufsschule, die Praxis in einem der 1180 Betriebe. Mathematische Schwächen oder mangelnde Fähigkeiten im Umgang mit Laborgeräten fallen schnell unangenehm auf. Dabei haben diese Defizite nichts mit fehlender Intelligenz oder mangelnder Bereitschaft zu tun. «Aber wenn man manche Dinge noch nicht so oft gemacht oder nur wenig Erfahrung hat, kann man damit schon mal Probleme bekommen», sagt Margret Reymers vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Manche Firmen bieten deshalb während der Ausbildung Kurse an, in denen ihre Lehrlinge solche Defizite ausbügeln können. So etwas gibt es bei Boehringer Ingelheim zwar nicht, dafür kooperiert das pharmazeutische Unternehmen mit der Fachhochschule Bingen. Dadurch wird ausgebildeten Chemielaboranten die Möglichkeit eines vierjährigen, berufsbegleitenden Studiums geboten. Auch Volker Brenk hat dieses Studium nach seiner Ausbildung in Angriff genommen, bis zum Bachelor of Science. Für ihn ist sein Beruf «spannend und vielseitig» - und vor allem sei man sehr flexibel: «Man kann sich jederzeit wieder entscheiden, ob man nun in der Forschung oder in der Analytik arbeiten möchte.» Er selbst arbeitet seit dem Abschluss des Studiums in der Verfahrensentwicklung. Bevor es ins Labor und an den Arbeitsplatz geht, ist zunächst eine dreieinhalbjährige Ausbildung Pflicht. Optimalerweise geht ihr auch noch mindestens ein Praktikum in einem Betrieb voraus. «Nicht ganz ohne» seien die Inhalte, sagt Susanne Buse, Ausbilderin an der Ruhr-Universität Bochum. Schließlich kommt neben der - angenehmen - Praxis viel Theorie in Mathematik und Chemie hinzu. Das alles scheint die Schulabgänger nicht abzuschrecken - im Gegenteil: Durchschnittlich bewerben sich nach Susanne Buses Angaben pro Jahr rund 130 Interessenten für die zwei Ausbildungsplätze an der Uni. Möglicherweise motivieren dazu die Aussichten auf interessante Arbeitsmöglichkeiten und ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 2400 Euro im Monat. Erst einmal im Beruf, arbeiten Chemielaboranten in Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionslaboratorien der Industrie, an Hochschulen oder in chemischen Forschungsstätten. Dabei nehmen sie eigenständig Analysen und Qualitätskontrollen vor, planen Versuchsabläufe, stellen Präparate her, entwickeln gemeinsam mit Naturwissenschaftlern Analyseverfahren oder werten Mess- und Untersuchungsdaten aus. Wer das erste halbe Jahr der Ausbildung hinter sich gebracht hat, bleibe in der Regel dabei, betont Buse. Der Schulabschluss ist nicht alles Bei der Bewerbung um eine Lehrstelle als Chemielaborant sind Zeugnisse nicht alles: «Die Hälfte aller Auszubildenden sind Realschüler, die andere Hälfte Gymnasiasten», sagt Margret Reymers vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Ob ein Azubi einen guten Schulabschluss oder sogar die Fachhochschulreife vorweisen kann, sei aber nicht entscheidend. Im Gegenteil: «Wenn ein Chemielaborant-Bewerber gute Noten hat, wähnt er sich oftmals auf der sicheren Seite und merkt dann in der Ausbildung oft recht schnell, dass da doch einige Defizite vorhanden sein können.» Informationen:
Ruhr-Universität Bochum, Informationen im Internet:
Chemikant
Farben, Kosmetika oder Waschmittel -Chemikanten sind an der Herstellung unzähliger Produkte beteiligt. Denn sie fertigen chemische Erzeugnisse aus Rohstoffen und bedienen die hierfür erforderlichen, computergestützten Maschinen und Anlagen. "Der Chemikant ist der Facharbeiter in der chemischen Industrie schlechthin", sagt Hans-Günter Glass, Geschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie in Wiesbaden. "Überall, wo Stoffe umgewandelt oder als Endprodukt verarbeitet werden, da sind Chemikanten am Werk." Chemikanten arbeiten nicht nur bei Chemieunternehmen, sondern auch in der Ernährungs- und der Mineralölindustrie. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn überwachen, steuern und dokumentieren Chemikanten Produktionsabläufe und Verarbeitungsprozesse. Sie wiegen beispielsweise Rohstoffe ab, füllen sie in große Behälter, nehmen Messungen vor, ziehen Proben und analysieren diese selbst. "Auch leichte Störungen an den Anlagen sollte ein Chemikant selbst beheben oder den Fehler erkennen können", sagt Glass. Alles müsse reibungslos klappen, erklärt er. Deshalb sei Kontrolle so wichtig: Stimmt die eingestellte Temperatur? Zu welchem Zeitpunkt ist der nächste Rohstoff beizufügen? Chemikanten müssen alle Abläufe überblicken, um notfalls in den laufenden Produktionsprozess einzugreifen und die Einstellungen von Maschinen zu ändern. "Das ist ein sehr verantwortungsvoller Job", sagt Michael Assenmacher, Teamleiter der industriellen Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Köln. "Denn es geht für die Unternehmen oft um viel Geld." Ein falscher Knopfdruck an den teuren, komplexen Produktionsanlagen könne schwere Folgen haben, Vorgaben seien deshalb genau zu beachten. Damit für Auszubildende nichts schief gehen kann, trainieren Anfänger in großen Unternehmen ihre Einsätze an Übungsanlagen. "Es ist zudem eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit", erklärt Assenmacher. Denn die Arbeit eines Chemikanten sei von sehr unterschiedlichen Situationen geprägt: "Manchmal muss man stundenlang sehr konzentriert vor einem Mischer sitzen und im richtigen Moment handeln", erzählt er. Genauso sei es aber möglich, bei Wind und Wetter im Freien Anlagen kontrollieren zu müssen. "Das kann auch mit Schmutz verbunden sein." Beim Abmessen von Chemikalien oder beim Säubern von Anlagen können Chemikanten in Kontakt mit nicht immer unbedenklichen Stoffen kommen: Zur eigenen Sicherheit müssen sie deswegen in der Regel spezielle Kleidung wie Schutzbrillen, Helme, Handschuhe und Sicherheitsschuhe tragen. Wer Chemikant werden will, muss sich darauf einstellen, im Schichtdienst, auch nachts oder am Wochenende, arbeiten zu müssen. Offiziell gibt es keine Zugangsvoraussetzungen für den Beruf. Doch in der Praxis werden überwiegend Auszubildende mit Realschulabschluss eingestellt. Wer sich für eine solche Lehre interessiert, muss Spaß an Technik und Naturwissenschaft haben. "Er sollte nicht nur in Chemie gut sein, sondern auch in Mathematik und Physik", rät Assenmacher. Noch lockt der Beruf nur wenige Frauen an: Von derzeit rund 6000 Auszubildenden sind nur 750 weiblich. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Sie kann bei guten Leistungen verkürzt werden. Die Vergütung, die mit jedem Ausbildungsjahr steigt, schwankt abhängig vom Bundesland: Im ersten Jahr ist sie mit 643 Euro pro Jahr pro Monat in Baden-Württemberg am höchsten, am niedrigsten in den neuen Bundesländern mit 575 Euro monatlich. Nach der Lehre liegt der Verdienst als Facharbeiter bei rund 2000 Euro. Nach dem Abschluss gibt es gute Möglichkeiten zur Weiterbildung, etwa zum Chemietechniker oder zum Industriemeister Chemie. Wie viele Chemikanten gesucht werden, hängt in Deutschland stark von der jeweiligen Region ab. Glass aber ist überzeugt: "Insgesamt sind die Zukunftschancen in diesem Beruf recht positiv." Internet: Bundesinstitut für Berufsbildung: www.bibb.de Bundesarbeitgeberverband Chemie:www.bavc.de Liste von Ausbildungsbetrieben:www.chemie4you.de
Chirurgiemechaniker
Einst genügten dem Chirurgen einfache Werkzeuge wie Skalpelle und Zangen. Mit dem Fortschritt der Medizin kommen heute Präzisionsinstrumente zum Einsatz, die unter den Händen von Chirurgiemechanikern entstehen. Es ist ein anspruchsvoller Beruf, wie schon die Ausbildungszeit von dreieinhalb Jahren zeigt. «Die rasante Entwicklung besonders in der Elektronik erfordert eine fortlaufende Spezialisierung», sagt Rudolf Lehner von der Handwerkskammer München. Wer die Ausbildung anstrebt, braucht keine medizinischen Kenntnisse, dafür aber einen sehr guten Schulabschluss, vorzugsweise die Mittlere Reife. «Und eine Kernbereitschaft zu konsequentem Lernen», hebt Jörg Holweg hervor. Er ist Lehrlingswart der Innung in Tuttlingen und zugleich Inhaber eines Betriebes, der sich auf chirurgische Pinzetten spezialisiert hat. Die Neigung zu ausdauernder handwerklicher Präzisionsarbeit muss vorhanden sein, ehe man sich für diesen Beruf entscheidet. Dazu kommen gutes räumliches Vorstellungsvermögen zum Lesen von Konstruktionsplänen und eine gute Auge-Hand-Koordination beim Zusammensetzen der Werkstücke. Schon bei der Planung der Lehre sollten junge Leute neben den Inhalten und Anforderungen auf mögliche Weiterbeschäftigung achten, rät Lehner. Zentrum dieser Branche und Sitz der bedeutenden, weit über die Grenzen Deutschland renommierten Betriebe ist der Raum Tuttlingen. Hier arbeiteten schon um 1850 «chirurgische Instrumentenmacher», heute ist ein Betrieb weltbekannt für seine hoch entwickelten Endoskope, jene Instrumente, die den Medizinern den Blick in den Körper ermöglichen. Die Ausbildung für den Beruf erfolgt im dualen System - in Betrieben und in einer Schule. Die einzige derartige Berufsschule in Deutschland befindet sich in Tuttlingen. «Hier müssen auch alle Prüfungen abgelegt werden», erklärt Kurt Scherfer, der Geschäftsführer der zentralen Innung Chirurgiemechanik. «Zusätzlich zum regelmäßigen Besuch wie bei allen Berufsschulen bieten wir auch einen Blockunterricht für auswärtige Schüler an», sagt Hartwig Hils, der stellvertretende Leiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule. «Viermal jährlich sind das drei Wochen in einem Stück. Die Schüler werden in einem Heim untergebracht.» Das Bearbeiten von Metallen, der Umgang mit Maschinen, Werkstoffkunde, Lesen technischer Unterlagen, Elektronik und Optik sind nur einige Punkte, die auf dem umfangreichen Lehrplan stehen. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet die Zwischenprüfung statt. Nach 42 Monaten Lehrzeit folgt die Gesellenprüfung. Scherfer und Hils beurteilen die Berufsaussichten als «sehr gut». Die Vergütung während der Ausbildungszeit liegt tariflich zwischen 699 Euro im ersten Jahr und am Schluss 864 Euro. «Nach der Gesellenprüfung kann mit mindestens 1855 Euro gerechnet werden», sagt Scherfer. |
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