Ausbildungsberufe von A bis Z

Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.

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Dachdecker

Der Weg nach oben gehört beim Dachdecker zum Berufsalltag. In seiner Arbeit ist viel handwerkliches Können gefragt. Und die Zukunftsaussichten sind laut Kennern der Branche sehr gut.


«Ein Dach braucht man immer», bringt es Ulrike Heuberger, Sprecherin des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckergewerbes in Köln, auf den Punkt. Der Dachdecker muss von Berufs wegen zwar hoch hinaus, doch gelegentlich beginnt seine Arbeit im Keller: Zu seinen Aufgaben gehört auch das Abdichten von Wänden gegen Feuchtigkeit und Grundwasser.


Im Tunnelbau ist sein Können ebenfalls gefragt - hier sorgt er dafür, dass Nässe nicht Stromleitungen und Verkehrsanlagen beschädigt. Dachdecker sind auch für den Einbau von äußeren Blitzschutzanlagen, Solarsystemen und Dachfenstern zuständig - und für Arbeiten auf Türmen, auf die auch Kreuze oder Wetterfahnen zu setzen sind.


Auf diesen Baustellen trifft man die Handwerker der Fachrichtung Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, die den größten Teil der Dachdecker stellen. «Doch es gibt noch einen weiteren Ausbildungsweg, den zum Reetdachdecker, mit einem eigenen Berufschulzweig», sagt Klaus Heidenstedt, Inhaber eines Meisterbetriebes in Schneverdingen in der Lüneburger Heide. Heidenstedt schätzt die Zahl der Reetdachdeckerbetriebe auf ungefähr 150. Insgesamt sind in Deutschland fast 9600 Dachdeckerbetriebe in der Handwerksrolle eingetragen.


Beschäftigt sind bei den Dachdeckerbetrieben laut Ulrike Heuberger mehr als 90 000 Arbeitnehmer. «Anfang 2004 waren 7770 Auszubildende registriert.» Die verschiedenen Tätigkeiten erfordern eine umfangreiche und solide Ausbildung. Für ein Lehrverhältnis wird in der Regel der Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife verlangt. Gelernt wird drei Jahre in Betrieben und Berufsschulen.


Die Ausbildungsvergütung beginnt nach Angaben der Handwerkskammer Hamburg vom 1. August dieses Jahres an bei 539 Euro im ersten Lehrjahr und steigt dann über 733 Euro auf 875 Euro im dritten Jahr. Azubis unter 18 Jahren erhalten geringere Beträge. Der Bundesecklohn für Gesellen beträgt laut Dachdeckerverband 14,70 Euro je Stunde.


Bernd Schürger, Dachdeckermeister und Inhaber eines Betriebes in Wegberg bei Mönchengladbach, bezeichnet die Berufsaussichten für Einsteiger als sehr gut. «Mittlere Reife, gute Auffassungsgabe, ordnungsliebend, vielseitig interessiert, wetterunempfindlich und sportlich» nennt er als Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz. «Aber man muss sich natürlich den Kandidaten ansehen.»


Inge Peter, die mit ihrem Mann in Bielefeld einen Betrieb führt, verlangt vor einem Lehrvertrag ein Praktikum: «Es hat sich bewährt, wenn die angehenden Dachdecker mit auf die Baustelle kommen und an Ort und Stelle sehen, welche Anforderungen der Beruf an sie stellen wird.»


Die Krise in der deutschen Bauwirtschaft traf auch das Dachdeckerhandwerk. Doch Schürger gibt sich optimistisch. Ein Wegfall von Arbeitsplätzen durch weitere Rationalisierung scheint ihm nicht möglich: Viele Tätigkeiten seien schon so weit wie möglich durch Technik ersetzt worden. «Was das hoch entwickelte Bauwesen in Deutschland fordert, muss von Handwerkern erledigt werden.»
Diätassistent

Für Karina Pfadenhauer war ihr Weg klar vorgezeichnet. Sie kocht gerne, sie isst gerne, sie interessiert sich für Nahrungsmittel, sie hat gerne viel Verantwortung - und vor allem möchte sie mit ihrer Arbeit Menschen helfen, denen es nicht so gut geht. Also hat die 28-Jährige eine Ausbildung zur staatlich geprüften Diätassistentin gemacht und vor knapp fünf Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Heute betreut sie Menschen mit krankheitsbedingten Ernährungsproblemen, aber auch Sportler, Kinder oder andere, die sich einfach gesünder und bewusster ernähren möchten.

Keines der vergangenen Jahre sei gleich gewesen, erzählt sie. "Dieser Beruf ist unglaublich vielseitig und spannend, man kann in den verschiedensten Bereichen arbeiten und lernt jeden Tag viel dazu." Mal arbeitete sie mit Kardiologen zusammen, mal mit Kindergärten und Schulen, teilweise berät sie Läufer, die sich auf einen Marathon vorbereiten möchten. Auch ein Einkaufstraining mit Patienten gehört zu ihrem Angebot. "Wir gehen dann gemeinsam in den Supermarkt und legen fest, was gut für den einzelnen ist und was nicht", erzählt sie.

Viele Patienten müssten erst noch lernen, dass eine Diätassistentin nicht nur dazu da ist, ihnen etwas zu verbieten, sondern im Gegenteil viele Nahrungsmittel empfehlen und wichtige Tipps geben kann, wie sich das Bewusstsein für den eigenen Körper erweitern lässt. "Leider schrecken viele schon zurück, wenn sie das Wörtchen Diät hören und lassen sich dann nur ungern auf meine Beratung ein." Zudem halte sich hartnäckig das Vorurteil, dass sie in ihrem Job doch nur an irgendeinem Krankenhaus-Herd steht.

Ein Ruf, mit dem viele von Pfadenhauers Kolleginnen zu kämpfen haben und der auch Marcel Reinhard nur allzu gut bekannt ist: "Diätassistenten werden leider oft auf die Küche reduziert", sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Diätassistenten (VDD) in Essen. Dass die dreijährige Ausbildung aber alles andere als banal, der Beruf selbst sehr anspruchsvoll ist und es vielseitige Einsatzmöglichkeiten gibt, wüssten nur die wenigsten. "Auch wenn der Beruf das Wort Assistent beinhaltet, geht es hier sehr wohl um eigenverantwortliches Arbeiten", betont Reinhard. Die Diätassistenten hätten - obwohl sie in Krankheitsfällen auf Zuweisung und Anordnung des Arztes handelten - hohe Kompetenz und großes Fachwissen.

Entsprechend umfassend ist auch die Ausbildung. Sie ist in 3050 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht sowie 1400 Stunden praktische Ausbildung gegliedert und enthält 19 verschiedene Themenkomplexe. Dazu gehören neben der Krankenhausbetriebslehre, Hygiene und Toxikologie etwa auch die Themen Biochemie der Ernährung, Lebensmittelkunde, Diätetik, Anatomie sowie Physiologie. Vor allem wegen der beiden letztgenannten ist für einen Ausbildungsaspiranten mindestens ein Realschulabschluss von Vorteil. Ein Hauptschulanschluss reicht theoretisch, Bedingung ist dann aber eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Rund 60 Schulen gibt es bundesweit, die pro Jahr rund 1000 - meist weibliche - Schüler zum Diätassistenten ausbilden. Eine davon ist die Diätschule an der Uniklinik Gießen/Marburg. Dort werden an beiden Standorten jährlich etwa 30 Schüler ausgebildet. Mangel an Bewerbern herrscht dort keiner - im Gegenteil: "Wir haben alle unsere Plätze vergeben und führen sogar Wartelisten", sagt Schulleiterin Gabriele Kortboyer.

Bestandteil der Ausbildung in Gießen sind auch Seminare zu den Themen Tod und Trauer - immerhin haben die Diätassistenten später häufig mit teilweise sehr kranken Patienten zu tun. Eine einzige Schülerin habe aus diesem Grund ihre Ausbildung abgebrochen, erzählt Gabriele Kortboyer. Der Umgang mit den Schwerstkranken habe sie zu sehr belastet. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, hat nach Kortboyers Ansicht gute Berufsaussichten. "Mit guten Noten und einer gewissen Flexibilität hat man nach spätestens einem halben Jahr einen Job in der Tasche."

Informationen:
Verband der Diätassistenten (VDD)
Susannastraße 13
45136 Essen
Internet: www.vdd.de

Diplom-Sportlehrer

Für viele junge Menschen ist Sportlehrer ein Traumberuf. Ihnen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, sagt Manfred Spangenberg, Leiter des Referats Bildung beim Deutschen Sportbund in Frankfurt.


«Das reicht vom Leistungssport bis zur Seniorenbetreuung.» An knapp 70 Standorten in Deutschland lassen sich Sportwissenschaften studieren.


«An zwei Drittel der Hochschulen gibt es Eignungsprüfungen», erklärt Frederik Borkenhagen, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS) in Hamburg. Acht bis zwölf verschiedene Sportarten gehörten zur Grundausbildung, hinzu kommen Vorlesungen in Pädagogik, Sportmedizin und Sportgeschichte. Vertiefen kann man sein Wissen in Gesundheitsmanagement, Prävention und Rehabilitation, Sport- und Bewegungspädagogik.


Größter Arbeitgeber für Sportlehrer sind die Schulen. Rund 130 000 Lehrer sind derzeit berechtigt, Sport zu unterrichten. «Die Sportlehrer sind im Durchschnitt um die 50 Jahre alt, da werden demnächst eine Menge pensioniert», sagt Mike Bunke, Vizepräsident Fachsport beim Deutschen Sportlehrerverband (DSLV) in Dannewerk (Schleswig-Holstein).


Typische Arbeitgeber für diplomierte Sportwissenschaftler sind aber auch Sportvereine, Fitnessstudios, Kliniken und Rehazentren. Während klassische Bereiche wie der Leistungssport an Beliebtheit verloren haben, interessierten sich immer mehr Studierende für Medien und Management, sagt Borkenhagen. «Die Diplom-Sportökonomie in Bayreuth ist derzeit einer der nachgefragtesten Sportstudiengänge in Deutschland. Die meisten Absolventen von dort kommen gut unter.»


Ähnliches gelte für Sportmanagement, das unter anderem in Köln, Potsdam und Tübingen angeboten wird. «Sportmanager werden gebraucht», sagt Bunke. Mit schnellem Reichtum sollten Absolventen der Sportwissenschaft aber erst einmal nicht rechnen. «Das Gehaltsniveau entspricht vor allem am Anfang oft nicht der Qualifikation», bremst Borkenhagen allzu euphorische Erwartungen. Auch bei den selbstständigen Sportlehrern sei die Konkurrenz groß. Wer von vornherein auf eigenen Füßen stehen möchte, sollte an der TU München studieren: «Das ist die einzige Uni bundesweit, die Sportwissenschaften im Freien Beruf als Studiengang bietet», erläutert Bunke.


Dem Statistischem Bundesamt zufolge studierten im Wintersemester 2002/03 fast 15 000 junge Menschen Sport auf Diplom. Insgesamt wählten mehr als 27 000 junge Menschen Sport als erstes Fach, teilweise auch als Magister-, Bachelor- und Masterstudiengang. Experten der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn rechnen mit einer stagnierenden bis rückläufigen Entwicklung der Branche.


Eine Ursache des Stellenschwunds ist den ZAV-Experten zufolge, dass sich viele Vereine keine große Auswahl an Kursen mehr leisten können. Chancen werde es aber immer geben, macht Spangenberg Unschlüssigen Mut. Vor allem im Bereich Prävention seien positive Entwicklungen zu erwarten.
Discjockey

"God is a DJ" hat die Gruppe Faithless einmal getitelt. Umgekehrt wird auch der DJ bisweilen vergöttert. Er ist der Mann, der die Menge zum Rasen bringt. Nur wenige Karrieren erscheinen Jugendlichen aufregender als die eines Discjockeys.

Stars aus Deutschland wie DJ Hell, Sven Väth und Paul van Dyk haben es zu Geld und Weltruhm gebracht. Sie legen in Clubs in New York, Tokyo und Barcelona auf. Das Fußvolk des Berufsstands beschallt eher Hallenfeste, Dorfdiskos und kleine Underground-Clubs.

Ein DJ sollte sich für musikalische Trends interessieren, Rhythmusgefühl und "einen gewissen Hang zum Exhibitionismus" mitbringen, sagt Dirk Duske, DJ und Buchautor aus Chemnitz. Entscheidend für den Erfolg sei aber, das Publikum "lesen" und Spaß transportieren zu können. Duske steht seit 25 Jahren hinter den Plattentellern. Mit 15 fing er an aufzulegen, kaufte nach dem Fall der Mauer neue West-Technik und tingelte durch die Clubs. Nach vier Jahren konnte er davon leben. Ein pauschales Erfolgsrezept gebe es aber nicht, sagt er, ebenso wenig wie eine geregelte Ausbildung.

In vielen Städten gibt es mittlerweile aber Schulen für Discjockeys. Allein die VibrA School of DJing ist an 25 Standorten in Deutschland vertreten. In München bringt Felix Gott alias DJ Stamina seinen Schülern die Grundlagen des DJing bei - etwa, wie man die Nadel des Plattenspielers richtig setzt. "Zu mir kommen zig Leute, die seit Jahren in Clubs auflegen und das falsch machen", sagt der DJ-Lehrer. Fortgeschrittene lernen Feinheiten wie das Scratching, also mit der Nadel rhythmisch auf der Platte zu kratzen.

Felix Gott ist Autodidakt. Wie bei jedem Instrument könne man sich auch am Plattenspieler alles selbst beibringen, sagt er. Nach einem halben Jahr seien manche seiner 15-jährigen Schüler, die viel Zeit zum Üben haben, auf dem gleichen Stand wie er nach acht Jahren.

Die wichtigste Lektion in Gotts Unterricht ist, den Aufbau der Musik zu verstehen, die Strukturen der Songs in verschiedenen Genres. "Das ist der Schlüssel für gute Übergänge." Lernen könne das jeder. "Prinzipiell braucht man kein Talent", sagt Gott. Aber wer schon mal ein Instrument gespielt hat, habe einen Vorteil.

In den einschlägigen Online-Foren sind die Meinungen gespalten, ob sich der Besuch einer DJ-Schule lohnt. Manche halten es für sinnvoll, um die Grundtechniken von Anfang an richtig zu lernen. Andere raten ab und empfehlen, das Geld lieber in gute Plattenspieler, Mischpulte und Platten zu stecken.

Zwischen 1000 und 2000 Euro müssten Anfänger für das Equipment ausgeben, erklärt Duske. Im Grunde bräuchten DJs heute aber nicht mehr als einen PC, eine solide Sammlung von MP3s und ein Abspieltool wie ein digitales Vinylsystem. Damit lassen sich Musikdateien durch die Bewegungen der Plattenteller steuern. Die Mixsoftware sei so einfach zu bedienen, dass fast jeder auflegen kann. Entsprechend viele tun das auch. Das führt zu einem Preisdumping, wie Duske in Berlin beobachtet hat. Dort verdingten sich DJs mittlerweile für 50 bis 80 Euro pro Nacht.

Es werde immer schwieriger, nur vom Auflegen zu leben, erzählt Duske. Die Besucherzahlen in Clubs seien seit Jahren rückläufig, viele blieben jetzt mittwochs und donnerstags geschlossen. Wie viele hauptberufliche DJs es in Deutschland gibt, vermag Lutz Scheffler vom Berufsverband Discjockey nicht zu sagen. "Aber ein paar Tausend werden es schon sein", schätzt er.

Zumindest ein bescheidenes Auskommen können sich angehende DJs aber noch verdienen. Im Schnitt erhalten sie 200 Euro pro Nacht. "Wenn man das dann pro Woche zweimal macht, reicht es", sagt Duske. Um oft gebucht zu werden, empfiehlt er Anfängern verschiedene Strategien: Für einen befreundeten DJ das "Warmup" machen, eigene Partys organisieren, bei Ausfällen von Club-Discjockeys - den "Resident-DJs" - einspringen oder an Wettbewerben teilnehmen. Felix Gott rät, anfangs "an jeder Ecke" aufzulegen, um Kontakte zu knüpfen und sich einen Namen zu machen.

Wer musikalisch aufgeschlossen ist, hat größere Chancen, gebucht zu werden. "Elektro-DJ wollen alle werden", sagt Duske. Allrounder würden seltener. Doch auch außerhalb von Clubs würden oft DJs gebraucht - etwa auf Messen, Firmenfeiern oder bei Modenschauen.

Und nicht zuletzt auf Hochzeiten. Technisches Können ist dort zweitrangig, gefragt sind die Qualitäten eines Entertainers: Er muss moderieren können und auf Musikwünsche der Gäste eingehen. Wer sich dazu nicht zu schade ist und eine eigene Soundanlage mitbringt, kann Duske zufolge pro Abend 800 bis 1000 Euro verdienen. Ist die Musik zu krachig, beschweren sich allerdings gerade ältere Gäste gerne mal, erzählt er.

Literatur: Duske, Dirk: Gut aufgelegt! Das Lehrbuch für den DJ, Wolf Verlag, 272 S., 27, 95 Euro, ISBN-13: 978-3-980-93032-1

Berufsverband Discjockey: www.bvd-ev.de (dpa/tmn)

Dolmetscher

Egal ob Kanzlerin Angela Merkel ausländische Regierungschefs trifft oder Daimler zu einer internationalen Konferenz einlädt: Damit das Gespräch nicht ins Stocken gerät, brauchen die Beteiligten professionelle Hilfe. Dolmetscher stehen zwar nie im Vordergrund, sind aber bei solchen Gelegenheiten unverzichtbar. "Brücken bauen" nennt die Konferenzdolmetscherin Claudia Krüger den Kern ihrer Arbeit. "Das hat mich schon immer interessiert. Und mit Hilfe von Sprachen gelingt mir das am leichtesten."

"Übersetzer übertragen Texte von einer Sprache in eine andere", erklärt Klaus Ziegler, "oft mit Hilfe des PC und nicht zeitgleich." Konferenzdolmetscher dagegen übersetzen das gesprochene Wort. "Es gibt zwar auch Konferenzdolmetscher, die Übersetzungen von Texten machen. Die Arbeitsfelder sind aber getrennt", sagt Ziegler, der als Dolmetscher arbeitet und im niedersächsischen Schneverdingen lebt.

Dolmetscher wiederum ist der Oberbegriff für verschiedene Varianten des Berufs: "Es gibt Gerichtsdolmetscher, Verhandlungsdolmetscher und eben Konferenzdolmetscher", erklärt Ziegler. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt - jeder, der sich das zutraut, darf seine Dienste anbieten. "Und es tummeln sich auch viele auf dem Markt, die nicht qualifiziert sind." Der klassische Weg für die professionelle Arbeit als Konferenzdolmetscher ist allerdings ein Dolmetscher-Studium.

Gedolmetscht wird entweder simultan - noch während der Redner spricht - oder konsekutiv. "Dabei werden einzelne Abschnitte des Redetextes zeitversetzt in die andere Sprache übertragen." Das dauert länger und ist heute eher die Ausnahme. "Das geht bei Ansprachen in kleinem Rahmen, aber nicht bei großen Konferenzen", sagt Ziegler. Voraussetzung sind in jedem Fall exzellente Sprachkenntnisse. "Konferenzdolmetscher sind oft zweisprachig aufgewachsen, jedenfalls müssen sie zwei Sprachen sehr gut beherrschen", sagt Ziegler, der in Venezuela groß geworden ist. "Man braucht zwei aktive Sprachen, das sind bei mir Deutsch und Spanisch, und eine dritte, aus der man ins Deutsche übersetzt."

Deutsch, Englisch und Polnisch sind die Konferenzsprachen von Claudia Krüger. "Ich arbeite viel für die EU, da geht ohne Englisch überhaupt nichts", sagt sie. "Und Polnisch ist von den neuen EU-Ländern die wichtigste." Auf die beiden Sprachen hat sich Krüger schon während des Studiums an der Humboldt-Universität in Berlin konzentriert. "In Polen war ich als Studentin für ein Auslandsjahr."

Entsprechende Studiengänge gibt es an einer Reihe von Universitäten wie in Mainz, Leipzig oder Saarbrücken. Zu den führenden gehört die Uni Heidelberg, wo das Dolmetscherstudium lange Tradition hat. Noch gibt es einen Diplomstudiengang, der aber keine neuen Studenten mehr aufnimmt. "Speziell für Konferenzdolmetscher haben wir einen Master-Studiengang eingeführt", sagt Claudia Huber vom Seminar für Übersetzen und Dolmetschen.

Voraussetzung für das Studium sind ein Bachelor-Abschluss etwa in Übersetzungswissenschaften und überdurchschnittliche Leistungen. Die sind bei Konferenzdolmetschern nichts Ungewöhnliches: Das Studium gilt als anspruchsvoll. "Das kann man nicht unbedingt lernen", sagt Huber. "Simultan-Dolmetschen ist auch eine Frage der Begabung."

Konferenztage in Brüssel sind lang: "Üblicherweise von 10.00 bis 18.30 Uhr", sagt Claudia Krüger. Aber wir sind immer mindestens zu zweit und wechseln uns dann nach 30 Minuten ab." Die Dolmetscher sitzen dabei in einer schalldichten Kabine, hören die Reden über Kopfhörer und sprechen die Übersetzung in ein Mikrofon, der die Konferenzteilnehmer dann wiederum über Kopfhörer lauschen.

Bei komplizierten Themen muss hochkonzentriert gearbeitet werden: "In Brüssel erfahren wir oft erst am Tag vorher, bei welcher Sitzung wir dolmetschen müssen." Für das Einarbeiten in die Themen bleibt dann nicht viel Zeit. Fehler beim Simultanübersetzen können schon einmal vorkommen. "Wir sind Menschen, keine Maschinen, und Sprache kann nun einmal auch mehrdeutig sein", sagt Claudia Krüger. "Aber es ist bei mir deswegen noch nie zu Verwicklungen gekommen."

Allzu bodenständig darf man für den Beruf nicht sein: "Ich bin immer unterwegs, in Brüssel, in Straßburg, in der Schweiz oder in Polen", erzählt die Dolmetscherin. Die Chance, viel von der Welt zu sehen, sei ein großer Vorzug ihres Jobs. "Ich bin aber nirgendwo lange." Das größte Privileg ist für Claudia Krüger ohnehin ein anderes: "Immer wieder in Themen reinzuriechen, auf die man sonst nie kommen würde und jeden Tag neue Leute zu treffen."

Informationen
Internationaler Verband der Konferenzdolmetscher
Internet: www.aiic.de
E-Mail: info@aiic.de

Drehbuchautor

Der Beruf des Drehbuchautors ist allerdings noch immer von Mythen umrankt: «Das kann man nicht lernen, das muss man können», lautet das Vorurteil Nummer Eins. Dem arbeiten Filmschulen und -hochschulen geduldig entgegen.


«Natürlich muss jeder Autor ein gewisses Talent mitbringen», sagt Karin Dehnbostel, Leiterin der Filmschule Hamburg Berlin. «Die kreative Idee zu einem Film ist die Voraussetzung. Aber was danach folgt, ist zu einem guten Anteil handwerkliche Arbeit. Wir vermitteln vielfach erprobte Methoden, mit deren Hilfe sich ein Stoff entwickeln lässt.»


«Man muss überhaupt keine Ausbildung absolvieren», sagt Birgit Johnson, Vizepräsidentin der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam (HFF). Drehbuchautor ist anders als Arzt, Bäcker oder Rechtsanwalt kein geschützter Beruf. Jedermann kann sich so nennen, und erfolgreiche Seiteneinsteiger sind keine Seltenheit. Dennoch hilft eine entsprechende Ausbildung, um sich gegen die harte Konkurrenz durchzusetzen. «Je nach den individuellen Voraussetzungen und Zielsetzungen empfehlen sich verschiedene Wege», sagt Johnson.


Die HFF in Potsdam bietet ein vierjähriges Vollstudium. Auf dem Lehrplan stehen neben Filmtheorie und -geschichte auch viele praktische Übungen. Das Durchschnittsalter der Studenten liegt bei 25 Jahren - so niedrig wie bei kaum einer anderen Drehbuchausbildung. Eine gewisse Schreib- und Lebenserfahrung ist Voraussetzung, um packende Geschichten erzählen zu können. «Ob Tagebücher, Kurzgeschichten oder Reportagen - die Bewerber sollten schon viel geschrieben haben», rät Birgit Johnson.


Das Aufbaustudium Drehbuch an der Hamburg Media School hat einen ähnlichen Anspruch wie die klassischen Filmhochschulen, richtet sich aber gezielt an Universitätsabsolventen. Die Ausbildung dauert nur zwei Jahre, ist jedoch straffer organisiert: Nebenjobs dürfen die angehenden Autoren nicht annehmen, und auch die Semesterferien fallen weg, erläutert Michael Flügger, Studienberater für den Bereich Film an der Hamburg Media School.


Für Menschen mit professioneller Schreiberfahrung, die Unterstützung bei der Entwicklung ihres ersten Drehbuchs suchen, empfiehlt sich unter anderem das Angebot der Filmschule Hamburg Berlin. Im Rahmen einer einjährigen Fortbildung wird Filmtheorie vermittelt und gleich auf die zu erarbeitenden Drehbücher angewendet.


Schon während der Ausbildung werden - wie auch an anderen Filmschulen und -hochschulen - Kontakte in die Branche geknüpft. Denn Festanstellungen für Drehbuchautoren sind selten. Umso wichtiger ist es, den Markt zu verstehen, auf dem sich jeder Stoff verkaufen muss. Selbst das beste Drehbuch landet im Papierkorb, wenn Fernsehsender und Filmproduktionsfirmen am Thema einfach nicht interessiert sind.
Drogist

Eben fragte eine Kundin noch nach einem Entferner für Rostflecken, da verlangt der nächste Käufer schon ein «ordentlich kräftiges Haargel». Drogisten müssen nicht nur wissen, wo was in den Regalreihen liegt, sondern auch entsprechend beraten.


Ständig ändert sich etwas im Angebot der Drogerien, es kommen neue Artikel hinzu. Außerdem sind die regelmäßig veröffentlichen Verordnungen zu beachten, die sich auf die Sicherheit der Waren beziehen. So dürfen beispielsweise von einem bestimmten Datum an gewisse Sprays nicht mehr verkauft werden, weil sie nicht den neuesten Vorschriften für Gefahrstoffe entsprechen. Der Drogist ist verantwortlich dafür, dass sie aus dem Sortiment verschwinden.


«Die Drogisten-Ausbildung hat einen großen Vorteil, es werden nämlich gleich zwei Berufe erlernt», erklärt Michael Bastian, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Drogisten (VDD) in Köln. «Zum einen erfolgt sie zum Kaufmann im Einzelhandel, zum anderen wird eine umfangreiche warenkundliche Fachausrichtung vermittelt. Diese Grundlage eröffnet sehr gute Chancen, in mehr als 160 Berufen tätig zu werden.»


«Zur speziellen Ausbildung des Drogistenberufs zählen unter anderem die Lehrgebiete Pflanzenschutz, Gefahrenstoffe und Arzneimittel, in denen Sachkundeprüfungen abzulegen sind», sagt Bastian. Gerade diese breite und anspruchsvolle Wissensvermittlung schätzt Katja Schmitt, zuständig für den Berufsnachwuchs bei der norddeutschen Drogeriemarktkette Budnikowsky: «Wir bekommen dadurch top qualifizierte Kräfte für die Arbeit und den Beratungsbedarf in unseren Filialen.» Mehr als 60 Azubis lernen derzeit bei dem Unternehmen aus Hamburg mit guten Aussichten auf eine Festanstellung.


Die Lehrzeit dauert drei Jahre und erfolgt in Betrieb und Berufsschule. «Wir verlangen als Schulabschluss die Mittlere Reife beziehungsweise das Abitur», sagt Schmitt. Martin Wedemann von der Industrie- und Handelskammer (HK) in Hamburg weiß aber auch von Drogisten, die mit sehr gutem Hauptschulabschluss bestanden haben.


Am Ende der 36 Monate steht die Prüfung vor der zuständigen Kammer. Für den Umgang mit Giften ist ein eigenes Examen abzulegen. Dann kann die Berufsbezeichnung Drogist oder Drogistin angenommen werden. «Frauen bilden bei den Auszubildenden heute mit 90 Prozent eindeutig den Schwerpunkt», sagt Bastian. «Vor 40 Jahren hielten sich männliche und weibliche Lehrlinge zahlenmäßig noch die Waage.»


«Schon bei einem ausgiebigem Besuch eines Fachgeschäfts kann man sich informieren, ob einem der Job liegen könnte», rät Wedemann allen Unentschlossenen. «Auch ein Praktikum ist durchaus zu empfehlen.»


Das Bild der Drogerien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verändert. Seit 1972 das erste solche Geschäft öffnete, begannen in den Städten die großen Drogeriemärkte mit ihrem Angebot von Haushaltswaren über Hygieneartikel und Kosmetikprodukte bis zu Reformwaren und frei verkäufliche Arzneien zu dominieren. In kleinen Städten und ländlichen Gegenden findet man noch eher die Drogerie herkömmlichen Stils, in der der Inhaber vielleicht auch Rattengift und Düngemittel verkauft, Filme entwickelt und Abzüge macht.


Wolfgang Winckler betreibt in Reinbek bei Hamburg solch eine Art «traditioneller Drogerie», wie er sie nennt. «Die Kunden schätzen die persönliche Beratung.» Aber auch er musste mit der Zeit gehen und sich spezialisieren. «Ich habe mich auf Raumausstattung verlegt. Ich führe Farben und Tapeten als Schwerpunkt neben den anderen Drogeriewaren.» Er weiß von Kollegen, die Reinigungsbenzin, Terpentin und Pflanzenschutzmittel ganz aus dem Sortiment genommen haben und ihr Geschäft zur Parfümerie umgewandelt haben.


Die Ausbildungsvielfalt des Drogisten lässt dies ohne weiteres zu. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 21 200 Drogerien und Parfümerien. Sie beschäftigen neben ausgebildeten Drogisten auch Verkaufspersonal mit anderen Laufbahnen. Die Bezahlung für den Berufseinsteiger orientiert sich an den Berufen des Einzelhandels.


Doch durch die fachliche Qualifikation ist bei Eignung der Aufstieg in führende Positionen wie Filialleiter oder eine weitergehende Spezialisierung mit entsprechenden Verdienstchancen möglich. Auch der Weg zum selbstständigen Unternehmer steht offen.

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