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Ausbildungsberufe von A bis Z

Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.

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Edelsteinschleifer

Recht unansehnlich sehen Edelsteine in ihrem Rohzustand aus, ehe Spezialisten ihnen das faszinierende Aussehen geben. Smaragde, Rubine, Aquamarine oder Turmaline werden unter ihren Händen zu begehrten Schmucksteinen.
Den traditionellen Beruf des Edelsteinschleifers gibt es in Deutschland auch heute noch. Offizielle Statistiken über die Zahl der Beschäftigten gibt es nicht. "Es ist auch eine Branche, die sich ungern in die Karten sehen lässt", sagt Jörg Lindemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Edelstein- und Diamantenindustrie in Idar-Oberstein.

Diese Diskretion verwundert nicht, denn es geht um Millionenwerte. Top-Qualitäten an Edelsteinen sind auf dem internationalen Markt sehr gefragt. Auch wenn es in Deutschland keine nennenswerten Vorkommen gibt, steht es auf der Lieferliste ganz oben. Die Stadt Idar-Oberstein im Hunsrück gilt als das bedeutendste Edelsteinzentrum Europas.

In den etwa 450 Betrieben arbeiten zwischen 2000 und 2500 Menschen. Die Bezeichnung "Idar-Oberstein-Schliff" (Idar-Oberstein-cut) gilt weltweit als Siegel für höchste Qualität. Lindemann bewertet die Chancen für Nachwuchskräfte in diesem Beruf als bestens: "Gute Leute werden immer gesucht." Als Voraussetzungen für eine Ausbildung nennt er neben einem guten Schulabschluss handwerkliches Geschick, Fingerfertigkeit, Formgefühl, Vorstellungsvermögen sowie Grundkenntnisse in Mathematik und Physik.

Thomas Wild, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Idar-Oberstein, weist auf einen besonderen Aspekt hin: "Man muss mit echtem Interesse an diesen Beruf herangehen und nicht nur irgendeine Ausbildung suchen. Denn jeder Stein ist anders." Die Branche sieht sich ihren Nachwuchs genau an, um die anerkannte Qualität der Schliffe garantieren zu können. "Die Massenproduktion im unteren Preissegment hat sich längst nach Asien verlagert", erklärt Lindemann. "Wir können da preislich nicht mithalten. Und außerdem brauchen wir Top-Leute."

"Die Ausbildung zum Edelsteinschleifer dauert drei Jahre", sagt Jörg Diester von der zuständigen Handwerkskammer in Koblenz. Im Kammerbereich zählt er derzeit zwei Lehrlinge. Auch bundesweit ist die Zahl gering. "Insgesamt neun Auszubildende" zählt Birgit Arndt von der Berufsberatung der Berliner Handwerksbetriebe. Die Ausbildung in diesem anspruchsvollen Beruf konzentriert sich auf Betriebe in Idar-Oberstein.

Die Aufstiegschancen beurteilt Thomas Wild als sehr gut, wenn jemand nicht seine weitere Tätigkeit ausschließlich am Schleifstein ausüben will. "Die Branche ist klein, aber international." Edelsteinschleifer mit entsprechender Erfahrung werden auch zu Messen geschickt oder sehen sich in den Fördergebieten für Edelsteine in Asien, Südamerika und Australien um.

Das setzt Sprachkenntnisse voraus: "Als Einkäufer für Rohmaterial, um die Schleifwürdigkeit und die Qualität eines Steines entsprechend zu beurteilen." Solch ein Fachmann erkennt schnell, dass es sich bei einem "Mexikanischen Diamanten" um Bergkristall handelt. Denn minderwertige Steine werden meist durch besondere Namen geadelt.

Während der Lehrzeit erfährt der angehende Edelsteinschleifer, dass auch die Qualität des Schliffs den Wert des Steines bestimmt und die Arbeit höchste Präzision erfordert. Es gibt verschiedene Formen für die Edelsteine als Schmuckstücke. Um diese zu erreichen, müssen sie entsprechend bearbeitet werden - beispielsweise im Brillant-, Scheren-, Treppen- oder Tafelschliff.

Auch das Gravieren und das Fertigen von Gemmen - vertieft oder erhaben geschnittene Figuren aus Edelsteinen - übernehmen Edelsteinschleifer. Für Diamantenschleifer gibt es eine eigene Schulung - diese Steine verlangen wegen ihrer Härte andere Techniken und hohe Sachkenntnis.

In Theorie und Praxis erfährt der Auszubildende das Prüfen von Edelsteinen, Anfertigen von Schnittentwürfen, Schleifen, Polieren und Bohren sowie Gravieren von Steinen sowie den Umgang mit modernster Technik. Dazu zählen auch optische Geräte zur Kontrolle des exakten Schliffs. Die Lehrzeit endet mit der Gesellenprüfung, danach steht der Weg zum Meister offen. Weitere Qualifizierungen in einer Fachschule und einer Fachhochschule in Idar-Oberstein sind möglich und empfehlenswert: In der Stadt lassen sich auch Kontakte zu Schleifbetrieben und Händlern knüpfen.

Während der Ausbildungszeit beträgt die Vergütung monatlich mindestens 650 Euro im ersten Jahr und steigt dann auf mindestens 750 Euro. Die Anfangslöhne liegen zwischen 1800 und 2100 Euro. "Gute Leute verdienen weit über dem Tarif", sagt Lindemann. "Denn der Beruf verlangt höchste Qualifikationen."
Einkäufer

Autobauer produzieren Mittelarmlehnen oder Sitzpolster nicht selbst. Sie kaufen diese Teile von Zulieferern. Weil es davon viele gibt, braucht der Autobauer dafür einen Experten in seinem Haus. Schließlich geht es oft um Millionen-Beträge. Damit kommt dem Einkäufer, den es in vielen Branchen gibt, große Verantwortung zu. "Zur Zeit mangelt es an Einkäufern", sagt Alexander Sehr vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) aus Frankfurt.

Einkaufen müssen die meisten Betriebe, unabhängig von der Unternehmensgröße, betont Jürgen Weuthen, Studienleiter am Standort Köln der Fachhochschule für Oekonomie & Management in Essen. Das betreffe sowohl den privatwirtschaftlichen Bereich als auch öffentlich-rechtliche Institutionen sowie Non-Profit-Organisationen. Je nachdem, wie groß ein Unternehmen ist, gibt es einzelne Stellen oder Abteilungen, die sich auf den Einkauf bestimmter Güter, zum Beispiel Laborgeräte, Maschinen und Anlagen, spezialisiert haben.

Um das bestmögliche Ergebnis für den eigenen Betrieb zu erzielen, muss der Einkäufer engen Kontakt zu Lieferanten pflegen. Daneben schaut er sich ständig nach anderen Lieferanten um. "Kontinuierlich vergleicht er die Qualität und die Preise seiner zu beschaffenden Sach- und Dienstleistungen und entwickelt Optimierungsvorschläge", sagt Weuthen.

"Um als Einkäufer zu arbeiten, ist eine kaufmännische Ausbildung und meist zusätzlich eine Fortbildung beziehungsweise ein Studium im kaufmännischen Bereich erforderlich", sagt Hannelore Paulini-Schlottau vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Dabei sollte die Ausbildung aber zu der Branche passen, in der man später arbeiten will.

Den Ausbildungsberuf "Einkäufer" gibt es allerdings nicht. Vielmehr sind die Inhalte "Einkauf und Beschaffung" Teile handelsspezifischer Ausbildungsgänge zum Beispiel beim Kaufmann im Einzelhandel oder im Groß- und Außenhandel. "Aufbauend auf die Ausbildung kann eine Fortbildung in einer Bildungseinrichtung absolviert werden", sagt Paulini-Schlottau. "In größeren Unternehmen ist fast immer ein betriebswirtschaftliches Studium Voraussetzung."

Betriebswirtschaftslehre (BWL) oder Ingenieurswissenschaften mit BWL-Schwerpunkt sind nach Worten von Klaus Möller, Studiendekan Betriebswirtschaft/Einkauf und Logistik an der Hochschule Pforzheim, denkbar, um in den Job einzusteigen. Mit einem akademischen Abschluss in der Tasche sei ein jährliches Anfangsgehalt von etwa 40 000 Euro brutto möglich. "Die Funktion Einkauf in ihrem Verantwortungsprofil ist inzwischen auf der Vorstandsebene angekommen", erklärt Möller.

Informationen:
FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH
Leimkugelstraße 6
45141 Essen
E-Mail: info@fom.de
Internet: www.fom.de
www.bme.de
www.hs-pforzheim.de

(dpa)

Eishersteller

Vanille, Schoko und Erdbeer waren gestern. Die Trendsorten in diesem Sommer heißen Mango-Chili, Basilikum-Limone oder schwarzer Mohn. Die Rede ist von Eis. Lange Zeit wurde in Deutschland die Kunst der Speiseeisherstellung von Generation zu Generation weitergegeben. Erst seit 2008 gibt es eine Ausbildung zum Speiseeishersteller. "Ein Glück", findet Annalisa Carnio von Uniteis, der Vereinigung der handwerklich arbeitenden italienischen Speiseeishersteller in Deutschland. "Durch die Ausbildung gibt es einheitliche Standards, vor allem bei der Qualität und der Hygiene."
Denn Eisherstellung ist mehr als das Mischen verschiedener Zutaten in einer Eismaschine. Handwerklich hergestelltes Eis kommt ohne Konservierungs- und Farbstoffe aus. Auf dem Ausbildungsplan der Lehrlinge stehen neben der Pasteurisation der Lebensmittel, also dem kurzfristigen Erhitzen, auch der Umgang mit verschiedenen Lebensmitteln und Gewürzen. Die Auszubildenden lernen daneben betriebswirtschaftliche Inhalte wie Buchführung, Wareneinkauf oder Logistik. Außerdem bekommen sie Tipps, wie sie mit den Kunden umgehen und wie sie neben Eis kleine Speisen oder Getränke servieren.

Der 18-jährige Luca-Nicola Liberto absolviert seit vergangenem Herbst die zweijährige Ausbildung zum Speiseeishersteller in einem Mannheimer Traditionsbetrieb. Er wusste schon früh, dass er im Beruf mit Lebensmitteln hantieren möchte. "Ich wollte früher Koch werden, aber dann kam die Möglichkeit, Speiseeishersteller zu lernen", sagt Liberto.

In der Berufsschule habe er bislang schon viel Neues gelernt, was nicht direkt mit Eis zu tun habe, sagt er. "Wir erfahren viel über Rohstoffe oder Mikroorganismen, und auch darüber, wie man einen Betrieb führt." Die Eisherstellung mache ihm aber am meisten Spaß. Später in der Ausbildung wird ihm sein Chef, der Mannheimer Eisdielenbetreiber Dario Fontanella, zeigen, wie man neue Eissorten kreiert.

Viele Ausbildungsbetriebe sind italienische Eiscafés, aber der Beruf kann auch in einer Konditorei erlernt werden. Die Lehrlinge lernen das Handwerk in der dualen Ausbildung im Betrieb und im Blockunterricht an Berufsschulen. Derzeit gibt es noch relativ wenige Azubis in der Ausbildung zum Speiseeishersteller. Nach den Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn (BIBB) wurden seit 2008 im Jahr nur knapp 40 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Nach der Lehre können Speiseishersteller in einem Eiscafé oder einer Konditorei arbeiten, aber auch ein eigenes Geschäft eröffnen. "Viele Eisdielenbesitzer kommen langsam ins Rentenalter und ihre Betriebe können übernommen werden", sagt Uniteis-Sprecherin Carnio. Wer nach der Ausbildung noch weiter lernen möchte, kann in das zweite Lehrjahr der Ausbildungen zum Konditor, zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk oder zur Fachkraft im Gastgewerbe einsteigen. (dpa)
Elektro-Ingenieur

Für die Hauptrolle in Seifenopern taugen sie offenbar wenig. Aber im Vergleich zu anderen prestigeträchtigeren Berufen sind die Aussichten für junge Elektro-Ingenieure geradezu rosig. "E-Techniker" können meist schon vor Studienabschluss aus mehreren Job-Angeboten auswählen. Die Technik-Spezialisten werden in den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern gebraucht.

Die Einstiegsgehälter liegen deutlich über denen anderer akademischer Berufe. Und der Bedarf an Elektro-Ingenieuren wächst weiter: Fast 48 000 Ingenieur-Stellen konnten laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im Jahr 2006 nicht besetzt werden. Außer im Maschinenbau blieben vor allem Stellen in der Elektro-Industrie verwaist. Der Ingenieurmangel kostet die Wirtschaft Milliarden. Trotzdem können sich immer weniger junge Menschen für ein Studium der Elektro-Technik begeistern. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt rund 15 000 Studienanfänger, ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent.

Gründe für die geringen Studentenzahlen gibt es nach Einschätzung von Branchenvertretern viele: So kritisiert etwa Wolfgang Gollub, zuständig für nachwuchssichernde Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin, dass an den Schulen zu wenig Wert auf Naturwissenschaft und Mathematik gelegt wird. Zudem könnten sich viele junge Menschen unter dem Ingenieur-Studium wenig vorstellen, meint Michael Schanz vom Verband der Elektrotechnik in Frankfurt: "Ingenieure kommen nicht in Soap-Operas vor. Was die machen, liegt für viele Menschen völlig im Nebel." Viele würden sich eher für Medizin, Betriebswirtschaftslehre oder Jura entscheiden.

Dabei sei die Elektrotechnik ein Beruf mit 1000 Möglichkeiten, so Schanz. Junge Elektroingenieure kämen heute nicht nur in den klassischen Arbeitsfeldern Produktion sowie Forschung und Entwicklung zum Einsatz. Vielmehr würden sie heute auch etwa in den Bereichen Marketing, Vertrieb oder Management eingesetzt. Bereits während des Studiums können sich Elektro-Ingenieure zudem auf bestimmte Technik-Felder wie Hochfrequenz- oder Mikroelektronik spezialisieren. Unterkommen können Elektro-Ingenieure in ganz verschiedenen Branchen: Neben der Elektrotechnik kann das der Maschinenbau, die Telekommunikationsindustrie oder auch die Medizin-Technik sein. Um einen passenden Arbeitsplatz müssen sich Elektro-Ingenieure wegen des hohen Bedarfs in der Regel keine Sorgen machen: "Die Studenten haben durchgehend schon Monate vor ihrem Abschluss einen Arbeitsvertrag und können meist sogar aus mehreren Angeboten auswählen", sagt Prof. Bernd Ponick vom Institut für Antriebssysteme und Leistungselektronik der Universität Hannover. Und auch die finanziellen Aussichten sind für Elektro-Ingenieure im Vergleich zu anderen Akademikern sehr gut. Laut Wolfgang Gollub beträgt das Jahressalär für Berufsanfänger zwischen 37 000 und 45 000 Euro. Und dabei muss es nicht bleiben, wie VDE-Vertreter Schanz erklärt: "Wenn es gut läuft, kann man sein Gehalt nach zehn Jahren verdoppeln." Laut einer VDI-Studie aus dem Jahr 2004 verdient ein Abteilungsleiter im Durchschnitt 68 500 Euro.

Diese guten Bedingungen sollten für Abiturienten aber nicht das einzige Entscheidungskriterium sein, das Studium der Elektro-Technik aufzunehmen. Denn das Fach gilt als äußerst anspruchsvoll. Gute Schulnoten in den Fächern Mathematik und Physik sind daher Voraussetzung. Junge Menschen sollten aber vor allem auch Spaß am Gegenstand ihres Faches haben.

Wer herausfinden möchte, ob er für ein technisches Studium geeignet ist, hat heute viele Möglichkeiten, wie Wolfgang Gollub von Gesamtmetall erklärt: So gebe es an fast allen Universitäten Schnupper-Studien oder Sommer-Camps, bei denen Schüler einen Einblick in den Uni-Alltag erhalten. Und auch das Internet bietet eine Fülle an Informationen. So kann man das zu den eigenen Vorlieben und Fähigkeiten passende Studienfach etwa im Angebot "Borakel" der Uni Bochum finden. Fragen zum Ingenieur-Studium werden auf den Seiten der Thing-Ing-Initiative sowie bei ingenieurkarriere.de beantwortet.

Internet:
www.ruhr-uni-bochum.de/borakel/mein-studiengang.htm
www.ingenieurkarriere.de
www.think-ing.de

Empfangskraft

Eine «Perle am Empfang (m/w)» wurde gesucht - und mehr als 200 Stellensuchende fühlten sich angesprochen. In der Regel kaufmännisch ausgebildete Frauen, aber auch ein paar Männer, wie Dieter Debusmann betont.

Der Personalberater aus Wentorf bei Hamburg hatte die Stellenanzeige für eine Steuerprüferkanzlei aufgegeben und die «etwas altmodische» Funktionsbezeichnung sehr bewusst gewählt: «Wir wollten uns von den kühlen Hightech-Formulierungen absetzen und gleichzeitig unseren Anspruch deutlich machen: Es geht um die Visitenkarte des Unternehmens.»

Breit ist die Palette der Begrifflichkeiten, die den Arbeitsplatz ganz vorne im Büro umschreiben. Neben Anglizismen wie «Front Office Manager» oder «Facilities Assistant» stehen deutschsprachige Titel wie Empfangskraft, hinter vorgehaltener Hand auch mal Vorzimmerdrachen genannt. Für Verwirrung sorgt die Bezeichnung Empfangssekretär. Dabei handelt es sich um einen früheren Ausbildungsberuf in der DDR: Die Sekretäre empfingen und betreuten die Gäste in Hotels und Gaststätten.

«Der Titel ist egal», meint Helmut Winter, Geschäftsführer der Office Management GmbH in Bremen. «Es kommt darauf an, was der Empfangsmitarbeiter am Ende in der Lohntüte hat.» Die Bezahlung mache deutlich, ob es sich um rein repräsentative Funktionen oder auch administrative Aufgabenstellungen handelt. Was die Vermischung mit dem Vorzimmer betrifft, ist der Betreiber des Karriere-Portals sekretaerin.de allerdings skeptisch: «Eine Chefsekretärin wird nicht am Empfang sitzen wollen, die managt das Büro.»

Genau diese Kombination aus Chefsekretariat und Repräsentation suchte Berater Debusmann aber: «Gerade in kleineren Betrieben kommt am Empfang alles zusammen: Telefonanrufe, Terminplanung und der erste direkte Kontakt zum Kunden.» Das verlange Pfiff, Mitdenken und Eigeninitiative, wie auch im Anzeigenbegleittext nachzulesen war. Dabei sei die Kanzlei mit insgesamt 16 Mitarbeitern kein Ausnahmefall: «Die Suche nach versierten Empfangsmitarbeitern gehört zu den Top Ten aller Aufträge.» Die Geschäftspartner hätten gemerkt, dass sie mit wechselndem Personal aus der Zeitarbeit nicht weiter kommen. «Die Kunden verlangen nach Stabilität am Telefon und im persönlichen Kontakt.»

«Ich bin die erste Anlaufstelle für Anrufe, Mails, Post und gelegentlich auch Besucher», sagt Stephanie Waligura. Die «Front Office Managerin» vertritt den Berufsverband Sekretariat und Büromanagement bSb in Bremen nach innen und außen. Vor ihrer Mutterschaft war die ausgebildete Rechtsanwalts- und Notargehilfin im Bundesverband als Projektleiterin für die Aus- und Weiterbildung tätig.

Im Vergleich dazu sei ihre neue Aufgabe umfangreicher und mindestens ebenso anspruchsvoll: «Ich bin die Allroundkraft, muss von allem ein wenig wissen und auch mit Problemfällen am Telefon fertig werden.» Ein idealer Job für eine junge Mutter, meint Waligura: «Wenn ich hier mittags rausgehe, habe ich eine Menge abgearbeitet und den Kopf frei für mein Kind. In meinem früheren Job konnte ich viel schlechter abschalten.»

Als eine Chance für Wiedereinsteigerinnen nach der Familienphase sieht auch Ingrid Kohn aus Erbach bei Ulm den Job am Empfang. Allerdings wird aus Sicht der Trainerin für Büro und Kommunikation der Beruf immer noch unterschätzt: Die Empfangsmitarbeiter prägten den ersten Eindruck von der Firma. Das gelte sowohl für die Kollegen, die morgens ins Büro kommen, als auch für alle Kunden: «Strahlende Augen, direkter Blickkontakt und das Lächeln am Telefon bleiben dauerhaft positiv in der Erinnerung. Aber so simple Dinge werden immer noch vernachlässigt.»

Dabei müsse die Dame oder der Herr am Empfang keinesfalls ein Model sein, meint Kohn: «Gute Umgangsformen, erstklassiges Auftreten und ein gepflegtes Äußeres sind wichtiger als Aussehen.» Allerdings suche man männliche Mitarbeiter auf diesem Posten meist vergeblich: «Die Bezahlung ist schlecht. Dazu gibt sich kaum ein Mann her.»

Bundesverband Sekretariat und Büromanagement: www.bsb-office.de

Porträt für Sekretärinnen und Assistentinnen: www.sekretaria.de

Was Empfangskräfte verdienen

Ostdeutsche Empfangskräfte verdienen rund 26 000 Euro im Jahr. In westdeutschen Ballungsgebieten sei der Jahresverdienst um 10 000 Euro höher, sagt Christian Näser, Mitglied der Geschäftsleitung der Kienbaum Management Consultants GmbH in Gummersbach. Damit verdient eine Empfangskraft in Ostdeutschland nur gut halb so viel wie eine Chefsekretärin, wie in der Kienbaum-Studie zur Vergütung von Sekretariats- und Bürokräften nachzulesen ist.

Die am besten bezahlte Vorstandssekretärin bezieht immer noch 30 000 Euro mehr Jahresgehalt als die westdeutsche Mitarbeiterin am Empfang. Dennoch sei die Wertschätzung der Empfangsmitarbeiter gestiegen, sagt Näser: «Sprachkenntnisse und die Visitenkartenfunktion werden wichtiger.» Auch dadurch werde der Beruf noch weiter aufgewertet.

(dpa/tmn)
Energieberater

Bei fallenden Temperaturen kommt Hans-Jörg Peter ins Schwitzen. Jedenfalls ist das so, wenn zu viele Hausbesitzer auf einmal von dem Energieberater wissen wollen, mit welchen Sanierungsmaßnahmen sie Geld sparen können. "Im letzten Winter musste ich Aufträge ablehnen", sagt der Architekt aus Hamburg. Aus Interesse am Thema Energetisches Bauen hat Peter bei der Hamburger Architektenkammer eine Ausbildung zum BAFA-Energieberater absolviert. Heute sind die Beratung und Umsetzung der Energiesparmaßnahmen sein beruflicher Schwerpunkt.

Die Abkürzung BAFA steht für das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn. Online können sich ausgebildete Energieberater für das Förderprogramm der Vor-Ort-Beratung registrieren lassen, sofern sie einen anerkannten Lehrgang besucht haben. Rund 70 Weiterbildungsanbieter sind bereits anerkannt und 4800 Berater zur Zeit bei der BAFA registriert, erklärt Referatsleiter Wulf Bittner. 2006, vor der Einführung des Online-Verfahrens, waren es schon einmal rund 700 mehr: "Wir bekommen hier ständig Neuanmeldungen, aber ein gutes Drittel der Altberater hat sich noch nicht wieder registrieren lassen", so der Programmleiter.

Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass sich die Geschäfte der Energieberater nicht immer erwartungsgemäß gestalten: "Viele glauben, davon leben zu können, aber nur die wenigsten schaffen das", sagt Bittner. Energieberatung sei eine Nebenbeschäftigung für Ingenieure, Architekten und Handwerker - wenn auch eine, die stark nachgefragt sei. "22 000 Vor-Ort-Beratungen haben wir im vergangenen Jahr gefördert, das waren 10 000 mehr als in 2005."

Angesichts der steigenden Nachfrage hat der Bund die staatlichen Zuschüsse inzwischen gesenkt: Wohnungsbesitzer, die einen Energieberater aus der BAFA-Liste beauftragen, erhalten nun einen Zuschuss von 175 Euro für Ein- oder Zweifamilienhäuser, 250 Euro sind es ab drei Wohneinheiten. "Das reicht bei weitem nicht für eine gute Energieberatung aus", erklärt Hans-Jörg Peter. Im Schnitt koste eine Beratung, die bauliche Daten, Energiebedarf und Emissionen berücksichtigt, 800 Euro netto. Allein für die Ortsbegehung und Dateneingabe werden mehrere Stunden benötigt. Noch aufwendiger ist die eigentliche Beratung.

"Das ist wie beim Arzt", sagt der Architekt Florian Lichtblau aus München. "Erst kommt die Anamnese, dann die Diagnose und schließlich die Therapie." Der freie Architekt zählt sich zu den Urhebern der professionellen Energieberatung. Bereits 1999 vermittelte Lichtblau baden-württembergischen Architekten exemplarisch, wie Instandhaltung und "energetische Ertüchtigung" von Altbauten zusammenkommen können. "Es ging mir um die Zukunftsfähigkeit der Architektur", so Lichtblau.

In einem Land, in dem der Neubauzuwachs gerade ein Prozent betrage, aber 95 Prozent des Bestandes aus energiepolitischer Sicht sanierungsbedürftig seien, brauche man eben Ingenieure und Architekten, die sich sowohl mit Solarenergie, Wärmedämmungen als auch mit Verordnungen, Förderanträgen und Computerprogrammen für die Berechnung der Energiesparpotenziale auskennen. "Das ist unerlässlicher Bestandteil der Grundqualifikation, kann jedoch kein eigenes Berufsbild abgeben", erklärt Lichtblau.

Belohnt wird der Architekt, Ingenieur oder Handwerker, der nicht nur misst, sondern auch Energie sparende Anstöße gibt und Lösungen entwirft, in der Regel mit einem Auftrag: "Ich habe natürlich ein Interesse daran, den Auftrag für die Sanierung zu übernehmen", sagt Hans-Jörg Peter. Damit aber die Unabhängigkeit der Beratung gewährleistet ist, sollte man sich genau über die Qualifikation der Berater erkundigen: "Bei einem Handwerker, der gleichzeitig bei einem Heiztechnikproduzenten unter Vertrag ist, wäre ich skeptisch", sagt Karin Vaupel, Geschäftsführerin im weiterbildenden Studium Energie und Umwelt der Universität Kassel.

Das berufsbegleitende Studienangebot richtet sich vor allem an ausgebildete Ingenieure oder Architekten. Handwerksmeister sind nur nach Eignungsprüfung für das einjährige Programm "Rationelle Energienutzung" zugelassen. "Es genügt nicht, den Energieverbrauch zu addieren", sagt Karin Vaupel im Hinblick auf die aktuelle Diskussion um Verbrauchsenergiepässe oder Bedarfsausweise. "Ein guter Energieberater bewertet nicht den Nutzer, sondern das Gebäude." Und das setzt umfangreiche Kenntnisse in Bauphysik, Gebäudetechnik und erneuerbaren Energien voraus.

Informationen: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Frankfurter Straße 29-31, 65760 Eschborn

www.bafa.de

Universität Kassel, Weiterbildendes Studium Energie und Umwelt, Wilhelmshöher Allee 73, 34109 Kassel

www.uni-kassel.de/e+u/

Ergotherapeut

Wenn Monika Tietz mit ihren Patienten übt, geht es oft um scheinbar einfache Dinge: sich anzuziehen oder zu waschen zum Beispiel. Nach einem Unfall oder einer Krankheit gehen solche Dinge unter Umständen aber nicht mehr so leicht.

Die Ergotherapeutin aus Berlin muss daher manchmal ganz klein anfangen, wenn sie ihre Patienten Schritt für Schritt wieder fit für den Alltag macht. Dabei ist viel Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt.

«Ein typisches Beispiel ist der Schlaganfall», sagt Arnd Longrée vom Deutschen Verband der Ergotherapeuten (DVE) in Karlsbad. Kleinste Bewegungsabläufe wie das Kochen oder Anziehen seien dann keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn in vielen Fällen hätten Betroffene mit Lähmungen zu kämpfen.

Ergotherapeuten leiten Patienten dann bei Knet-, Rechen- oder handwerklichen Aufgaben an, die für Außenstehende simpel erscheinen mögen. «Klappt die Übung nach einiger Zeit, ist das aber ein großer Erfolg im Heilungsprozess», erklärt Tietz. Alltag und Beruf könnten dann vielleicht schon bald wieder selbst bestritten werden.

Zuvor wird nach Angaben des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg ein Behandlungsplan entworfen, der etwa das Umgestalten des Arbeitsplatzes oder des Tagesablaufs im Beruf zum Ziel hat. Dabei werden auch Angehörige und das Umfeld der Patienten einbezogen.

Die oft wochenlangen Therapien verlangen auch dem Behandler einiges ab. Ergotherapeuten müssen daher belastbar sein. Werden nach einem Schädel-Hirn-Trauma Aufmerksamkeit und Konzentration trainiert, müssen Therapeut und Patient gut zusammenarbeiten. Teamfähigkeit ist Tietz zufolge daher sehr wichtig in dem Beruf. Und es erfordere viel Training und Geduld, etwa eine verletzte Hand wieder beweglich und kräftig werden zu lassen.

In anderen Fällen ist eine schnelle Beurteilungsgabe nötig. Das gilt etwa, wenn ein Kind womöglich einen Entwicklungsrückstand hat. Dann müssen Ergotherapeuten feststellen, ob das Kind eventuell hyperaktiv ist oder am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leidet. «Gerade Kinder im Alter zwischen fünf und sieben Jahren müssen häufig zum Erwerb psychischer und sozialer Fähigkeiten angeleitet werden», erklärt Tietz.

Für ihre Arbeit in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Gesundheitszentren, Sozialstationen oder Sonderschulen verdienen staatliche anerkannte Ergotherapeuten monatlich zwischen 1800 und 2200 Euro, ergänzt Arnd Longrée. Ergotherapeuten mit eigener Praxis können die Behandlungshonorare frei verhandeln.

Wer den Beruf ergreifen möchte, muss zuvor eine dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule absolvieren. In neun von zehn Fällen befinden sich diese laut dem DVE in privater Trägerschaft, weshalb in vielen Fällen ein monatliches Schulgeld zwischen 300 und 500 Euro anfällt. Insgesamt 184 Schulen listet der DVE auf, die meisten davon haben individuelle Aufnahmekriterien.

Voraussetzung ist nach dem Berufsgesetz der Abschluss der Realschule oder der Hauptschule plus einer zweijährigen Berufsausbildung. Gern gesehen sind von den Schulen auch Praktika im Gesundheitswesen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Die Ergotherapie-Ausbildung vermittelt medizinisches Fachwissen in den Bereichen Anatomie, Physiologie und Pädagogik, erläutert Antonia Werner-Samson von der Fresenius-Berufsfachschule in Idstein/Taunus. Daneben stehe das Arbeiten mit Material wie Ton, Holz, Stoff auf dem Lehrplan. «Interesse an Menschen, medizinischen Zusammenhängen und eine gewisse Kreativität sind daher Grundvoraussetzungen für den Beruf.» Zur Ausbildung gehöre auch, Krankheitsbilder zu erstellen und davon eine Therapie abzuleiten, erklärt die Schulleiterin. Der Theorieunterricht wechselt mit Praxisphasen etwa in Kliniken ab.

«Die schulische Ausbildung gelangt aufgrund der sich verändernden Voraussetzungen im Gesundheitssystem aber zunehmend an ihre Grenzen», gibt Longrée zu bedenken. Der Trend gehe deshalb zur Akademisierung: An mittlerweile sieben Fachhochschulen kann Ergotherapie laut dem DVE als eigenständiges Fach mit Abschluss Bachelor oder Diplom studiert werden. Dort lernen Studenten auch, Studien zu dem Thema zu erstellen und eröffnen sich so den Weg in die Forschung.

Schnupper-Praktikum absolvieren

Ob der Beruf des Ergotherapeuten das Richtige für einen ist, lässt sich am besten während eines Schnupperpraktikums während der Schulzeit herausfinden. Dabei könnten Jugendliche in neurologischen Abteilungen von Kliniken, ergotherapeutischen Praxen oder Reha-Zentren den Behandlern über die Schulter schauen, erklärt Antonia Werner-Samson. «Nur so lässt sich ein Eindruck gewinnen, welche Anforderungen an den Therapeutenberuf gestellt werden.»

(dpa/tmn)
Europa-Sekretärin

So gut wie kein Unternehmen kommt ohne internationale Kontakte aus. Sekretärinnen müssen daher schon lange mehr können als Kaffee kochen und am Computer tippen.

Europa-Sekretärinnen beherrschen sogar drei Fremdsprachen - mindestens. Solche Generalisten braucht die globale Wirtschaft dringend. «Im Moment gibt es gar nicht so viele Europa-Sekretärinnen, wie gesucht werden», sagt Brigitte Schottner, Vorsitzende der European School for Higher Education in Administration und Management (ESA) in Mannheim.

Europa-Sekretärinnen erledigen fremdsprachige Geschäftskorrespondenz. Sie telefonieren in den Fremdsprachen mit Kunden, übernehmen Dolmetscheraufgaben, arrangieren Geschäftsreisen und Konferenzen und vertreten den Chef in dessen Abwesenheit - alles Aufgaben, die in den immer mehr Unternehmen mit internationalen Geschäftskontakten zunehmend wichtiger werden.

Um im Umgang mit ausländischen Kunden korrekt und höflich zu bleiben, beachten sie bei all dem die Gepflogenheiten des jeweiligen Landes. «Loyalität, Verschwiegenheit und Stil müssen für diese Vertrauenspositionen unbedingt vorhanden sein», betont Schottner. «Eloquent und akribisch» sollten diejenigen sein, die sich für die Arbeit als Europa-Sekretärin interessieren.

«Ich würde den Beruf wieder wählen», sagt Suzane Lipovak aus Stuttgart. «Ich wollte eine Ausbildung, mit der ich garantiert in verschiedenen Branchen einen Job finde», erzählt die Tochter bosnischer Kroaten. Europa-Sekretärinnen könnten quasi die Zeitung aufschlagen «und alles nehmen».

Auf internationale Märkte ausgerichtete Handels- oder Produktionsfirmen aller Branchen stellen sie ein. Dazu gehören beispielsweise Touristikunternehmen, Speditionen, Kanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die auf solche Fachkräfte nicht verzichten können. Die ESA hat das Berufsbild 1964 entwickelt und seitdem kontinuierlich den Veränderungen des Arbeitsmarktes angepasst. Bewerber müssen Abitur oder Fachhochschulreife vorweisen und sprachgewandt, stressresistent und teamfähig sein.

Das auf zwei Jahre angelegte Konzept sieht die Ausbildung in Englisch und zwei weiteren gebräuchlichen Fremdsprachen vor. Das können beispielsweise Französisch, Russisch oder Spanisch sein. IT-Technik und Betriebswirtschaft nehmen breiten Raum ein. Obligatorische Prüfungen vor dem Deutschen Bundesverband Sekretariat oder - auf Wunsch - einer britischen oder französischen Handelskammer runden die Lehre ab.

Die Karrierechancen der Europa-Sekretärinnen sind so gut, dass meistens schon vor der Abschlussprüfung Anstellungen vereinbart werden. Für die Lebensplanung bietet die Ausbildung auch noch weitere Vorteile: «Ich hatte einen Superjob, um später mein Studium zu finanzieren», erinnert sich Lipovak. Frauen in der Familienphase profitieren von den guten Berufsperspektiven ebenfalls. «Wenn Sie bei EDV auf dem Laufenden bleiben, klappt die Rückkehr nach einer Mutterpause gut», beobachtet Schottner. «Der Beruf ist ein gutes Sprungbrett, um nach einigen Jahren ins Marketing, in den Personalbereich oder die Selbständigkeit zu wechseln.»

Suzane Lipovak leitet heute die von ihr gegründete Entwicklungshilfe-Organisation Kinderberg mit 134 Mitarbeitern und Projekten im Volumen von 2,5 Millionen Euro jährlich. Sie erinnert sich vor allem an die «strengen, ja pedantischen» Ausbildungsregeln. «Unter meiner Akribie stöhnen heute meine Sekretärinnen», sagt sie lachend. Zu ihrer Ausbildung gehörten auch Stenografieren in Englisch und Französisch oder die Frage, wie ein Handkuss mit Handschuh entgegen zu nehmen sei.

Lipovak ermuntert Sekretärinnen, zu ihrem Beruf zu stehen, auch wenn abschätzige Worte fallen. «Es kommt darauf an, was man daraus macht», sagt sie. Das Land Baden-Württemberg verlieh Lipovac seine höchste Auszeichnung, die Landesverdienstmedaille. Die Geschäftsfrau ist sich sicher: «Die Tatsache, dass ich als Sekretärin so viel geschafft habe, spielte dabei gewiss eine Rolle.»

Der Beruf ist eine Frauendomäne

In Deutschland bieten gut 30 Schulen die Ausbildung zur Europa-Sekretärin an. Der Beruf ist eine Frauendomäne, Männer ergreifen ihn so gut wie nie. Die private Ausbildung kostet rund 500 Euro im Monat. Nach Angaben der Akademie für Betriebswirtschaft und Welthandelssprachen Mannheim/Stuttgart schlagen Semesterprüfungen mit 45 Euro und das Examen mit 400 Euro zu Buche.

Informationen:
Geschäftsstelle der ESA in Deutschland,
68159 Mannheim,
E-Mail:

Informationen im Internet:
European Schools for Higher Education in Administration and Management:
www.esa-gs.de

(dpa/tmn)
Eventmanager/-in

"Events" heißen große Veranstaltungen, bei denen Produkte vorgestellt oder verkauft werden sollen. Um die Aufmerksamkeit von Entscheidern bei Tagungen, Kongressen oder Produktvorstellungen zu erregen, müssen Unternehmen und Agenturen immer neue und nicht selten spektakuläre Wege gehen. Beim Event-Manager laufen alle Fäden für eine solche Veranstaltung zusammen. "Der Event-Manager ist der erste, der kommt und der letzte, der geht", sagt Hildegard Reinsch, Seminar- und Bildungsmanagerin der Europäischen Medien- und Event-Akademie in Baden-Baden.

Event-Manager arbeiten in Unternehmen, Event-Agenturen oder selbstständig. Sie liefern ihren Kunden Ideen für eine Veranstaltung und sind dann für die komplette Planung und Ausführung verantwortlich. "Man hat nur eine Chance dabei und kann nicht nachbessern", sagt Reinsch. Darum müsse der Event-Manager zwar sein Handwerk lernen, aber noch viel mehr müsse er Erfahrung sammeln und ein Gespür für die Veranstaltung haben.

Immer mehr Hochschulen, Berufsakademien und Unternehmen bilden Event-Manager aus. Eine der ersten deutschen Hochschulen, die einen eigenständigen Studiengang zum Event-Manager im Angebot hatte, war die private Internationale Fachhochschule Bad Honnef/Bonn. "Seit 2004 können junge Leute mit allgemeiner oder Fachhochschulreife bei uns in sechs Semestern den Bachelor machen", sagt Hochschulsprecher Markus Stühlen. Praxis steht ganz oben bei dem Studium, das insgesamt knapp 25 000 Euro kostet. "Vorlesungen über Inhalte, Umfang und Organisation von Events wechseln sich ab mit Projekten, in denen das Gelernte trainiert und angewendet wird." Umgangssprache des Studiengangs ist Englisch.

Die Fachhochschule (FH) Stralsund bietet einen achtsemestrigen Bachelor-Studiengang in "Leisure and Tourism Management" an. An der FH Braunschweig/Wolfenbüttel gibt es die Studiengänge "Tourismusmanagement" und "Sportmanagement", die ebenfalls betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse vermitteln und auf die Organisation von Veranstaltungen in den jeweiligen Bereichen vorbereiten.

Die Staatliche Studienakademie im sächsischen Breitenbrunn bietet innerhalb ihres Studiengangs Tourismuswirtschaft das Eventmanagement als Vertiefungsrichtung an. Event-Manager werden zudem im Studiengang Sport-, Marketing- und Veranstaltungsmanagement an der Staatlichen Studienakademie Riesa ausgebildet.

Doch nicht nur die Hochschulen bilden Leute aus, die Kongresse, Tagungen, Messen oder Präsentationen organisieren. Eine duale Berufsaubildung zum Veranstaltungskaufmann ist eine Alternative. Abitur ist dafür keine Voraussetzung, aber eine gute Allgemeinbildung. Außerdem sind Sprachkenntnisse erforderlich.

Formelle Voraussetzungen müssen auch die Lernenden in Baden-Baden mitbringen - doch kommt es sehr auf den Typen an, ob er oder sie in ihrem Job als Event-Manager erfolgreich ist, sagt Bildungsmanagerin Reinsch. "Man muss verkäuferisches Talent haben und kommunikationsfreudig sein." Und einen Acht-Stunden-Tag gebe es in diesem Beruf nicht.

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