Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Gärtner
Spaß an der Natur ist eine wichtige Voraussetzung für Gärtner - sie sprechen nicht umsonst von einem «Beruf voller Leben». Doch auch Kreativität und technisches Geschick spielen eine wichtige Rolle im Berufsalltag. Vielseitig und kreativ seien ihre Tätigkeiten, sagt Walter Holbeck, Bildungsreferent des Zentralverbandes Gartenbau in Bonn. Es gibt ganz verschiedene Fachrichtungen - von Garten- und Landschaftsbau bis Staudengärtnerei. Grundsätzlich ist die Ausbildung überall ähnlich. Ein Spezialist für Zierpflanzen aus Norddeutschland hat zwar einen anderen Schwerpunkt als ein Gärtner, der sich etwa am Bodensee mit Obstbau beschäftigt. «Im Mittelpunkt steht aber immer der Umgang mit der Pflanze», sagt Sven Epkes, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Junggärtner (AdJ) im hessischen Grünberg. Junge Leute, die sich für diesen grünen Beruf interessieren, sollten mehr mitbringen als gute Noten in Biologie und anderen Naturwissenschaften. «Spaß am Umgang mit Pflanzen und Interesse an den Lebensvorgängen in der Natur sind immens wichtig», sagt Holbeck. Auch Kreativität und handwerkliches Geschick sowie Sinn für Farben und Formen gehören zu den Anforderungen. Die Arbeit mit Pflanzen ist nicht alles: «Ein gewisses Interesse an der Technik müssen unsere Auszubildenden auch haben, Computertechnik hat überall Einzug gehalten», sagt Reinhard Gerlach, Referent für Berufsbildung bei der Landwirtschaftskammer in Münster. Leistungsbereitschaft und Teamgeist setzen die Ausbildungsbetriebe voraus, ebenso körperliche Fitness - denn der Beruf kann anstrengend sein, und er findet oft draußen statt. Technisches und kaufmännisches Verständnis brauchen die Auszubildenden - wenn es etwa darum geht, Pflanzen im großen Stil zu produzieren. «Man muss wirtschaftliche Maßstäbe ansetzen, um optimale Wachstumsbedingungen zu schaffen», sagt Gerlach. Für Haupt- und Realschüler dauert die Ausbildung in aller Regel drei Jahre, Abiturienten können sie verkürzen. Nach Verbandsangaben verdienen Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr durchschnittlich zwischen 430 und 470 Euro monatlich. Im zweiten Jahr gibt es zwischen 475 und 555 und im dritten Jahr zwischen 535 und 635 Euro. Die Höhe variiert leicht zwischen den einzelnen Fachrichtungen und Bundesländern. Auch wenn das nicht viel Geld ist, ist der Gärtner der beliebteste unter den Agrarberufen: Bundesweit lassen sich etwa 18 000 junge Leute ausbilden. «22 Prozent davon sind Frauen», sagt Holbeck. Informationen zum Beruf vom Zentralverband Gartenbau: www.beruf-gaertner.de Zentralverband Gartenbau: www.g-net.de (dpa/tmn)
Gebäudemanager
Gebäudemanager und Facility Manager sitzen in der Führungsetage. Ihr Job ist es dafür zu sorgen, dass die Flure des Gebäude sauber sind, die Fahrstühle funktionieren und die Versorgung mit Wasser und Strom klappt. «Sie selbst aber wechseln keine Glühlampen aus», sagt Elke Kuhlmann vom Deutschen Verband für Facility Management (GEFMA) in Bonn. Die Manager übernehmen die Verwaltung und Bewirtschaftung von Einrichtungen und Liegenschaften. Sie steuern beispielsweise Einkaufscenter, Bürokomplexe, Krankenhäuser, Flughäfen, Stadtwerke und selbst Industrieanlagen. «Alle kostenrelevanten Vorgänge rund um ein Gebäude oder eine im Unternehmen erbrachte Leistung, die nicht zum Kerngeschäft gehört, optimieren», beschreibt Hartmut Zehrer, GEFMA-Vorstandsmitglied und Inhaber einer Fachschule für Dienstleistungen in Hamburg, das Leistungsprofil. Als Beispiel nennt er Fluggesellschaften, deren Kerngeschäft es ist, Passagiere zu befördern. Flughafenverwaltung, Abfertigung, Sicherheit und all die Einrichtungen eines modernen Airports werden anderen überlassen. Eine Ausbildungsordnung für den Beruf gibt es bisher nicht, doch vermitteln etwa 20 Fachhochschulen sowie eine Reihe privater Bildungseinrichtungen das notwendige Wissen. Gebäudemanager und Facility Manager arbeiten auf mehreren Ebenen, die sich nach der Ausbildung richten. Für die oberste Führung sollte ein Hochschulabschluss vorliegen. Die Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin beispielsweise bietet ein Studium in sechs Semestern mit Bachelor-Abschluss an. «Zugangsvoraussetzungen sind Abitur oder Fachhochschulreife», erläutert Sprecherin Henriette Scharfenberg. «Außerdem muss jeder Bewerber einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen vorlegen.» Für das operative Geschäft - etwa als Manager eines Einkaufszentrums - wird von verschiedenen Einrichtungen die Ausbildung zum Fachwirt Facility Management angeboten. Hier können sich Ingenieure oder Meister berufsbegleitend weiterqualifizieren. Die Technische Akademie Wuppertal (TAW) beispielsweise hat einen Zertifikatslehrgang mit Selbststudium sowie einer Pflichtpräsenz bei Seminaren im Programm. «Wer das schaffen will, muss sich hineinknien», sagt Lehrgangsleiter Friedrich W. Heffels. Qualifiziertes Personal ist auch auf der zuarbeitenden Ebene gefragt. Das sind die Servicekräfte Facility Management, die Aufgaben beispielsweise als Teamleiter übernehmen. Es gibt dafür berufsbegleitende Ausbildungen in Kursen zu sechs Monaten. Ein Blick in die Studienprogramme zeigt auf allen Ebenen eine breite Themenpalette. Die Ausbildung reicht von Betriebsführung, Recht, Personalwesen und Marketing bis zur Anlagen- und Gebäudetechnik, Sicherheit und Reinigung. Nach Einschätzung Zehrers werden in der Branche Leute gesucht. Sie «können mit guter Bezahlung rechnen». Auf der Ebene des Fachwirtes beginnen Gehälter bei etwa 35 000 Euro jährlich. Ein Diplom-Ingenieur kann von einem Start bei 40 000 Euro ausgehen. Mehr Informationen im Internet: Deutscher Verband für Facility Management: www.gefma.de; Fachhochschule für Wirtschaft: www.ba-berlin.de; Akademie für Facility Management an der Technischen Akademie Wuppertal (TAW): www.afm-taw.de. Deutscher Verband für Facility Management: www.gefma.de Fachhochschule für Wirtschaft: www.ba-berlin.de Akademie für Facility Management an der Technischen Akademie Wuppertal (TAW): www.afm-taw.de (dpa/gms)
Gebäudereiniger
Arbeitslosigkeit und Lehrstellenmangel sind in dieser Branche derzeit unbekannt: Das Handwerk der Gebäudereiniger weist auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Zuwachsraten auf. "Im vergangenen Jahr konnte die Zahl der Ausbildungsverträge um fast 24 Prozent gesteigert werden", sagt Christine Sudhop, stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks in Bonn. "Wir suchen auch weiter Personal", sagt Guido Hahn vom Verein für Reinigungstechnik, dem Dachverband der Branche in Frankfurt/Main. "Mit einfachem Fegen und Wischen ist es nicht getan." Von qualifizierten Kräften wird eine Ausbildung erwartet. Sie umfasst drei Jahre Lehrzeit in Betrieb und Berufsschule. Nach der im Jahr 2004 geänderten Handwerksordnung steht nach erfolgreich bestandener Prüfung als Geselle der Weg in die Selbstständigkeit offen. Die Meisterprüfung sowie ein Examen als staatlich geprüfter Reinigungs- und Hygienetechniker eröffnen den Zugang zur Fachhochschule mit dem Abschluss eines Diplom-Ingenieurs für Reinigungs- und Hygienemanagement/-technik. Abitur oder Fachhochschulreife berechtigen nach einem Praktikum zwischen drei und sechs Monaten ebenfalls zum Studienzugang. Vom beschäftigungsstärksten Handwerk spricht man beim Bundesinnungsverband in Bonn. Bundesweit seien Ende Juni 2005 rund 850 000 Beschäftigte im Gebäudereiniger-Handwerk tätig gewesen. Die Ausbildungsvergütungen beginnen im ersten Lehrjahr bei 359 Euro. "Nach der Ausbildung kann ein Mitarbeiter knapp 2000 Euro verdienen", sagt Sudhop. Zu den Aufgaben in der Gebäudereinigungsbranche gehören Entfetten, Entflecken, Schleifen und Imprägnieren. Breiten Raum nimmt die so genannte Unterhaltsreinigung ein, also die regelmäßige Pflege von Industrieanlagen, Büros, Schulen, Verkehrsmitteln und dergleichen. "Ein besonders sensibler Bereich sind Krankenhäuser, die einen hohen Hygieneaufwand erfordern", sagt Hahn. Bestimmte Bereiche wie Operationsräume müssen sterilisiert werden. Eine weitere Aufgabe ist die Reinigung von Fassaden und Denkmälern. Erik Herrmann aus Berlin hat sich darauf spezialisiert. "Da gilt es das Material genau zu prüfen und zu überlegen, welches Verfahren in Frage kommt." Herrmann erledigt solche Jobs oft in großer Höhe. "Da musst du schon schwindelfrei sein." Schwindelfrei zu sein, ist für Berufsanfänger jedoch keine Voraussetzung. Die Betriebe verlangen von ihren Auszubildenden aber mindestens einen guten Hauptschulabschluss. Gutes Verständnis für Technik, Physik und Chemie sind für den Umgang mit diversen Geräten und Reinigungsmitteln notwendig. Für die Praxis erscheint für Guido Hahn folgendes sehr wichtig: "Zuverlässigkeit und gute Umgangsformen sind ein Muss, denn wir arbeiten in einem Dienstleistungshandwerk." Die Branche sieht ihre Zukunft positiv, da zunehmend mehr Unternehmen die Reinigungsaufgaben statt dem eigenen Putztrupp den Spezialisten überlassen. Informationen: www.wischen-ist-macht.de, www.gebaeudereiniger.de.
Geigenbauer
Seine Ausbildung als Geigenbauer liegt schon lange zurück - aufgehört zu lernen hat Matthias Tödtmann aber nicht. «Das Handwerkliche bekommt man in der Lehre mit», sagt der Geigenbaumeister aus Hamburg. «Aber was den Beruf eigentlich ausmacht, das lernt man erst hinterher.» Erfahrung zählt im Geigenbau noch mehr als im Handwerk ohnehin. Und neben Geschicklichkeit im Umgang mit Holz und Werkzeug ist auch Musikalität gefragt. Doch auch bei günstigen Voraussetzungen ist der Weg zum Beruf nicht einfach: «Die Zahl der Geigenbauerbetriebe nimmt in Deutschland zwar kontinuierlich zu», sagt Markus Lage, Geigenbaumeister in Bielefeld und Schriftführer des Verbandes Deutscher Geigenbauer. «Aber es sind meistens kleine Werkstätten, von denen viele gar nicht ausbilden.» Die Ausbildung im Betrieb dauert üblicherweise drei Jahre. Wie viel die Auszubildenden verdienen, ist tariflich nicht festgelegt - der Lohn der Gesellen ebenfalls nicht. «Er orientiert sich aber an vergleichbaren Handwerksberufen», sagt Lage. Eine Alternative ist der Besuch der Geigenbauschule Mittenwald. Die Ausbildung dort dauert dreieinhalb Jahre. Gelernt wird zum Beispiel Fachtheorie und -praxis, Fachzeichnen, Instrumentalunterricht und Musikgeschichte. Für die jährlich ein Dutzend Plätze gibt es ein aufwendiges Bewerbungsverfahren: Voraussetzung sind mindestens ein guter Hauptschulabschluss, zwei Jahre Geigenunterricht und das Vorlegen von Zeichnungen aus dem Instrumentenbau. Dazu kommt das Bestehen einer Aufnahmeprüfung: Dabei werden Zeichnen, Instrumentenbeherrschung und handwerkliche Fähigkeiten getestet. Ausbildungsmöglichkeiten gibt es auch im Ausland: die Geigenbauschule in Brienz in der Schweiz zum Beispiel oder die im italienischen Cremona. Die beiden Gesellen, die bei Matthias Tödtmann arbeiten, sind in England ausgebildet worden. «Der Neubau von Instrumenten ist nur ein Teil unserer Arbeit», erklärt Tödtmann. Für eine Geige veranschlagt der Meister 150 bis 200 Arbeitsstunden, für ein Cello das Doppelte. Eine Herausforderung ist oft auch die Reparatur: «Wenn man einen Lackschaden beseitigt, darf das hinterher weder zu sehen noch zu hören sein», sagt Tödtmann. Schließlich sind viele der Instrumente, die zur Reparatur gegeben werden, kostbare Exemplare. Ohne Verständnis für Musik sind solche Aufgaben kaum zu bewältigen. Tödtmann spielt selbst Geige, genau wie Anton Sprenger, Geigenbaumeister in Mittenwald: «Am liebsten Corelli und Vivaldi.» Seine Vorliebe für Komponisten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist kein Zufall. Auch seine Geigen baut er nach Vorbildern aus dieser Zeit - in der auch Antonio Stradivari lebte, der bedeutendste Geigenbauer der Geschichte. Von dessen Geigen sind noch mehr als 500 erhalten. «Die Langlebigkeit der Instrumente ist schon faszinierend», sagt Sprenger. Für den Verkauf zählt vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda. «Aber auch das Internet.» Zu den Käufern zählen angehende Musikstudenten ebenso wie Rentner, die wieder anfangen zu spielen und sich endlich die Geige leisten wollen, von der sie Jahrzehnte lang geträumt haben - und natürlich Berufsmusiker.
Gerber
Der geschmeidige Autositz aus Leder, die elegante Damenhandtasche oder die strapazierfähigen Schuhsohlen. Schlüsselfigur bei der Herstellung ist der Gerber, einer der wohl ältesten Berufe. Schon seit Urzeiten dienen Tierhäute dem Menschen als Kleidung, Schutz und Utensilien des täglichen Lebens. «Es ist nicht einfach, gutes Leder zu machen», sagt Reinhard Schneider vom Verband der Deutschen Lederindustrie in Frankfurt. «Entsprechend gefragt sind Fachleute und können mit einer ordentlichen Bezahlung rechnen.» Am Anfang müssen alle angehenden Gerber die berüchtigte Wasserwerkstatt kennen lernen, den unangenehmsten Teil bei der Veredelung der Tierprodukte. Die Häute werden in großen Behältern in Wasser eingeweicht und gewaschen. Dabei entsteht oft ein fürchterlichen Gestank. «Daran gewöhnt man sich aber», beruhigt Walter Haidle, stellvertretender Direktor der Gerberschule in Reutlingen. Diese weltweit einzigartige und renommierte Einrichtung vereint Lehre, Forschung und Materialprüfung sowie eine eigene Gerberei unter einem Dach. Sie führt auch die Bundesfachklassen, in der die Auszubildenden im Blockunterricht von zwei Mal sechs Wochen jährlich ihre Berufsschule absolvieren. «Die Praxis des Handwerks wird in den Betrieben erlernt», erklärt Haidle. «Je Lehrjahr haben wir in der Schule zwischen 24 und 34 Auszubildende.» Die Lehrzeit dauert in der Regel drei Jahre, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt werden. «Mit Abitur beispielsweise auf zwei Jahre», sagt Schneider. «Die Vergütung in der Ausbildung beträgt 574 Euro im ersten Lehrjahr, erhöht sich auf 612 Euro und steigt schließlich auf 645 Euro», zitiert Klaus-Peter Starke vom Arbeitgeberverband der Lederindustrie in Wuppertal aus der Tarifliste. «Die Stundenlöhne für Anfänger beginnen bei 8,37 Euro.» Um diesen Beruf zu ergreifen, schreiben die Verordnungen keine bestimmte schulische Vorbildung vor. Ein Hauptschulabschluss sollte es aber schon sein. Wer sich nach seiner Facharbeiterprüfung zum Gerber für eine weitere berufliche Karriere entscheidet, dem bietet die Einrichtung in Reutlingen in zwei Jahren Studium die Ausbildung zum staatlich anerkannten Ledertechniker. Dies ist besonders für künftige Führungskräfte unabdingbar. Schneider macht auf einen besonderen Aspekt des Berufes aufmerksam: «In diesem Job muss man auch bereit sein zu einer Auslandstätigkeit.» Denn in anderen Regionen der Welt - etwa Südamerika oder Asien - seien deutsche Gerber zur Herstellung hochwertigen Leders sehr gefragt. Die Zahl der Lederfabriken in Deutschland geht zurück, obwohl das Land in Europa nach Italien und Spanien der drittgrößte Hersteller ist. Laut Schneider gibt es noch etwa 50 Betriebe mit zirka 3500 Beschäftigten. Nicht alle gerben selbst. «Bundesweit arbeiten inzwischen weniger als 30 Gerbereien», sagt Starke. Auf Grund bestehender Betriebsstrukturen sieht er jedoch sehr gute Chancen für qualifizierte Leute.
Gerichtsvollzieher
Seine stärkste Waffe ist sein Mundwerk, sagt Dieter Mallmann von sich. Er kann aber auch anders: Er hat die Lizenz zum Verhaften und Eindringen in fremde Wohnungen. Und jahrelang hat er Karate trainiert. Das alles kann er in seinem Job gebrauchen, denn Dieter Mallmann ist Gerichtsvollzieher, der Mann mit dem Kuckuck. "In der Regel wird nur noch in drei bis vier Prozent der Fälle gepfändet, also das Pfandsiegel auf Gegenstände geklebt", sagt Robert Hippler, stellvertretender Leiter der Bayerischen Justizschule Pegnitz. Mittlerweile wickelten Gerichtsvollzieher vor allem die so genannten eidesstattlichen Versicherungen ab oder versuchten, diese durch Zahlungen zu verhindern. "Wir sehen uns als Dienstleister", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Gerichtsvollzieher Bundes (DGVB) in Köln, Gerhard Heinze. "Als Gerichtsvollzieher ist man Beamter und gleichzeitig Arbeitgeber, man muss viel Fingerspitzengefühl haben, gut organisieren können und auch mit den verschiedenen Ansprüchen von Gläubigern, Schuldnern, Anwälten und Gerichten jonglieren können", sagt Mallmann über seinen Job, den er seit fast 27 Jahren in Hochheim bei Wiesbaden macht. "Die Masse der Schuldner sind redliche Leute, die in Zahlungsschwierigkeiten gekommen sind." Fast zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher, die sich in den verschiedenen Bundesländern leicht unterscheidet. "Es gibt zwei Ausbildungswege, entweder über den mittleren Justizdienst oder als Quereinsteiger", erklärt Robert Hippler von der Bayerischen Justizschule, die für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern ausbildet. Weitere Schulen gibt es in Hannover, Berlin und im nordrhein-westfälischem Bad Münstereifel mit Außenstelle in Monschau (Rheinland-Pfalz). "Um zugelassen zu werden, muss man zunächst erfolgreich eine Ausbildung im mittleren Justizdienst absolviert und sich dann als Geschäftsstellenbeamter bewährt haben", erklärt DGVB-Geschäftsführer Heinze. Gute Beurteilungen sind Voraussetzung. Mindestalter ist in den meisten Bundesländern 25 Jahre. Einige Bundesländer lassen inzwischen auch justizfremde Kandidaten für die Ausbildung zu. Insbesondere Anwaltsfachgehilfen oder Bankkaufleute nutzen die Gelegenheit. "Sie müssen zunächst einen sechsmonatigen Einführungslehrgang machen", erklärt Hippler. Die Ausbildung gliedert sich in praktische Teile an Gerichten und bei Gerichtsvollziehern und in theoretische an den jeweiligen Schulen. "Der erste Block beschäftigt sich mit den verschiedenen juristischen Fachrichtungen wie Zivilrecht, Verfassungs- und Verwaltungsrecht", sagt Schulleiter Hippler. Im zweiten Theorieblock wird es dann praktischer. "Wir legen sehr viel Wert auf Kommunikation und Organisation." Zu den Inhalten gehören daher auch Gesprächsführung, Deeskalation, Selbstverteidigung und Einführungen in die Warenkunde. Denn Gerichtsvollzieher müssen einschätzen können, was etwa ein Schrank, ein Auto oder eine Münzsammlung wert ist. Im dritten Block wird alles wiederholt, um die angehenden Gerichtsvollzieher auf die Prüfung vorzubereiten. Danach ist den Absolventen ein Job so gut wie sicher, denn die Länder bilden nur nach Bedarf aus. Der stagniert zwar, aber arbeitslos werden Gerichtsvollzieher in nächster Zeit wohl kaum. "Gerade in den vergangenen Jahren merke ich schon, dass immer mehr Menschen kurzfristig in Zahlungsschwierigkeiten kommen", erzählt Mallmann. "Das Reizvolle an unserem Beruf ist, dass wir so selbstständig arbeiten und der Job so abwechslungsreich ist", sagt DGVB-Geschäftsführer Heinze. Denn Gerichtsvollzieher sind zwar Beamte, haben aber außerhalb der Behörde ein eigenes Büro und kümmern sich selbst um Schreibkräfte und Zeugen für Pfändungen. Sie arbeiten auf eigene Rechnung mit Speditionen zusammen, die die gepfändeten Sachen abholen, und organisieren die Zwangsversteigerungen. "Einen Acht-Stunden-Tag gibt es bei uns nicht", sagt Gerichtsvollzieher Mallmann. Oft rücke er abends oder am Wochenende aus, um den Schuldner anzutreffen. "Tagsüber sitze ich viel im Büro und mache Schreibkram", erzählt er. Für diese Mehrbelastung erhalten Gerichtsvollzieher eine "Anspornvergütung". Hinzu kommt eine Bürokostenentschädigung. "Ansonsten liegt die Beamtenbesoldung für Gerichtsvollzieher etwa zwischen 1800 und 2900 Euro", erklärt Heinze. "Aus finanziellen Gründen werden wohl die wenigsten Gerichtsvollzieher", sagt Mallmann. Vielmehr ist es für ihn der Spaß an der Arbeit: "Einige Schuldner wecken schon meinen Jagdinstinkt." Allerdings setzt ihm so mancher Fall auch zu: "Ich bin schon in völlig verwahrloste Wohnungen gekommen und habe menschliche und soziale Abgründe gesehen", erzählt er. Das sei aber die Ausnahme. In den meisten Fällen gehe es "nur um Geld", selten um die Existenz. Internet: www.dgvb.de
Gesundheitsökonom
Das Gesundheitswesen ist ein riesiger Wirtschaftsbereich, den es zu verwalten gilt. Neben den rein medizinischen Spezialisten sind in der Branche auch Experten für Buchhaltung und Management gefragt. Damit sich Mediziner wieder verstärkt Patient und Skalpell zuwenden können und die Budgets der Kliniken und Praxen trotzdem überwacht werden, bilden deutsche Hochschulen immer mehr Gesundheitsökonomen und Medizinmanager aus. «Sie sollen die Distanz zwischen dem Denken von Medizinern und Wirtschaftlern verringern», erläutert Rainer Sibbel, Privatdozent an der Universität Bayreuth. Was das medizinisch Wünschenswerte ist, wird häufig von denen nicht bewilligt, die das Budget verwalten. «Gesundheitsökonomen vermitteln, denn sie sprechen sowohl die Sprache der Mediziner als auch die der Budgetverantwortlichen», erklärt Monika Bergmann, Geschäftsführerin des Studiengangs Gesundheitsökonomie an der Fachhochschule (FH) Ludwigshafen. «Wir bilden direkt für das Gesundheitswesen aus», erklärt Bergmann. Der Studiengang ist im Fachbereich Management und Controlling angesiedelt und wird im Praxisverbund angeboten - Praxisphasen füllen meist die Semesterferien. Rund 30 Studierende werden jedes Wintersemester zugelassen. «In der Regel entsenden die Betriebe Mitarbeiter, die hier studieren wollen.» Wer ohne Betrieb im Rücken studieren will, muss einschlägige Berufserfahrung nachweisen und mit dem Gesundheitswesen vertraut sein. Während des Studiums wird von der ausbildenden Firma ein Gehalt gezahlt. Zudem bringen die Praxisphasen den Absolventen neben dem Titel «Diplom-Gesundheitsökonom/in (FH)» eine Traineeausbildung oder die Berufsausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten. Die FH Ludwigshafen hatte als erste Fachhochschule diesen interdisziplinären Studiengang im Angebot. Inzwischen bieten unter anderem die FHs in Krefeld, Köln, Mainz und Neu-Ulm ähnliche Studiengänge an. Die Universität Bayreuth war die erste Universität ihrer Art, als sie im Wintersemester 1998/99 erstmals Studierende zum grundständigen Studium Gesundheitsökonomie zuließ. Generalisten im Gesundheitswesen sollen dort ausgebildet werden. Bewerber können mit ihren Abiturnoten in Mathematik, Deutsch und Geschichte punkten, ein schriftlicher Eignungstest und ein Auswahlgespräch mit einem Hochschullehrer kommen hinzu. «Im Grundstudium geht es vorrangig um Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, die um Aspekte des Gesundheitsmanagements angereichert sind», sagt Sibbel. Im Hauptstudium kommen Veranstaltungen aus Medizin, Recht und ein Wahlpflichtfach hinzu. Weil er den Bedarf an Gesundheitsökonomen nicht für einen Modetrend hält, hat Prof. Karl Lauterbach an der Universität Köln einen entsprechenden Studiengang gestartet. Schneller zum Titel «Bachelor of Science in Medical Management» kommt man bei der Universität Essen-Duisburg. Dieser in erster Linie wirtschaftswissenschaftliche Studiengang bereitet die angehenden Medizinmanager in sechs Semestern auf die kaufmännische Krankenhausleitung, Geschäftsführung von Krankenkassen, das Prozess- und Qualitätsmanagement von privaten Praxen und Ärztehäusern vor. Von 2005 an bietet die Hochschule einen weiterführenden Master-Studiengang für die Medizinmanager mit Bachelortitel an.
Ghostwriter
Berlin - Es ist kein Job für Menschen, die gerne in der ersten Reihe stehen: Ghostwriter agieren im Hintergrund. Sie schreiben für ihre Kunden Reden gegen Geld. Läuft es gut, ist es ein einträgliches Geschäft. Doch der Markt ist eng. Dieter Bohlen, Gerhard Schröder oder Lothar Matthäus hatten viel zu erzählen. Selber aufschreiben wollten sie ihre Geschichten aber nicht. Diese Arbeit haben sie Katja Kessler, Reinhard Hesse oder Jan Mendelin überlassen. Mehr oder weniger anonyme Autoren übernehmen solche Aufträge für Prominente. Aber auch unbekannte Menschen und Firmen haben Ghostwriter. Das Schreiben für andere kann ein einträgliches Geschäft sein. Erfahrenen Journalisten und Redenschreibern gelingt der Einstieg leichter. Einsteiger brauchen dagegen einen langen Atem. Denn in der Branche tummeln sich viele. Ghostwriter machen vieles: Sie texten für Biografien und Broschüren. Sie schreiben im Auftrag ihrer Kunden Romane, Reiseberichte und Reden. So mancher bestellt sogar Liebesgedichte für die Angebetete, berichtet Ghostwriterin Kathrin Schröder aus Osnabrück. Die Phantomschreiber arbeiten entweder im eigenen Auftrag oder für Agenturen. Das Abkommen ist immer gleich: der Auftraggeber darf die Arbeit unter eigenem Namen veröffentlichen, die Verfasser bleiben anonym. Annette Piechutta hat sich auf Autobiografien, Erfahrungsberichte und autobiografische Romane spezialisiert. «Das Schöne am Ghostwriting sind die interessanten Menschen, die mir vertrauen und sich mir öffnen, und ihre Themen», sagt die Ghostwriterin aus Petersberg. Seit ihrem ersten eigenen Roman wuchs die Liste ihrer Werke auf 29 Bücher an. «Ein guter Schreibstil ist wichtig, aber er nützt nichts, wenn ich es nicht verstehe, Spannungsbögen zu legen, Konflikte zu kreieren und Höhepunkte zu setzen. Das ist Handwerk und muss erlernt werden», sagt Annette Piechutta. Für Biografien müssen Ghostwriter ihre Kunden gut kennenlernen und nicht selten handschriftliche Aufzeichnungen lesen. Kathrin Schröder bekommt täglich Mails mit Impressionen und Fotos aus dem Urlaub eines Kunden. Aus dem Material fertigt sie dann einen Reisebericht. Um Recherchen kommt sie nicht herum: Beispielsweise muss sie prüfen, ob sich ein Regenwald tatsächlich an der vom Kunden beschriebenen Stelle befindet. Drei Bücher hat sie in Arbeit, zwei Kinderbücher sind fertig. Annette Piechutta versucht so zu schreiben, dass sich der Kunde darin wieder findet. «Wer den vermeintlichen Autor persönlich kennt, muss ihn in dem Buch auch wieder erkennen», erklärt Piechutta. Es dürfe nicht das Gefühl entstehen, das habe jemand für ihn geschrieben. Bei Reden empfiehlt es sich, Rücksicht auf die Sprechweise des Auftraggebers zu nehmen. Damit eine Rede großen Eindruck hinterlassen kann, muss sie zum Stil des Vortragenden passen und dabei auch das Publikum und den Ort berücksichtigen. «Zur besonderen Vorbereitung analysieren Redenschreiber Texte, die den Rednern gefallen und lernen dabei deren Stil und stilistische Vorstellungen kennen», sagt Vazrik Bazil vom Verband der Redenschreiber deutscher Sprache. Es gilt, gelieferte Texte sowie Fakten auszuformulieren und dem Ganzen einen dramaturgischen Schliff zu verpassen. «Gedanklich und sprachlich verbiegen muss man sich dabei nicht.» Dabei sollten sich Auftragsschreiber im Urheberrecht gut auskennen. Sie müssen wissen, wann sie plagiieren und ob Sanktionen drohen. Die Türen zum Buchmarkt öffnen sich auch Edelfedern nur über die Aufmerksamkeit von Verlagen, Literaturagenten und Journalisten. «Nicht das Schreiben ist schwierig, sondern Kunden zu gewinnen und sich ein Netzwerk aufzubauen», berichtet Piechutta. «Anfangs verdient man wenig, weil man noch nichts vorweisen kann». Sie selbst hat parallel zu ihrem Job fünf Jahre in der Werbung gearbeitet. Inzwischen warten Kunden bei ihr Monate auf einen freien Platz. Umfang, Buchform und Honorar gilt es auszuhandeln. Für das Entgelt spielen Seitenzahl, geplante Mehrfachverwertungen und Rechercheaufwand eine Rolle. Annette Piechutta nimmt zwischen 55 und 65 Euro netto pro Seite. Gestandene Journalisten und Schreiber verlangen naturgemäß höhere Honorare als Neulinge. Das Geld ist die eine Seite der Medaille, der Spaß am Schreiben die andere. «Ich bringe für andere Menschen die Geschichten ins Rampenlicht, die sie schon lange dort haben wollten», sagt Annette Piechutta. Verträge sind Verhandlungssache Die Honorare werden über verschiedene Modelle gestaltet. Oft wird ein Festpreis vereinbart, mitunter auch eine Umsatzbeteiligung. Faustregeln im Netz beziffern die Kosten einer Biografie von 80 Seiten mit 5000 Euro. Der zweiseitige Brief schlägt mit 60 Euro zu Buche. Eine Rede ist ab 30 Euro zu bekommen. Hoher Rechercheaufwand wird mit bis zu 100 Euro pro Stunde in Rechnung gestellt. (dpa/tmn)
Glaser
Hadamar - Glaser sind Fachleute mit Durchblick. Sie bauen das Aquarium vom Nachbarn, aber auch die Kuppel des Reichstages. Dafür braucht es nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein Talent für Mathematik und räumliches Vorstellungsvermögen. Der Berufswunsch stand für Jens Schreiber aus München schon früh fest. Bereits mit 13 Jahren bastelte er am liebsten mit Glas. In kleinere Bilderrahmen setzte er geschickt neue Scheiben ein und sah vor Neubauten fasziniert den Arbeitern zu, wenn sie Glasfassaden montierten. Seit zwei Jahren arbeitet er als Geselle und plant schon seine weitere Karriere. Ohne Glas läuft heute im Alltag nichts mehr. Es ermöglicht im Auto den Durchblick, isoliert gegen Hitze, Kälte und Lärm und prägt die moderne Architektur. Glaser ist ein moderner Job mit Zukunft. «Die Berufschancen sind gut», beschreibt Stefan Kieckhöfel, Hauptgeschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Glaserhandwerks in Hadamar bei Koblenz, die Lage am Stellenmarkt. Wer sich für dieses Handwerk entscheidet, muss laut Kieckhöfel in Mathematik und naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern gut gewesen sein. Handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen setzt jeder Ausbilder voraus. «Während einer dreijährigen dualen Berufsausbildung werden die angehenden Glaser sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule ausgebildet», erklärt Jorg-Günther Grunwald vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Ausbildung wird in den beiden Fachrichtungen «Fenster- und Glasfassadenbau» sowie «Verglasung und Glasbau» angeboten. In den ersten 18 Monate der Ausbildung sind die Inhalte jedoch dieselben: Es geht um die verschiedenen Glasarten und um die Klebe- und Dämmstoffe, die hauptsächlich verwendet werden. Die Spezialisierung auf eine der Fachrichtungen kommt im zweiten Teil der Ausbildung, die nach drei Jahren mit der Gesellenprüfung endet. Im Bereich Fenster- und Glasfassadenbau lernen die Lehrlinge Herstellung, Montage und Einbau von Fenstern und Fassaden und sind dabei, wenn ein Wintergarten vors Einfamilienhaus gesetzt wird. Wer sich dagegen für Verglasung und Glasbau entscheidet, lernt viel über Kunstverglasungen, Reparaturen und Restaurierungen, Spiegeleinbau und Spezialverglasungen. Walter Dernbach nennt technisches Interesse, mathematische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen, Selbstständigkeit und Ausdauer als Voraussetzungen für den Beruf. Er leitet das Staatliche Berufskolleg Rheinbach bei Bonn, das eine vollschulische Ausbildung in der Fachrichtung Verglasung und Glasbau anbietet. Sie ist der Lehre in einem Betrieb gleichgestellt und staatlich anerkannt. Während sonst in der Glaserausbildung Frauen einen ganz geringen Anteil stellen, sind sie in der Berufsfachschule in der Überzahl. «Bei uns beträgt der Frauenanteil etwa 80 Prozent.» Die Absolventinnen arbeiteten später schwerpunktmäßig in der Planung, Kundenbetreuung und Innenraumgestaltung. Die Ausbildungsvergütungen sind nach Angaben des Bundesinnungsverbandes regional unterschiedlich und richten sich nach den Tarifverträgen in den jeweiligen Bundesländern. Sie betragen im ersten Lehrjahr bis zu 592 Euro, können dann bis zu 644 Euro steigen und im dritten Jahr maximal 693 Euro erreichen. (dpa/tmn)
Gleisbauer
Gleisbauer sind speziell ausgebildete Facharbeiter. Ohne sie können auf den zehntausenden Kilometern des Schienennetzes weder die schnellen ICEs, die zahlreichen Personenzüge, die Güterzüge noch die Stadt- und Straßenbahnen fahren. Und sie werden gebraucht: «Insgesamt sind die Berufsaussichten des Gleisbauers sehr erfreulich», sagt Sascha Nicolai vom Verband der Bahnindustrie Deutschlands (VDB) in Berlin. Von «sehr guten Chancen» spricht auch Uwe Birkert, zuständig für die Ausbildung bei der Deutsche Bahn Gleisbau in Augsburg. «Bei uns haben alle Azubis die Chance, übernommen zu werden», sagt Martina Kubitz in Großbeeren bei Berlin, Personalreferentin beim bundesweit tätigen Gleisbauunternehmen Spitzke AG. Wie in jedem Lehrberuf muss parallel zur Arbeit im Betrieb die Berufsschule besucht werden. Für einen Ausbildungsplatz sind bei den Unternehmen der Deutschen Bahn «Realschulabschluss oder guter Hauptschulabschluss» notwendig, sagt Laura Sukyte-Eickmeyer von der DB Bahnbau in Berlin. Martina Kubitz verlangt «möglichst Realschulabschluss sowie Hauptschulabschluss bei nachweislich hoher Motivation und praktischer Eignung». In den Personalabteilungen erwartet man von den Bewerbern gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und auch Chemie. «Technisches Verständnis ist ganz wichtig», sagt Kubitz, die für 22 Gleisbau-Azubis zuständig ist. Ebenso müssen die Facharbeiter körperlich belastbar sein. Bis vor einigen Jahrzehnte war Gleisbau eine Knochenarbeit. Heute erleichtern moderne Maschinen die körperliche Arbeit. Gelbe Umbauzüge heben die Schienenstränge samt Schwellen aus der Strecke und verlegen sie neu - rund 850 Meter pro Tag. Die Ausbildung dauert drei Jahre und erfolgt in drei Stufen. Das erste Jahr dient der Grundausbildung, die unter anderem Vermessungsmethoden sowie Kenntnisse der verschiedenen Baumethoden vermittelt. Nach einer Zwischenprüfung folgt im zweiten Jahr die sogenannte Fachstufe eins. Hier stehen Arbeiten wie Böschungen anlegen, Bahnkörper entwässern und erste Gleisbauarbeiten auf dem Lehrplan. Im dritten Lehrjahr folgt die Spezialisierung. Größter Ausbilder für Gleisbauer ist die Bahnbau-Gruppe der Deutschen Bahn. In den Ausbildungszentren in Augsburg und in Königsborn bei Magdeburg werden derzeit rund 140 Nachwuchskräfte ausgebildet. «Unter den Mitgliedern des Verbandes Bahnindustrie gibt es sieben Unternehmen, die im klassischen Gleisbau tätig sind. Ein Großteil bildet auch selber diese Fachkräfte aus», sagt Nicolai. Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Lehrjahr bei unter 600 und steigt dann auf 800 Euro. Ein fertiger Gleisbauer könne mit rund 2000 Euro brutto Anfangsverdienst im Monat rechnen, so Birkert. Dazu kommen Sonderzahlungen beispielsweise für Nacht- oder Wochenendarbeit. Informationen: Informationen im Internet:
Goldschmied
Sie arbeiten mit feinen Materialien. Gold und Silber gleiten ihnen fast täglich durch die Hände, mit Edelsteinen wie Diamanten verschönern sie Schmuckstücke. Doch wer Goldschmied werden möchte, sollte nicht mit goldenen Verdienstmöglichkeiten rechnen. Die Arbeit ist hart und teilweise sehr dreckig, der Lohn sowohl als Lehrling als auch als Meister nicht üppig. Dennoch sind die Einsatzmöglichkeiten nach der Ausbildung vielfältig, Arbeitskräfte sind vor allem im Süden gefragt. "Es lohnt sich", sagt Jan Peterandert, Goldschmied-Lehrling in Würzburg. "Der Beruf bietet ziemlich viel Abwechslung. Ich entwerfe Schmückstücke, betreue Kunden und fertige dann das Gewünschte an." Den gebürtigen Lübecker hat es vor knapp drei Jahren nach seinem qualifizierten Hauptschulabschluss ins Unterfränkische gezogen, wo er sich derzeit in der Goldschmiedkunst ausbilden lässt. Rund 280 Euro bekommt der Lehrling im dritten Ausbildungsjahr. "Ich verdiene zwar nicht so viel, aber dafür macht es Spaß", sagt Jan. Rund 950 Mädchen und Jungen entscheiden sich jährlich für den Beruf, bei dem man nicht zwei linke Hände haben sollte. "Man verdient nicht sehr viel, denn wir sind einfach keine Industrie, die das durch den Kunden subventioniert bekommt", erläutert Hans-Jürgen Wiegleb, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere in Osnabrück. Im ersten Lehrjahr könnten die Azubis lediglich mit 200 bis 300 Euro monatlich rechnen, im dritten Jahr seien unter Umständen bis zu 400 Euro drin. Dreieinhalb Jahre dauert die Lehrzeit. Für Abiturienten kann die Ausbildung um ein Jahr verkürzt werden. Wiegleb zufolge entscheiden sich zumeist Frauen für dieses Handwerk. "Die jungen Damen fasziniert das Schöne, dass sie etwas gestalten können." Bis zu 20 Bewerber kommen jedes Jahr auf eine Lehrstelle. "Dann nimmt man den Höchstqualifizierten", sagt Wiegleb, der einen Realschulabschluss, besser noch ein Abitur empfiehlt. Außerdem sollten die Kandidaten kreativ, manuell geschickt, geduldig und einfühlsam sein. "Der Beruf ist wahnsinnig vielseitig", schwärmt Bernhard Thein, Obermeister der unterfränkischen Juwelier-, Gold- und Silberschmiedeinnung und der Chef von Jan in Würzburg. "Wir sind noch sehr stark an den alten Techniken dran - Emaillieren, Granulieren, Schmieden. Es ist eine dreckige Arbeit, denn wir sägen, feilen, schmirgeln und polieren." Zangen, Hammer, Säge und Lötgeräte gehören zum täglichen Brot. Neben der praktischen Ausbildung in meist sehr kleinen Betrieben mit höchstens fünf Angestellten lernen die Nachwuchsgoldschmiede in den Berufsschulen die Theorie. Diese Ausbildung ist für Verbandspräsident Wiegleb unersetzlich. Zwar könnten angehende Goldschmiede auch an Universitäten oder Fachhochschulen die Kunst studieren. Dennoch bleibe hier die handwerkliche Arbeit auf der Strecke. "Wir sind ein Beruf, in dem die Idee auch umgesetzt wird", sagt Wiegleb. "Das Studium ist eine Oase, in der man kreativ die Gestaltungsmöglichkeiten erforscht." Den Theoretikern fehle das Gefühl für die tägliche Arbeit unter Zeitdruck und unter wirtschaftlichen Zwängen. Wiegleb rät, nach dem Schulabschluss zuerst eine Lehre anzustreben und dann ein Studium anzuschließen. Die Zukunftsaussichten für Goldschmiede sehen in Süddeutschland nicht schlecht aus. Im Norden dagegen, aber auch und gerade in den ostdeutschen Ländern, haben es Gesellen schwer. "In unserer Region ist die Arbeitslosigkeit hoch und die Kaufkraft gering", sagt der Stralsunder Obermeister der Goldschmiedeinnung Ostmecklenburg-Vorpommern, Claus Stabenow. Bei der Besetzung von Stellen seien die Betriebe vorsichtig. Stabenow rät jedoch, die strukturschwachen Regionen nicht zu verteufeln. Als Selbstständiger mit Unterstützung wie dem Gründerzuschuss der Bundesagentur für Arbeit sei eine Etablierung in der Branche auch hier möglich. An einer Uni oder einer Fachhochschule wie in Wismar ausgebildete Schmuckdesigner hingegen hätten mehr Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden. Von einer Abwanderung ins europäische Ausland raten die Experten ab - in der Regel sei dort das Lohnniveau noch geringer als in Deutschland, vor allem in Osteuropa.
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