Ausbildungsberufe von A bis Z

Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.

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Hafenschiffer

Es sind nicht die Noten, die Hans Staub bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz zum Hafenschiffer besonders interessieren. Der erste Blick des Ausbildungsleiters in der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) gilt der Rubrik «Versäumnisse».

Jeder, der da unentschuldigte Fehltage im Zeugnis stehen hat, landet bei den Absagen: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für Hafenschiffer unverzichtbar. Daran hat auch eine Neuverordnung des Berufsbildes nichts geändert: «Inhaltlich ist der Hafenschiffer der alte geblieben», so die Meinung des Ausbilders. Anders stellt sich das für die Festmacher dar, die von der See- und Landseite her große Schiffe an den Kaimauern festmachen. Für diese Tätigkeit gab es bisher keinen Ausbildungsberuf. Jetzt wurden die Festmacherei und auch der Güterumschlag auf Schuten in die neue Ausbildungsverordnung integriert.

«Der Ausbildungsberuf Hafenschiffer ist durch die Modernisierung auf breitere Füße gestellt worden», erklärt Dagmar Winzier, Referentin im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Qualifikationen seien angehoben worden: «Die brauchen sowohl technisches Verständnis als auch kommunikative Fähigkeiten, wenn sie Personen im Fähr- und Touristikverkehr befördern».

Zu den Ausbildern gehört die Alster Touristik ATG. Die Alsterdampfer sind allerdings hauptsächlich auf Nebengewässern unterwegs und durchfahren den Hamburger Hafen nur am Rand. «Wir benötigen qualifizierten Nachwuchs», so Ausbildungsleiter Stefan Mager, der dabei mit der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG kooperiert: «Allein können wir das Berufsbild nicht abdecken, weil uns der Hafen fehlt».

Genau genommen sind es ein Hafenschiffer und eine Hafenschifferin, die am ersten August bei der ATG an Bord gegangen sind: «Ich mag die Arbeit auf dem Wasser und den Kontakt mit den Gästen», sagt Isabel Mondorf. Dass die 22-Jährige zusammen mit einer weiteren Auszubildenden die weibliche Ausnahmen unter den 24 neu gestarteten Hafenschiffern sind, fällt der Realschülerin kaum auf: «Wir machen hier alles zusammen. Niemand bekommt eine Sonderrolle.»

Die Staatlichen Gewerbeschule Werft und Hafen in Hamburg ist bisher die einzige Berufsschule, die Hafenschiffer unterrichtet. «Die meisten Schüler kommen aus der Touristik», so Berufsschulkoordinator Thomas Frank. Aber auch die Behördeneinrichtungen und Festmacher bilden aus.

Das Gehalt ist ausbildungsplatzabhängig. Bei den Behörden, Fähr- und Touristikbetrieben fangen die Auszubildenden im ersten Lehrjahr bei 610 Euro an und bekommen jedes Jahr 50 Euro mehr. Im gewerblichen Bereich und bei den Schiffsbefestigern liegt die Ausbildungsvergütung darunter. Ausgebildete Hafenschiffer steigen oft mit einem Grundgehalt von 2200 Euro brutto monatlich ein und bekommen für Sonn-, Nacht- und Feiertagsarbeit Zulagen.

www.bibb.de/de/20718.htm; infobub.arbeitsagentur.de/berufe

Haustechnikspezialist

Es wird wohl etwas dauern, bis sich der Name Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik einbürgert. Am 1. August hat er die bisherigen Berufe Gas- und Wasserinstallateur sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbauer abgelöst.


Laien sprechen traditionell lieber vom Klempner. «Aber diese Bezeichnung ist grundfalsch», sagt Sabine Dyas, Geschäftsführerin des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in St. Augustin.


Tatsächlich hat der Klempner mit Bädern nichts mehr zu tun. Er kümmert sich um Metallbedachungen, etwa auf Kirchtürmen. Was die Branche aber vor allem stört, ist die abwertende Absicht, in der gewöhnlich der Klempner zitiert wird. «Man hält das für eine niedere Tätigkeit», klagt ZVSHK-Präsident Bruno Schliefke.


Der neue Ausbildungsberuf soll nun helfen, dieses Image zu ändern. Am liebsten hätte der Verband die Berufsbezeichnung Gebäude- und Energietechniker gehabt. «Aber die war dem Wirtschaftsministerium zu weit gefasst», sagt Claus Drewes von der IG Metall in Frankfurt. Falsch wäre sie nicht: Der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik kümmert sich nicht nur um Toiletten, Duschkabinen und Badewannen, er installiert und wartet auch Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen und ist in zunehmendem Maße mit Umwelttechnik befasst.


Auch von der Elektronik wird das Berufsbild immer stärker geprägt. Die stärkere Gewichtung dieses Ausbildungszweiges drückt sich auch darin aus, dass fertige Anlagenmechaniker künftig ohne Zusatzprüfung die Verantwortung einer «Elektrofachkraft» übernehmen können. Angehende Anlagenmechaniker bekommen während ihrer dreieinhalbjährigen Lehrzeit ein breiteres Wissen vermittelt als bisher. Es wurde aber auch «entrümpelt»: So gehört das Löten von Bleirohren laut ZVSHK-Präsident Schliefke im Lehrplan der Vergangenheit an.


Interessenten sollten mindestens einen guten Hauptschulabschluss mitbringen. «Mit einer Vier in Mathe schafft man den Beruf nicht», warnt Schliefke. Technisches Verständnis ist schon deshalb von Nöten, weil in der Haustechnik wenig nach einem vorgegebenen Muster abläuft.


Aber auch ästhetisches Empfinden könne in den Beruf eingebracht werden, heißt es bei der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg. Immerhin berät der Anlagenmechaniker Kunden auch in den optischen Fragen der Badgestaltung. «Gute Bäderbauer haben schon einmal ein Budget von 80 000 Euro», weiß ZVSHK-Geschäftsführerin Sabine Dyas.


Insgesamt kann dem Beruf eine günstige Prognose gestellt werden. Da die Branche 80 Prozent ihres Umsatzes mit der Renovierung bestehender Häuser erzielt, ist sie weniger vom Auf und Ab des Baugewerbes gebeutelt als andere. Fertige Anlagenmechaniker verdienen derzeit im ersten Berufsjahr je nach Bundesland zwischen 1200 und 1700 Euro brutto im Monat. Weiterbildungen sind beispielsweise zum Betriebswirt des Handwerks, zum Techniker oder Meister möglich.
Hebamme

Wenn der Nachwuchs mit dem ersten kräftigen Schrei seine Existenz ankündigt, steht so gut wie immer eine fremde Frau am Bett der Mutter. Die Anwesenheit der Hebamme schreibt sogar das Gesetz vor.


Beruflicher Nachwuchsmangel besteht bei Hebammen nicht. «Wahnsinnig überlaufen», beschreibt Edith Wolber vom Bund Deutscher Hebammen (BDH) in Karlruhe die Situation. Die Ausbildung erfolgt an Hebammenschulen. Es gibt jedoch kein einheitliches Auswahlverfahren für die Aufnahme.


«Von 1000 Bewerbungen können 25 berücksichtigt werden. Da haben nur die Besten und Motiviertesten Chancen.» Als Voraussetzungen gelten gesundheitliche Eignung, Realschulabschluss oder gleichwertige Ausbildung sowie Hauptschulabschluss und mindestens abgeschlossene Berufsausbildung.


Die entsprechenden Bestimmungen schreiben als Alter das vollendete 17. Lebensjahr vor. «Bewerberinnen sollten schon älter sein, keine Schule nimmt solche junge Anfängerinnen auf, ihnen fehlt ein ganzes Stück Lebenserfahrung», sagt Edith Wolber. Sie hält ein Mindestalter von etwa 22 Jahren für richtiger. Die Ausbildung an Hebammenschulen, die Krankenhäusern angegliedert sind, dauert drei Jahre. Eine abgeschlossene Ausbildung als Krankenschwester beispielsweise wird mit zwölf Monaten angerechnet.


Den überwiegenden Teil ihrer Arbeit leisten die Hebammen vor und nach der Geburt, also außerhalb einer Klinik. Es sind freiberufliche Fachkräfte, die etwa zwei Drittel der in diesem Beruf Tätigen ausmachen. Dorothea Kühn vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) in Frankfurt unterstreicht die Bedeutung dieser Art der Betreuung: «Wir bereiten die Schwangeren intensiv auf die Geburt vor, unter anderem durch entsprechendes Atemtraining, das die Wehen erleichtern kann.»


Der Nachwuchs erblickt in der Regel im Krankenhaus das Licht der Welt. Dorothea Kühn verweist auf die zunehmende Bedeutung von Geburten zu Hause und Niederkünften in den so genannten Geburtshäusern, von Hebammen geleiteten Einrichtungen. «Etwa 10 000 Kinder bringen wir außerhalb von Kliniken zur Welt.»


Wer den Beruf der freien Hebamme ergreift, muss sich auf lange Arbeitstage und unregelmäßigen Dienst einstellen. «Viele Geburten beginnen nachts, man weiß nie wann», erzählt Dorothea Kühn. Hebammen sind für die Schwangeren ständig erreichbar. «Fünf Wochen vor der zu erwartenden Geburt wird dann eine dauernde Rufbereitschaft vereinbart.»


Natürlich wird der Einsatz vergütet. Die Honorare richten sich nach der Hebammen-Gebührenordnung und werden von den Kassen übernommen. «Die Freien können zwischen 15 000 und 60 000 Euro im Jahr verdienen», sagt Kühn. «Im Anstellungsverhältnis liegt das monatliche Gehalt für eine ausgebildete, etwa 30 Jahre alte Hebamme zwischen 1500 und 2000 Euro», sagt Edith Wolber.
Holz- und Bautenschützer

Pilze zerstören die Balken, das Mauerwerk ist feucht, Sanierputz muss aufgebracht werden: Das Arbeitsfeld eines Holz- und Bautenschützers ist abwechslungsreich.

Zunehmend kommen Baumängel aus vergangenen Jahrzehnten zum Vorschein. Weil die Bautätigkeit in den zurückliegenden Jahren stetig gesunken ist, sucht die Branche nun verstärkt nach qualifizierten Fachkräften für den Holz- und Bautenschutz. Nun gibt es dafür eine eigene Ausbildung.

Der Deutsche Holz- und Bautenschutzverband (DHBV) bemüht sich seit mehr als 20 Jahren, das Arbeitsgebiet als eigenständigen Beruf samt Ausbildung zu etablieren, sagt Klaus-Dieter Wendelmuth aus Weimar (Thüringen). «In der Vergangenheit haben Maler und Lackierer, Zimmerleute und Maurer den Job des Schädlingsbekämpfers gemacht», erläutert der Leiter des Aus- und Fortbildungszentrums beim Bildungswerk Bau Hessen-Thüringen.

«Wenn sich beispielsweise der Holzwurm in einen Dachstuhl hineingefressen hat, gibt es verschiedene Methoden, wie man dann vorgehen kann», sagt Wendelmuth. Entweder der Fachmann rückt mit Giftstoffen an oder schneidet das befallene Holz aus der Gesamtkonstruktion heraus und ersetzt es durch neues.

Die Ausbildung zum Holz- und Bautenschützer dauert drei Jahre. Nach zwei Jahren Lehrzeit dürfen sich die jungen Menschen bereits Fachkraft für Holz- und Bautenschutzarbeiten nennen, erläutert Volker Paul vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. «Sie arbeiten dann unter Anleitung.» Wer sich für eine dreijährige Ausbildung entscheidet, spezialisiert sich im dritten Lehrjahr entweder auf Holz- oder Bautenschutz.

Im ersten Lehrjahr verdienen Azubis dem DHBV zufolge im Schnitt zwischen 490 (Ost) und 554 Euro (West), im dritten Ausbildungsjahr sind es zwischen 864 und 1086 Euro. Holz- und Bautenschützer haben nach Aussagen von Gerd Woweries, Bereichsleiter der Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer in Berlin, vor allem mit Holzschäden zu tun oder arbeiten vorbeugend, um diese Schäden zu vermeiden. Wer sich während der Ausbildung im Bautenschutz spezialisiert hat, kommt direkt am Mauerwerk eines Hauses zum Einsatz. «Beim Bautenschutz geht es zum Beispiel um das Austrocknen feuchter Bauwerke», erklärt der Experte.

Ausbildungsleiter Wendelmuth warnt, die körperlichen Erfordernisse des Jobs zu unterschätzen. «Man braucht eine gute Kondition.» Die Arbeit selbst, insbesondere des Holzschützers, sei trotz der eingesetzten Giftstoffe nicht gesundheitsgefährdend, «wenn mit Masken gearbeitet wird und auch andere Schutzmaßnahmen eingehalten werden».

Voraussetzung sind ein guter Hauptschulabschluss, besser noch ein Realschulabschluss. Ist die Lehrzeit erst geschafft, seien die Jobaussichten relativ gut. «Der Bedarf nach Instandsetzung und Sanierung existierender Bausubstanz wird immer größer», sagt Woweries.

Informationen: Deutscher Holz- und Bautenschutzverband, Hans-Willy-Mertensstraße 2, 59858 Köln.

Informationen zum neuen Ausbildungsberuf: www.bibb.de/de/27369.htm

Informationen zum Holz- und Bautenschutz: www.dhbv.de (dpa/tmn)

Hörgeräteakustiker

Etwa 15 Millionen Bundesbürger hören schwer. Ein Hörgerät kann sie sogar Brahms-Werke oder Vogelzwitschern erleben lassen. Hörgeräteakustiker bauen und pflegen solche Hilfen.

Dafür müssen sie gleichzeitig Menschenkenner und Techniker sein. Von einem «hochinteressanten Beruf mit breitem Berufsfeld» spricht Ludwig Conrad von der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck (AHA). Die AHA ist die zentrale Berufsschule der Branche.

«Es ist bewegend, wenn man ein taub geborenes Baby auf seinem Weg beobachten kann, den es dank eines Hörgerätes findet», schwärmt die Meisterin Gundi Fritsche vom Dresdner Hörgerätezentrum. Die gelernte Audiologie-Assistentin und Absolventin der Lübecker Schule kam bei der Arbeit in einer Uniklinik auf den Geschmack.

Vom Baby bis zum Greis zählt jede Altersgruppe zu den Kunden der Branche. «Hörschäden werden heutzutage immer genauer und früher diagnostiziert», sagt Gundi Fritsche. Hörgeräteakustiker sehen ihre Klienten im Schnitt einmal pro Vierteljahr - und das manchmal jahrzehntelang. «Das macht eine sehr persönliche Betreuung möglich», erklärt die Meisterin. Das Messen der Hörminderung und das Bauen, Justieren und Reparieren von Hörhilfen gehören zu den vornehmsten Aufgaben eines Hörgeräteakustikers. Bei der Wahl der Farbe des Gerätes ist sein Geschmack gefragt.

Das Einhalten hygienischer Standards ist Berufspflicht. Hörgeräteakustiker kommen Menschen nahe wie Ärzte oder Pflegende. «Sie haben im Idealfall Umgangsformen wie ein Juwelier», sagt Günter Steinmeier, der Vorsitzende des Unternehmerverbandes der Branche. Fingerspitzengefühl ist in dem technischen Beruf ein Muss. «Kunden tragen sich bis zu zwei Jahre mit dem Gedanken an eine Hörhilfe. Der Schritt über unsere Schwelle fällt vielen sehr schwer», sagt Gundi Fritsche. Ältere wollen gern plaudern. «Erstgespräche von anderthalb Stunden sind normal.» Fachvorträge sind aber tabu.

Die dreijährige duale Ausbildung gliedert sich in den Schulteil in Lübeck und die Praxis im Betrieb. «Wir haben viele hörgeschädigte Lehrlinge», erzählt Ludwig Conrad von der AHA. Die Ausstattung der Schule mit 35 Messkabinen ist nach Einschätzung des Dozenten weltweit einmalig. Auch Meisterlehrgänge finden hier statt. Real- oder Mittelschüler sind bei Günter Steinmeier willkommen: Er stellt jedes Jahr sechs bis acht Lehrlinge ein und schätzt berufspraktische Vorbildung besonders. Auch Physik sollte kein Buch mit sieben Siegeln sein.

Azubis lernen das Gießen von Ohrmuschel-Modellen ebenso wie Gerätebau und -anpassung. Während der Lehre muss auch mal die Lärmbelastung eines Rasenmähers berechnet oder ein Hörgerät durch Feinlöten unter dem Mikroskop instand gesetzt werden. Grundlagen der Medizin des Hörens, der Akustik und der Elektrotechnik runden die Ausbildung ab.

«Es gibt so gut wie keine arbeitslosen Hörgeräteakustiker», beschreibt Ludwig Conrad die Berufschancen. Er nennt die Profession eine Art «Helferberuf». Sorgen bereitet der Branche allerdings die wachsende Konkurrenz durch HNO-Ärzte, die Hörgeräte in den Praxen ausgeben. Gundi Fritsche schätzt die stabilen Beziehungen zu ihren Kunden: «Hörgeräteakustiker ist ein wundervoller Beruf für alle, die gern mit Menschen umgehen», sagt sie.

Fachverband Deutscher Hörgeräteakustiker: www.fdh-ev.de

Akademie für Hörgeräte-Akustik: www.aha-luebeck.de

Bundesinnung der Hörgeräteakustiker: www.biha.de

Jährlich 700 Absolventen

Rund 700 Lehrlinge verlassen jährlich die Akademie für Hörakustik in Lübeck. Mädchen sind leicht in der Überzahl. Azubis bekommen zwischen 355 und 585 Euro monatlich. Die Bundesagentur für Arbeit beziffert das Monatseinkommen angestellter Hörgeräteakustiker auf bis zu 2100 Euro. Rund 3800 Unternehmen gibt nach Branchenschätzungen bundesweit. Die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker in Mainz zählt nach eigenen Angaben 1500 Mitgliedsunternehmen. Der Unternehmerverband Fachverband Deutscher Hörgeräteakustiker in Braunschweig führt 150 Mitgliedsunternehmen.

(dpa/tmn)
Hostess „on board"?

Irgendwas geht an Bord immer schief. Und wenn es nur die verlegte Sonnenbrille ist, die ein Kreuzfahrt-Passagier vermisst. Gut, wenn es dann jemanden gibt, der für solche Probleme zuständig ist. Eine einheitliche Bezeichnung für solches Personal gibt es nicht. "Früher hieß das mal Kummertante, heute klingen die Bezeichnungen dynamischer", sagt Johann Zurnieden vom Schifffahrtsausschuss des Deutschen Reiseverbandes (DRV).
"Mal heißt es Butler, mal Concierge oder Hostess", so der Geschäftsführer des Veranstalters Phoenix Reisen in Bonn. "Bei uns heißen sie schlicht Reiseleiter." Je nach Reederei oder Veranstalter sind sie fest angestellt oder haben befristete Verträge.

Eigentlich sollte man meinen, Passagiere auf der "Queen Mary 2" müssten wunschlos glücklich sein. Aber es gibt immer wieder Gäste, die noch etwas auf dem Herzen haben. Dann ist Isabelle Bastian gefragt. Die gelernte Hotelfachfrau ist als Hostess auf dem Ozeanriesen und damit Ansprechpartnerin Nummer eins für alle erdenklichen Sorgen und Nöte, die an Bord auftauchen können.

Ein Ausbildungsberuf ist Hostess nicht. Erfahrung in der Hotelbranche ist nicht ungewöhnlich. "Fundierte touristische Fachkenntnisse sind absolute Voraussetzung", sagt Negar Etminan, Pressereferentin bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg.

"Qualifikationen, die an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gebraucht werden, gehören auch für Hotelfachleute zur Ausbildung", ergänzt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin. "Flexibilität zum Beispiel, ein hohes Maß an Belastbarkeit, die Fähigkeit zu organisieren und zu improvisieren." Auch viele Hotels haben Mitarbeiter im "Guest Relation Management" - genau das, wofür Isabelle Bastian auf der "Queen Mary 2" verantwortlich ist.

Bei den Kreuzfahrtreedereien sind die Zuständigkeiten dafür unterschiedlich verteilt. Auf den Schiffen von Transocean Tours zum Beispiel gibt es sie nicht. Auf der "MS Astor" fährt seit diesem Frühjahr allerdings ein Concierge mit. "Der hat gegenüber der Rezeption seinen eigenen Tresen", sagt Reederei-Sprecher John Will. Wer beim nächsten Landgang einen Mietwagen braucht, einen Stadtplan oder für abends Theaterkarten, bespricht das mit dem Concierge.

Vom Concierge wird auch bei Hapag-Lloyd erwartet, dass er schnell und diskret die Wünsche seiner Gäste erfüllt - selbst wenn von einem Tag auf den anderen noch ein Tisch in einem New Yorker Restaurant gebucht werden soll, das üblicherweise auf Monate im Voraus ausgebucht ist. Weltweite Kontakte sind deshalb unverzichtbar.

Meist handelt es sich um alltägliche Probleme: "Das fängt mit der vergessenen Zahnbürste an und endet beim verlorenen Ehering", sagt Ingo Thiel von der Cunard-Reederei in Hamburg. Oft ist Kreativität gefragt, wie im Fall der aufgeregten Dame, die auf der "MS Europa" an den Kapitänstisch geladen wurde, aber ihre schwarzen Schuhe zu Hause gelassen hatte. Der Concierge hat das Problem auf seine Weise gelöst - und mit schwarzer Schuhcreme ein weißes Paar Schuhe entsprechend umgearbeitet. Die Passagierin war glücklich, dem Kapitän ist nichts aufgefallen.

Auf der "Queen Mary 2" ist die Hostess beispielsweise auch für die Bordzeitung verantwortlich. Sie informiert die Passagiere über das Schiff, begleitet Ausflüge und plaudert abends an der Bar mit Gästen, die jemanden brauchen, der ihnen zuhört. "Mittags haben die Hostessen in der Regel länger frei", sagt Cunard-Sprecher Ingo Thiel. "Dafür haben sie aber sieben Tage die Woche zu tun und selten früh Feierabend."
Hotelfachfrau/-mann

Benjamin Leimich wusste schon früh, dass er am liebsten im Hotel arbeiten würde. Noch während der Schulzeit hat er ein Praktikum im "Vier Jahreszeiten" in Hamburg gemacht und war sofort Feuer und Flamme. In dem Fünf-Sterne-Haus lernt er nun Hotelfachmann. Hotellerie und Gastronomie sind ein Arbeitsfeld, das für Jugendliche immer wichtiger geworden ist.
"Die Zahl der Ausbildungsverträge hat sich seit Anfang der neunziger Jahre fast verdoppelt", sagt Ingrid Hartges, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin. Die Zahl der Bewerber ist allerdings höher als die der Ausbildungsplätze für Hotelfachleute.

Das gilt auch für das Hamburger "Raffles Hotel Vier Jahreszeiten". "Wir bekommen täglich fast ein Dutzend Bewerbungen", sagt Personalleiterin Claudia Schnirch. Klappt es mit dem Ausbildungsvertrag, lernt der Azubi das Hotel von oben bis unten kennen: "Von der Rezeption über den Verkauf, die Hauswirtschaft, Küche, Restauration und Wäscherei bis zum Weinkeller", zählt die Personalchefin auf. Auch die kaufmännische Abteilung ist eine Ausbildungsstation.

Anders als das 1897 eröffnete "Vier Jahreszeiten" gibt es das "Kempinski Grand Hotel Heiligendamm" an der Ostsee erst seit zweieinhalb Jahren. "Unsere ersten Azubis werden 2006 fertig", sagt die dortige Personalleiterin Bianca Haug. Etwa ein Vierteljahr vor Ausbildungsende steht ein Gespräch über die weiteren Perspektiven an. "Viele wollen sich noch anderswo umgucken.", sagt Haug.

"Abitur muss zwar nicht sein, ist aber auch nicht ungewöhnlich", erläutert die Personalchefin. Mindestvoraussetzung ist ein Hauptschulabschluss. "Wir bevorzugen außerdem Bewerber, die schon 18 sind, auch wegen des Jugendarbeitschutzgesetzes, bei uns ist schließlich 24 Stunden am Tag was los." Fremdsprachenkenntnisse, vor allem in Englisch, sind kaum verzichtbar.

Bewerbern sollte außerdem klar sein, dass im Hotel Dienstleistung groß geschrieben wird: "Man ist ja nicht nur an der Rezeption und begrüßt ständig prominente Gäste", sagt Ingrid Hartges. "Man arbeitet auch auf Etage, das heißt, man reinigt auch die Zimmer." Wichtig seien Teamfähigkeit und ein Talent im Umgang mit Menschen. "Im Hotel heißt das Motto "Freundlichkeit siegt"." Fingerspitzengefühl ist auch gefragt, wenn einzelne Gäste einen Sonderwunsch nach dem anderen äußern. Benjamin Leimich hat in dieser Hinsicht allerdings noch keine unangenehmen Erfahrungen gemacht, dabei hat er schon manchen Prominenten im Zimmer gehabt - Bill Clinton inklusive.

Die Ausbildungsvergütung für Azubis hängt stark vom Bundesland ab: In Thüringen etwa beginnt sie bei 328, in Berlin bei 470 Euro monatlich im ersten Jahr. Im dritten sind es 478 und 640 Euro. Nach bestandener Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer bieten sich Hotelfachleuten nicht nur in der Hotellerie und Gastronomie Chancen: "Man erwirbt einfach viele Kenntnisse, die auch anderswo gefragt sind", sagt Ingrid Hartges.

Informationen:
Deutscher Hotel- und Gaststättenverband
10873 Berlin
Tel.: 030/72 62 520
E-Mail: info@dehoga.de

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