Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Industriekeramiker
Wer bei Keramik nur an Badezimmer-Fliesen denkt, bezweifelt wahrscheinlich, dass sich eine Ausbildung in diesem Bereich lohnt. Wer weiß, dass der Chefdesigner eines großen deutschen Autobauers einst als Industriekeramiker angefangen hat, ahnt dagegen die Möglichkeiten. High-Tech und Tradition seien in diesem Berufsbild so eng verknüpft wie in kaum einem anderen, sagt Peter Frischholz, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Keramischen Industrie (VKI) in Selb (Bayern). Es gibt viele Bereiche, aus denen keramische Bestandteil nicht mehr wegzudenken sind: Dieselrußfilter oder Elemente im Auslöser von Airbags, künstliche Hüftgelenke oder Zahnfüllungen. Besonders im Kommen sei die technische Keramik, sagt Matthias Schlotmann vom Bundesverband Keramische Rohstoffe (BVKR) in Koblenz. Dieser Zweig habe in den vergangenen zwölf Jahren seine Umsätze verdoppelt. Angeboten wird die Ausbildung zum Industriekeramiker in vier Fachrichtungen: in der Anlagen-, der Dekorations-, der Modell- und der Verfahrenstechnik. Gelernt wird in Betrieb und Berufsschule. Für alle Azubis stehen zwölf Monate lang die gleichen Inhalte auf dem Programm. Neben Umweltschutz- und Sicherheitsfragen zählen dazu vor allem Formgebung und Veredlung, Trocknen und Brennen, Qualitätskontrolle sowie das Berechnen der "Schwindung". Da die Produkte am Ende immer gleich groß sein sollen, muss ein Industriekeramiker ausrechnen können, um wie viel sie beim Brennen schrumpfen. Während Industriekeramiker mit der Spezialisierung Anlagentechnik vor allem Produktionsanlagen für keramische Erzeugnisse einrichten, bedienen und überwachen, stellen sie in der Richtung Verfahrenstechnik überwiegend keramische Massen, Glasuren und Arbeitsformen her. Außerdem formen sie die Massen und brennen die Produkte. Wer im Bereich Dekorationstechnik arbeitet, malt, spritzt oder druckt Dekors auf Porzellan- und Keramikprodukte und glasiert sie. In der Modelltechnik werden Modelle und Formen aus Gips, Kunststoff oder Metall für die Produktion von keramischen Gegenständen gefertigt. Schon vor Ausbildungsbeginn lässt sich klären, ob jemand gesundheitlich nicht für den Beruf geeignet ist. "Auf keinen Fall Asthmatiker", sagt Hubert Meder von der Berufsgenossenschaft der keramischen und Glas-Industrie in Würzburg. Auch für Allergiker oder Menschen mit Hautproblemen sei der Job wegen der häufigen "Feuchtarbeit" nicht unbedingt ratsam. Oft müssten Teile von Hand durch Glasuren gezogen werden. Das Azubigehalt gibt das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn mit 554 Euro (Ost: 487 Euro) im ersten, 603 (Ost: 539) im zweiten und 652 (Ost: 576) im dritten Jahr an. Ausgebildete Industriekeramiker Modelltechnik erhalten laut Tarifsammlung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit zwischen 12,62 und 13,67 Euro Bruttostundenlohn.
Informationen im Internet:
Industriemechaniker
Moderne Produktionsanlagen stellen deutlich mehr Anforderungen an das Wissen von Facharbeitern. Industriemechaniker sorgen für das reibungslose Funktionieren dieser Maschinensysteme. Facharbeiter mit diesem Abschluss sind daher gefragt. Eine Ausbildung zum Industriemechaniker sei deshalb eine gute Entscheidung, sagt Sven Räß vom Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie in Berlin. Stellen gibt es vor allem in der Metall- und Elektrobranche, aber zum Beispiel auch in der Chemie- und Kunststoffbranche oder der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Selbst städtische Verkehrsbetriebe bilden aus. Industriemechaniker spezialisieren sich entsprechend auf die Richtungen Feingeräte- oder Maschinenbau, Instandhaltung oder Produktionstechnik. Zu ihren Aufgaben zählt das Einstellen konventioneller Maschinen, von Industrierobotern sowie Fertigungsstraßen oder das Einlesen von CNC-Programmen. Auch der Einbau von elektronischen Komponenten oder technische Berechnungen werden von ihnen erwartet. "Industriemechaniker müssen die Produktionsanlagen ihres Betriebes kennen, bei der Suche nach Fehlern rasch Schlüsse ziehen und reagieren", sagt Ausbildungsleiter Hans-Josef Moor von der Firma SGL-Carbon GmbH Bonn. Ihr Aufgabenprofil ist nach seiner Einschätzung umfangreicher als beim Maschinen- und Anlagenführer. Industriemechaniker gehen Ingenieuren regelmäßig zur Hand. Schichtarbeit, das Stehen in unbequemen Position, Maschinenlärm sowie Kontakt mit Staub und Schmiermitteln sind an der Tagesordnung. Überstunden gehören dazu. Das Gesetz schreibt für die duale Ausbildung von dreieinhalb Jahren Dauer keinen Schulabschluss vor. Die Bundesagentur für Arbeit nennt analytisches und logisches Denken als Voraussetzung. Englisch-Kenntnisse sind von Vorteil. Gute Noten in Informatik, Physik und Mathematik werden gern gesehen. Im ersten und zweiten Lehrjahr lernen Azubis Baugruppen - wie Komponenten einer Anlage im Maschinenbau heißen - kennen, herstellen und warten. Später installieren sie Systeme und arbeiten mit numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen. Ab dem dritten Lehrjahr vertiefen sie Kenntnisse in einer der vier Richtungen. Zur Abschlussprüfung lösen die Prüflinge einen Auftrag, dokumentieren ihn und führen ein Fachgespräch darüber. Der Beruf ist eine Männerdomäne: Nur vier Prozent der Lehrlinge sind weiblich. Sven Räß hält den Beruf durchaus für Mädchen geeignet. "Die Zeiten von schwerer körperlicher Schmutzarbeit sind vorbei. Jetzt ist technisches Verständnis wichtig", sagt er. 2007 arbeiteten laut Bundesarbeitsagentur 146 152 Menschen in dem Beruf, davon mehr als 30 000 in Ostdeutschland. Im Jahr 2007 begannen nach den Daten des Verbands Gesamtmetall 15 149 Jugendliche eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Derzeit erlernen 52 186 Azubis den Beruf, darunter 2136 Mädchen. Lehrlinge erhalten zwischen 684 Euro und 885 Euro pro Monat - je nach Ausbildungsjahr, Betrieb und Region. Der tarifliche Bruttolohn nach der Ausbildung liegt bei 2700 Euro im Monat.
Informationen im Internet:
Instrumentenbauer
Der gute Ton ist für Metallblasinstrumentenbauer der Maßstab aller Dinge. Das Aussehen folgt auf Platz zwei. "Die Sternstunde des Berufes schlägt, wenn ein großer Musiker ein individuelles Instrument bestellt", sagt Bernd C. Meyer aus Dresden. Der Meister für Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugbau arbeitet zum Beispiel für das Orchester der Semperoper Dresden oder die Sächsische Staatskapelle und das seit 25 Jahren. "Instrumente von Profimusikern erkenne ich immer wieder", sagt er. "Ohne musikalischen Bezug kann man unser Handwerk nicht ausüben", sagt Meyer. Geschickte Hände, räumliches Vorstellungsvermögen, Sinn für Technik, Material und Ästhetik von Form und Farben und ein normales Gehör für Musik müssen Bewerber mitbringen, erläutert die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. "Kandidaten sollten ein Blechblasinstrument in gewisser Perfektion spielen können", fordert Meyer. Ein absolutes Gehör sei entgegen landläufigen Vorstellungen eher hinderlich. "Ich halte es für störend, wenn ein Instrumentenbauer ein großer Musiker ist", sagt Thomas Hahn, Vize-Vorsitzender des Bundesinnungsverbandes für das Musikinstrumentenhandwerk in Düsseldorf. Damit steige das Risiko, Instrumente nur für den eigenen Bedarf zu bauen. Bewerber überschätzten den kreativen Anteil oft, hat Hahn beobachtet. Vor allem in großen Firmen seien die Arbeitsgänge genormt. "Die Kunst besteht darin, den Künstler zu verstehen", sagt Hahn. Kommunikationstalent hilft in vieler Hinsicht: "Man muss dem Kunden verkaufen, was man kann", sagt er. Allergien gegenüber Neusilber, Nickel und Öl gelten als Ausschlussgründe. Wer ungenau oder ungeduldig arbeitet oder Probleme mit Kreislauf, Wirbelsäule oder Atemwegen hat, sollte sich ebenfalls anderweitig umschauen. Werkstätten und Firmen bilden aus. Berufsschulen in Markneukirchen (Sachsen), Ludwigsburg und Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen lehren Theorie. Informationen zur Ausbildung erhalten Interessenten in Werkstätten, bei Bundes- und Landesinnungsverbänden, der IG Metall und beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Der Lehrlingslohn bewegt sich zwischen 281 Euro und 430 Euro im Monat. Die angehenden Gesellen lernen dabei die Arbeit am Metall von der Pieke auf. Das Lesen technischer Zeichnungen steht ebenso auf dem Plan wie das Fertigen und Reparieren von Ventilen oder Schalltrichtern. Ohne gründliche Kenntnis von Aufbau und Funktion verschiedener Instrumente klappt das nicht. "Die Hälfte der Arbeit beschäftigt sich damit, dass es glänzt", sagt Meyer. Mit der Kontrolle der Töne macht der Lehrling die Probe aufs Exempel. Die Bundesinnung des Musikinstrumentenhandwerks kritisiert die Berufsbildung als zu "praxisfern". Der Fokus liege auf Anfertigung, während Reparaturen nur am Rand eine Rolle spielten. "In der Werkstatt verhält es sich genau umgedreht", sagt Hahn. Prüfungen nehmen die Industrie- und Handels- oder die Handwerkskammern ab. Bei der praktischen Prüfung fertigen die Kandidaten binnen vier Stunden beispielsweise ein Schallstück und setzen in acht Stunden ein Instrument aus vorgefertigten Teilen zusammen. "Der Geselle muss ein Instrument mit seinen Händen bauen können", erläutert Meyer. Im schriftlichen Teil müssen sie Wissen über Akustik und Metallbearbeitung nachweisen. Metallblasinstrumentenbauer zählen zu einer kleinen Berufsgruppe: Bundesweit ergreifen dem BIBB zufolge im Schnitt 20 Azubis pro Jahr den Beruf. Sie kommen in Musikgeschäften, Unternehmen, Museen und Werkstätten unter. Einen Bruttolohn von knapp 2000 Euro bezeichnen BA und Bundesinnung als realistisch. Im Jahr 2005 zählte die Bundesagentur für Arbeit 3567 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das Interesse an Blechblasinstrumenten ist konstant: Schätzungen der Innung zufolge haben in Deutschland 800 000 Menschen etwas damit im Sinn. "Seit 30 Jahren hat sich daran nichts geändert", sagt Hahn. Doch Preiskampf und Konkurrenz aus Fernost drücken. Das verändert den Markt. "Es gibt mehr Instrumente. Doch mehr Musik wird nicht gemacht".
Informationen:
www.bibb.de
IT-System-Kaufmann
Ohne IT geht in vielen Betrieben gar nichts. Wenn sie nicht läuft, liegen bei den Mitarbeitern die Nerven blank. Der IT-System-Kaufmann sorgt dafür, dass es nicht soweit kommt. Er stellt für Kunden die passende IT-Lösung zusammen, schließt Verträge, beschafft und installiert die Systeme. "Wenn man pfiffig und bereit ist, sich auf neue Entwicklungen einzulassen, hat man in dem Beruf viel Spaß", sagt Rainer Brötz vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. "Bewerber sollten sich aber im Klaren sein, dass sie betriebswirtschaftlich tätig sind", sagt Brötz. Denn IT-System-Kaufleute sind keine Techniker, die sich zum Tüfteln zurückziehen oder Programme schreiben. Ihr Schreibtisch kann bei Herstellern, Softwareberatungen, aber auch bei Datenverarbeitungsdiensten stehen, so die Bundesarbeitsagentur in Nürnberg. IT-System-Kaufleute arbeiten ebenso oft beim Kunden wie im eigenen Büro. Hier bearbeiten die Fachleute Anfragen von Käufern und Lieferanten, vereinbaren Termine oder verschicken Mailings. Soll und Haben der Buchführung sollten sie beherrschen. Häufig unterbricht das Klingeln des Telefons ihre Arbeit, denn für Kunden sind sie der erste Ansprechpartner. Bei Kundenbesuchen klären sie finanzielle und technische Fragen zu Hard- und Software sowie Sicherheit und Netzwerken. Barbara Horst von der Firma DB-Systel in Frankfurt sieht IT-System-Kaufleute als "Mittler zwischen dem Techniker und dem Kaufmann". Als Referentin organisiert sie die Ausbildung der Azubis im Unternehmen. "Bei uns treten die Azubis relativ früh mit Kunden in Kontakt", erzählt die Fachfrau. Soziale Kompetenzen seien deshalb unverzichtbar. Gute Noten in Deutsch, Mathe, Englisch und Informatik sollten Bewerber mitbringen. Azubis erlernen das Herstellen sowie Betreuen von Systemlösungen und erwerben Fachwissen zum Beispiel in Rechnungswesen. Sie erfahren, wie sich Arbeitsprozesse organisieren lassen. Fachenglisch ist der Bundesarbeitsagentur zufolge obligatorisch. Im dritten Lehrjahr übernehmen die Azubis fachliche Aufgaben im Einsatzgebiet. Die Prüfung vor einer Industrie- und Handelskammer rundet die dreijährige duale Ausbildung ab. Wer einen akademischen Beruf anstrebt, kann im Anschluss Fachrichtungen wie Wirtschaftsinformatik studieren. Der Weg in die Selbstständigkeit lässt sich als Anbieter von Computerdienstleistungen oder Inhaber eines Handelsbetriebes beschreiten. Das Pendant zum IT-System-Kaufmann ist der Informatik-Kaufmann. Dieser Experte mit ebenfalls dreijähriger Ausbildung analysiert auf Seiten der Kunden, welche IT-Systeme benötigt werden und beschafft sie - mit Hilfe des IT-System-Kaufmannes.
Internet: (dpa) |
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