Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Jugendherbergsleiter
Nicht gerade ruhig ist der Job, für den Hans-Martin Schwarz vor 14 Jahren ins kalte Wasser gesprungen ist. Aber Schwarz ist erfolgreich losgeschwommen und immer noch gerne dabei: Er leitet die internationale Jugendherberge in Berlin-Mitte. Mit 358 Betten und einer Auslastung von 90 Prozent ist sie die meistbesuchteste Deutschlands. «Ich wollte weiter internationale Kontakte haben», erklärt der zuvor im Entwicklungsdienst beschäftigte 61-Jährige. Schwarz hat wenig Freizeit: Die Jugendherberge ist rund um die Uhr geöffnet, er wohnt dort und wechselt sich mit seinem Vertreter beim Bereitschaftsdienst ab. Er wird aus dem Bett geklingelt, wenn die Kasse klemmt, eine Gruppe überfallen wurde oder Gäste randalieren: «Es geht hier nachts ganz schön ab.» Mit dem Begriff Herbergsvater hat Schwarz kein Problem, mit nächtlicher Ruhestörung schon. Im Extremfall droht er mit Rausschmiss. Herbergsleiter sind zugleich Hotelmanager, Sozialpädagoge und kultureller Mittler. Weil es diese Mischung selten in einer Person gibt, werden die meisten Häuser von zwei Personen, meist Ehepartnern, geleitet. Doch den Begriff «Herbergseltern» gibt es offiziell nicht mehr. «Das alte Bild vom handwerklich versierten Herbergsvater und der Herbergsmutter in der Küche trifft nicht mehr zu», so Knut Dinter vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) in Detmold. Es sei nicht mehr Aufgabe, den Gästen die Eltern zu ersetzen, sagt Peter Kraft vom DJH-Landesverband Hessen in Frankfurt. «Die Leiter haben dafür zu sorgen, dass die Einnahmen die Ausgaben decken, der Service und das Ambiente stimmen. Das muss alles straff organisiert werden.» Hessen und auch dar Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland haben daher das Paar-Prinzip in der Führungsebene abgeschafft. «Es bringt keine Vorteile, Paare einzustellen», so Kraft. 14 Landesverbände mit 572 Jugendherbergen gibt es in Deutschland. Die Personalpolitik ist Sache des jeweiligen Verbandes. So setzt etwa Baden-Württemberg weiter auf Ehepartner. «Das ist für uns ein Symbol für die pädagogische Ausrichtung der Häuser», erklärt Geschäftsführer Karl Rosner in Stuttgart. In Bewerbungsgesprächen beim Verband Baden-Württemberg lautet eine Frage: Warum wollen Sie sich das antun? «Mit dem Beruf werden zu viele Emotionen verknüpft, weil die meisten positive Erinnerungen aus der Schulzeit mitbringen», so Rosner. Aber die Kandidaten müssen sich auf Belastungen gefasst machen. Sie sollten Organisations- und Wirtschaftskenntnisse sowie ein Faible für Menschen mitbringen. Der Verband Rheinland-Pfalz/Saarland nennt seine Herbergen «Deutschlands moderne Gästehäuser»: Zimmer mit Bad sind Standard, was verstärkt Familien ansprechen soll. «Wir nehmen nur Kandidaten aus der Hotelbranche», so Geschäftsführerin Alexandra Zahn in Mainz. Das sind Hotelbetriebswirte, Köche oder Küchenmeister, die wirtschaftlich denken, Mitarbeiter führen können sowie Marketing beherrschen. Meist haben die Hostel-Manager Präsenzpflicht. «Wir wollen nah bei den Gästen sein», sagt Peter Kraft. Die Arbeitsverträge sehen keine festen Arbeitszeiten und ein Grundgehalt zwischen 1750 und 2400 Euro vor. Dazu kommt in den meisten Verbänden eine erfolgsabhängige Vergütung, die bei guter Auslastung bis zu 3000 Euro betragen kann, so die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendherbergseltern. |
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