Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Parfümeur
Die Nase ist das wichtigste Arbeitszeug der Parfümeure. «Es ist nicht notwendig, einen extrem guten Riecher zu haben, aber nasenblind sollte man nicht sein», sagt Marc vom Ende, Parfümeur beim Aromahersteller Symrise in Holzminden. Parfümeure komponieren Düfte für Waschmittel, Duschgels, Spülmittel und weltbekannte Parfüms. Nur etwa 500 seiner Art gibt es auf der ganzen Welt, knapp drei Dutzend in Deutschland. Arbeitgeber sind die Hersteller der Riechstoffe, wie der Oberbegriff für Gerüche heißt. «Die Parfümeure sind bei diesen Unternehmen die Künstler, die die Kreationen schaffen», erklärt Bettina Muermann, Geschäftsführerin des Deutschen Verbandes der Riechstoff-Hersteller in Meckenheim. Dabei werden Parfümeure schon lange nicht mehr nur dort gebraucht, wo «fine fragrances», feine Düfte, hergestellt werden. «Auch Heizöl und Diesel werden beduftet», sagt Han Paul Bodifée, Chef des Verbands der französischen Parfümindustrie und des «Grasse Institute of Perfumery», einer der weltweit wenigen Parfümeurschulen. Auch der von vielen heiß geliebte Geruch eines Neuwagens kommt nicht nur vom Zusammenbau der einzelnen Teile - er wird von Parfümeuren zumindest unterstützt. Eine eigene Nische ist das Beduften öffentlicher Räume, wie Muermann sagt. «Dabei geht es nicht nur um die Beseitigung unangenehmer Gerüche.» Zitrusnoten etwa beeinflussen Stimmung und Lernfähigkeit positiv - also werden nicht wenige Seminarräume entsprechend beduftet. Mehr als 2500 Grundstoffe haben die Duftkomponisten zur Verfügung. «Das sind rund 400 Naturstoffe, ätherische Öle und Extrakte, der Rest sind synthetische Stoffe», sagt Bodifée. Die Leistung eines Parfümeurs sei dabei immer dieselbe: «Er muss mehrere Produkte zusammenmischen und dabei etwas erhalten, das mit den Grundstoffen nichts mehr zu tun hat.» Eine geregelte Ausbildung gibt es für Parfümeure in Deutschland nicht. «Die Unternehmen bilden von Zeit zu Zeit aus, um den eigenen Bedarf zu decken», sagt vom Ende. Das qualifiziert in jedem Fall zur Arbeit im Ausbildungsunternehmen. Auch der Weg über eine Ausbildung zum Chemielaboranten kann in die Riechstoff-Industrie führen. Wer lieber eine Schule durchlaufen will, um dann Düfte zu erschaffen, muss über die Grenze nach Frankreich gehen - auf eigene Kosten. Im Mutterland der Duftindustrie können sich junge Parfümeure an mehreren Instituten ausbilden lassen und Kontakte zur Industrie knüpfen. «Die jungen Leute müssen ein gewisses Ausbildungsniveau haben, kreativ sein und Englisch können», sagt Schulleiter Bodifée. Neun Monate dauert die Ausbildung, von der ein großer Teil in der Industrie verbracht wird. «Am Beginn der Ausbildung steht riechen, riechen und nochmal riechen», sagt Bodifée, der die Schule in der Parfümhauptstadt Grasse in Südfrankreich ins Leben gerufen hat. Sind die Düfte der Grundstoffe eingeprägt, geht es ans Mischen. «So, wie der Maler verschiedene Farben, um ein Bild zu malen, haben wir unsere Rohstoffe», sagt vom Ende. Informationen: Deutscher Verband der Riechstoff-Hersteller, Wacholderstraße 1, 53340 Meckenheim; Prodarom, 48, avenue Riou Blanquet, BP 21017, F-06131 Grasse. Deutscher Verband der Riechstoff-Hersteller: www.riechstoffverband.de, Prodarom: www.prodarom.fr (dpa/tmn)
Parkettleger
In historischen Gebäuden, Sporthallen und Ballsälen bewegt man sich auf Parkett. Auch in Wohnungen und Häusern ist es gefragt. Die Böden sind die Arbeiten von Parkettlegern. Ein Beruf, der Genauigkeit, sauberes Arbeiten sowie fundiertes Wissen über Holz und dessen Eigenschaften verlangt. Gut 20 Millionen Quadratmeter unterschiedlicher Holzböden, die verlegt werden müssen, bieten die Hersteller im Jahr an. «Damit dies auch richtig gemacht wird, sollte man sich an einen ausgebildeten Parkettleger wenden», rät Heinz Brehm. Er ist Inhaber einer Fachfirma in Bamberg und Bundeslehrlingsmeister im Zentralverband Parkett. Wer die dreijährige Lehre in einem der mehr als 500 derzeit ausbildenden Betriebe beginnen will, sollte mindestens ein gutes Hauptschulzeugnis vorlegen können. Zusätzlich zur Praxis muss der angehende Parkettleger 840 Stunden Berufsschule im Blockunterricht absolvieren. Brehm gibt nach einem Blick in die Statistik die Zahl der Auszubildenden mit fast 900 an. Die meisten gebe es in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Ausbildungsvergütung beginnt nach Angaben des Bundeslehrlingsmeisters im ersten Jahr mit 380 Euro, steigt dann auf 465 Euro und liegt im dritten Lehrjahr bei 525 Euro monatlich. «Ein Geselle verdient 11,90 Euro brutto pro Stunde.» Verlegen sei einfach geworden, es gebe vorgefertigtes Parkett, stellt Volker Paul vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn fest. Wer einen eigenen Betrieb aufmachen will, braucht nach den derzeit gültigen Bestimmungen keinen Meisterbrief mehr - es sei denn, er will ausbilden. Deshalb hat sich nach Angaben von Bundesinnungsmeister Joachim Barth in Berlin die «Zahl der Anbieter vervierfacht». Parkett legen erschöpft sich nicht darin, einfach vorgefertigte Holzstücke in einen Raum zu kleben. In Betrieben und in Berufsschulen erfahren die Auszubildenden, wie viele unterschiedliche Bodenarten es aus Holz gibt und welchen Untergrund sie brauchen. Auf dem Lehrplan stehen auch das Verlegen von Textilien, Kork, Laminat und elastischen Materialien. Bei Holzböden gefragt sind hochwertige Materialien. «Massivparkett lässt sich bis zu vier Mal renovieren», sagt Dirk-Uwe Klaas, Geschäftsführer des Verbandes der Parkettindustrie in Bad Honnef. Je höher die Ansprüche der Kunden, desto mehr müssen die Betriebe leisten können - etwa wenn Intarsienparkett verlangt wird. «Dafür sind die Könner gefragt», sagt Brehm. Informationen: Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik, Meckenheimer Allee 71, 53115 Bonn, E-Mail: info@zv-parkett.de Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik: www.zv-parkett.de Deutsche Parkettindustrie: www.parkett.de (dpa/tmn)
Pferdewirt
Vor allem Mädchen wollen Pferdewirt werden. "Man kann damit sein Hobby zum Beruf machen", sagt Waltraud Weingarten von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf. Allerdings stellen sich Jugendliche ihr künftiges Arbeitsleben oft zu blauäugig vor. "Der Beruf ist unglaublich hart", warnt Birgit Meyer-Arendt von der Zentralen Fachvermittlungsstelle für Berufe des Reit- und Fahrwesens und der Pferdezucht bei der Agentur für Arbeit in Verden. Pferdewirte hätten eher eine Sieben- als eine Fünf-Tage-Woche. Bei einer Ausbildung zum Pferdewirt kann man zwischen vier Schwerpunkten wählen. Die Hauptaufgabe des Pferdewirtes Reiten liegt in der Ausbildung von Reitern und Pferden. Im Bereich Zucht und Haltung steht die fachkundige Pflege und Betreuung von Pferden im Mittelpunkt. Stärker spezialisiert sind Pferdewirte mit dem Schwerpunkt Trabrennfahren: Sie kümmern sich um die Ausbildung von Trabrennpferden und organisieren auch die Reisen zu Rennveranstaltungen. Mit speziell ausgebildeten Hochleistungspferden arbeiten auch Pferdewirte mit dem Schwerpunkt Rennreiten - Bewerber, die bei Rennen selbst im Sattel sitzen wollen, sollten allerdings nicht mehr als 45 Kilogramm wiegen. Die meisten Stellen gibt es der Bundesagentur für Arbeit zufolge im Bereich Zucht und Haltung. Zu den Routineaufgaben von Pferdewirten aller Bereiche zählt, die Tiere des jeweiligen Betriebes zu bewegen und für Wettkämpfe vorzubereiten, sie zu pflegen und gesundheitlich zu betreuen. Im Bereich Reiten kommt der Reitunterricht hinzu. "Das A und O ist deshalb, nicht nur mit Tieren, sondern auch mit Menschen umgehen zu können", betont Rolf-Dieter Reimann von der Landwirtschaftskammer Hamburg. Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung in diesem Bereich ist unbedingt reiterliches Talent. "Ohne den Beruf mies machen zu wollen: Man muss sich schon klar überlegen, was da auf einen zukommt", betont Weingarten. Gut sei ein vierwöchiges Praktikum in einem Profibetrieb. Ob man sich für eine Ausbildung zum Pferdewirt eignet, lässt sich auch bei Informationsveranstaltungen der Bundesvereinigung für Berufsreiter herausfinden, die es alljährlich bundesweit gibt. Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung lassen sich Infopakete anfordern, die eine Liste der anerkannten deutschen Ausbildungsbetriebe enthalten. Viele Auszubildende brechen die Lehre frühzeitig ab, erklärt Reimann. Nach bestandener Prüfung hingen innerhalb einiger Jahre etliche weitere ihren Beruf an den Nagel. Daran sei neben dem fehlenden Privatleben oft auch die "sehr bescheidene" Bezahlung Schuld. Rund 1400 Euro brutto könne man verdienen, mit Reitlehrer-Aufgaben auch mehr, sagt Meyer-Arendt - allerdings nicht selten auch weniger. Die besten Aufstiegschancen hätten Pferdewirte mit Turniererfolgen, die zudem ihre Meisterprüfung ablegten. "Diese Besten arbeiten dann meist freiberuflich", sagt Reimann. Die Siegesplaketten zögen Reiter an, die sich gern von einem Profi ausbilden lassen möchten. Informationen: Deutsche Reiterliche Vereinigung Freiherr-von-Langen-Straße 13 48231 Warendorf Tel.: 02581/636 20 Internet: www.fn-dokr.de.
Physiotherapeut
Nach zwei Sportverletzungen stand der Berufswunsch von Ulrike Lindig fest. «Da hat mir die Krankengymnastik so weitergeholfen, dass ich einfach begeistert war», erzählt die heute 34-jährige Wiesbadenerin. Ihre Mutter war ihr dabei außerdem ein Vorbild. «Auch sie ist Physiotherapeutin und hat immer von ihrem Beruf geschwärmt.» Es folgten ein Jahr Vorbereitung, viel Lernerei, zahlreiche Fortbildungen - und mittlerweile fast 15 Jahre Berufserfahrung. «Einen ganzen Tag haben die uns auf Herz und Nieren geprüft. Das war fast wie ein kleiner Mediziner-Test», erinnert sich Lindig an ihren Berufseinstieg. Schon damals waren gerade die Ausbildungsplätze an den staatlichen Krankengymnasten Schulen begehrt. An dem Andrang hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn es inzwischen wesentlich mehr private Schule gibt. Nach Angaben des Zentralverbandes der Physiotherapeuten/Krankengymnasten (ZVK) in Köln sind es bundesweit inzwischen mehr als 250. «Der Bedarf an Physiotherapeuten und die Zahlen derer, die jährlich nach erfolgreich absolvierter Ausbildung auf den Markt drängen, hält nicht im gleichen Maße Schritt», sagt Angelika Heck-Darabi vom ZVK. Zwar profitieren die Physiotherapeuten vom Wellness-Boom und arbeiten zunehmend auch in Fitness-Zentren, Spas, Sportvereinen oder Wellness-Hotels, doch die klassischen Jobs in Praxen oder Kliniken sind begrenzt. Zunächst gilt es für angehende Physiotherapeuten jedoch, die Ausbildung durchzustehen. «Die drei Jahre waren wirklich anstrengend, weil es so viel Fächerübergreifendes zu lernen gab», sagt Physiotherapeutin Lindig. Zu der an der Schule unterrichteten Theorie kommt noch die Praxis an Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen. Als formale Voraussetzungen gelten die Vollendung des 17. Lebensjahres und mindestens der Realschulabschluss. Fast ebenso wichtig aber sind die persönlichen Voraussetzungen: «Kernelement des Berufs ist der Umgang und die Arbeit am und mit dem Patienten», erklärt die ZVK-Sprecherin. «Manchmal muss man auch gegen die Gleichgültigkeit und den Widerstand der Patienten arbeiten», erzählt Physiotherapeutin Marion Ihle, die in einer Praxis in Wiesbaden arbeitet und vor allem Hausbesuche bei älteren Menschen macht, weil sie die Abwechslung mag. Ulrike Lindig arbeitet heute dagegen in einer Klinik auf der Kinderstation. Fast so vielfältig wie die Einsatzorte der Physiotherapeuten, die bis 1992 Krankengymnasten hießen, sind die Fortbildungsmöglichkeiten. «Eine Spezialisierung ist schon sinnvoll», rät die ZVK-Sprecherin Heck-Darabi. «Seit 2001 gibt es außerdem die Möglichkeit Physiotherapie zu studieren.» Reich wird man mit dem Job allerdings nicht. «Wer mehr als das Übliche verdienen will, muss eine eigene Praxis aufmachen», sagt Physiotherapeutin Lindig. Ebenso wie ihre Kollegin Ihle will sie ihren Beruf aber nicht tauschen: «Man lernt ja auch unglaublich viel über seinen eigenen Körper und hat den Menschen mit seinen Knochen und Muskeln als Ganzheit im Blick», erzählt Ihle. (dpa/tmn)
Pilot
Gunnar Kötter wohnt in Hamburg. Sein beruflicher Standort ist Frankfurt, sein Beschäftigungsfeld die große weite Welt. Und die sieht er oft auch noch von oben - der 52-jährige Flugkapitän mit der "Musterberechtigung Boing 767" arbeitet für den Ferienflieger Condor. Vor seinem Beruf haben die meisten Menschen eine Menge Respekt. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage liegt der Pilot in Deutschland noch vor dem Arzt und Richter auf Platz drei der angesehensten Berufe. Mobilität und Flexibilität sind gefragt, wenn man sich dafür entscheidet, betont der 52-Jährige. "Der Wechselschichtdienst geht an die Substanz." Gunnar Kötter hatte von einem Bekannten den Tipp bekommen, es mit der Ausbildung bei der Lufthansa zu versuchen. Was gerade einem von zehn Bewerbern gelingt, schaffte Kötter vor gut 30 Jahren: die "Berufsgrunduntersuchung" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg. Getestet werden neben der Flugtauglichkeit das Reaktionsvermögen, mathematisches sowie technisch-physikalisches Grundwissen sowie Englischkenntnisse. "Der Test ist hart, aber er gibt eine gute Rückmeldung über die berufliche Eignung", sagt Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit in Frankfurt. Vor allem sei der Weg ins Cockpit über unternehmenseigene Flugschulen bequemer als über freie Anbieter. Die meisten Luftfahrtgesellschaften bilden nicht selber aus, sondern bedienen sich auf dem Markt der Verkehrsflugzeugführer. Bis ein Bewerber aber die dafür nötige Lizenz, die "Airline Transport Pilot Licence", kurz ATPL, in den Händen hält, kann es teuer werden: Bis zu 60 000 Euro kostet die Ausbildung. "Das ist ein wenig wie beim Fahrzeugführerschein: Wie gut Sie sind, zeigt sich daran, wie schnell Sie an die Lizenz kommen", erklärt Jörg Handwerg. Viele Bewerber sammeln Stück für Stück Lizenzen, etwa im Ultraleichtfliegerzentrum in Worms. "Die machen erst einmal an einer kleinen Flugschule die Lizenz für Privatflugzeugführer", erklärt Geschäftsführer Andreas Scheuermann. Der Fluglehrer hat schon so manchen Kandidaten neben sich sitzen gehabt, dem er den Traum von der Berufsfliegerei auszureden versuchte: "Das ist ein Beruf, für den man auch eine gewisse psychologische Eignung braucht." Rationalität, Kommunikationsstärke und Geschicklichkeit, zählt Cockpit-Sprecher Handwerg auf: "Ein Pilot muss seine Emotionen gut unter Kontrolle haben und darf nicht zu dominant, aber auch nicht zu passiv sein." Gunnar Kötter hat an der Lufthansa Verkehrsfliegerschule in Bremen in zwei Jahren das Fliegen in Theorie und Praxis erlernt, zunächst am Flugsimulator, dann in einem Flugzeug. Als Copilot an Bord gehen durfte er aber erst, als in seinem Luftfahrerschein das "Type Rating", die Musterberechtigung für die Boeing 767 eingetragen war. Die Ausbildung für einen bestimmten Flugzeugtyp kostet auf dem freien Markt noch einmal bis zu 15 000 Euro. Dabei streben viele Piloten nach dem Jumbo, der Lizenz für eine Boeing 747, weil da die Verdienstchancen am größten sind. Aber die Vorliebe für einen Flugzeugtyp entscheidet nicht über den tatsächlichen Arbeitsplatz. "Das ist eine Frage der Planstellen", sagt Jörg Handwerg. Im Cockpit ist Konkurrenzdenken tabu. Daher werde jeweils derjenige befördert, der nach seiner Dienstzugehörigkeit oben auf der Liste steht. "Die Aussichten sind zur Zeit weniger rosig, aber wir raten den Anwärtern, sich antizyklisch zu verhalten", sagt Sabine Daniel, Sprecherin der Flugschule LGM in Mannheim, die schon mehr als 1000 Berufspiloten ausgebildet hat. Auch die Fachzeitung "Aero International" berichtet, dass es mittelfristig nicht genügend ausgebildete Piloten gebe. Langfristige Prognosen sind schwer möglich. Immerhin gibt es Überlegungen, die Doppelbesetzung im Cockpit abzulösen. Und der Beruf ist keiner mehr, in dem die Gehälter ständig steigen. Ein Jahresgehalt von einer Viertel Million Euro sei ein Spitzenwert, sagt Cockpit-Sprecher Handwerg. Bei der Air Berlin liege das Anfangsgehalt bei 2200 Euro monatlich. Mit Zulagen liegt das Jahresgehalt nach Angaben der Fluggesellschaft bei mehr als 50 000 Euro. Dafür müssen die Beschäftigten Handwerg zufolge 365 Tage im Jahr verfügbar sein, Zeitverschiebungen in Kauf nehmen sowie die Gefahr der sozialen Vereinsamung: Pilot - ein Traumjob? "Ja", sagt Kapitän Handwerg trotz alledem. "Es macht Spaß, viel Verantwortung zu tragen, mit Technik umzugehen und einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz zu haben. Und das Fliegen ist einfach faszinierend." Informationen: Vereinigung Cockpit, Main Airport Center (MAC), Unterschweinstiege 10, 60549 Frankfurt Vereinigung Cockpit:Vereinigung Cockpit (dpa/tmn)
Polizeibeamter
Ob «Tatort», «Großstadtrevier» oder «Alarm für Cobra 11» - im Fernsehen vergeht kein Tag, ohne dass deutsche Polizeibeamte finstere Verbrecher zur Strecke bringen. Die Ermittlungsmethoden haben allerdings so gut wie nichts mit der Wirklichkeit gemein. Polizeimeisterin Jana Redlich verrichtet seit Ende ihrer Ausbildung vor rund einem Jahr Dienst in München-Schwabing. «Wir sind oft unterwegs und werden dann über Funk beordert», sagt die 29-Jährige. Dabei kann es sich beispielsweise um Verkehrsvergehen, Ruhestörung oder Fälle häuslicher Gewalt handeln. «Manchmal ruft nur ein besorgter Bürger an, weil eine Person schon seit Stunden auf der Bank vor seinem Haus sitzt», sagt die Polizeimeisterin. Die Polizeiausbildung ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Bundesweit aber werden gute schriftliche und mündliche Deutschkenntnisse sowie gewisse sportliche Leistungen erwartet. Bewerber für den mittleren Dienst müssen in Bayern mindestens einen qualifizierenden Hauptschul- oder Realschulabschluss haben, Bewerber für den gehobenen Dienst die Fachhochschulreife oder das Abitur. Für den mittleren Dienst werden die Beamtenanwärter zweieinhalb Jahre lang ausgebildet. Neben praktischen Fächern wie Einsatzkunde, Waffenausbildung, Sport und Konfliktbewältigung steht Theorie wie Verkehrsrecht, Strafrecht und Berufsethik auf dem Lehrplan. Im zweiten Ausbildungsjahr sind auch Praktika vorgesehen. «Danach gehen die jungen Beamten in den Streifendienst», sagt Richard Bauch, Leiter der Einstellungsberater bei der bayerischen Polizei in München. «Später können sie sich dann weiterbilden lassen, um zum Beispiel in der berittenen Polizei oder der Verkehrserziehung zu arbeiten.» Für den gehobenen Dienst müssen Beamtenanwärter in Bayern drei Jahre lang an der Beamtenfachhochschule studieren. Ganz anders bildet die Polizei in Bremen ihre Beamten aus. Wie in einigen anderen Bundesländern auch werden Bewerber hier nur noch für den gehobenen Dienst eingestellt. «Der Polizeidienst soll so - auch finanziell - aufgewertet werden», sagt Günther Wiechert von der Fachdirektion Recht und Personal in Bremen: Während der Ausbildung beträgt die Vergütung rund 850 Euro netto. «Danach werden die jungen Beamten entsprechend Besoldungsgruppe A9 bezahlt, was zum Beispiel bei einem 27-jährigen, verheirateten Polizisten im vierten Dienstjahr mit einem Kind rund 2 250 Euro inklusive Kindergeld entspricht.» Sämtliche Beamten tun in Bremen zunächst ein Jahr lang Dienst bei der Bereitschaftspolizei. Anschließend arbeiten sie zwei Jahre im Streifendienst. Erst danach können sie sich weiter spezialisieren. Doch schon auf dem Weg zum Polizisten im Streifendienst scheitern viele, denn die Bewerberzahlen sind hoch. In Bremen haben sich in diesem Jahr auf 60 freie Stellen rund 2000 junge Menschen gemeldet. Auch in anderen Bundesländern ist die Stellenlage nicht einfach. Polizeimeisterin Jana Redlich hat die entscheidende Hürde gemeistert und plant jetzt ihre weitere Laufbahn. «Nach meiner Zeit im Streifendienst will ich zur Hundestaffel wechseln.»
Polizist
Dreitagebart und Sonnenbrille - so sieht der typische deutsche Polizist nicht aus. "Das gibt es zwar im Fernsehen immer wieder, aber die Wirklichkeit ist ganz anders", sagt Klaus Bastian, Polizeioberkommissar und Einstellungsberater im Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach. In Uniform gebe es keine coolen Einzelkämpfer, Teamfähigkeit sei die wichtigste Eigenschaft jedes Polizisten. Die hessische Polizei stellt nur noch junge Leute für den gehobenen Dienst ein - sie müssen mindestens die Fachhochschulreife mitbringen. Neben der Schulbildung und einem Notendurchschnitt besser als 3,0 sollten die jungen Frauen und Männer zwischen 18 und 34 Jahren noch andere Voraussetzungen erfüllen: "Sie müssen mindestens 1,60 Meter groß sein, gesund, sportlich und nicht vorbestraft." Stimmen die Voraussetzungen, werden die jungen Leute zu einem Eignungstest in die jeweiligen Polizeischulen eingeladen. Polizei ist Ländersache. "Im Prinzip gibt es 18 verschiedene Polizeiausbildungen in Deutschland", sagt Norbert Reckers, Sprecher der Polizeiführungsakademie in Münster. Neben den 16 Bundesländern bilden Bundespolizei und Bundeskriminalamt aus. "In einigen Ländern werden Stellen noch für den mittleren Dienst ausgeschrieben, in anderen ist diese Stufe abgeschafft", sagt Reckers. Die Bundespolizei, früher Bundesgrenzschutz, stellt Jugendliche mit mittlerer Reife ein. "Nach einer Vorauswahl und einem Auswahltest werden die jungen Leute zum 1. April und zum 1. Oktober jedes Jahres ins Aus- und Fortbildungszentrum einberufen", sagt Knut Paul, der Vorsitzende des Bundesgrenzschutz-Verbandes in Berlin. Als Beamte auf Widerruf drücken die jungen Leute drei Jahre lang die Schulbank. Nach der so genannten Laufbahnprüfung werden die Auszubildenden entlassen. "Danach sind sie Polizeimeister zur Anstellung." Im Gegensatz zu den einzelnen Bundesländern, die für den Einsatz in einer Dienststelle in dem jeweiligen Land ausbilden, können die Bundespolizeibeamten überall in Deutschland eingesetzt werden. Jeder Polizist kann einen Aufstieg in den gehobenen oder den höheren Dienst anstreben. Dazu gibt es so genannte Aufstiegsausbildungen, die den Nachweis der Studierfähigkeit voraussetzen. Auch für all jene, die bereits in den gehobenen Dienst der Polizei eingestiegen sind, gibt es den Aufstieg von den silbernen zu den goldenen Sternen auf der Schulter - in den höheren Dienst. "Zu uns kommen Aufstiegsbeamte", sagt Reckers. Die Polizeiführungsakademie ist der einzige Ausbildungsort für den höheren Dienst in Deutschland. Um die 4000 Polizisten tragen die goldenen Schultersterne - etwa 1,5 Prozent der rund 265 000 Polizisten in der Bundesrepublik. Gute Noten und gute Beurteilungen sind dafür Voraussetzung. "Der Auswahltest ist dann nochmal eine Klippe", sagt Reckers. Management-Qualitäten werden im Münsterland vermittelt und viel Recht. "Das ist fast ein kleines Jura-Studium", so der Sprecher. Sozialwissenschaftliche Einheiten stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Führung oder Einsatzmanagement. Ein Jahr dauert das Studium, ein Jahr sind die Beamten praktisch im Einsatz - bei vollem Gehalt. Internet: www.polizei.de www.bundespolizei.de www.bka.de
Privatdetektiv
Oft genug muss Gabriele Kyritz während ihrer Arbeitszeit nur eines - warten! «Da ist viel Geduld und Hartnäckigkeit gefordert», sagt die 36-jährige Inhaberin einer Detektei in Wiesbaden. In der Regel gilt es, eine Zielperson zu beobachten, und wenn diese den ganzen Tag lang ihre Wohnung nicht verlässt, gibt es nicht viel zu tun. «Ich darf mich aber nicht einlullen lassen und muss bereit sein für den Augenblick, in dem endlich etwas passiert», sagt die Privatdetektivin. Eigentlich wollte Kyritz Tierärztin werden. Als sie nach dem Abitur nicht den gewünschten Studienplatz bekam, überbrückte sie die Wartezeit mit einer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin. In einem Fachblatt las sie dann eine Anzeige und wurde Detektivin. Der Beruf des Privatdetektivs ist nicht gesetzlich geschützt. Jeder kann ihn ohne eine vorgeschriebene Vorbildung ausüben. Mehrere Berufsverbände bemühen sich aber darum, gewisse Standards durchzusetzen. So empfiehlt der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) in Meckenheim bei Bonn die Ausbildung bei der ZAD. Die Ausbildung an dieser Zentralstelle für Ausbildung im Detektivgewerbe in Braunschweig hat auch Gabriele Kyritz absolviert. Zwei Jahre lang erhalten angehende Privatermittler dort Fernunterricht in Fächern wie Recht, Wirtschaft und Kriminalistik. Daneben werden sie auch in Blockseminaren vor Ort geschult. Vor allem gilt es aber «für die Praxis durch die Praxis» zu lernen, so Josef Riehl vom BDD. Deshalb arbeiten die Azubi-Detektive in der Regel schon während der Ausbildung in ihrem neuen Beruf. Mitunter zahlt sogar der Arbeitgeber die Kursgebühren von immerhin 3384 Euro - neben einem monatlichen Praktikantengehalt von etwa 750 Euro. Als Berufseinsteiger verdient ein Detektiv nach Angaben des BDD etwa 1500 bis 1800 Euro brutto. Die Aufgaben von Gabriele Kyritz sind vielfältig: Unternehmen beauftragen sie, Blaumacher zu überführen. Privatleute nehmen ihre Dienste vor allem in Beziehungs-Angelegenheiten in Anspruch. Da sind etwa Männer, die ihren geschiedenen Frauen nachweisen wollen, dass diese längst wieder in einer neuen «eheähnlichen» Beziehung leben. Einmal beauftragt, beschattet die Privatdetektivin ihre Zielperson und folgt ihr soweit möglich. Sie sammelt Beweise und dokumentiert ihre Arbeit auf Fotos oder Videobändern. «Manchmal packt mich auch der Jagdinstinkt», sagt Gabriele Kyritz. Doch mit dem aus Film und Fernsehen bekannten Privatdetektiv haben sie und ihre Berufskollegen so gut wie nichts gemeinsam. «Matula ist kein Vorbild», betont auch Josef Riehl vom BDD und spielt damit auf die TV-Serie «Ein Fall für Zwei» an. «Der Privatdetektiv hat nicht mehr Rechte als jeder normale Bürger», sagt Riehl. Er dürfe nicht in fremde Wohnungen eindringen, und er trage auch keine Schusswaffe. 80 Prozent aller Aufträge kommen von Wirtschaftsunternehmen. Da gilt es, den Aufenthaltsort von Schuldnern zu bestimmen, gegen Industriespionage vorzugehen, betrügerische Mitarbeiter zu überführen und nicht zuletzt Fälle von Versicherungsbetrug aufzuklären. «Viele Detektive haben vorher bei der Kriminalpolizei oder beim Nachrichtendienst gearbeitet», sagt Riehl.
Produktionstechnologe
Technisch interessierte junge Menschen können mit einem neuen dreijährigen Ausbildungsberuf in eine chancenreiche Karriere starten. Erstmals bilden Betriebe Produktionstechnologen aus. "Das ist eine anspruchsvolle Facharbeitertätigkeit mit ausgezeichneten Perspektiven", erklärt Karlheinz Müller vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt. Auch der Aufstieg zum Diplom-Ingenieur sei möglich. "Unser Ziel ist es, dem Hightech-Bereich der deutschen Industrie Fachkräfte zu sichern, die intelligent und innovativ produzieren, so dass sich unsere Branchen weiter an der Weltspitze behaupten können", erläutert VDMA-Präsident Manfred Wittenstein. Der Druck des internationalen Wettbewerbs hatte vor zwei Jahren zu ersten konkreten Überlegungen für diesen neuen Ausbildungsberuf geführt, die dann sehr schnell in die Praxis umgesetzt wurden. Firmen verlangen in der Regel für eine Lehrstelle einen mindestens guten Hauptschulabschluss. Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin nennt "gute Noten in Mathematik, Physik und Deutsch" als Voraussetzung für diesen technischen Beruf. "Ganz wichtig aber ist die Fähigkeit zur Kommunikation, um sich in den Teams mit Ingenieuren, Technikern, Vertrieb und Kunden kompetent verständigen zu können." Es ist laut Karlheinz müller auch für Frauen ein attraktiver Beruf. Die Berufsaussichten seien ausgezeichnet. Die Vergütung in der Lehrzeit liegt je nach Tarifgebiet zwischen etwa 650 und 800 Euro monatlich. Nach der Ausbildung folgt eine Einstufung im oberen Facharbeiterbereich mit 2300 bis 2500 Euro je Monat. Dazu kommen Zulagen, die sich nach den Anforderungen richten. Einsatzgebiet des künftigen Produktionstechnologen ist das breite Feld der Fertigung, vom Präzisionswerkzeug oder dem Kleinstmotor bis zu Windkraftanlagen oder Tunnelbohrmaschinen. Die Facharbeiter müssen klassische Verfahren ebenso beherrschen wie innovative Techniken beispielsweise mit Laserverfahren. Sie sorgen für das Einrichten, Erproben, Betreiben, Überwachen und Warten von Produktionsanlagen. Zu ihren Aufgaben zählen auch Qualitätskontrollen. Wenn Kunden während der Fertigung Änderungswünsche äußern, müssen diese in kürzester Zeit in Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen erfüllt werden. Für einen reibungslosen Ablauf ist eine einheitliche "Fachsprache" notwendig, wie Müller betont. "Begriff, Beschreibungen, Definitionen, Diagramm, Zeichnungen und andere Unterlagen müssen von allen verstanden werden." Müller sieht diesen Spezialisten zwischen "Weißkittel" und "Blaukittel" angesiedelt, also zwischen Entwicklung und Produktion. "Er hat eine wichtige Brückenfunktion." Firmen, die im Ausland produzieren, werden diesen Technologen auch dort einsetzen, was für viele einen weiteren Anreiz darstellt. Der Unterricht in der Berufsschule erfolgt parallel zur betrieblichen Ausbildung nicht in einzelnen Fächern, sondern in insgesamt 13 Lernfeldern: Das erste sieht "Analysieren von Funktionszusammenhängen in produktionstechnischen Anlagen" vor, Lernfeld 13 heißt "Organisieren von Logistikprozessen". Alle Lernfelder sind eng mit den betrieblichen Ausbildungsschritten verbunden. Wenn sich die praktische Ausbildung auf IT-Systeme und Vernetzung konzentriert, steht in der Berufsschule das Nutzen von IT-Systemen auf dem Lehrplan. Breiten Raum nehmen das Einrichten und Warten von Produktionsanlagen ein. Bei den Prüfungen steht das Bearbeiten typischer betrieblicher Aufträge im Mittelpunkt. Im ersten Examen vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres werden die Leistungen schon zu 35 Prozent für die Hauptprüfung gewertet, die nach drei Jahren vor der zuständigen IHK abzulegen ist. Michael Assenmacher weist darauf hin, dass die neue Fortbildungsordnung nach dem Facharbeiterabschluss eine gezielte Weiterbildung zum Prozess- oder zum Applikationsexperten vorsieht. Darauf aufbauend folgt die Qualifizierung zum staatlich geprüften Prozessmanager vor der zuständigen IHK. Das entspricht der Ebene eines Industriemeisters. Die Fortbildung soll "beschäftigungsbegleitend" sein. Internet: www.produktionstechnologe.de (dpa)
Produktmanager
Erfolg kommt nicht von selbst. Das gilt nicht nur für die Karriereplanung eines Mitarbeiters, sondern auch für einzelne Produkte. Verkauft sich etwa das neue Duschgel einer altbekannten Kosmetikserie nur schleppend, dann muss der Mensch hinter dem Produkt oder der Produktlinie aktiv werden: der Produktmanager. "Der erfolgreiche Produktmanager sieht sofort, wo etwas im Argen liegt", sagt Prof. Sönke Albers vom Lehrstuhl für Innovation, neue Medien und Marketing an der Universität Kiel. Besonders wichtig seien analytisches Denken, Organisationstalent und Kommunikationsfähigkeit. "Ein Produktmanager schaut auf alle Fragen, die ein einzelnes Produkt betreffen: Werbung, Vertrieb, Produktqualität." Dabei leiten ihn laut Prof. Michael Bernecker vom Deutschen Institut für Marketing (DIM) in Köln folgende Gedanken: "Was will der Markt? Was sind die Vorteile des Produkts? Welche Aspekte müssen angesprochen werden? Wie können wir es weiterentwickeln?" Kernaufgabe des Managers sei es, den Vertriebsmenschen, den Marketingmenschen und den Produktentwickler an einen Tisch zu bekommen. Außerdem kümmere sich ein guter Produktmanager um Ressourcen für sein Produkt, sagt Bernecker. Wichtig ist auch ein guter Draht in die Führungsebene: "Es gibt Produktmanager, die sorgen dafür, dass ihr Produkt auf der Agenda der Geschäftsführung landet." Wie viel Entscheidungskompetenz ein Unternehmen seinen Produktmanagern zubilligt, ist dem Fachbuch-Autor Erwin Matys zufolge sehr unterschiedlich. Das Spektrum reiche vom "an der kurzen Leine gehaltenen Sachbearbeiter" bis zum "Unternehmer im Unternehmen" mit Budgetverantwortung. Hermann Arnold vom Deutschen Marketingverband (DMV) in Düsseldorf bestätigt das. Immer wieder höre er von den Grenzen, mit denen ein Produktmanager zu kämpfen habe. "Es gibt Menschen über ihm, die Leitplanken setzen." Der Weg zum Produktmanager im Konsumgüterbereich führt über ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing und entsprechenden Praktika. Der Einstieg ins Unternehmen erfolgt meist als Junior-Produktmanager. Je nach Unternehmen variieren die Anforderungen. "Allen gemeinsam ist, dass sich die gesuchten Skills in drei große Bereiche einordnen lassen: Produkt-, Marketing- und Managementkenntnisse", sagt Matys. In der Investitionsgüterbranche kommt es nach seiner Einschätzung stärker auf Markt- und Produktkenntnisse als im Konsumgüterbereich an. Daher stellen Unternehmen dort gelegentlich auch Bewerber mit technischen oder naturwissenschaftlichen Abschlüssen ein. Die Verdienstmöglichkeiten schwanken. Nach Angaben des DIM liegt der "Zielkorridor" zwischen 32 000 und 47 000 Euro im Jahr. Zwar drängen die meisten Studenten zu den Konsumgütern, hat Prof. Albers beobachtet. In der Industrie lasse sich aber mehr verdienen. "Typischerweise bleibt man nicht Produktmanager." Bei renommierten Marken gebe es zwar Senior-Produktmanager. Wer weiterkommen will, müsse aber irgendwann "Linienverantwortung" übernehmen. Das bedeutet auch mehr Personalverantwortung – etwa als Marketingmanager oder -leiter. Internet: www.marketingverband.de
Professor
Von der Bank im Hörsaal zum Dozentenpult ist es beruflich gesehen ein weiter Weg. Nur wenige schaffen den «Seitenwechsel» vom Studenten zum Professor. Für viele junge Akademiker ist das ein Traumjob - sie können sich nichts Schöneres vorstellen, als sich ein Leben lang mit ihrem Lieblingsfach zu beschäftigen. Angesichts überfüllter Seminare und dem Streit um die Bologna-Reform ist der Job als Hochschullehrer aber nicht leicht. «Der Weg zu einer Professur ist lang, steinig und sehr unsicher», sagt der Studienberater Hans-Werner Rückert von der Freien Universität Berlin. Es reiche häufig nicht, sich für ein Fach «brennend» zu interessieren und sich mit viel Energie damit zu beschäftigen. «Es dauert meist sehr lange, bis man tatsächlich eine Professur bekommt - wenn man überhaupt eine bekommt.» Durchhaltevermögen ist daher wichtig. Denn Professuren sind sehr begehrte Stellen: Nach dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden gab es 2008 an deutschen Hochschulen nur knapp 38 600 Professoren. Insgesamt gab es aber rund 185 000 hauptberufliche wissenschaftliche Beschäftigte. Und da die Zahl der Professuren in den vergangenen Jahren nur wenig gestiegen ist, sind die Chancen auf eine freie Stelle nicht sehr hoch. «Der Weg zu einer Professur beginnt meist damit, dass man bereits als Student durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam macht», sagt Rückert. Als studentische Hilfskraft könne man sich schon einmal mit dem Wissenschaftsbetrieb vertraut machen. Das ist jedoch nur der Anfang: Nach dem Studium ist eine Promotion Pflicht. Wer Glück hat, ergattert danach eine Habilitationsstelle. «Mit der Habilitation kann man als Privatdozent arbeiten und sich nach mehrjähriger Erfahrung auf eine Professur bewerben», erklärt Rückert. Dabei ist nicht nur Fachwissen wichtig. «Entscheidend ist auch, wie man sich präsentiert und welche Kontakte man hat», betont Gunta Saul-Soprun, die als Beraterin für Nachwuchswissenschaftler in Frankfurt am Main arbeitet. Angehende Professoren dürften sich daher nicht nur auf die Lehre konzentrieren, sondern müssten ihr fachliches Wissen auch ständig zeigen. «Außerdem darf man nicht nur für sich alleine veröffentlichen und forschen», erklärt die Beraterin. «Man muss Beziehungen aufbauen und pflegen.» Seit einigen Jahren ist noch ein anderer Weg möglich. Nach der Promotion können sich junge Wissenschaftler auch ohne Habilitation auf eine Juniorprofessur bewerben, wie Rückert erläutert. Wer sich als Juniorprof weiter qualifiziert, Beiträge publiziert und sich einen Namen macht, kann sich nach einigen Jahren auf eine klassische Professorenstelle bewerben. Doch das ist laut Rückert schwierig. «Vor allem in den Geisteswissenschaften ist eine Juniorprofessur ohne Habilitation noch immer nicht so anerkannt.» Hinzu kommt, dass Juniorprofessuren meist auf sechs Jahre befristet sind. Wer danach nicht den Sprung zum Prof schafft, muss sich umorientieren. Angesichts dieser Hürden kann ein «Plan B» nützlich sein. «Wer mit Anfang oder Mitte 40 merkt, dass es mit dem Traumjob als Professor doch nicht klappt, hat meist sehr viel Zeit an der Hochschule verbracht», sagt Carsten Ebbinghaus von der Arbeitsagentur Hamburg. «In so einer Situation ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt außerhalb der Uni schwierig.» Dann drohe die Arbeitslosigkeit. Deswegen sei es besser, schon früher eine Alternative zu haben. Das rät auch Gunta Saul-Soprun. «Psychologen beispielsweise können lange Zeit zweigleisig fahren und nicht nur an der Hochschule, sondern auch als Therapeut arbeiten.» Das sei aber nicht in allen Fachbereichen so gut möglich. Denn während ein Informatiker zum Beispiel ein eigenes Unternehmen aufbauen könne, hätten Historiker oder Orientalisten auf dem hochschulfernen Arbeitsmarkt eher geringe Möglichkeiten. Experte Ebbinghaus rät, sich nicht nur auf Universitäten zu konzentrieren. «An Technischen Hochschulen oder Fachhochschulen ist eine Habilitation nicht immer notwendig.» Dort werde in der Regel aber mehrjährige Berufserfahrung außerhalb der Hochschule verlangt. Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur e.V.: www.juniorprofessur.com Deutscher Hochschulverband: www.hochschulverband.de Forschen und lehren - das sind die Aufgaben eines Professors. Dahinter verbirgt sich eine ganze Menge: Sie müssen sich ihre Zeit zwischen Vorlesungen, Sprechstunden, Vorträgen und Publikationen aufteilen. Und nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit muss ein «Prof» noch mehr leisten: Er ist als Gutachter und wissenschaftlicher Berater für die Arbeiten von Kollegen tätig. Hinzu kommen Aufgaben in der Hochschule, beispielsweise in der Verwaltung oder in einem Fachbeirat, wo Professoren über die Verteilung von Drittmitteln oder die Berufung von Kollegen mitentscheiden.
Projektmanager
Projektarbeit gibt es inzwischen in vielen Branchen. Projektmanager sollten vor allem gut im Kommunizieren sein: "Sie müssen gleichzeitig Moderator und Konfliktbewältigter sein", erklärt Prof. Nino Grau, Studiengangsleiter der Weiterqualifikation Projektmanagement an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Der Projektmanager sei der Kopf eines Teams und für den Erfolg eines Vorhabens verantwortlich, erklärt Andreas Stein. "Er ist ein Geschäftsführer auf Zeit", so der Leiter der Regionalgruppe Hamburg der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM). Projekte reichen von der Einführung einer neuen Software im Betrieb bis zur Umstrukturierung ganzer Produktionsbereiche. "Die Fähigkeit zum Projektmanagement ist für Akademiker eine Notwendigkeit für das Berufsleben", sagt Prof. Justus Engelfried vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Merseburg. Dort können Absolventen mit abgeschlossenem wirtschaftswissenschaftlichem Studium den Bachelor-Studiengang Projektmanagement belegen. An der Fachhochschule Gießen-Friedberg ist neben einem akademischen Abschluss zwei- bis dreijährige Berufserfahrung Zugangsvoraussetzung. Der Diplomstudiengang Projektmanagement dauert drei Semester. Eine solide Erstausbildung der angehenden Projektmanager hält Prof. Grau für unverzichtbar. Ein Aufbaustudium sei jedoch nicht zwingend: "Wer als Spezialist in ein Projektteam kommt, kann zunächst ein Teilprojekt übernehmen und seine Wissenslücken nach und nach ausgleichen." Neben Studiengängen gibt es zahlreiche Weiterbildungsangebote. "Bei der Auswahl sollte man darauf achten, ob ein anerkanntes Zertifikat ausgestellt wird", rät Stein. Auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) haben Projektmanagement in das Programm der beruflichen Aus- und Fortbildung aufgenommen. "Es wird ein immer bedeutenderes Thema", bestätigt Erhard Hövelbernd. "Abteilungen lösen sich auf. Den Markterfordernissen entsprechend werden Aufgaben vermehrt abteilungsübergreifend gelöst", so der Hauptgeschäftsführer der IHK für Ostfriesland und Papenburg. "In den Unternehmen werden dafür Projektteams gebildet und immer wieder neu zusammengestellt", sagt Hövelbernd. Vor allem große Unternehmen beschäftigen Projektmanager. "Vor zehn Jahren konnten Mitarbeiter, die erfolgreich ein Projekt gemanagt haben, leicht ein bis zwei Stufen auf der Karriereleiter überspringen", hat Prof. Grau beobachtet. Heute würden Unternehmen Titel wie Junior Projektmanager oder Senior Projektmanager vergeben. Die Fähigkeit, Projekte zu leiten, werde zum eigentlichen Beruf. Laut einer von der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement in Auftrag gegebenen Gehaltsstudie kommen Projektmanager auf ein durchschnittliches Jahresgehalt von fast 70 000 Euro. Informationen: GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement Frankenstraße 152 90461 Nürnberg Tel.: 0911/433 36 90 Fax: 0911/43 33 69 99, Internet: www.GPM-IPMA.de |
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