Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
|
Raumausstatter
Wer individuellen Geschmack in seine Wohnung bringen möchte und dabei nicht auf den Euro schauen muss, kann auf die Unterstützung eines Spezialisten zurückgreifen: des Raumausstatters. «Manche kommen einfach zu uns, weil sie sich beim Anbringen der Gardinen nicht das Genick brechen wollen», sagt Erich Petersen vom Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) in Bonn. Raumausstatter sind aber nicht nur für den handwerklichen Part zuständig. Mit Musterbüchern kommen sie in Wohnungen oder Geschäftsräume, nehmen bauliche Besonderheiten, Licht und Einrichtung in Augenschein und entwickeln daraus mit dem Kunden Ideen für die Raumgestaltung. Der Berufsstand des Raumausstatters hat seinen Ursprung im französischen «Tapissier», abgeleitet von den Wandteppichen, die 800 Jahre lang das wichtigste dekorative Raumelement der Königshöfe bildeten. 1965 wurde offiziell die Berufsbezeichnung Raumausstatter eingeführt. So richtig glücklich ist die Branche damit aber nicht geworden. «Die Leute können mit der Bezeichnung nicht viel anfangen», klagt Alfons Brack, Raumausstatter aus Greven in Westfalen und oberster Sachverständiger des Handwerks. Etwas anderes kommt hinzu: Das Handwerk hat ein etwas angestaubtes Image und wird eher mit dem barocken Geschmack der guten alten Zeit als mit aktuellen Designtrends in Verbindung gebracht. «Viele junge Leute bevorzugen einen kühlen Einrichtungsstil mit glatten Wänden, Laminatfußboden und Ledersofa», so Brack. Diesem Klientel haben die Raumausstatter wenig zu bieten, denn sie arbeiten viel mit Textilien. Viele Raumausstatter haben die Zeichen der Zeit erkannt und modische Stoffe ins Sortiment aufgenommen. Wer ein kreatives Händchen hat, kann zum «Lagerfeld des Wohnzimmers» werden. So sagt Marlies Westphäling vom Wohngestalter Büning in Hamburg mit Stolz: «Wir haben fast die Klasse von Innenarchitekten und genügend jüngere Kunden.» Das Raumausstatter-Handwerk wird während einer dreijährigen Ausbildung in Betrieb und in Berufsschule erlernt. Im dritten Jahr spezialisieren sich angehende Raumausstatter auf einen von vier Schwerpunkten: Wandbekleidung, Bodenlegen, Polstern oder Dekoration. Pro Jahr treten deutschlandweit rund 1100 Auszubildende neu an. An die Bewerber werden wegen der vielschichtigen Aufgaben des Raumausstatters hohe Anforderungen gestellt. Sie müssen handwerkliches Geschick haben, gewandt mit den Kunden reden und geschmackssicher sein. «Dementsprechend wird auf die Noten in Mathematik, Deutsch und Kunst besonders geachtet», sagt Erich Petersen, der beim ZVR für die Berufsbildung zuständig ist. Raumausstatter verdienen monatlich laut ZVR zwischen 1800 und 3500 Euro. Deutlich mehr wird es, wenn man der Lehre eine zweijährige Weiterbildung zum Restaurator oder ein Studium der Innenarchitektur anhängt. Aller Ehrgeiz, den Angehörige des Berufsstands entfalten, wird aber an einem nichts ändern. Der berühmteste Raumausstatter bleibt einer, der längst keiner mehr ist: Lothar Matthäus.
Rechtsmediziner
Fernsehzuschauer sehen sie regelmäßig bei der Arbeit am Obduktionstisch. Rechtsmediziner haben aber noch ganz andere Aufgaben. Ihr Alltag ist deutlich unglamouröser als in den TV-Serien - allerdings auch vielfältiger. Wenn Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne zu Opernmusik um den Obduktionstisch tänzelt, flimmert der «Tatort» über den Bildschirm. Die TV-Sendung hat dem Beruf eine Menge Popularität verschafft - und gleichzeitig ein schiefes Bild davon gezeichnet. Denn während Boerne ständig mittendrin in den Ermittlungen steckt und den Kommissar auf die Spur des Mörders führt, arbeitet der echte Rechtsmediziner eher im Hintergrund. Trotzdem ist es ein spannender Job. Rechts-, Gerichts- oder forensische Medizin - all das sind Namen für dieselbe Fachrichtung. «Sie nimmt eine Vermittlerrolle zwischen der Medizin und der juristischen Seite ein», erklärt Hansjürgen Bratzke vom Berufsverband Deutscher Rechtsmediziner in Frankfurt. Rechtsmediziner werden hinzugezogen, wenn jemand eines unnatürlichen Todes stirbt - im Unterschied zu Pathologen, die sich mit der Krankengeschichte von natürlich Verstorbenen befassen. Bevor eine Leiche in die Gerichtsmedizin kommt, muss der Notarzt eine ungeklärte Todesursache oder einen unnatürlichen Tod diagnostizieren. Die Polizei beschlagnahmt die Leiche dann, der Staatsanwalt muss eine Untersuchung anordnen und ein Richter zustimmen. Der Gerichtsmediziner versucht daraufhin, die Todesursache zu klären und den Sterbevorgang zu rekonstruieren. Daneben begutachtet er lebende Opfer und Beschuldigte von Gewaltverbrechen - etwa beim Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch von Kindern. Der Arzt trifft Aussagen über den geistigen Zustand von Straftätern und achtet dabei beispielsweise auf Drogen- oder Alkoholprobleme. In Haar-, Blut-, Sperma- und Speichelproben sucht er Spuren eines Täters. Viele Stunden stehen Rechtsmediziner am Obduktionstisch. Dann geht es darum, nach verdächtigen Spuren zu suchen, ohne sich von Verdächtigungen leiten zu lassen. «Wir müssen ruhig an die Aufträge herangehen. Ein emotionales Gutachten ist kein gutes Gutachten», erklärt Hansjürgen Bratzke. Bei Kindesmisshandlungen zum Beispiel sei die Gefahr groß, dass die Expertise von Gefühlen beeinflusst wird. Das kann die Deutung eines Befunds verfälschen, wenn es etwa um die Frage geht, ob ein blauer Fleck ein Indiz für eine Straftat ist oder nicht. Hier ist also eine professionelle Distanz gefragt. Das gilt auch deshalb, weil Gerichtsmediziner ständig mit dem Tod konfrontiert sind. Und dabei manchmal in menschliche Abgründe blicken. Neben Obduktionen nehmen Forschung und Lehre viel Raum bei der Arbeit ein. Rechtsmediziner machen Medizin- und Jurastudenten sowie Polizisten, Anwälte und Richter mit den Grundlagen des Fachs vertraut. Die Kunst des Rechtsmediziners zeigt sich auch vor Gericht. «Sie müssen medizinische Sachverhalte analysieren und so vortragen, dass sie auch verstanden werden», erläutert Bratzke. Wenn Boerne im «Tatort» Hauptkommissar Thiel alias Axel Prahl mit eigenen Theorien in den Wahnsinn treibt, ist das unterhaltsam. Die Realität sieht aber anders aus: «Wir duzen uns üblicherweise mit Richtern, Staatsanwälten oder Polizisten nicht», sagt Stefan Pollak, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin in Freiburg. Anders als ihre anglo-amerikanischen Kollegen ermitteln deutsche Rechtsmediziner nicht oder nehmen an Verhören teil. «Wer so arbeiten will, muss zur Kripo gehen», empfiehlt Bratzke. Der Weg zum Rechtsmediziner führt über ein Medizinstudium und die anschließende Ausbildung zum Facharzt. Wenn Studenten das erste Mal einen Einblick in das Fach bekommen, gruseln sich manche. Das gehört aber für jeden angehenden Mediziner dazu. «Sie lernen die Zeichen des Todes erkennen und interpretieren», sagt Pollak. Eine hohe Arbeitsbelastung und 14-Stunden-Tage sind dem Berufsverband zufolge an der Tagesordnung. «Wir sind chronisch überlastet», klagt Bratzke. Nach 36 Dienstjahren hat er die Wahl seiner Fachrichtung dennoch «keinen Tag bereut» - wegen ihrer Vielfältigkeit. Arbeit für die Fachleute dürfte es auch weiterhin genug geben. Über die Zahl der unaufgeklärten Morde lässt sich zwar nur spekulieren. Experten gingen aber davon aus, dass auf jedes entdeckte Tötungsdelikt ein unerkanntes kommt, erläutert Bratzke. Unter Gerichtsmedizinern kursiert daher der Spruch: «Wenn auf jedem Grab eines unentdeckt Ermordeten eine Kerze stünde, wären Deutschlands Friedhöfe hell erleuchtet.» In Deutschland arbeiten nach jüngsten Daten der Bundesärztekammer 214 Fachärzte für Rechtsmedizin. Viele sind bei universitären oder städtischen Instituten tätig. In Bayern sind einige Rechtsmediziner direkt bei Gericht angestellt. In der Regel erhalten sie eine Vergütung nach dem Tarif für den öffentlichen Dienst. Die Bundesagentur für Arbeit gibt als Richtwerte für das Monatsentgelt knapp 3600 bis gut 4700 Euro brutto an
Rechtspfleger
Rechtspfleger - das klingt fast wie Raumpfleger, jedenfalls nicht nach großen Kompetenzen. Der Eindruck trügt: Zwar ist der Rechtspfleger nur eine Art «kleiner Bruder» des Richters. Ein bloßer Zuarbeiter ist er aber längst nicht mehr. In der jüngeren Vergangenheit wurden ihm immer mehr Aufgaben übertragen, bei deren Erfüllung ihm keiner hereinreden kann. «Genau wie der Richter ist der Rechtspfleger nur dem Gesetz und seinem Gewissen unterworfen», sagt Angela Teubert-Soehring, Vorsitzende des Verbands der Rechtspfleger (VdR) in Hameln. Rechtspfleger sind meist in der freiwilligen Gerichtsbarkeit tätig. Darunter versteht man Fälle, in denen auf Grund des Antrags einer Partei entschieden wird. Rechtspfleger eröffnen Testamente, erteilen Erbscheine, befinden über Eintragungen ins Grundbuch und Handelsregister, ordnen Vormundschaften oder Pflegschaften an. «In der Praxis ist das nicht so trocken, wie es klingt», versichert Teubert-Soehring. So muss etwa bei Testamenten genau geprüft werden, wie der Wille des Verstorbenen auszulegen ist. Auch bei Grundbuchsachen geht es nicht bloß darum, Kaufverträge umzusetzen. Spannend, aber selten erfreulich, ist eine andere Aufgabe, die Rechtspflegern obliegt. So sind sie auch für das gesamte Verfahren der Zwangsversteigerung zuständig. In noch tiefere Abgründe schauen Angehörige des Berufsstandes, die bei der Staatsanwaltschaft arbeiten. Zuständig für die Vollstreckung der verhängten Strafen, müssen sie Verurteilte zum Haftantritt laden und Maßnahmen ergreifen, wenn ein Häftling flieht oder nicht vom Hafturlaub zurückkehrt. Rechtspfleger sind Beamte des gehobenen Justizdienstes und als solche den Besoldungsgruppen A 9 bis A 13 zugeordnet. «Das entspricht einem Einstiegsgehalt von rund 2100 Euro», beziffert Ralf Prokop vom Bund Deutscher Rechtspfleger (BDR) in Flensburg. Wer die dreijährige Ausbildung an einer der acht speziellen Fachhochschulen der öffentlichen Verwaltung antritt, ist Beamter auf Widerruf und kassiert monatliche Anwärterbezüge in Höhe von 857 Euro. «Für mich war das damals schon ein ausschlaggebender Punkt», sagt Prokop. Bewerbungen sind an die Oberlandesgerichte des jeweiligen Bundeslandes zu richten, wo die Kandidaten ein Auswahlverfahren aus Tests und Gesprächen durchlaufen. Auf Grund der sicheren Zukunft, die der Beruf des Rechtspflegers verheißt, ist die Nachfrage nach den jährlich bundesweit rund 600 Studienplätzen gewaltig. Trotz des Anwärterstatus der Studenten ist die Übernahme in den Staatsdienst nach der dreijährigen Ausbildung nicht garantiert. Viel hängt von der Lage in den Landeskassen ab. Wer kein Glück hat, muss sich in der freien Wirtschaft, etwa in Banken, Versicherungen, Notariaten oder bei Insolvenzverwaltern, umtun. Die Chancen dort stehen nicht schlecht, und die Verdienstmöglichkeiten sind in der Regel sogar besser.
REFA-Fachmann
In der Wirtschaft gelten Fachleute für Organisation als unentbehrlich. Viele Firmen beschäftigen deshalb REFA-Techniker, Spezialisten, die für den reibungslosen Betrieb sorgen sollen. Ein Ausbildungsberuf ist das allerdings nicht. «Für diesen Job brauchen Sie eine abgeschlossene Ausbildung und müssen dann weiter büffeln, um die nötigen Qualifikation zu erlangen», erklärt Walter Schubert, Personalmanager in einer Gerätefabrik bei Stuttgart. Vor allem aus staatlich geprüften Technikern, aber auch aus Absolventen von Hochschulen und Fachhochschulen rekrutiert sich der REFA-Nachwuchs. Einer von ihnen ist Mike Jochmann, ein Metallbauer mit Meisterbrief aus Stuttgart. «Ich interessiere mich besonders für Organisation in der Produktion», erzählt er. «Die Ausbildung zum REFA-Techniker dauert 264 Unterrichtsstunden und kostet 6350 Euro», erklärt Wilhelm Doerken vom Vorstand des REFA Bundesverbandes in Darmstadt. «Sie findet ausschließlich bei den 85 regionalen REFA-Verbänden statt, die es in Deutschland gibt.» Viele Firmen finanzieren diese Fortbildung ihrer Mitarbeiter. REFA steht für «Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung». Er ist Deutschlands älteste Organisation auf diesem Gebiet. Gegründet wurde er schon im Jahr 1924 als «Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung». Diese gemeinnützige Einrichtung entwickelt die Ausbildungskonzepte, wobei die Tarifparteien bei der Planung eingebunden sind. Traditioneller Kern der REFA-Ausbildungen ist der Bereich «Produktion und Logistik». Mike Jochmann steht ein strammes Lehrprogramm bevor. Er kann wählen zwischen Vollzeitschule oder Teilzeit am Wochenende oder am Abend. Seine Firma stellt ihn von seiner Arbeit frei, damit er die vom regionalen REFA-Verband angebotene Grundausbildung in 168 Stunden an Werktagen absolvieren kann. Dann folgt das notwendige Fachseminar Prozessorganisation, an das sich die Ausbildung zum Techniker anschließt. Themen wie Planungssystematik, Analyse und Synthese von Prozess- und Zeitdaten, Qualitätsmanagement, betriebliche Kostenrechnung und Arbeitsschutz stehen auf dem Stundenplan. Am Ende dieser Schulung steht die Prüfung vor einem REFA-Ausschuss, der bei Bestehen auch das Zeugnis ausstellt. Doch damit endet das Büffeln nicht. «Lebenslanges Lernen ist erforderlich, um das Fachwissen auf dem aktuellen Stand zu halten», betont Hans-Joachim Adam vom Bundesverband. Dazu bietet die REFA gegen Studiengebühren etwa 100 sogenannte Kompaktseminare an, die in der Regel bis zu drei Tage dauern. Ein angehender REFA-Techniker sollte über ein Gespür für Zahlen und Daten sowie rationales und strategisches Denken verfügen, sagt Adam. «Auch eine besondere Begabung für Menschenführung ist notwendig.» Denn REFA-Techniker werden häufig Vorgesetzte. In diesen Positionen sind sie für die Planung und Steuerung der Produktion zuständig. Arbeitsgestaltung heißt diese Aufgabe. Die Realisierung solcher Vorgaben erfordere «Praktiker vor Ort», erläutert Adam. Wilhelm Doerken vom Bundesverband sieht für qualifizierte REFA-Techniker gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. «Frauen haben grundsätzlich die gleichen Chancen wie Männer, unter den Teilnehmern der Ausbildung ist ihre Zahl jedoch noch deutlich geringer», sagt er. Mike Jochmann möchte später sein Zertifikat als REFA-Techniker noch mit dem Zusatz «Industrial Engineering» krönen. Dazu muss er neben seinem Job weiterlernen. Zwei Seminare «Ganzheitliche Unternehmensführung» und «Total Quality Management», müssen dafür absolviert werden. Das Einkommen richtet sich nach Regionen und Branchen. «In führenden Positionen wie beispielsweise Werkleiter sind heute auch schon 90 000 Euro pro Jahr drin», sagt Schubert. Mike Jochmann kann zunächst etwa die Hälfte erwarten. Aber er ist auf der Karriereleiter auf dem Weg nach oben. Denn mit den entsprechenden REFA-Zeugnissen in der Tasche steht diesen Fachkräfte der Weg in Führungspositionen offen - auch im Ausland, wie Adam anmerkt. Informationen: REFA Bundesverband, Wittichstraße 2, 64295 Darmstadt; E-Mail: refa@refa.de Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung: www.refa.de
Reifenmechaniker
Bei Autos, Bussen oder auch Flugzeugen sind Vulkaniseure und Reifenmechaniker für die Reifen verantwortlich. In drei Jahren lernen junge Menschen diesen Beruf, dessen Ausbildungsrahmen zum 1. August ein neues Profil erhält. Auch der Name ändert sich. Je nach Spezialisierung im dritten Ausbildungsjahr heißen diese Fachleute künftig Mechaniker für Reifen- und Fahrwerktechnik oder Mechaniker für Vulkanisationstechnik. «Die Aussichten in diesem Beruf sind sehr gut, denn ohne Reifen läuft kein Auto», sagt Peter Hülzer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk in Bonn. Derzeit gibt es in den etwa 550 Betrieben der Branche rund 400 Lehrlinge. Diese müssen künftig weit mehr lernen als nur den Umgang mit Reifen. «Sie sind im gesamten Autoservice-Bereich gefragt.» «Die ersten zwei Jahre der Ausbildung sind für beide Fachrichtungen gleich», erläutert Walter Ehrlich, Studiendirektor an den Berufsbildenden Schulen in Neustadt am Rübengebirge bei Hannover. Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres muss eine Zwischenprüfung abgelegt werden. «Zum dritten Jahr wird dann die Fachrichtung Fahrwerk oder Vulkanisation entschieden», erklärt Ehrlich. Die Aufgaben im Bereich Reifen- und Fahrwerktechnik umfassen das Warten und Instandsetzen von Bremsen und Fahrwerken sowie der Rad- Reifen-Systeme. Die Fachleute in diesem Bereich sorgen für die Fahrdynamik und kümmern sich auch um Abgas- und Klimaanlagen. Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten reicht von der Werkstatt an der Ecke über Industriebetriebe bis hin zum Motorrennsport. Mechaniker für Vulkanisationstechnik konzentrieren sich auf Reifen aller Arten; dazu gehört das Flicken, Wechseln, Auswuchten und Prüfen. Und natürlich das Runderneuern. Alles, was mit Förderbändern, Treibriemen und Gummiauskleidungen zu tun hat, fällt ebenfalls in ihren Zuständigkeitsbereich. «Mit der neuen erweiterten Ausbildung sind die Leute künftig vielseitiger einzusetzen», sagt Bernd von der Lancken, Werkstattleiter bei Autokraft Kiel, dem größten Busunternehmen Schleswig-Holsteins. Gerade hat der Betrieb einen neuen Verantwortlichen für die Reifenabteilung eingestellt. Dieser ist Herr über mehrere 1000 Pneus für die gut 350 Busse, davon ein Drittel Gelenkzüge mit zehn Reifen. «Er muss unter anderem ständig die Profiltiefen nachmessen, nach etwaigen Wandbeschädigungen suchen und neue Reifen montieren.» Unter den Auszubildenden und Berufstätigen sind praktisch nur Männer zu finden. «Mädchen an unserer Schule gelten schon als Exoten», so Ehrlich. Wohl, weil der Beruf als schwer gilt und auch als schmutzig. Ehrlich bricht aber eine Lanze für den Beruf: «Es geht hier nicht nur um den Reifenwechsel.» Da seien beispielsweise Achsen elektronisch zu vermessen, Spuren einzustellen und ganze Bremssysteme zu prüfen. Hauptschule oder Mittlere Reife sind Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz, dazu kommen Interesse für Technik, handwerkliche Geschicklichkeit, körperliche Fitness und die Bereitschaft, sich die Hände schmutzig zu machen. Die Vergütung bewegt sich von etwa 475 Euro im ersten Jahr bis 575 Euro im dritten Jahr, wie es bei der Handwerkskammer in Hamburg heißt. Am Ende der Ausbildung steht die Gesellenprüfung. Die Anfangsgehälter im Beruf können dann bei 1800 Euro liegen.
Reiseverkehrskaufmann
Sommer, Sonne und Meer in Spanien genießen - oder doch lieber zum Skifahren in den Schnee? Bei Fragen wie dieser beraten Reiseverkehrskaufleute. "Sie organisieren die schönste Zeit des Jahres - den Urlaub", sagt Hans Doldi, Vizepräsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin. Spaß am Verreisen allein reicht für den Job allerdings nicht aus. Ein Faible für Erdkunde ist dagegen Pflicht für Lehrlinge in dem Beruf. Sie müssen die geografischen und klimatischen Gegebenheiten der Reiseziele genau kennen, die sie Kunden anbieten. "Wichtig ist, dass man dem Kunden ein konkretes Bild von den Urlaubsorten vermitteln kann", sagt Doldi. Das dient auch dazu, Enttäuschungen oder gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Einem Kunden mit Kreislaufproblemen ist von einer Trekkingtour in den Tropen eher abzuraten. Für Bewerber um eine Lehrstelle gibt es keine festgelegten schulischen Voraussetzung, wie Monika Kühnel von der Industrie- und Handelskammer in Berlin erklärt. In der Praxis würden aber oft Realschüler und Abiturienten genommen. "Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen sich auch, wenn die Englischkenntnisse gut sind", ergänzt Doldi. Neben den Schulnoten zählt vor allem das Auftreten und der Charakter. Da Reiseverkehrskaufleute viel Kundenkontakt haben, müssten Bewerber aufgeschlossen sein und sich sehr schnell umstellen können, sagt Kühnel. Denn zum einen kommen ältere Kunden mit gehobenen Ansprüchen, und im nächsten Moment sitzen junge Menschen vor einem, die spontan eine Billigreise machen wollen. "Außerdem gibt es auch Kunden, die nicht wissen, was sie wollen. Da muss man Ausdauer haben, den Kunden gut zu beraten." Und das gelte auch, wenn der Zeiger der Uhr sich auf den Feierabend zubewege. Natürlich sollten die Auszubildenden auch Lust am Reisen haben. Zwar sind Erkundungstrips zu den angebotenen Hotels Kühnel zufolge eher selten. Aber bei einem Reiseveranstalter kann es schon sein, dass Lehrlinge sich das ein oder andere Objekt auch mal ansehen dürfen. "Nach der Ausbildung steht das Kennenlernen von Produkten, Hotels, Kulturen und Ländern bei Fortbildungsreisen auf jeden Fall auf dem Programm", sagt Doldi. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie kann um ein halbes Jahr verkürzt werden. Lehrlinge werden wechselweise im Betrieb und in der Berufsschule auf ihren Beruf vorbereitet. Auf dem Stundenplan stehen Arbeits- und Personalrecht, Umwelt- und Gesundheitsschutz, Arbeitsorganisation, Datenschutz und Marketing. "Die Auszubildenden müssen lernen, sorgfältig zu planen und zu kalkulieren", sagt Doldi. Deswegen müssen sie auch lernen, mit Buchungstechniken umzugehen. "In Gesprächen und Rollenspielen wird außerdem der professionelle Umgang mit dem Kunden gelernt." In ihrer Abschlussprüfung müssen die Auszubildenden nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg zunächst einen schriftlichen Test bestehen. Darin werden die Fächer Touristik, Reiseverkehr, kaufmännische Steuerung und Kontrolle sowie Wirtschafts- und Sozialkunde geprüft. Darauf folgt eine mündliche Prüfung, in der Azubis ein Fachgespräch führen müssen. Die Jobaussichten sind durchwachsen. "Die Reisebranche ist durch die Umstellung auf Onlinebuchungen in Veränderung", sagt Kühnel. Viele traditionelle Reisebüros müssten sich verkleinern oder sogar schließen. Karrierechancen gibt es laut Doldi aber immer noch. Arbeit böten neben Reisebüros auch Fluggesellschaften, Hotels oder Mietwagenfirmen sowie Tourismusämter. "Natürlich lockt viele auch die Selbstständigkeit, Chef im eigenen Reisebüro zu sein." Kühnel zufolge gehen viele Reiseverkehrskaufleute nach der Ausbildung erstmal ins Ausland. Einige übernähmen dann zunächst auch verwandte Jobs, etwa als Animateur. Ihnen stehen aber auch andere Wege offen: Mit Hochschulreife könnten sie nach der Ausbildung studieren und einen Bachelor im Bereich Touristik machen, erläutert Adriana Galunic von der BA. Auch Weiterbildungen zum Betriebswirt in Touristik und Reiseverkehr bieten sich an. INFO-KASTEN: Was Reiseverkehrskaufleute verdienen Angehende Reiseverkehrskaufleute erhalten in der Ausbildung nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 515 bis 547 Euro im ersten und 746 bis 802 Euro im dritten Lehrjahr. Als Richtwerte für das spätere Tarifgehalt gibt die Behörde 1909 bis 2418 Euro brutto an. Hinzu kommen bisweilen Sonderzahlungen wie das 13. Monatsgehalt - und nicht zuletzt Urlaubsgeld. (dpa)
Restaurantfachfrau
Restaurantfachleute müssen sich in der Rolle des Gastgebers wohlfühlen. Und zwar so sehr, dass es ihnen nicht darauf ankommt, wen sie bedienen. Schließlich können sie sich ihre Gäste nicht aussuchen. «In dem Beruf muss man Menschen mit ihren Macken mögen», sagt Sandra Warden vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Berlin. Gute Manieren und ein höflicher Umgangston sind Pflicht. Und wenn es zu den Essenszeiten hektisch wird, sind starke Nerven gefragt. Außerdem gehört die Arbeit am Abend und am Wochenende dazu. «Der Beruf hat viel mit Improvisation zu tun», sagt Rolf Schlegel vom Gasthof «Zum Ochsen» in Kernen in Baden-Württemberg. Er ist seit 40 Jahren in dem Bereich tätig und bildet in seinem Familienbetrieb bis zu 14 Lehrlinge parallel aus. Sie lernen einen vielseitigen Job: Sie beraten Gäste bei der Auswahl der Gerichte und Getränke, servieren und kassieren. In Restaurants gehen sie zu Beginn des Arbeitstages mit dem Küchenpersonal die Speisekarte durch und erkundigen sich nach Tagesempfehlungen. Sie kontrollieren, ob die Tische richtig gedeckt sind und begrüßen die Gäste. In Hotelbetrieben arbeiten sie außerdem im Etagenservice, wo sie Speisen auf den Zimmern servieren. Das Wort «Ober» trifft das Berufsbild nur unvollständig. Auch «Serviermeister» oder «Demi-Chefs» durchlaufen die Ausbildung. Arbeit gibt es in Gaststätten, Cafés oder Bistros, aber auch in Gasthöfen und Pensionen. Oft sind sie bei Festen und Veranstaltungen im Einsatz, etwa bei Hochzeiten oder Geschäftsessen. Im Dienst sind sie oft stundenlang auf den Beinen und legen dabei beachtliche Strecken zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit erläutert. Hinzu kommt der Stress: Schließlich wartet kein Gast gerne. Und in Urlaubsregionen erwarten viele, dass ein Kellner auch Fremdsprachen versteht. Schlimmstenfalls läuft es dann wie in Loriots Komödie «Papa ante Portas», wo der Pensionär Heinrich Lohse den überforderten Kellner genervt fragt: «Herr Ober, dürfen wir Ihnen vielleicht etwas bringen?» Bestenfalls behalten Restaurantfachleute stets den Überblick und gehen souverän mit Reklamationen um. Ein gutes Gedächtnis ist für sie unerlässlich, um Bestellungen auseinanderzuhalten. Ob sie ihren Job richtig machen, zeigt sich spätestens beim Bezahlen: Guter Service werde schließlich in der Regel mit Trinkgeld belohnt, sagt Schlegel. Bewerber um eine Lehrstelle bräuchten keine hervorragenden Schulnoten, hat Warden beobachtet. Gute Deutschkenntnisse und korrektes Benehmen sind aber unabdingbar. Und das Kassieren und Schreiben von Rechnungen klappt nicht ohne sicheres Beherrschen der Grundrechenarten. Schlegel empfiehlt Schnupperpraktika von mindestens zwei Wochen. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen gut - denn in dem Beruf suchen Betriebe händeringend nach passendem Personal. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn ist 2009 jede siebte Lehrstelle (13,8 Prozent) unbesetzt geblieben. Azubis lernen, wie man ein Menü zusammenstellt und Veranstaltungen organisiert. In der Praxis üben sie das Servieren von Getränken und das Flambieren von Speisen am Tisch der Gäste. Außerdem wird ihnen beigebracht, was beim Abrechnen zu beachten ist und wie man Warenlieferungen entgegennimmt. Auch Buchhaltung und Warenkunde stehen auf dem Lehrplan. Die Ausbildung dauert drei Jahre und schließt mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab. Schon Lehrlinge müssen abends arbeiten, soweit das Jugendschutzgesetz es zulässt. Auch an Feiertagen und Wochenenden werden sie eingeteilt - wenn andere Menschen ausgehen. Wegen dieser Arbeitszeiten ist der Beruf nicht gerade familienfreundlich. Die Ausbildung eröffnet auch den Weg für eine Arbeit in anderen Ländern - guter Service ist schließlich in Restaurants auf der ganzen Welt gefragt. «Ich kenne keinen Beruf, indem man international besser Fuß fassen kann», sagt Andrea Nadles vom Verband der Serviermeister, Restaurant- und Hotelfachkräfte in Bremen. Schon die Ausbildung lässt sich ganz oder teilweise im Ausland absolvieren. Zahl der Azubis gesunken Rund 14 200 angehende Hotelfachleute hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag 2009 verzeichnet. Das sind rund 1500 oder 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Sieben von zehn Azubis sind den Angaben nach weiblich. Im ersten Lehrjahr dürfen sie nach der Bundesagentur für Arbeit mit 388 bis 523 Euro, im dritten Lehrjahr mit 552 bis 665 Euro rechnen. Weitere Informationen:
Rettungsassistent
Von ihrer Arbeit hängen oft Menschenleben ab. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz, leisten Hilfe und spenden Trost: Rettungsassistenten. Wer sich für diesen Beruf entscheidet, muss mit Schmerz, Krankheit und Tod umgehen können und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. "Das derzeitige Berufsbild wird den tatsächlichen Anforderungen an die Arbeit im Rettungsdienst allerdings nicht gerecht", sagt Gerhard Nadler, Beauftragter für Berufsausbildung vom Berufsverband für den Rettungsdienst (BVRD) in München. Erst vor 15 Jahren beschloss der Bundestag ein Gesetz über den Beruf des Rettungsassistenten. Seitdem wollen die Berufsverbände eine weitere Ausbildungsreform und streiten mit den Notärzten um mehr Befugnisse für Rettungsassistenten. Die Ausbildung wird von staatlich anerkannten Schulen für Rettungsassistenten angeboten, erstreckt sich über zwei Jahre und besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Während der praktischen Tätigkeit kann der Azubi unter Umständen Geld verdienen, die theoretische Ausbildung muss er aus eigener Tasche zahlen. Die nötigen Lehrgänge kosten zwischen 630 und 5500 Euro. Neben dem BVRD setzen sich auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für eine umfassendere Ausbildung ein. "Wir fordern eine bundeseinheitliche dreijährige Ausbildung mit Vergütung", sagt Gerd Dielmann, Leiter der Bundesfachgruppe Rettungsdienst bei ver.di in Berlin. "Rettungsassistenten müssen in der Praxis oft den Arzt ersetzen und brauchen dafür die fachliche Kompetenz – auch die Finanzierung darf nicht länger nur durch die Auszubildenden selbst erbracht werden." Prinzipiell können angehende Rettungsassistenten staatliche Hilfen wie Bafög oder in Einzelfällen Gelder der Bundesagentur für Arbeit in Anspruch nehmen. Für Rettungssanitäter mit Berufserfahrung werden verkürzte Ausbildungsgänge zum Rettungsassistenten unter Anrechnung der bereits absolvierten Ausbildungszeit angeboten. Wer bei einer Feuerwehr anheuert, muss nicht für die Ausbildungskosten aufkommen. Nach Angaben von ver.di befinden sich zurzeit 3600 Rettungsassistenten in der Ausbildung, vor fünf Jahren waren es nur 2200. Nach ihrer Ausbildung arbeiten Rettungsassistenten bei Hilfsorganisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund und dem DRK, Feuerwehren, Rettungsflugdiensten, Flughäfen und privaten Krankentransportunternehmen. In vielen Bundesländern muss in jedem Rettungswagen oder -hubschrauber mindestens ein Rettungsassistent an Bord sein. Im Einsatz versorgen Rettungsassistenten Notfallpatienten bis zum Eintreffen des Notarztes. Sie assistieren dem Notarzt und sind gleichzeitig Vorgesetzte von Rettungssanitätern und Rettungshelfern. Wenn im Notfall kein Arzt zur Verfügung steht, darf der Rettungsassistent auch ärztliche Eingriffe vornehmen. "Voraussetzung ist, dass der Rettungsassistent diese Maßnahmen wie ein Arzt beherrscht und sich der Risiken bewusst ist", erklärt Nadler. Diese so genannte Notkompetenz sei nicht ausdrücklich geregelt und dementsprechend heftig umstritten. Wenn Rettungsassistenten gerade nicht im Notfalleinsatz sind, befördern sie Kranke und Hilfsbedürftige. Sie arbeiten in Schichten und müssen Bereitschaftsdienste leisten. "Zwölf-Stunden-Dienste und nie vorhersehbare Arbeitsaufgaben gehören zum Alltag der Berufe im Rettungsdienst", erklärt Normen Niebuhr, Lehr-Rettungsassistent beim DRK in Hamburg. "Wenn die Arbeit tariflich bezahlt wird, ist das Einkommen im Vergleich zum Aufwand tragbar." Ein ausgebildeter Rettungsassistent, 23 Jahre alt und ledig, hat ein Anfangsgehalt von 1891 Euro netto. Bei einem Verheirateten ohne Kinder steigt das Gehalt nach fünf Jahren auf 2231 Euro netto. Diese Angaben gelten allerdings nur, wenn nach Tarif bezahlt wird. "Früher konnte man davon ausgehen, einen Vertrag nach Tarif zu bekommen, heute werden die Verträge oft frei verhandelt - auch die Hilfsorganisationen versuchen, Tarifverträge zu vermeiden", erläutert Oliver Schulz, Landesschulbeauftragter des Arbeiter-Samariter-Bundes Nordrhein-Westfalen in Erftstadt. "Dadurch, dass zunehmend Privatanbieter den Markt abgrasen, fangen die Rettungsdienste an zu sparen - unter anderem bei den Löhnen", sagt Niebuhr. Private Rettungsdienste zahlen keinen Tariflohn. Auch wenn die Tarifarbeitszeit 38,5 Stunden beträgt, kann die tatsächliche Wochenarbeitszeit leicht 50 Stunden erreichen. Trotz der harten Arbeitsbedingungen ist der Beruf des Rettungsassistenten beliebt. "Man kann Menschen durch seine Arbeit helfen und sieht sofort den Erfolg", erklärt Schulz.
Richter
Richter verhelfen Menschen unparteiisch zu ihrem "guten Recht". Entsprechend ist ihr Renommee: Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge belegt der Richter unter den in Deutschland angesehensten Berufen Platz fünf. "Der Wunsch, Gerechtigkeit zu schaffen, ist eine starke Motivation für diesen Beruf", sagt Hanspeter Teetzmann, Vize-Vorsitzender des Deutschen Richterbundes. Man müsse sich aber klar darüber sein, dass absolute Gerechtigkeit mitunter nicht zu schaffen sei. Berufsrichter arbeiten bei Gericht und werden meist auf Lebenszeit ernannt. Das sei ein "ein tolles Gefühl", sagt Richter Kai Niesten-Dietrich. Er erhielt die Ernennung erst im April 2009. Berufsrichter haben zwischen der Ordentlichen Gerichtsbarkeit vom Amtsgericht bis zum Bundesgerichtshof oder Fachgerichten zu wählen. Als Einzelrichter oder Mitglied von Kammern oder Senaten bereiten Richter Verhandlungen vor, leiten sie als Vorsitzende oder nehmen als Beisitzer teil. Ihre Arbeit an einem Fall endet meist, indem sie einen Vergleich zwischen Parteien herbeiführen oder das Urteil fällen. Richter auf Lebenszeit dürfen in der Regel nicht gegen ihren Willen entlassen werden. Im Gegenzug müssen sie sich innerhalb und außerhalb des Dienstes so verhalten, dass das Vertrauen in den Stand keinen Schaden nimmt, das Beratungsgeheimnis wahren und einen Eid schwören. Die richterliche Unabhängigkeit ist weder Selbstzweck noch Standesprivileg. "Sie garantiert die Neutralität und Gerechtigkeit der richterlichen Entscheidung", sagt Kai Niesten-Dietrich. Die Regelstudienzeit beträgt gewöhnlich fünf Jahre. Studenten absolvieren zunächst Vorlesungen zu verschiedenen Rechtsgebieten und Praktika. Studienabschluss ist das erste Staatsexamen. Im zweijährigen Vorbereitungsdienst sammeln Referendare praktische Erfahrungen in einer Kanzlei, bei der Staatsanwaltschaft oder bei einem Fachgericht. Juristen nach dem zweiten Staatsexamen werden als "Volljurist" oder "Assessor" bezeichnet. Die Ausbildung zum Volljuristen dauert mit Wartezeiten auf Examensergebnisse oder den Beginn des Referendariats durchschnittlich acht Jahre. Die Examensprädikate entscheiden über die Chancen auf ein Richteramt. Ein "Vollbefriedigend" muss es in der Regel sein. Während die besten 20 Prozent gute bis sehr gute Berufsaussichten haben, ist der Arbeitsmarkt für Absolventen mit "ausreichenden" Examina schwierig. Die Länder legen die Messlatte unterschiedlich hoch. Die Justizministerien informieren auf ihren Webseiten über Details. Aspiranten werden als "Proberichter" angestellt. Nach spätestens fünf Jahren müssen sie zum "Richter auf Lebenszeit" ernannt werden, sofern sie geeignet sind. Erst dann können sie sich auf Planstellen an Gerichten bewerben. Kai Niesten-Dietrich hat sich inzwischen eingearbeitet. Vor allem das Leiten von Verhandlungen war anfangs "aufregend", sagt der junge Richter. "Nach sechs Monaten sollte man wissen, wie man mit den Parteien umzugehen hat." Er rät jungen Kollegen, Entscheidungen mit Abstand zu bewerten. "Der sprichwörtliche gesunde Menschenverstand ist erstaunlich oft mit geschriebenem Recht deckungsgleich", sagt er.
Website des Richterbundes: www.drb.de Gut ein Drittel der Richter ist weiblich Bundesweit gab es laut Bundesjustizministerium 2008 insgesamt 20 101 Stellen für Richter. Der Anteil der Richterinnen betrug 36 Prozent. Mitte 2009 hatten sich 71 612 Studenten für Jura eingeschrieben. Das waren 1028 mehr als im Jahr davor. Referendare gelten als Landesbeamte und erhalten Unterhaltsbeihilfe von durchschnittlich 800 Euro netto im Monat. Das Einstiegsgehalt variiert je nach Land. In Berlin steigen Richter mit 3173 Euro brutto am niedrigsten ein, in Bayern mit 3359 Euro am höchsten (Stand: Januar 2009). (dpa) |
|||||||||||||||||||||
Ich möchte diese Seite an jemanden weiterempfehlen.