Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
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Sachbuchautor
Auf dem Sachbuchmarkt herrscht Nachfrage. Fast ein Fünftel des Umsatzes der verkauften Bücher entfiel im vergangenen Jahr auf Sachliteratur. Wer selbst ein Sachbuch verfassen möchte, braucht Fachkompetenz. «Ein Autor muss sich als Experte auf seinem Gebiet ausweisen können», sagt Thorsten Schulte, Lektor für Sachbücher beim Eichborn Verlag in Frankfurt. Auch wer bisher noch nicht publiziert hat, habe eine Chance auf einen Buchvertrag - sofern er oder sie neue und interessante Thesen zu bieten hat. «Der Wunsch, ein Buch zu schreiben, ist bei vielen vorhanden», sagt Oliver Gorus, Agent aus dem baden-württembergischen Engen, der Sach- und Fachbuchautoren bei ihrer Veröffentlichung unterstützt. «Schreiben wollte ich, wie alle ordentlichen Schreiber, eigentlich schon immer und am liebsten Romane», erzählt die Berliner Autorin Gerlinde Unverzagt. In neun Jahren hat sie 14 Sachbücher veröffentlicht, die meisten zu Familienthemen. «Im Laufe meines Studiums habe ich mit der journalistischen Arbeit für verschiedene Zeitungen begonnen.» Den ersten Buchvertrag bekam sie, weil einem Verlag einer ihrer Artikel gefallen hatte. «Es ist schön, wenn jemand auch gut schreiben kann, aber häufig ist das nicht der Fall», räumt Schulte ein. Hapert es mit dem Schreibtalent, werde dem Autor zuweilen ein Co-Autor zur Seite gestellt, im Extremfall sogar ein Ghostwriter. «Die Fähigkeit, ein Thema logisch gliedern zu können, ist wichtig», betont Gorus. «Sachbuchautoren müssen vor allem journalistisch arbeiten», sagt Unverzagt. Und das bedeute, gründlich zu recherchieren. Doch Schreibarbeit ist nicht die einzige Herausforderung: «Eine der schwierigsten Aufgaben eines Autors ist es, einen Verlag zu finden», sagt Axel Johanßen. «Sie ist mit der Suche nach einem Arbeitsplatz vergleichbar», so der Sachbuchautor aus Gummersbach. «Ebenso wie die Verlage muss ich 95 Prozent aller Angebote ablehnen», bestätigt Gorus. Die Gründe seien unterschiedlich: «Weil die Qualität nicht stimmt, kein Markt vorhanden ist oder es schon viele Bücher zum Thema gibt.» Auch deshalb rät Thorsten Schulte statt des fertigen Manuskripts ein Exposé aus Gliederung, Probekapitel und einer Zusammenfassung der wichtigsten Thesen einzureichen. Auf Unterstützung von Lektoren könnten Autoren nicht unbedingt zählen, sagt Johanßen. «Sie haben heute viele andere Aufgaben und können sich kaum noch um ihre Autoren kümmern.» Das sieht Schulte anders: «Gerade bei Sachbüchern greifen Lektoren stark ein - stärker noch als bei der Belletristik.» Der Verdienst von Sachbuchautoren ist eher gering. «Selbst wer jedes Jahr ein Buch macht, kann nicht davon leben - von Bestsellern einmal abgesehen», sagt Johanßen. «Idealismus ist ein feines Wort für diese Spielart der freiwilligen Selbstausbeutung», sagt Unverzagt.
Schiffsmechaniker
Zum nächsten Hafen reisen, ein Schiff aussuchen und als Matrose auf die große Fahrt gehen - diese Vorstellung vom Einstieg in die Seefahrt hält sich auch heute noch. " "Zum Matrosen wird schon lange nicht mehr ausgebildet", sagt Alexandra Pohl vom Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg. Heute gibt es stattdessen den Schiffsmechaniker, einen staatlich anerkannten Beruf. Seit die Schifffahrt boomt, steigt die Nachfrage nach Seeleuten. Und immer mehr Berufsanfänger wollen diese Ausbildung machen. Wohl auch, weil die Vergütung weit über der liegt, die in anderen Berufen gezahlt wird: Der angehende Schiffsmechaniker, der bei einer Reederei angestellt ist, kann im ersten Ausbildungsjahr laut Tarif mit 850 Euro im Monat rechnen. Der Betrag steigt dann auf 1062 und schließlich 1470 Euro im dritten Jahr. Dazu kommen Verpflegung, Unterkunft und Versicherung. Die Anfangsgehälter liegen bei mehr als 3000 Euro. "Es gibt derzeit mehr Interessenten als Ausbildungsplätze", sagt Dieter Hildebrand von der Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt in Bremen. Laut VDR bilden mehr als 100 deutsche Reeder auf ihren Schiffen 635 angehende Schiffsmechaniker aus, das sind 83 mehr als im Vorjahr. Entscheidend bei der Wahl dieses Berufes ist die rechtzeitige Information und Beratung. Wer zur See fahren möchte, findet diese bei der Zentralen Heuerstelle Hamburg (ZHH) ebenso wie bei der Berufsbildungsstelle Seeschiffahrt und dem Reederverband. Seeleute müssen sich bei der Berufswahl im Klaren sein, was sie erwartet: Lange Abwesenheit von zu Hause und vom Freundeskreis sowie Arbeit in internationalen Mannschaften mit Englisch als Umgangssprache. "Wir erhalten ständig Anfragen von Interessenten, die völlig falsche Vorstellungen haben", erklärt Uwe Schweitzer von der ZHH. "Da wollen manche nur auf großen Segelschiffen ausgebildet werden, andere auf luxuriösen Kreuzfahrtschiffen. Solche Wünsche sind fernab der Realität." Etwa 90 Prozent der Seeleute seien auf Containerschiffen im Einsatz. Für den Beruf, für den ein Mindestalter von 16 Jahren gilt, wird auf jeden Fall ein Hauptschulabschluss verlangt. Doch inzwischen überwiegen Realschüler und Abiturienten als Bewerber, wie Hildebrand sagt. Die Personalchefs der Reedereien entscheiden sich klar für den Nachwuchs mit den besten Noten. Voraussetzung für die Arbeit an Bord ist die uneingeschränkte Seediensttauglichkeit. Ärzte stellen sie in Untersuchungen fest. Mit einem Vertrag einer Reederei in der Tasche beginnt dann die dreijährige Ausbildung, die unter bestimmten Voraussetzungen -abgeschlossene Berufsausbildung oder Hochschulreife - um maximal sechs Monate verkürzt werden kann. Die Azubis erhalten zunächst in zehn Wochen Blockunterricht auf einer Seemannsschule Unterricht, an den sich etwa für drei Monate die überbetriebliche Ausbildung in Metallbearbeitung und Brandabwehr anschließen. Dann geht es für 49 Wochen an Bord eines Schiffes, anschließend wieder für zehn Wochen in die Berufsschule. Nach der Zwischenprüfung machen die angehenden Facharbeiter 68 Wochen Dienst im Schiffsbetrieb und müssen vor der Abschlussprüfung noch einmal die Schulbank drücken. Am Ende winkt der Schiffsmechanikerbrief. Zu den Aufgaben der Schiffsmechaniker gehören die Wartung und Reparatur technischer Anlagen an Bord ebenso wie Dienst auf der Brücke, das Los- und Festmachen von Schiffen im Hafen und Konservierungs- und Anstricharbeiten. Sie müssen auch die Sicherheitseinrichtungen überwachen. Wenn es um Be- und Entladen geht, sind sie ebenfalls gefordert. "Die Ausbildung zum Schiffsmechaniker ist der Grundstein für eine Karriere an Bord", erklärt Pohl. Sie selbst hat ihre berufliche Laufbahn so begonnen und ist inzwischen ausgebildete Kapitänin für die Große Fahrt in allen Seegebieten und außerdem noch Chief, das heißt Leiterin der Maschinenanlage. Den Aufstieg zum nautischen oder technischen Offizier und damit in höhere Heuerklassen streben zwei Drittel der Facharbeiter an, sagt Dieter Hildebrand. Bei entsprechender Fortbildung steigen manche auch zu Kapitänen auf.
Informationen:
Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt
Zentrale Heuerstelle Hamburg
Schiffsoffizier
Der Ship Security Officer(SSO)ist an Bord für die Terrorabwehr zuständig. Diese Aufgaben übernimmt seit Mitte 2004 der Dritte, Zweite oder Erste Offizier, in Einzelfällen auch der Kapitän selbst. Der Internationale Code für die Gefahrenabwehr (ISPS) schreibt dies ausdrücklich vor. Die Schifffahrtorganisation der Vereinten Nationen (IMO) hatte ihn unter dem Eindruck der Anschläge vom 11. September 2001 beschlossen. "Der SSO kümmert sich nicht um die Piratenabwehr oder die regulär anfallenden Sicherheitsaufgaben", erläutert Max Johns vom Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg. Dafür sind nach wie vor die schon seit Jahrzehnten im Einsatz stehenden, auch so bezeichneten Sicherheitsoffiziere verantwortlich. Sie kümmern sich darum, das die Rettungssysteme und der Feuerschutz funktionieren sowie um die Einsätze in einem Notfall. "Diese Rolle wird in der Regel vom Dritten Offizier mit übernommen", sagt Johns. "Die Bedrohung frühzeitig erkennen und präventive Abwehrmaßnahmen ergreifen", fasst das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg die Aufgaben eines SSO zusammen. "Die Grundlagen dazu sind inzwischen Bestandteil der Ausbildung von Offizieren zur See und werden mit einem Zertifikat nachgewiesen", sagt Prof. Wolfgang Förster vom Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar. Wer solche Kenntnisse nicht bereits in diesem Rahmen erworben hat, kann sich auch mit entsprechenden Kursen weiterbilden. Rüdiger Rothe, Leiter der staatlichen Seefahrtschule in Cuxhaven, zitiert aus dem Ausbildungsprogramm: "Risikobewertung, Erkennung und Identifizierung von Bedrohungen, Security-Notfallplanung, Übung und Manöver, Verwaltung von Security Maßnahmen und Security Training" gehören beispielsweise dazu. "Details des Lehrstoffes können wir natürlich nicht an die große Glocke hängen", sagt der zuständige Ausbilder eines privaten Instituts. "Die internationale Schifffahrt boomt, und deutsche Reeder suchen Offiziere und Kapitäne für ihre Schiffe", beschreibt Alexandra Pohl vom VDR die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Gesucht wird sowohl seemännisches als auch technisches Führungspersonal. Die Techniker müssen ebenso wie die Nautiker die Ausbildung zum SSO durchlaufen. "Sie kennen jeden Winkel im Maschinenraum, der sich als Versteck eignen könnte und reagieren auf suspekte Gegenstände", begründet Rothe diese Schulung. Voraussetzung für eine Laufbahn als nautischer oder technischer Offizier ist ein erfolgreicher Realschulabschluss oder Fachhochschulreife beziehungsweise Hochschulreife. Nach erfolgreichem Studium und Praxis an Bord stellen die Behörden das so genannte Befähigungszeugnis aus, mit dem die obligatorische Seefahrtzeit von zwölf Monaten als Nautischer Wachoffizier (Dritter Offizier) angetreten werden kann. "Zu den Aufgaben an Bord gehören das Deck waschen, die Reling anstreichen oder Öl entfernen", erinnert sich Pohl an ihre eigene Ausbildung. Sie hat inzwischen das Kapitänszertifikat und kann auch als Chef der Maschinenanlage fahren. Das Anfangsgehalt für Offiziere liegt bei etwa 3500 Euro pro Monat plus Zulagen. Und mit der entsprechenden Fortbildung steht der Weg zum Ersten Offizier und Kapitän offen. Die Ausbildung erfolgt an Fachschulen, Fachhochschulen sowie an den Fachbereichen Nautik/Seefahrt der Hochschulen Bremen und Wismar. Absolventen finden in der Regel schnell einen Job. Doch das Interesse an der Seefahrt reicht nicht: "Außer der Liebe zum Beruf gehören Einfühlungsvermögen und Teamgeist dazu, denn an Bord leben die Menschen auf engem Raum zusammen", sagt Frank Ziemer, Professor an der Hochschule Wismar. Die Karriere eines Offiziers endet nicht an Bord. Auch an Land sind die Chancen sehr gut. In Reedereien werden diese Fachleute ebenfalls gebraucht. "In Schifffahrtsämtern und anderen Behörden finden Sie auch Männer, die früher zur See fuhren und ihr Wissen einbringen", sagt Karlheinz Follert, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS) in Hamburg. "Kenntnisse und Praxis eines SSO sind also sehr willkommen, zumal sich die neuen Sicherheitsanforderungen auch auf Häfen und Seefahrtbetriebe erstrecken." Informationen: Verband Deutscher Reeder, Postfach 30 55 80 20317 Hamburg E-Mail: info@reederverband.de Internet: www.reederverband.de Bundesamt für Seeschifffahrt: www.bsh.de/Schifffahrt/Berufsschifffahrt/Gefahrenabwehr/ Hochschule Wismar, Fachbereich Seefahrt: www.sf.hs-wismar.de.
Schlafwagenschaffner
Kurz nach dem Abendessen beginnt für Wolfgang Kriesel in Hamburg der Arbeitstag. Er endet am nächsten Morgen in Paris. Nach weiteren 24 Stunden kehrt er dann nach Hause zurück. "Seit 30 Jahren bin ich nachts in Europa unterwegs und noch kein bisschen müde", erzählt der Schlafwagenschaffner. Diesmal steht wieder einmal seine Lieblingsstrecke in die französische Hauptstadt auf dem Dienstplan. Schlafwagenschaffner ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein Job für "Nachteulen", die sich für Arbeit in fahrenden Zügen begeistern können. Es gibt keine festgelegten Bewerbungsvoraussetzungen. Die Eignung wird individuell festgestellt. "Derzeit beschäftigen wir insgesamt 685 Mitarbeiter, 220 davon sind Frauen", sagt Stefan Karpenstein von der DB AutoZug in Dortmund, die die deutschen Schlafwagen betreibt. Neben einem festen Mitarbeiterstamm rekrutiert die DB AutoZug ihr Personal nach Bedarf. Zu bestimmten Zeiten wie in der Wintersportsaison oder den Sommerferien verkehren mehr Schlaf- und Liegewagen als zu anderen Zeiten. Die Jobs sind begehrt. "Derzeit wird allerdings nicht eingestellt", heißt es bei der Deutschen Bahn. "Die Ausbildung erfolgt durch Einweisungen und Schulungen", sagt Karpenstein. Von Vorteil seien Serviceerfahrungen in Gastronomie und Hotelgewerbe. Kriesel ist studierter Sozialpädagoge und begeisterte sich für den Beruf des Schlafwagenschaffners, als er seinem Vater bei dessen Touren zur Hand ging. So hing er die Erziehertätigkeit an den Nagel und machte das nächtliche Reisen zum Broterwerb: "Ich bin begeisterter Bahnfahrer und kombiniere so Beruf und Leidenschaft." In Deutschland rollen Schlafwagen seit etwa 140 Jahren, und so alt ist auch der Beruf. Die moderne Bezeichnung lautet wenig aussagekräftig Servicemitarbeiter. Der Service beginnt mit der Hilfe beim Einsteigen und beim Verstauen des Gepäcks sowie beim Aussteigen am Zielort. Wer vor der Abreise nicht mehr zum Abendessen kam, kann bei den dienstbaren Männern und Frauen des Schlafwagens noch einen Imbiss ordern. "In den neuen Waggons gibt es auch eine Mikrowelle für die Zubereitung kleiner Speisen." Schlafwagenschaffner leisten Nachtarbeit. "Ein Schläfchen zwischendurch ist nicht drin", meint Kriesel. Das holt er dann in einem Pariser Hotel nach, wenn er in einem Bistro gefrühstückt hat. Am Abend fährt der Nachtzug nach Hamburg zurück, Kriesel betreut dann wieder die Gäste. Die Arbeitszeit beträgt 40 Stunden in der Woche. Jeder Reise wird nach Dienststunden abgerechnet. Kriesel ist so sieben bis acht Mal pro Monat unterwegs. Bei der Diensteinteilung können die Schlafwagenschaffner Wünsche äußern. "Manche Kollegen fahren lieber lange Strecken, die anderen kurze." Informationen im Internet: www.citynightline.ch
Schornsteinfeger
Einem Schornsteinfeger auf der Straße zu begegnen, ist für viele Menschen ein gutes Zeichen. Schließlich gilt der "schwarze Mann" immer noch als Glückssymbol, besonders zum Jahresende. Durch seine Arbeit trägt er dazu bei, die Brandgefahr zu verringern. Und längst ist er auch ein Experte für Schadstoffemissionen und Energieverbrauch. "Wer sich für den Beruf entscheidet, muss schwindelfrei sein und über eine gute körperliche Konstitution verfügen", nennt Holger Bruns, Schornsteinfegermeister in Hamburg, als Grundvoraussetzungen. Denn die Beschäftigten der Branche müssen auf Dächern und an hohen Schornsteinen arbeiten. "Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit der Gesellenprüfung", sagt Bezirksschornsteinfegermeister Achim Heckel in Ulm. Die Zahl der Schornsteinfeger-Azubis lag zuletzt bei rund 840. Die Vergütung ist regional unterschiedlich. "Hamburg bezahlt seinen Nachwuchs am besten: 481 Euro gibt es im ersten, 546 Euro im zweiten und 642 Euro im dritten Ausbildungsjahr pro Monat", erklärt Bruns. Gesellen können anfangs knapp 2800 Euro verdienen. "Der angehende Azubi hat idealerweise einen Realschulabschluss mit guten Noten in Mathematik, Physik und Chemie", erklärt Heckel. Die Azubis messen bereits Abgas- und Verbrennungsrückstände und schreiben Prüfberichte. Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt. Eine Weiterbildung zum Meister ist möglich, berufsbegleitend in ein bis zwei Jahren. "Der Meistertitel ist zwingend, wenn man einen Betrieb aufmachen will", sagt Heckel. Nach einer bestimmten Zeit kann man sich dann um einen eigenen Kehrbezirk bewerben. In Deutschland gibt es nach Angaben von Heckel derzeit knapp 8000 Schornsteinfegerbetriebe mit jeweils einem Kehrbezirk. Sie beschäftigen 18 000 bis 20 000 Fachkräfte, die kontrollieren, ob alle Vorschriften im Brand- und Umweltschutz eingehalten werden. Dazu prüfen sie Schornsteine, Abgasleitungen, Verbindungsstücke und Feuerstätten. Falls notwendig, reinigen sie diese auch. Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit seien in dem Beruf gefordert, betont Holger Bruns. Schornsteinfeger müssen mögliche Probleme frühzeitig erkennen. Mit Erfolg, wie die Statistik des Bundesverbands erkennen lässt: Danach stellten die Schorsteinfeger innerhalb eines Jahres 1,6 Millionen Mängel an Feueranlagen fest. Diese mussten Fachfirmen dann beheben. Als noch überwiegend mit Kohle geheizt wurde, war die Arbeit sehr schmutzig. Öl und Gas haben den Rußausstoß verringert. Doch mit der Zunahme der Biobrennstoffe müssen die Heizungsanlagen wieder häufiger vom Fachmann gekehrt werden. "Man freut sich dann nach der Arbeit auf die Dusche", sagt Heckel. Arbeitskleidung der Schornsteinfeger ist in der Regel der schwarze Kehranzug. "Er besteht aus ölrußfestem, strapazierfähigem Stoff. Leder ist nicht so bequem." Monopol für Schornsteinfeger wurde gelockert Seit 1935 hatten die Schornsteinfeger in Deutschland ein Monopol in ihrem Kehrbezirk. Die EU-Kommission hatte deswegen 2003 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Nun ist das Schornsteinfegerwesen reformiert worden. Es können zum Beispiel auch ausländische Kaminkehrer in Deutschland arbeiten. Und ein Bezirksschornsteinfeger behält seinen Kehrbezirk nicht mehr automatisch bis zur Rente. (dpa)
Schuhmacher
Absätze oder durchgelaufene Sohlen reparieren? Das klingt nicht gerade spannend. Schuhmacher tun aber viel mehr: Maßschuhe anfertigen zum Beispiel. Das ist eine kreative Aufgabe. Ein Grund, warum der Beruf zunehmend auch Frauen anzieht. «Im Keller ist es duster, da wohnt ein armer Schuster» - in diesem alten Spruch klingt die Arbeit von Schuhmachern nicht gerade nach einem Traumjob. Ganz so schlecht ist das Image dieses Berufs zwar nicht mehr. Viele haben aber nach wie vor ein recht angestaubtes Bild von diesem traditionellen Handwerk. Zu Unrecht: Denn es bietet nicht nur einen vielseitigen Arbeitsalltag, sondern auch gute Berufsaussichten. Wer Schuhmacher werden will, muss eine dreijährige Ausbildung in einem Meisterbetrieb absolvieren. Darin geht es zum einem um handwerkliche Techniken. Azubis befassen sich aber auch mit dem Material von Schuhen und der Anatomie des Menschen. «Entscheidend ist, dass die Auszubildenden das nötige Geschick, Sorgfalt und Spaß an handwerklicher Arbeit mitbringen», sagt Helmut Farnschläder, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Schuhmacher-Handwerks in Bonn. «Zwei linke Hände sollte man nicht haben. Und natürlich nicht in Ohnmacht fallen, wenn man einen Schweißfuß riecht.» Es handele sich eben um ein Handwerk, und da bekomme man auch schmutzige Finger. Wer das in Kauf nimmt, hat schon mit einem guten Hauptschulabschluss Chancen auf eine Lehrstelle. Es gebe derzeit mehr Ausbildungsplätze als Interessenten, sagt Peter Schulz vom Fuß und Schuh Info Office (F.U.S.I.O.) in Sankt Augustin. Er führt das unter anderem darauf zurück, dass sich junge Menschen häufiger für aus ihrer Sicht modernere Berufe entscheiden. «Das manchmal etwas altmodisch anmutende Image ist der Schuhmacherberuf bis heute leider immer noch nicht ganz losgeworden», erklärt Schulz. «Viele junge Menschen glauben, dass man als Schuhmacher nur allein in einer dunklen Werkstatt sitzt und Sohlen aufklebt. Das ist aber nicht so.» Denn ein Schuhmacher muss auch oft an den Ladentisch, um die Kunden zu bedienen und zu beraten. Und die Reparatur der Schuhe ist ebenfalls vielseitig. Dazu gehören Klassiker wie der abgebrochene Absatz oder die durchgelaufene Sohle. «Darüber hinaus gehört es zum Beruf, Maßschuhe anzufertigen», erläutert Farnschläder. Dafür sei eine Portion Kreativität nötig. Und am Ende der Ausbildung muss jeder Lehrling ein Paar Schuhe als Gesellenstück herstellen. Bewerber für diesen Beruf sollten nicht nur gern in einem Kleinbetrieb arbeiten. Sie müssen sich auch auf die Arbeitsbedingungen in einer Werkstatt einstellen. Dazu gehört die Arbeit bei künstlicher Dauerbeleuchtung, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg erläutert. Auch an die Geruchsbelästigung oder Hautreizungen durch Farben, Kleb- und Kunststoffe müssen Schuhmacher sich gewöhnen. Mitunter sei es auch nötig, einen Gehörschutz gegen den Maschinenlärm zu tragen. Obwohl es sich um einen klassischen Handwerksberuf handelt, ist er keinesfalls eine reine Männerdomäne. «Etwa ein Drittel der Auszubildenden sind derzeit Frauen - Tendenz steigend», sagt Schulz. «Wahrscheinlich liegt es daran, dass Frauen einen stärkeren Drang zum Schuh haben als Männer, und sie erkennen eher den kreativen als den handwerklichen Faktor.» Außerdem haben sie sich Schulz zufolge für einen Beruf entschieden, der gute Aussichten auf eine Anstellung oder eine Existenz als Selbstständiger bietet. «Der Rückgang an Schuhmacherbetrieben, den es bis vor ein paar Jahren gab, ist gestoppt», sagt der F.U.S.I.O.-Geschäftsführer. Es gebe schließlich über 160 Millionen Füße und mehr als eine Milliarde Paar Schuhe in Deutschland. «Schuhe werden immer getragen - und müssen häufig natürlich auch repariert werden.» Zentralverband des Deutschen Schuhmacherhandwerks Europäische Vereinigung des Schuhmacherhandwerks Wer sich von vornherein auf den medizinischen Aspekt dieses Berufs konzentrieren möchte, kann in einer dreieinhalbjährigen Ausbildung Orthopädieschuhmacher werden. Laut der Bundesagentur für Arbeit fertigt man dann neben orthopädischen Schuhen fußmedizinische Heil- und Hilfsmittel an. Überwiegend handele es sich dabei um Einzelstücke, die den Kunden individuell angepasst werden. Hauptsächlich arbeiten Orthopädieschuhmacher in Fachbetrieben, Reha-Kliniken und Sanitätshäusern.
Seenotretter
Der Sturm peitscht das Meer vor den ostfriesischen Inseln zu haushohen Wellen, Boote suchen Schutz in den nächstgelegenen Häfen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem sich die Männer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zum Auslaufen in die tosende Nordsee bereit machen. "Jeden Moment kann uns ein Hilferuf erreichen", sagt Ernst Dostal, Chef der neun Seeleute starken Besatzung des gut 23 Meter langen Seenotrettungskreuzers "Vormann Leiss". Das Schiff ist auf der Halbinsel Nordstrand stationiert. "Wir beschäftigen 186 fest angestellte Seenotretter, dazu kommen etwa 800 ehrenamtlich Tätige", sagt Bernd Anders, einer der drei Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen. Die Gesellschaft unterhält vor den deutschen Küsten eine Seerettungsflotte, die im vergangenen Jahr mehr als 2000 Einsatzfahrten unternahm. Dabei retteten die Helfer 91 Menschen aus Seenot und befreiten 510 Personen aus "drohenden Gefahrensituationen". "Alle Einsätze sind freiwillig, man kann den Leuten keinen Befehl geben, bei Orkan aufs offene Meer zu fahren", sagt Anders. "Aber wer sonst, wenn nicht wir, soll Menschen aus Seenot retten?" Er ist seit 17 Jahren dabei, seit fast 10 Jahren in der Funktion des Vormanns, des "Chefs". Jedes Boot hat einen solchen Verantwortlichen und einen Stellvertreter. Bei den Einsätzen spielt die Hierarchie keine Rolle, dann ist Teamgeist gefragt. Ausschließlich ausgebildete Seeleute haben bei Bewerbungen eine Chance, betont Anders. Mindestens den Abschluss als Schiffsmechaniker müssen sie vorlegen können. "Er ist der Facharbeiter an Bord", erläutert Alexandra Pohl, beim Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg zuständig für Ausbildung. "Das Wissen wird im dualen System, in der Praxis an Bord und in Theorie an der Berufsschule vermittelt." Mit dem Schiffsmechanikerbrief und Fahrzeiten in der Fischerei wäre der Weg zum Rettungsmann frei. Über weitere Ausbildungsstufen könne man ein nautisches oder technisches Patent machen und es mit entsprechenden Fahrzeiten bis zum Kapitän bringen, sagt Pohl. Solche Qualifikationen werden vom Vormann erwartet. Dostal beispielsweise hat das Kapitänspatent für die Küstenfahrt und fuhr sein eigenes Fischereiboot, ehe er sich für die Rettungseinsätze entschied. Guido Förster, dessen Seenotkreuzer "Bremen" im Ostseehafen Grömitz liegt, fuhr als nautischer Schiffsoffizier und Kapitän zur See. Die Männer auf den 61 Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten mit den markanten Buchstaben SAR (Search And Rescue) am Bug, die die 3400 Kilometer langen deutschen Küsten sichern, machen jeweils zwei Wochen Dienst an Bord und haben dann zwei Wochen frei. Diese Arbeitszeiten haben sowohl Dostal als auch Förster dazu bewogen, "den Job an Land" anzunehmen. "Man ist öfter zu Hause", argumentieren beide. Der Verdienst sei allerdings geringer als in der Handelsschifffahrt. Seenotretter müssen auf dem neuesten Stand aller Sicherheits- und Rettungsmaßnahmen bleiben. Die DGzRS unterhält entsprechende Einrichtungen zur Schulung der Mitarbeiter. In der Zentrale in Bremen steht ein Simulator, an dem das richtige Verhalten in Extremsituationen trainiert werden kann. Die beste Schule aber ist nach Meinung der Männer die Praxis an Bord. Unter den 186 hauptberuflichen Rettern gibt es keine Frauen. "Wir hatten noch keine Bewerbungen", sagt Anders. Unter den 800 Ehrenamtlichen, die ähnlich wie die Freiwillige Feuerwehr im Alarmfall mit ihren im Hafen liegenden Seenotrettungsbooten losfahren, sind aber rund 40 Frauen registriert. Seenotretter leisten auch Erste Hilfe und sind entsprechend trainiert. Sie bergen Ertrinkende und leiten die Wiederbelebung ein, sie verbinden Wunden und behandeln auch schon mal einen Sonnenstich, wenn ein Amateurskipper die Sonne unterschätzt hat. Oder sie transportieren "erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln und Halligen zum Festland", wie es im Tätigkeitsbericht heißt. Auch "Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art" gehören nach Angaben der Seenotretter zum Alltag. Guido Förster weist darauf hin, dass "Seetüchtigkeit" eine wichtige Voraussetzung ist. "Wer bei leichten Wellen seekrank wird, ist für den Beruf ungeeignet." Er verhehlt nicht, dass auch erfahrenen Seeleuten gelegentlich übel werden kann: "Damit muss man umgehen." Richtig hart für die Seenotretter wird es bei extremen Wetterbedingungen. So im vergangenen November, als sich in der Nordsee die Wellen bis zur Höhe von 17 Metern aufbauten - für die Männer in Rot kein Grund, im Hafen zu bleiben. Informationen: Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DgzRS), Werderstraße 2, 28199 Bremen Verband Deutscher Reeder (VDR), Esplanade 6, 20354 Hamburg
Sekretärin
Gleich 9 Chefs in 18 Berufsjahren, darunter emotionslose Machtstrategen, kommunikationsgestörte Patriarchen oder manisch-depressive Choleriker – und nur ein "richtig guter": Es ist kein schönes Führungszeugnis, das die Europasekretärin Katharina Münk ihren früheren Chefs erteilt. Und es ist auch kein ermutigendes Berufsporträt, das die Chefsekretärin als "lebender Palm Pilot, Coach, Punchingball und Statussymbol in Personalunion" in ihrem Buch "Und morgen bringe ich ihn um!" beschreibt. Katharina Münk ist ein Pseudonym, ebenso wie die Namen der Chefs und der Unternehmen frei erfunden sind. "Es hat alles so stattgefunden", betont die Autorin, die anonym bleiben will – um ihre Zukunft als Chefsekretärin nicht zu gefährden. Daraus kann man zumindest schließen: Der Beruf hat auch seine guten Seiten. Er sei zum Beispiel ausgesprochen vielfältig, betont die Ratgeberautorin Sabine Asgodom aus München, die auch Seminare für Sekretärinnen gibt. "Das sind Powerfrauen mit viel Kompetenz und Potenzial." Aber wer den "Laden eigentlich schmeißt", müsse seine Energiereserven gelegentlich neu aufladen: "Man ist ja auch so eine Art Blitzableiter für den Chef." Umso wichtiger sei es für jede Sekretärin, sich Respekt zu verschaffen und Nein sagen zu können. Chefs, die noch Texte diktieren, werden rar. Stattdessen sind bei Sekretärinnen Managementfähigkeiten gefragt: Mehrsprachigkeit, Organisationstalent und EDV-Kenntnisse zählt Monika Gunkel an oberster Stelle auf. Die Vorsitzende des Bundesverbandes Sekretariat und Büromanagement (bSb) in Bremen stellt einen Trend zur Höherqualifizierung schon beim Berufseinstieg fest. In der Regel sei noch die duale Berufsausbildung in kaufmännischen Berufen vorherrschend. "Die fundierte Grundausbildung sichert das Handwerkszeug. Dazu kommen kommunikative und soziale Kompetenz." Monika Gunkel hat selbst vor mehr als 30 Jahren Rechtsanwaltsgehilfin gelernt und sich dann zur geprüften Sekretärin ausbilden lassen. "Man ist in allen Branchen einsetzbar und kann sich unglaublich weiterentwickeln." Weilt der Vorgesetzte im Ausland, übernimmt die Sekretärin viele seiner Aufgaben, koordiniert Projekte, plant Termine. 356 000 Sekretärinnen und gerade 4000 Sekretäre zählte der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden 2005. Im Vergleich zu 1999, als es noch mehr als 600 000 Beschäftigte waren, scheint das wenig. "Aber man muss das mit der allgemeinen Beschäftigungsentwicklung in Relation setzen", gibt bSb-Pressesprecher Lars Oldenbüttel zu bedenken. Zudem beruhten die Zahlen auf der Selbsteinschätzung der Beschäftigten. "Heute definiert sich so manche Sekretärin lieber als Eventmanager oder Projektassistentin."
Literatur:
Modernes Office-Management 2006
Informationen:
Internet:
Servicetechniker
Nahezu überall, wo Maschinen eingesetzt werden, sind Servicetechniker nicht wegzudenken. Streikt das Auto auf der Landstraße, kommt der Mann von der Pannenhilfe. Geben Haushaltsmaschinen oder Heizungen ihren Geist auf, beheben Servicekräfte am Ort den Fehler. Und bei Großanlagen wie Kraftwerken rücken auch ganze Teams an. Kaum eine Branche kommt noch ohne diese Fachleute aus. Wenn Kundendienst gefordert ist, erscheinen sie -notfalls rund um die Uhr. "Servicetechniker ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern eine Tätigkeit", erklärt Dietmar Niedziella vom Deutschen Industrie-und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Personalleiter in etlichen Firmen weisen aber darauf hin, dass ihre Servicetechniker vor den Einsätzen ein besonderes fachliches Zusatztraining und auch eine Schulung für den richtigen Umgang mit Kunden erhalten. Die erfolgreich bestandene Gesellenprüfung setzen sie bei Bewerbern um einen solchen Job voraus. Den "Facharbeiterabschluss in einem elektrotechnischen oder mechanischen Beruf" verlangt beispielsweise ein norddeutsches Unternehmen, das Windanlagen betreut. Nach der Einstellung werden die Mitarbeiter entsprechend auf ihre Aufgaben vorbereitet. "Unabdingbar für diese Tätigkeiten ist jedoch die absolute Höhentauglichkeit, denn die Rotoren werden in luftiger Höhe gewartet", betont Einsatzleiter Uwe Dorn. Im Inneren der stählernen Rohrtürme führen Leitern mit spezieller Absturzsicherung zu den Arbeitsplätzen. Servicetechniker in der Medizintechnik kommen auch in Kliniken zum Einsatz, ohne dass der Betrieb dort beeinträchtigt werden darf. Dabei seien zusätzlich spezielle Hygienevorschriften bei den Arbeiten an Präzisionsinstrumenten genau zu beachten, sagt der zuständige Innungsmeister Dieter Heiss in Tuttlingen. Deutsche Firmen sind nicht nur in dieser Branche weltweit führend. "Deshalb müssen sich Servicetechniker aufs Reisen einstellen, auch auf Auslandseinsätze", sagt Niedziella. Hinweise auf eine für diesen Job notwendige Reisebereitschaft finden sich auch in den meisten Stellenanzeigen. "Mehrtägige auswärtige Montageeinsätze" stellt ein Anbieter von Flüssiggasen in Münster für seine Fachkräfte in Aussicht, die dann "nach entsprechender Einarbeitungszeit eigenverantwortlich Montage, Inbetriebnahme und Wartung von Tank- und Druckgasanlagen ausführen". Ein Facharbeiterabschluss als Mechatroniker, Heizungsinstallateur oder Kälteanlagenbauer ist als Voraussetzung genannt. Allgemeine bundeseinheitliche Fortbildungen für Servicetechniker, die bei Kunden zum Einsatz kommen, gibt es nicht. Informationen zu fachbezogenen Fortbildungen geben die zuständigen Handwerkskammern und Innungen. Die Berufsbezeichnung Servicetechniker sei auch nicht geschützt, erklärt Klaus Müller von der Handwerkskammer Hannover. Auch Referatsleiter Jörg Grunwald vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn kennt derzeit keine konkreten Pläne für eine staatlich anerkannte branchenbezogene Fortbildung der Facharbeiters zum Servicetechniker. Eine besondere Stellung nimmt allerdings der "geprüfte Kfz-Service-Techniker" ein, dessen Arbeitsplatz in der Regel die Werkstatt ist. "Er steht auf der Karriereleiter zwischen dem Gesellen und Meister", erläutert Klaus Müller diesen seit 2000 bestehenden, für das Kraftfahrzeuggewerbe speziellen Beruf. Dazu sei eine klare praxisorientierte Ausbildung notwendig. "Wer die Fortbildungsprüfung vor der Handwerkskammer besteht, dem wird sie als Teil eins einer angestrebten Meisterprüfung angerechnet." Voraussetzung für diesen Beruf ist die abgeschlossene Ausbildung zum Mechatroniker. "Die Höherqualifizierung zum Kfz-Service-Techniker erfolgt berufsbegleitend und ist gefragt", erklärt Müller. In Hannover sind 320 Unterrichtsstunden zu absolvieren - entweder an Abenden und am Wochenende oder in neun Wochen Vollzeit-Unterricht. Unter anderem stehen Service-Kommunikation und Service-Qualität, Antriebssysteme, Fahrzeugsicherheit, Informations- und Kontrollsysteme sowie Diebstahlsicherung auf dem Lehrplan. Auch andere Handwerkskammern und die Automobilhersteller bieten entsprechende Fortbildungskurse zum geprüften Kfz-Service-Techniker. In der vielfältigen Weiterbildungslandschaft Deutschlands bestehen zahlreiche Möglichkeiten, einen Facharbeiterabschluss zu veredeln und so den Meister anzustreben. Je besser die Ausbildung, desto gefragter sind die Fachkräfte als Servicetechniker, erklären Personalleiter. "Entsprechend besser ist der Lohn", sagt Dorn, dessen Leute bei Reiseeinsätzen auch Spesen abrechnen können und Tagegelder kassieren. (dpa)
Softwareentwickler
Wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Das mussten vor wenigen Jahren die Softwareentwickler erkennen. Jetzt mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Berlin beabsichtigen 46 Prozent der Mitgliedsfirmen, im Jahr 2005 neue Jobs zu schaffen. Der Softwarehersteller SAP in Walldorf hat schon im Jahr 2004 deutschlandweit rund 500 neue Stellen geschaffen. «Vor allem sind es aber kleinere und mittelständische Unternehmen, die den Aufschwung tragen», sagt BITKOM-Experte Stephan Pfisterer. Von der neuen Einstellungswelle werden nach seiner Einschätzung vor allem Bewerber mit einschlägiger Qualifikation profitieren, also Informatiker mit Hochschulabschluss oder Absolventen eines der vier neuen IT-Ausbildungsgänge, allen voran Fachinformatiker mit Fachrichtung Anwendungsentwicklung. Die Bedeutung der Quereinsteiger geht laut Pfisterer dagegen drastisch zurück. Jetzt, wo die Nachfrage wieder anzieht, kündigt sich schon der nächste Fachkräftemangel an. Die Zahl der Neueinschreibungen für das Fach Informatik ist an Universitäten und Fachhochschulen zuletzt eingebrochen. Der Berufseinstieg sei nicht das große Problem», sagt Werner Dostal vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. «Schwieriger ist es, den Job auch zu behalten.» Unter Entlassungen zu leiden hatten laut Dostal vor allem ältere Softwareentwickler, die über keine fachspezifische Ausbildung verfügten und sich schwer taten, mit dem immer schnelleren Wissenswandel in der Branche Schritt zu halten. Auch wenn Quereinsteigern ohne einschlägigen Abschluss der Berufseinstieg zunehmend erschwert wird - unter den angestellten IT-Fachkräften bilden sie mit einem Anteil von rund zwei Dritteln noch immer die Mehrheit. Vor allem an diese, von Krisen besonders betroffene Gruppe richtet sich ein neues Weiterbildungsangebot, das von Branchenverbänden wie BITKOM, der Gewerkschaft ver.di und Wissenschaftsorganisationen getragen wird. Über mehrmonatige, berufsbeleitende Praxisprojekte, in denen ihnen ein so genannter Lernprozessbegleiter zur Seite steht, können Quereinsteiger nun ein Zertifikat auf der Basis internationaler Normen erwerben. Es soll den Wildwuchs der Privatabschlüsse beenden, der in der Weiterbildungsbranche bisher herrschte. Zur Auswahl stehen 29 Spezialistenprofile. Doch die Zertifizierung steht auch IT-Spezialisten mit Abschluss offen. «Damit kann man zeigen, dass man Praktiker ist», sagt Stefan Grunwald von der bundesweit tätigen Zertifizierungsstelle Cert-IT in Berlin. Studierte Informatiker können laut Pfisterer derzeit bei großen Unternehmen mit einem jährlichen Einstiegsgehalt von rund 40 000 Euro rechnen. «Das ist ein Gehaltsniveau, auf dem sich auch Ingenieure bewegen.»
Sommelier
Es gibt nichts Schöneres, als den ganzen Tag Wein zu trinken und dafür bezahlt zu werden. Wer so über den Beruf des Sommeliers, zu Deutsch Weinkellner, denkt, besitzt zwar die richtige Leidenschaft, hat aber das falsche Berufsbild im Kopf. Ein Sommelier trinkt nur selten am Arbeitsplatz, er probiert - mit klarem Blick und guter Nase. "Außerdem verbringt er seine Zeit nicht hauptsächlich im Keller zwischen seinen Lieblingstropfen, sondern als Berater im Restaurant", sagt Christina Fischer, Sommelière und Gastronomin in Köln. Dort soll er dem Gast helfen, das optimale Getränk zum Essen zu finden. "Die Berufsmöglichkeiten sind sehr gut", sagt Bernd Glauben, Präsident der Sommelier-Union Deutschland. Rund 150 Weinkellner sind derzeit in deutschen Restaurants im Einsatz. Christina Fischer zählt auf, was mitgebracht werden sollte und übertreibt nur ein bisschen: "Eine abgeschlossene Ausbildung als Hotel- oder Restaurantfachmann, der Besuch möglichst vieler Weinproben und Winzer, Auslandserfahrung, zwei bis drei Fremdsprachen, fundierte Psychologiekenntnisse, Einfühlungsvermögen, Verkaufstalent, Überzeugungskraft und ein unerschütterliches Gemüt." "Es ist ein Beruf, der im Trend liegt", sagt Sommelier-Weltmeister Markus Del Monego. Aber letztlich ist es ein Gastronomieberuf wie jeder andere. Das bedeutet körperliche Anstrengung und ungewöhnliche Arbeitszeiten. Der Verdienst liegt laut Glauben meist zwischen 1500 und 3000 Euro brutto monatlich. Es gibt zwei geregelte Ausbildungswege: die Deutsche Wein- und Sommelierschule in Koblenz mit Zweigstellen in Berlin und München sowie die Hotelfachschule in Heidelberg. Voraussetzung ist meist eine abgeschlossene Lehre in der Gastronomie und Berufserfahrung. Die Koblenzer Schule bietet die Ausbildung berufsbegleitend sechs Monate lang an. In Heidelberg handelt es sich um einen Vollzeitlehrgang über zehn Monate. Weingut-Praktika kommen in beiden Schulen hinzu. Weinkellner brauchen viel zwischenmenschliche Erfahrung: "Auf zwei Hauptgruppen muss man sich einstellen", sagt Christina Fischer, "Gäste, die schon genau wissen, was sie wollen, und Gäste, die völlig hilflos sind und sich kaum ein Wort zu sagen trauen." Häufig kümmern sich Sommeliers auch um die Weinkarte, den Einkauf und die Pflege des Bestands. Zum korrekten Servieren gehört, dass der Weinkellner dem Gast die Flasche zunächst zeigt. Dann wird sie vor dessen Augen geöffnet und ein Probeschluck eingegossen. Dabei geht es darum, ob die Flasche einen Mangel hat, etwa Kork, nicht aber um einen Geschmackstest. Viele Weinkellner wechseln in den Handel oder machen sich als Berater selbstständig. Markus Del Monego, der seit 1998 in Essen ein Beratungsunternehmen in der Wein- und Genussmittelindustrie führt, hat bereits ungewöhnliche Höhen erreicht: Er stellt auch das Weinsortiment auf den Flügen der Lufthansa zusammen.
Sportfachmann
Gesund und fit müssen sie sein, die angehenden Sportfachleute. Denn viel Bewegung steht auf dem Programm des neuen Ausbildungsberufes Sportfachmann/Sportfachfrau. Muskelbepackte Bodybuilder erwarte er nicht, sagt Holger Arnold von der Europäischen Sportakademie Brandenburg in Potsdam. «Aber man sollte ein Herz für den Bereich Fitnessstudio oder Sportverein haben.» Gut sechs Jahre nach Einführung des Lehrberufs Sport- und Fitnesskaufmann wird das Ausbildungsspektrum nun um einen sportpraktischen Beruf erweitert. Sportvereine, Verbände oder Fitness- und Gesundheitsstudios setzen laut Arnold darauf, dass der neue Sportfachmann eher ihre Erwartungen erfüllt als der Sport- und Fitnesskaufmann. Denn der habe sich zu sehr als Büromensch und zu wenig als «Sport-Facharbeiter« entpuppt. Die Sportfachleute werden überwiegend im Sport- und Trainingsbetrieb zu finden sein. «Sie richten zum Beispiel die Strecke für einen Rollerskate-Wettbewerb her oder bereiten die Anlage für ein Skispringen vor. Sie organisieren Wettkämpfe von der Teilnehmerliste bis zur Siegerehrung und betreuen Sportler», erläutert Gabriele Jordanski vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Auf dem Lehrplan stehen neben typisch kaufmännischen Themen wie Organisation, Marketing und Betriebsabläufe von Anfang an Sport und Bewegung. Während sich die Sport- und Fitnesskaufleute im dritten Lehrjahr dann in Rechnungswesen, Controlling und Personalwirtschaft vertiefen, liege für die Sportfachleute der Schwerpunkt auf der Sportpraxis, sagt Jordanski. Dazu gehören auch Trainer-Qualifikationen. Der Erwerb sei Pflicht und gehe zu 30 Prozent in die Endnote der angehenden Sportfachleute ein, erläutert Yvonne Kretschmer vom Deutschen Sportstudio-Verband (DSSV) in Hamburg, dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Wellness-Anlagen. Das hat sich auch für den Sport- und Fitnesskaufmann als sinnvoll erwiesen. «Es hat sich gezeigt, dass er auch manchmal sportpraktisch arbeiten muss oder will», sagt Gabriele Jordanski. Das sei in der überarbeiteten Ausbildungsverordnung ab 2007 fest verankert. Voraussetzung für die Ausbildung in beiden Berufen ist mindestens ein Hauptschulabschluss. Yvonne Kretschmer vom DSSV weiß aber aus Erfahrung, dass die Mitglieder ihres Verbandes lieber Anwärter mit mindestens einem Realschulabschluss sehen. Kundenberatung und -betreuung gehören zu beiden Berufsbildern: «Man sollte schon gerne mit Menschen umgehen und sie anleiten wollen», sagt Holger Arnold. Das Lehrlingsgehalt für die Sportfachleute liegt aller Voraussicht nach leicht unterhalb dessen, was angehende Sport- und Fitnesskaufleute laut DSSV-Empfehlungen erhalten sollten: 447 Euro im ersten, 489 Euro im zweiten und 586 Euro im dritten Lehrjahr. Die Chancen auf Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung stehen nicht schlecht. Die Sportbranche sei schon seit einigen Jahren im Aufwind und habe nicht erst seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 mit der Wirtschaftskraft der Mineralölindustrie oder der Landwirtschaft gleichgezogen, so der DOSB. Bundesinstitut für Berufsbildund: www.bibb.de/de/ausbildungsprofil_2294.htm (dpa/tmn)
Sportlehrer
Die größte Hürde auf dem Weg zur Sportlehrerin war für Eva Natus das Speerwerfen. «Eva, wir sind hier nicht bei der Gymnastik», monierte der Prüfer. Leider nicht, bedauerte die Studentin, «Turnen und Tanzen kann ich einfach besser.» Über ihre Begeisterung für Hip-Hop und Modern Jazz sowie erste Unterrichtserfahrungen in Jugendgruppen ist Eva Natus zu ihrem Berufswunsch Sportlehrerin gekommen. Schon bei der Aufnahmeprüfung im Department «Sport und Gesundheit» an der Universität Paderborn musste Natus aber auch zeigen, dass sie sich über Wasser halten oder den Ball pritschen kann. «Die Ausbildung ist nicht ohne», sagt die 26-Jährige. «Ich habe im Studium 13 unterschiedliche Sportarten absolviert.» Die Sporteignungsprüfung ist die erste Hürde. Sie ist nicht standardisiert und wird auch nicht überall verlangt, wie einer der Ausbilder von Eva Natus, Prof. Wolf-Dietrich Brettschneider, erklärt. Geprüft werden in Paderborn vier Ballspielarten sowie vier Individualdisziplinen von Turnen bis Schwimmen auf Sportabzeichenniveau. «Die Hälfte der Bewerber schafft die Mindestanforderungen nicht.» An der Universität Karlsruhe scheitern sogar bis zu 80 Prozent der Bewerber am «Motivationstest für das Sportstudium», sagt Prof. Klaus Bös, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft. Immerhin schafft die große Mehrheit die Zulassungsprüfung im zweiten Anlauf. Aber damit ist der Studienplatz noch nicht sicher: «Wir haben gut 100 Bewerber auf 30 Studienplätze für das Höhere Lehramt», sagt Bös. Alle Kandidaten bewerben sich schriftlich und werden nach sportpraktischen und -theoretischen Vorerfahrungen ausgewählt: «Wer Erzieher gelernt oder Leistungssport gemacht hat und ein gutes Abi mitbringt, hat gute Chancen.» Im Studium bleibt die Mischung aus Theorie und Praxis erhalten: Die Studenten müssen die Grundsportarten absolvieren und diese in «Modellstunden» vermitteln können, erläutert Bös. Dazu kommen Didaktik-Seminare und Sporttheorie. Die Aussichten auf eine Stelle nach dem Studium sind gut. Schulsport hat es allerdings auch nicht einfach: Jede vierte Sportstunde fällt einer Studie zufolge aus. Vor allem in den Grundschulen wird fast die Hälfte der Sportstunden fachfremd unterrichtet. Und selbst viele Sportstudenten haben keine «halbwegs vernünftige sportliche Sozialisation mehr durchlaufen», bemängelt Ilka Seidel, Vizepräsidentin des Deutschen Sportlehrerverbandes. Es gebe immer mehr Sportstudenten, die nie im Verein tätig waren, bedauert Seidel, die hauptberuflich Geschäftsführerin des Forschungszentrums für den Schulsport (Foss) in Karlsruhe ist. «Wir brauchen authentische Sportlehrer, die den Sport leben, ihn an Kinder und Jugendliche weitergeben und nicht nur mal ins Fitnessstudio gehen, wenn sie gerade Zeit haben.» Eva Natus' Zukunft als Sportlehrerin ist jedenfalls schon so gut wie sicher: Zum zweiten Schulhalbjahr 2009 tritt sie eine Stelle an einem Gymnasium in Düsseldorf an. Die schlechte Note im Speerwurf hat sie im Examen übrigens durch sehr gutes Abschneiden im Kugelstoßen ausgeglichen. Informationen: Deutscher Sportlehrerverband, Bundesgeschäftsstelle, Fortstraße 7, 76829 Landau/Pfalz, E-Mail: info@dslv.de Deutscher Sportlehrerverband: www.dslv.de
Stadtplaner
Schiffe werden in diesem Teil des Hamburger Hafens nicht mehr entladen. Wo früher die mehrstöckigen Lagerhäuser mit eher tristen Fassaden die Kaimauern säumten, entsteht derzeit das neueste Wohn- und Büroviertel der Hansestadt - die Hafencity. Frachtschiffe und Lastkräne gehören hier der Vergangenheit an. Die ersten modernen Gebäude sind bezugsfertig, der Bau eines futuristisch anmutenden großen Konzerthauses auf dem Dach eines früheren Bananenspeichers ist beschlossene Sache. Vor dem ersten Spatenstich für diese Hafencity gab es viel Arbeit für die eng mit Architekten zusammenarbeitenden Stadtplaner. Ohne Stadtplaner werden heute in Deutschland keine Verkehrswege und Siedlungen mehr gebaut. Das Gesetz will es so, um "Wildwuchs" zu verhindern. Diese Experten sind deshalb nicht nur bei spektakulären Projekten gefragt, sondern beispielsweise auch bei der Umwandlung von Militäranlagen in Industrie- oder Wohnraum. "Auch eine kleine neue Straße durch eine Siedlung muss im Vorweg geplant werden", erläutert Jan Philipp Stephan, Baureferendar in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg. Der anspruchsvolle Beruf verlangt ein Hochschulstudium. In Kreisen der Stadtplaner kursieren die Namen der Universitäten Hamburg-Harburg, Kassel, Kaiserslautern, Dortmund und Berlin. Zehn Semester dauert es in der Regel bis zum Diplomabschluss. Die Bauminister der Länder meinten Mitte 2005, dass eigentlich sechs Semester ausreichen würden. Dem widerspricht die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) in Berlin und verlangt, die gegenwärtige Studiendauer beizubehalten. "Sie ist erforderlich, um die vielfältigen Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung der komplexen Aufgaben in der Stadtplanung zu erlernen", sagt Geschäftsführer Rainer Bohne. Der Besuch der Vorlesungen und Seminare während der fünf Jahre Regelstudienzeit allein reicht nicht. "Während des Studiums muss man aus eigenem Interesse Praktika machen. Sie helfen später bei der Jobsuche", weiß Stephan aus eigener Erfahrung. "Sehr zu empfehlen ist auch ein Praktikum schon vor der Entscheidung für den Beruf Stadtplaner, um einen Einblick in die Bandbreite der Arbeit zu bekommen." Die Aufgaben sind vielfältig: Unter die Kompetenz der Stadtplaner fällt alles, was mit Städte- und Landschaftsbau zu tun hat. "Einen hohen Stellenwert nimmt dabei neben den sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen der Umweltschutz ein", erläutert Stephan. So steht auch Ökologie auf dem Studienplan - und Architektur, denn praktisch jedes Projekt ist mit Bautätigkeiten gekoppelt. Pläne zeichnen und lesen gehört daher zum Handwerk. Gefragt ist auch Ideenreichtum. "Planung muss Experimentierfelder eröffnen", sagt Prof. Dieter Läpple von der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Dort besteht das Studium aus vier Semestern bis zum Vordiplom. Hinzu kommen zwei Semester Fachstudium (Abschluss mit Bachelor of Science) sowie vier Semester Vertiefung mit dem Diplom am Ende. Dabei sind drei Schwerpunkte möglich: Stadtstruktur und Gestaltung, Stadt, Umwelt, Infrastruktur sowie Projektmanagement und Projektentwicklung. "In Harburg sind derzeit fast 400 Studenten eingeschrieben, 60 von ihnen sind Erstsemester", sagt Rüdiger Bendlin von der Uni-Leitung. Bohne weist auf die juristische Seite des Berufes hin: "Bebauungspläne haben Gesetzeskraft. Da muss alles entsprechend geprüft sein." Fast die Hälfte der Stadtplaner arbeitet im öffentlichen Dienst. "Überwiegend in den Kommunen", so Bohne. Etwa gleich groß ist der Anteil der Freiberufler in Planungsbüros. "Zehn Prozent arbeiten im wissenschaftlichen Bereich, an Hochschulen oder Instituten." Die Zahl der Stadtplaner schätzt der SRL-Geschäftsführer auf rund 8000. "Der Frauenanteil liegt bei 30 Prozent, er zeigt steigende Tendenz." Arbeit für Stadtplaner gebe es genug, so Bohne. Doch die schlechte Finanzlage der Kommunen wirke sich auf die Beschäftigung aus. Auch in privaten Planungsbüros fließen die Honorare aus der Gemeindekasse nur spärlich. "Schlecht sind die Aussichten im Norden und Osten, gut dagegen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen." In Bayern sei der Markt ausgeglichen. Im öffentlichen Dienst können Berufseinsteiger je nach Bundesland mit einem Gehalt von 2000 bis 2500 Euro pro Monat rechnen, bei privaten Arbeitgebern mit etwas mehr. Gute Leute sind auch im Ausland gefragt - deutsche Stadtplaner arbeiten nämlich nicht nur an der Hafencity.
Steinmetz
Hinterbliebene, die alles schnell hinter sich bringen möchten, machen Thomas Groß besonders zu schaffen. Der 39-Jährige ist Steinmetz und Steinbildhauer und hat in seiner Werkstatt in Stuttgart fast täglich mit trauernden Angehörigen zu tun, wenn er sie wegen des Grabsteins berät. "Vielen ist gar nicht klar, dass der Stein gerne auch etwas über den Verstorbenen preisgeben darf", sagt Groß. Ein durchschnittliches Beratungsgespräch dauere daher in der Regel maximal eine halbe Stunde. Rund ein Drittel seiner Aufträge kommt aus dem Grabstein-Bereich -sein liebstes Geschäftsfeld, sagt Groß. In diesem Bereich brauche es die Fähigkeit, sich auf die trauernden Menschen einzulassen. Und das könne er ganz gut. Dennoch sei es manchmal auch anstrengend, die Diskussionen unter den Hinterbliebenen mitzuerleben. Den technischeren Teil ihres Berufes decken Groß und seine drei Kollegen auf dem Bau, etwa bei der Gestaltung von Küchen und Bädern, ab. Neben dem Geschäft mit den Grabsteinen spielen auch andere Gewerke eine Rolle: "Rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes werden heute auf dem Bau erwirtschaftet", bestätigt Wolfgang Simon, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerks (BIV) in Frankfurt/Main. Steinmetze werden häufig genug nur "auf den Friedhöfen" wahrgenommen. Wolfgang Simon ist froh darüber, dass Steinmetze zunehmend auch in anderen Bereichen eine Rolle spielen. Immerhin sei der Beruf vielseitig, und man sehe das Ergebnis noch viele Jahre. "Das Niveau unter den Azubi-Bewerbern ist recht akzeptabel, wir wollen uns nicht beschweren", sagt Simon. Dennoch habe es sich bei den jungen Leuten noch nicht herumgesprochen, dass man neben einer gewissen Kreativität auch ganz gut rechnen können muss. "Man muss ja täglich mit Flächen umgehen, die muss man schließlich berechnen können." Räumliches Vorstellungsvermögen und körperliche Ausdauer seien weitere Voraussetzungen für den Beruf, betont Reiner Flassig, Leiter der Steinmetzschule in Königslutter bei Braunschweig. Die Schule bildet derzeit 450 Lehrlinge sowie rund 30 angehende Meister aus. Bundesweit werden derzeit rund 1300 Azubis ausgebildet. Das Lehrlingsgehalt reicht von rund 360 Euro monatlich im ersten bis rund 590 Euro im dritten Lehrjahr. Das durchschnittliche Bruttogehalt eines Gesellen liegt bei 2900 Euro im Monat. Für viele Steinmetze ist der Job als Restaurator etwa in einer Dombauhütte der Traumjob schlechthin - doch für Thomas Groß hat sich der Traum mit der Übernahme des Familienbetriebs vor einem Jahr erfüllt. Er schätzt vor allem den täglichen Umgang mit seinen Kunden, auch wenn der manchmal zur Herausforderung wird: "Die direkte Resonanz der Menschen gleich zu erleben, ist mir sehr wichtig."
Informationen: (dpa)
Steuerberater
Das immer kompliziertere Steuerrecht sichert Steuerberatern ihre Aufträge. «Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Steuerberater und Steuerberatungsgesellschaften bundesweit um 2,7 Prozent auf nahezu 80 000 zu», sagt Regine Kreitz von der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) in Berlin. «Die Karriereaussichten schätzen wir als sehr gut ein.» Drei Ausbildungswege führen zur Bestellung zum Steuerberater durch die zuständigen Finanzbehörden. Ein Examen ablegen können Absolventen eines wirtschafts- oder rechtswirtschaftlichen Hochschulstudiums nach mindestens acht Regelsemestern und zwei Jahren praktischer Tätigkeit in einer Steuerberatungskanzlei. Bei weniger als acht Semestern werden drei Jahre Berufserfahrung gefordert. Auch eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung vorzugsweise zum Steuerfachangestellten ist eine Grundlage. «Nach zehn Jahren Praxiserfahrung kann man zur Steuerberaterprüfung zugelassen werden. Wer in dieser Zeit die Prüfung zum Steuerfachwirt oder zur Steuerfachwirtin absolviert hat, darf schon nach sieben Berufsjahren antreten», erläutert Kreitz. Geprüften Bilanzbuchhaltern steht diese Möglichkeit ebenfalls offen. Die bundeseinheitliche Prüfung, die beim für den Arbeitsort zuständigen Landesfinanzministerium abgelegt werden muss, ist die höchste Hürde. «Sie ist unglaublich schwer», sagt Gerhard Brück von der privaten Steuer-Fachschule Dr. Endriss in Köln, deren Dozenten die Studierenden bis zum Examen begleiten. «Im langfristigen Bundesdurchschnitt fallen 49 Prozent der Angetretenen durch.» Mit der Prüfung ist die Zeit des Lernens jedoch nicht zu Ende. «Der Beruf verpflichtet zur ständigen Fortbildung», sagt Annette Theobald vom Deutschen Steuerberaterverband (DStV) in Berlin. Neben der klassischen Steuerberatung gewinnen Geschäftsfelder wie die betriebliche Beratung an Bedeutung. Das Wissen der Steuerberater sei auch bei Unternehmensgründungen, bei der Wahl der Rechtsform, bei Planungen aller Art wie Fusion, Sanierung und Verkauf gefragt, zählt Kreitz auf. Das komplizierte Steuersystem führt dazu, dass zunehmend auch Privatpersonen auf diesen fachlichen Rat zurückgreifen. «Eine Steuererklärung ist eine strafbewehrte Erklärung», erläutert Stefan Walter vom Bund der Steuerzahler (BdSt) in Berlin. «Falsche Angaben können Strafen nach sich ziehen.» Steuerberatung ist in der Regel ein freier Beruf. Er kann erst nach der Bestellung durch eine der 21 Steuerberaterkammern ausgeübt werden. Diese Fachkräfte betreiben eine eigene Praxis oder schließen sich mit anderen zu einer Sozietät zusammen. «Ein ideales Gebiet für Unternehmertypen», sagt Kreitz. Informationen: Bundessteuerberaterkammer Postfach 028855 10131 Berlin Tel.: 030/24 00 870 Deutscher Steuerberaterverband Littenstraße 10 10179 Berlin Tel.: 030/278 76 20 30 Bundessteuerberaterkammer www.bstbk.de Deutscher Steuerberaterverband www.dstv.de
Steuerfachangestellte/r
Die eigene Steuererklärung treibt vielen Menschen den Angstschweiß auf die Stirn. Kompliziertes Zahlenwerk, verzwickte Regelungen und häufig wechselnde Gesetze bereiten vielen Steuernzahlern schlaflose Nächte. So sind immer mehr Menschen dazu bereit, ihre Erklärung von einem professionellen Steuerberater erstellen zu lassen. Doch was für manchen Menschen die pure Qual bedeutet, ist für Steuerberater oder Steuerfachangestellte umso faszinierender: der tägliche Umgang mit Zahlen und Regeln und die ständige Auseinandersetzung mit dem Finanzamt. Der Weg zum Steuerfachangestellten führt über die dreijährige Ausbildung. «Der Beruf des Steuerfachangestellten ist sehr anspruchsvoll», sagt Susanne Wanagas von der Bundessteuerberaterkammer in Berlin. Es handle sich nicht nur um eine Assistententätigkeit, vielmehr habe der Steuerfachangestellte ein hohes Maß an Verantwortung. Das Aufgabengebiet umfasst die Buchführung ebenso wie die Lohn- und Gehaltsabrechnung, das Vorbereitungen und Erstellungen von Jahresabschlüssen sowie das Anfertigen von Steuererklärungen. Steuerfachangestellte arbeiten vor allem bei Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern oder in großen Buchprüfungsgesellschaften. Doch viele Aufgaben, die früher der Steuerfachangestellte übernommen hatte, werden heute vom Chef - also vom Steuerberater selbst - erledigt. «Daran sind auch die hochwertigen EDV-Programme schuld, die eine einfachere Handhabung etwa von Steuererklärungen ermöglichen», sagt Wanagas. Aus diesem Grund werde der Bedarf an Steuerfachangestellten heute nicht mehr so hoch eingeschätzt; viele freie Stellen würden nicht mehr besetzt. Das schlägt sich auch auf die Zahl der Auszubildenden nieder. Sie hat sich von rund 26 000 im Jahre 1991 auf etwa 18 500 (Stand: 2005) verringert. Der Anteil der Abiturienten liegt bei 59 Prozent. Doch auch bei diesen Auszubildenden seien oft Defizite vorhanden. «Die Anforderungen an den Auszubildenden sind sehr hoch - viel höher als bei anderen Ausbildungszweigen», sagt Wanagas. Dennoch sind Realschulabgänger den Arbeitgebern fast noch lieber als Abiturienten - denn diese nehmen häufig nach einer mehrjährigen Berufserfahrung als Angestellte die Ausbildung zum Steuerfachwirt und Steuerberater in Angriff und werden so zur potenziellen Konkurrenz. «Der Markt ist verteilt, es gibt zu viele Kanzleien», sagt Roland Engelhardt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Fellbach. Viele scheuten aber den Weg in die Selbstständigkeit. Heute gebe es viel mehr angestellte Steuerberater als früher. «Alleine die Kosten für die aufwendigen EDV-Programme, Literatur, Fachmagazine und Schulungen schreckt viele ab», sagt Fellbach. So wie noch vor zehn Jahren, als viele sich auf Grund einer vermeintlich sicheren Perspektive zum Steuerberater hätten ausbilden lassen und ein eigenes Büro eröffneten, sei es nicht mehr. Hauptsächlich Frauen wählen den Weg in die Steuerbranche. Mehr als zwei Drittel aller angehenden Steuerfachangestellten sind weiblich. «In diesem Beruf kann man gut und flexibel von zu Hause arbeiten und Beruf und Familie miteinander verbinden», sagt Engelhardt. Auch in seiner Kanzlei liegt die Frauenquote bei 90 Prozent. Einer der wenigen männlichen Azubis ist Sebastian Birkenauer. Er hat seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten im Juli in der väterlichen Kanzlei in Düsseldorf begonnen. «Was wir in der Schule lernen müssen, ist schon ziemlich hart», sagt er. Doch die interessante Arbeit in der Kanzlei entschädige dafür. «Jeder Mandant ist anders, bei jedem muss man völlig anders agieren - das ist unglaublich spannend.» Wer sich für einen Beruf in der Steuerbranche entscheidet, sollte nach Engelhardts Einschätzung vor allem vier Eigenschaften mitbringen: «Das Gefühl für Zahlen, hohe Lernbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und ein hohes Maß an Flexibilität.» Gerade in dieser Branche müsse der Prüfer oder Angestellte hervorragende Arbeit leisten - schließlich sei das Ergebnis für den Mandanten in barer Münze messbar. Der Beruf sei ein sicherer Job - vorausgesetzt der Steuerexperte leiste gute Arbeit. Vor allem sei aber eines entscheidend, sagt Engelhardt: «Man muss wirklich dafür geboren sein.» Information: Bundessteuerberaterkammer, Neue Promenade 4, 10178 Berlin, Telefon: 030/240 08 70 Literatur: Ekkehard Kliewer, Oliver Zschenderlein: Die Prüfung der Steuerfachangestellten, Kiehl-Verlag, ISBN: 3-4705-4034-9, 35 Euro. Bundessteuerberaterkammer: www.bstbk.de Informationen zum Berufsbild: www.steuerfachangestellter.com
Straßenbauer
Die Straßenbau-Unternehmen suchen Nachwuchs - doch sie haben ein Image-Problem: Nach jahrelangem Stellenabbau zögern viele Jugendliche, eine Lehre in der Branche anzufangen. Dabei sind die Zukunftsaussichten nicht schlecht. Das «Bau-ABC Rostrup» in Bad Zwischenahn bekommt regelmäßig eine frisch asphaltierte Zufahrt. Auszubildende im Straßenbau zeigen auf diese Weise, was sie gelernt haben. «Asphalt ist ein faszinierendes Material», sagt Heinrich Els. Der Geschäftsführer Technik beim Deutschen Asphaltverband in Bonn hofft, dass wieder mehr junge Leute seine Faszination teilen und sich für den Beruf des Straßen-/Tiefbauers entscheiden. Das «Bau-ABC Rostrup» ist eines von mehreren überbetrieblichen Aus- und Fortbildungszentren einer Branche mit Nachwuchssorgen. Insbesondere im Straßen-/Tiefbau wurden im vorigen Ausbildungsjahr händeringend Lehrlinge gesucht. «Die Bauwirtschaft hat ein großes Imageproblem», sagt Helmut Schgeiner vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) in Berlin. Seit einem guten Jahrzehnt gebe es einen deutlichen Stellenabbau. «Das setzt sich fest in den Köpfen.» Hinzu kommt mancherorts ein demografisches Problem: Es gebe einfach weniger Schulabgänger, sagt Bernd Rachow, Geschäftsführer für Bildungspolitik beim Bauindustrieverband Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Das mache sich auch bei den Bewerberzahlen bemerkbar. Dennoch hofft er auf wachsendes Interesse an einer Lehre, die hochinteressant sei und gute Chancen biete. Heinrich Els vom Asphaltverband ist sogar überzeugt, dass es «auf Jahrzehnte hin genug Arbeit» im Straßenbau gebe - schon wegen des wachsenden Verkehrs. Der Beruf des Straßen-/Tiefbauers bleibe zwar eine handwerkliche Tätigkeit, sagt Rachow. Aber er bestehe längst nicht mehr aus einfachen Handlangerarbeiten. Technische Hilfsmittel wie Mini-Bagger, Stampfer, Vibrationsgeräte und Walzen würden wo immer möglich eingesetzt. Die Ausbildung zum Straßen-/Tiefbauer ist breit angelegt: «Sie lernen nicht nur Pflastern», betont Rachow. Neben dem Straßenbau stehe in der dreijährigen Lehrzeit auch der Kanal-, Rohr- und Brunnenbau auf dem Programm. Ausgebildet wird in entsprechenden Schulen oder in Lehrfirmen und auch in überbetrieblichen Lehrgängen. Über 90 Prozent der ausbildenden Betriebe sind laut Rachow kleine Mittelständler und können die von der Branche angestrebte Breite allein nicht vermitteln. In der Regel haben die Azubis einen Hauptschulabschluss, Rachow zufolge sind aber auch Realschulabsolventen gern gesehene Bewerber. Vergütet wird die Lehre in Betrieben laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung im ersten Jahr mit durchschnittlich 490 Euro in Ost- und 571 Euro in Westdeutschland. Im zweiten sind es rund 684 beziehungsweise 887 Euro, im dritten im Schnitt 864 oder 1120 Euro. Gefragt sei ein gutes mathematisch-naturwissenschaftliches sowie technisches Verständnis. «Auch eine Straße ist ein High-Tech-Bauwerk», sagt Heinrich Els. Vermessen werde via GPS oder per Laser. Die Verdichtung, also Wasserdurchlässigkeit, wird elektronisch kontrolliert. Informationen im Internet:
Stuckateur
Ins Handwerk wollte Bjelic Dusan, so viel stand fest: "Ich arbeite gerne praktisch." Von Bekannten vermittelt, machte der Düsseldorfer serbischer Abstammung zunächst ein Praktikum als Elektroinstallateur, dann als Stuckateur. Danach stand die Berufsentscheidung fest: "Ich möchte Stuckateur werden, das ist sehr vielseitig." Heute lernt der 25-Jährige in einem Ausbildungsbetrieb, der sich auf den Vollwärmeschutz spezialisiert hat. Wärmedämmverbundsystem lautet der Fachbegriff, wenn Bjelic auf Außenwände Dämmstoffe aufträgt, verstärkt und anschließend mit einer Schlussbeschichtung verputzt. Dafür arbeitet der Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei Wind und Wetter draußen, nicht selten in luftiger Höhe. "Man muss schwindelfrei sein." Aber so häufig ist Bjelic noch gar nicht in seinem Ausbildungsbetrieb. Denn neben der üblichen Berufsschule erhalten alle angehenden Stuckateure eine Überbetriebliche Ausbildung: Zwölf Wochen im Jahr besucht Bjelic das Bildungszentrum des Baugewerbes (BZB) in Düsseldorf. Dort lernt er alles, was im Betrieb zu kurz kommt: Trockenbauarbeiten, Dachschrägen bearbeiten, aus Gipsmehl und Wasser ein Stuckprofil anfertigen. "Während die Auszubildenden im Betrieb oft nur Hilfsarbeiten ausführen, arbeiten sie bei uns von Beginn an eigenverantwortlich", erklärt Ausbildungsmeister Dieter Stempel. Die meisten Ausbildungsbetriebe haben sich spezialisiert, etwa auf die Fassadendämmung oder den Dachgeschossausbau. "Mit Stuck arbeiten die wenigsten", sagt Stempel. Aber damit die alte Handwerkskunst, die dem Beruf den Namen gab, nicht verloren geht und jeder Geselle in jedem Bereich vom Außenputz bis zum Stuckmarmor einsetzbar bleibt, legt die Überbetriebliche Ausbildung bewusst ein breites Fundament. "Stuckateure sind Gestalter, Energiefachleute und Handwerker in einem", betont Frank Schweizer, Leiter des Bildungszentrums für Ausbau und Fassade in Leonberg (Baden-Württemberg). Rund 700 Auszubildende, verteilt auf drei Lehrjahre, unterrichtet das Bildungszentrum zur Zeit und ist damit Deutschlands Hochburg für Stuckateure. "Wir hatten mal doppelt so viele", sagt der Stuckateurmeister und Restaurator Schweizer. "Aber durch die schwierige Lage in der Bauwirtschaft wurden viele Ausbildungsplätze abgebaut." Inzwischen hat sich die Zahl bundesweit auf knapp 600 Auszubildende pro Jahrgang eingependelt. 2006 begannen 564 junge Männer, aber nur 8 junge Frauen die Stuckateurausbildung, so der Deutsche Stuckgewerbebund in Berlin. "Dabei sind Mädchen oft sehr gute Stuckateure", betont Schweizer. Um zu testen, ob man für den Beruf geeignet ist, bietet das Bildungszentrum in Baden-Württemberg Eignungspraktika an. Sie finden nicht nur in einem Mitgliedsbetrieb, sondern auch im Ausbildungszentrum statt: "Wir testen das Basiswissen in Mathe, Deutsch, das räumliche Vorstellungsvermögen und die Motivation", erklärt der Schulleiter. Was die Motivation angeht, haben die Mädchen den Jungs oft einiges voraus. Weil sie in der Regel genau wissen, warum sie sich auf den Männerberuf einlassen: "Ich interessiere mich für barocke Gebäude und will Restaurateurin werden", erklärt Margit Bormann. Die Abiturientin machte bei einem Stuckateurmeister mit dem Schwerpunkt Restauration ein Praktikum und anschließend eine Lehre. 2004 gewann sie den Bundeswettbewerb für Stuckateure. Jetzt studiert sie an der Fachhochschule Köln und wird Restauratorin: "Trockenbau und Wärmedämmung haben mich nie interessiert. Ich wollte die historische Technik mit der Freude an Ästhetik verbinden." Wer genau weiß, was er in dem Beruf erreichen will, hat gute Chancen. Facharbeiter sind gefragt: "Wir werden in fünf Jahren einen akuten Facharbeitermangel haben", ist Dieter Stempel sicher. Schon jetzt würden viele Gesellen nach Holland abgeworben. Dort wie hier wird immer mehr im Akkord gearbeitet, das heißt, es werden mit den Kunden Quadratmeterpreise ausgehandelt und je nach Leistung abgerechnet. "Im Akkord verdient ein Geselle schnell mehr als 2000 Euro brutto." Ohne sind es zwischen 1600 und 1800 Euro im Monat.
Informationen:
Deutscher Stuckgewerbebund im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes
Stuntman
Sie springen von Dächern und fliegen über Autokühler. Seit im Fernsehen immer häufiger Reifen quietschen und Fäuste aufeinander treffen, hat die Stuntszene ihr Nischendasein verlassen. Stuntmänner und -frauen sind nicht nur in Hollywood gefragt. «Es gibt kaum noch Fernsehfilme, in denen keine Actionszene vorkommt», sagt Ronald Zillinger von der Arbeitsgemeinschaft Stunt der deutschen Medien- und Eventwirtschaft in Krefeld. Für einen angehenden Stuntman ist Sportlichkeit unverzichtbar: «Besonders in den ersten Jahren muss man viel für die Fitness tun», sagt René Lay, Stuntman aus Dresden. Gefragt sei aber auch eine «künstlerische Ader». Stuntmen doubelten nicht nur Schauspieler bei gefährlichen Parts, sondern übernehmen ganze Filmszenen. «Wir achten auch darauf, dass die Leute nicht zwei linke Hände haben», sagt Tanja Maschkowski von der Film- und Stuntproduktion Action Concept in Hürth (Nordrhein-Westfalen). Auch technisches Verständnis sei von Nutzen - zum Stunt gehöre auch die Vorbereitung. Der Einstieg in die Vollzeit-Ausbildung erfolgt über ein Praktikum. Einige Schulen veranstalten zunächst «Sichtungsseminare». Wer reinschnuppern möchte, kann etwa in der Stuntschule der Stunt-AG oder bei Action Concept auch an einem Workshop teilnehmen. «In der Ausbildung werden die Grundlagen vermittelt», sagt Tanja Maschkowski. Dazu gehört in der Stuntschule von Action Concept der Bodystuntbereich: «Fallen, Abrollen und Stürze in allen Variationen.» Für diese Vollzeit-Ausbildung wird eine Vergütung gezahlt, während des Praktikums 500 Euro, später abhängig von den Vorkenntnissen entsprechend mehr. Zu den wenigen Frauen in der Branche gehört Tanja de Wendt: «Ich habe großes Glück gehabt», erzählt die erfolgreiche Stuntfrau. «Ich konnte viele und außergewöhnliche Erfahrungen machen.» Inzwischen arbeitet sie auch als Stunt-Koordinatorin. Ihre Aufgabe: Stunts so zu planen, dass das Risiko für alle Beteiligten möglichst gering bleibt. «Eine realistische Selbsteinschätzung ist wichtig», sagt de Wendt. Man müsse die eigenen Grenzen kennen. Den größten Mut erfordere es, Nein zu sagen, wenn die Beine anfangen zu schlottern. «Wir sind keine Sensationsdarsteller», bringt es Stuntman René Lay auf den Punkt. Der Markt für Stuntman ist eng: «Es schaffen nur wenige, wirklich professionell zu arbeiten und davon zu leben», sagt Lay. «Je vielseitiger man ist, desto mehr Arbeit hat man.» Das bestätigt auch Zillinger: Wer sich spezialisiere und in einem Bereich «sehr, sehr gut» ist, werde zwar besser bezahlt, habe aber eventuell weniger Aufträge. Wem die Freiberuflichkeit zu unsicher ist, kann sich auch von einem Freizeitpark anstellen lassen. «Auch im Event- und Veranstaltungsbereich sind die Stunts live», so der Stunttrainer.
Süßwarentechniker
Standhaft muss in diesem Beruf sein, wem seine schlanke Linie am Herzen liegt: Fachkräfte für Süßwarentechnik sind ständig von den Leckereien umgeben. Mit Hilfe von Maschinen stellen sie Pralinen, Bonbons, Kekse und all die anderen süßen Spezialitäten für kleine und große Genießer her. "Eine Naschkatze zu sein, ist bei diesem Beruf kein Nachteil", sagt Andrea Altmann von der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Solingen - des einzigen Berufskollegs in diesem Bereich bundesweit. "Dorthin gehen alle Auszubildenden", erklärt Andrea Lehmann, Ausbildungschefin im Nestle-Chocoladen-Werk Hamburg. "Man ist also regelmäßig vier bis sechs Wochen lang nicht zu Hause." Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung ist ein guter Hauptschulabschluss. "Mathe, Deutsch und gute Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern sind besonders wichtig", sagt Altmann. Wert legen die Süßwarenhersteller auch auf die Teamfähigkeit ihrer Auszubildenden. In den ersten beiden Jahren der Ausbildung wird Grundwissen erworben: Rohstoffkunde und Herstellungsverfahren sind dabei ebenso Thema wie die Verpackung und Lagerung von Süßigkeiten, Hygienevorschriften und Qualitätstests. "Im dritten Jahr setzt man einen Schwerpunkt, abhängig von der jeweiligen Firma in den Fachrichtungen Konfekt, Schokolade, Zuckerwaren oder Dauerbackwaren", erklärt Altmann. Das Schlaraffenland süßer Köstlichkeiten ist hochtechnisiert. "Die Süßigkeiten werden in großen Bottichen abgerührt und automatisch Fachkräfte für Süßwarentechnik steuern, überwachen und warten Maschinen, die alle Arbeiten von der Aufbereitung der Rohstoffe bis zur Verpackung der Ware erledigen. Sie kontrollieren die Zutaten, entnehmen Proben und achten auf die richtige Temperierung. Gearbeitet wird meist in großen Abteilungen und im Schichtbetrieb. Fachkräfte für Süßwarentechnik werden dabei nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Qualitätssicherung und in der Entwicklung eingesetzt. Die Zahl der Betriebe ist überschaubar. "In Berlin zum Beispiel sind die Süßwarenhersteller fast an einer Hand abzuzählen", sagt Martina Kudick vom Marzipan-Hersteller Lemke in Berlin. Entsprechend begrenzt seien die Möglichkeiten, irgendwo unterzukommen. Regelmäßige Fortbildung ist Pflicht - die Entwicklung immer neuer Computertechniken wirkt sich auch auf die Verfahren bei der Herstellung von Schokolade, Keksen und Bonbons aus. Zudem ändern sich die Vorlieben für bestimmte Leckereien - und damit auch die Rezepturen und verwendeten Rohstoffe. Je nachdem, wie viel Verantwortung man trägt und über wie viel Erfahrung man bereits verfügt, liegt das monatliche Bruttogrundeinkommen bei etwa 1800 bis 2200 Euro.
Internet: Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft www.zds-solingen.de |
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