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Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.

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Technischer Redakteur

«Auspack und freu» sowie «beschweren an: wir» stand in der Bedienungsanleitung für eine elektrische Weihnachtskerze. Ein technischer Redakteur scheint hier nicht am Werk gewesen zu sein.

Menschen in diesem Beruf sind für das möglichst gut verständliche Formulieren von Bedienungsanleitungen technischer Geräte zuständig. Ihre Arbeit ist gefragt - nach Angaben der Gesellschaft für technische Kommunikation (tekom) in Stuttgart sind derzeit rund 4000 Stellen offen.

«Der Bedarf ist ungeheuer groß. Wir können gar nicht so viele Menschen ausbilden, wie benötigt werden», erzählt Prof. Rolf Schwermer von der Fachhochschule Hannover. Auf dem Stundenplan seiner Studenten stehen unter anderem Werkstoffkunde, Physik, Chemie und Elektrotechnik. Seit 1991 werden in Hannover technische Redakteure ausgebildet und jährlich etwa 400 Absolventen gezählt. Die meisten von ihnen haben bereits vorher einen Beruf erlernt.

Unter ihnen sind zum Beispiel Kommunikationselektroniker, die doch etwas anderes machen möchten. Sie können sich aus einer Fülle von Job-Angeboten bedienen, alleine bei der FH in Hannover gehen wöchentlich ein bis zwei Stellenangebote ein. Laut einer tekom-Umfrage vor fünf Jahren verdienen die meisten technischen Redakteure zwischen 2500 und 4000 Euro brutto, ein Viertel der Befragten kam auf 4000 bis 5500 Euro.

«So langsam erkennen die Firmen, wie wichtig eine gute Gebrauchsanleitung ist», erklärt Prof. Schwermer den Boom. Denn sie wird in der Regel vom Konsumenten aufgehoben, während der Hochglanzprospekt meist zeitnah im Altpapier entsorgt wird. Der gleichen Meinung ist Gregor Schäfer, Pressesprecher des Berufsverbands tekom.

In diesen Beruf führen gleich mehrere Wege. Der übliche ist ein drei- bis vierjähriges Studium, zum Beispiel in Hannover, Aalen oder Karlsruhe. Dort gibt es eigenständige Studiengänge, die mit dem Abschluss zum Diplom-Technikredakteur enden. An der FH Bonn-Rhein-Sieg kann Technikjournalismus studiert werden, hier dürfen sich die Absolventen Diplom-Journalist (FH) nennen. Wer bereits einen Studienabschluss hat, kann sich bei einem Aufbaustudiengang einschreiben, zum Beispiel an der FH Gießen-Friedberg oder in Merseburg.

«Weil die Fachhochschulen mit der Ausbildung nicht mehr nachkommen, wurde vor fünf Jahren das Volontariat eingeführt», sagt tekom-Sprecher Schäfer. Doch nur wenige Firmen bieten eine solche 12- bis 24-monatige Ausbildung an, deutschlandweit gibt es jährlich nur etwa 40 bis 50 Stellen.

Für Abwechslung ist in dem Beruf gesorgt: Das Spektrum der technischen Geräte reicht laut Schäfer «von der Armbanduhr bis hin zum Kraftwerk». Der technische Redakteur sollte möglichst klar und einfach beschreiben, was das Gerät kann, wie es aufgebaut ist und wie es bedient werden muss. Das setzt voraus, dass er das Gerät selbst bis ins Detail versteht. Noch komplizierter wird es, wenn die Gebrauchsanleitung in mehreren Sprachen gedruckt werden soll. Dann ist der technische Redakteur auch für die korrekte Übersetzung verantwortlich.

Fachverband für Technische Kommunikation und Informationsentwicklung: www.tekom.de

(dpa/tmn)
Testpilot

Draufgänger mit dunkler Sonnenbrille und dicker Lederjacke: Dieses Bild zeichnen viele Fernsehserien und Filme von Testpiloten. Mit Heldentum hat der Berufsalltag aber sehr wenig zu tun.


«Es ist extrem viel technisches Verständnis notwendig», beschreibt Peter Chandler, Testpilot beim europäischen Flugzeugbauer Airbus in Toulouse, die wichtigste Grundlage der Flugerprobung. Viele Testpiloten haben vor ihrem speziellen Training eine Karriere als Militärpilot absolviert. Dann folgt meist ein Kurs an einer von nur vier spezialisierten Schulen weltweit. Diese befinden sich in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien und in Frankreich.


Neben diesen eingeschränkten Ausbildungswegen für Piloten gibt es im Bereich der Flugerprobung aber zahlreiche weitere Arbeitsmöglichkeiten. Dazu zählen beispielsweise die Flugversuchsingenieure. «Wir sind die Schnittstelle zwischen den Entwicklern am Boden und der fliegerischen Realität», erläutert Ingenieur Wolfgang Brueggemann von Airbus. So wird zum Beispiel bei den Testflügen kontrolliert, ob zuvor am Computer berechnete Werte auch im Flug eingehalten werden.


Bei der Prüfung neu entwickelter Flugzeuge geht es aber nicht nur um das Verhalten des Jets in der Luft. «Wir reisen nach Alaska oder Sibirien. Dort testen wir, ob bei Kälte alle Systeme funktionieren», sagt Brueggemann. Mit Skiurlaub hat das wenig zu tun: Bei Temperaturen um minus 50 Grad Celsius müssen die Ingenieure genau untersuchen, ob sich das Flugzeug ohne Schwierigkeiten auftauen und starten lässt. Schließlich wollen Fluggesellschaften ihren Passagieren später keine unfreiwilligen Pausen im Winter zumuten. Das andere Extrem steht ebenso auf dem Programm - in Afrika wird ausprobiert, ob die Technik hohen Temperaturen trotzt.


Piloten und Ingenieure in der Flugerprobung sind bei Flugzeugherstellern in zwei verschiedenen Bereichen im Einsatz: Einerseits steuern sie neue Flugzeuge wie den Airbus A340- 600 oder von 2005 an den gigantischen Airbus A380 mit 550 Sitzen. Andererseits sind Testpiloten und Ingenieure auch bei der Prüfung von Jets aus der Serienfabrikation im Einsatz. «Jedes Flugzeug wird am Boden und in der Luft ausgiebig getestet, bevor es an eine Fluggesellschaft übergeben wird», beschreibt Airbus-Sprecher Tore Prang aus Hamburg den Ablauf.


Während Ingenieure und Piloten bei Versuchsflügen mit neuen Jets vor allem nach technischen Fehlern gucken, müssen die Kollegen im Auslieferungszentrum auch viel Sinn für Umgang mit Kunden haben. «Fluggesellschaften schicken natürlich auch ihre Spezialisten und prüfen genau, was wir ihnen ausliefern», sagt Prang.


Bei großen Airlines sind ebenfalls Ingenieure und Piloten mit technischer Zusatzausbildung im Einsatz: Sie schauen sich ein neues Flugzeug ganz genau an, wenn es vom Hersteller kommt. Sobald ein Jet umgebaut oder modernisiert wird, müssen die neuen Systeme genau unter die Lupe genommen werden, bevor das Flugzeug wieder im Liniendienst fliegen darf. Manchmal entwickeln Airlines und Flugzeugbauer auch gemeinsam neue technische Systeme: So arbeitet zum Beispiel die Techniksparte der Lufthansa gemeinsam mit der Boeing- Tochter Connexion an der Entwicklung eines Internet-Zugangs via Satellit im Flugzeug.


Eine Kombination aus Ingenieurstudium und Pilotenausbildung bietet die Lufthansa ebenfalls an: Die Ausbildung dauert acht Semester und schließt mit dem Diplom im Bereich Luftfahrtsystemtechnik/ - management (FH) sowie der Berufspilotenlizenz ab.


Wer sich für einen Beruf im Bereich Flugzeugerprobung interessiert, sollte nicht nur bei großen Herstellern schauen. Deutschland zählt zu den führenden Nationen im Segelflugzeugbau. Außerdem bieten Forschungseinrichtigen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Berufsperspektiven für Ingenieure und Piloten mit technischer Zusatzqualifikation. Hier geht es darum, zum Beispiel die Flugzeugsteuerung zu entwickeln, mit der in fünf oder zehn Jahren große Jets ausgerüstet werden.


Basisausbildung der Versuchsingenieure ist meist ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik. Dieses wird an zahlreichen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland angeboten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit liegt das Einstiegsgehalt bei durchschnittlich 3000 bis 4000 Euro pro Monat. Allerdings kann es je nach Region und Unternehmen Abweichungen geben.
Tierarzt

Tierärzte kümmern sich in Deutschland um alles, was kreucht und fleucht. Sterilisieren, Impfen und Nähen von Wunden stehen als die leichteren Aufgaben auf dem Arbeitsplan, der auch umfangreiche Untersuchungen mit modernsten Geräten und größere Operationen umfasst. Die Veterinäre müssen an einem der fünf Universitätsinstitute in Deutschland mit Erfolg studiert haben und im Besitz der Approbation genannten Zulassung sein.
Im Jahr 2004 beendeten 851 Veterinärmediziner ihre Ausbildung. "Das Studium ist mit zehn Semestern angesetzt", erläutert Sonja von Brethorst, Sprecherin der Tierärztlichen Hochschule Hannover. "Neu eingeführt wurde mit dem Wintersemester das so genannte praktische Jahr." Studenten sitzen in dieser Zeit nicht mehr in den Hörsälen. Sie arbeiten während zwei Semestern ebenso in Schlachthöfen wie in Kliniken und Instituten, ehe sie zur letzten Staatsprüfung antreten können. Viele entscheiden sich dann noch für die Promotion.

"In Deutschland arbeiteten Ende 2004 mehr als 22 700 Tierärztinnen und Tierärzte", zitiert Margund Mrozek von der Bundestierärztekammer in Bonn aus der neuesten Statistik. "Besonders hoch ist der Anteil der Frauen." Er liegt unter allen Tiermedizinern in Deutschland bei etwa 47 Prozent.

Mrozek weist darauf hin, dass der Markt nicht alle Absolventen aufnehmen kann: "600 bis 700 Stellen fehlen pro Jahr." Dagegen herrscht in Bayern, wo bundesweit die meisten Veterinäre arbeiten, Personalnot. Axel Stoltenhoff von der regionalen Tierärztekammer in München erläutert den Grund, weshalb in Großtierpraxen akuter Nachwuchsmangel herrscht: "Der Tiermedizin fehlen Männer." Bei der Behandlung von Rindern etwa seien auch Körperkräfte gefragt.

So ergibt sich, dass die meisten praktizierenden Tierärzte und vor allem Tierärztinnen sich auf Kleintiere konzentrieren. In mehr als 50 Prozent der so genannten Kleintierpraxen kümmern sich Medizinerinnen um kleinere Vierbeiner und Hausvögel und überlassen die Großen aus dem Tierreich ihren Kollegen.

Die promovierte Tierärztin Imke Rieksmeier in Hamburg hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. In der Praxis war ihr besonders die Angst bei Vierbeinern aufgefallen. "So entwickelte sich im Lauf der Zeit daraus die Erkenntnis, dass der Weg aus diesem Dilemma der Weg in die vertraute Umgebung des Tieres ist." Sie gründete einen tierärztlichen Hausbesuchdienst. "Großes Geld ist in dem Beruf nicht zu verdienen", sagt Rieksmeier.

"Die Umsätze der Tierärzte sind im Vergleich zu anderen Heilberufen deutlich geringer", ergänzt Stoltenhoff. Deshalb sei Idealismus besonders wichtig. Die Nachfrage nach Studienplätzen ist allerdings unvermindert groß.

Informationen:
Bundestierärztekammer
Oxfordstraße 10
53111 Bonn
E-Mail: geschaeftsstelle@btk-bonn.de
Internet: www.bundestieraerztekammer.de
www.tiho-hannover.de
www.zvs.de
Tischler

Sie alle arbeiten mit Holz, doch Tischler ist nicht gleich Tischler. «Es gibt in Deutschland eine unglaubliche Vielfalt», sagt Brigitta Ehlers-Staack, Referentin beim Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen in Hannover.


Egal ob als Fensterspezialist in einem Industrieunternehmen, als Messebauer oder mittelständischer Anbieter hochwertiger Küchen und Möbel - mit einer Tischlerlehre in der Tasche stehen einem viele Türen offen.


Wer glaubt, ein Tischler werkle still und leise in seinem Kämmerlein vor sich hin, hat sich getäuscht. «Der Trend geht in Richtung Dienstleistung», sagt Ehlers-Staack. Der Großteil der Tischlerbetriebe arbeite eng mit Kunden zusammen. Egal ob die Interessenten mit einer Skizze für eine Küchenzeile oder einer vagen Idee für einen Einbauschrank kommen - gemeinsam mit ihnen entwickeln Tischler maßgeschneiderte Lösungen.


Immer mehr Betriebe richteten Schauräume ein, in denen sie Möbelstücke oder Parkettböden ausstellen, erzählt die Referentin. Denn nur mit Service können sie den Möbel-Discountern mit ihren Billigpreisen Paroli bieten.


Auch in größeren Betrieben geht es nicht mehr ohne gezieltes Marketing, bestätigt Bernhard Daxenberger. Er leitet eine auf Innenausbau spezialisierte Tischlerei mit 55 Angestellten in Seeon (Bayern). «Akquise und Verkauf sind viel wichtiger als noch vor zehn Jahren.» Doch nicht nur Daxenberger als Inhaber, auch seine Lehrlinge und Schreiner - die süddeutsche Bezeichnung für Tischler - haben engen Kundenkontakt. Bei «Benimm-Schulungen» trainieren sie sogar, wie sie sich dem Kunden gegenüber höflich verhalten.


Ein guter Tischler müsse ein Gespür für die Kunden haben, sagt auch Orsine Mieland. Die Inhaberin einer Tischlerei in Berlin-Kreuzberg stellt hohe Anforderungen an die drei Lehrlinge unter ihren sieben Beschäftigten. In ihren Augen braucht man für die dreijährige Tischler-Ausbildung unbedingt drei «Gs»: Geduld, Genauigkeit und Gründlichkeit. «Ein Lehrling muss sich gut organisieren können, darf den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen.» Außerdem erwartet sie mathematische Fähigkeiten, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und körperliche Fitness. «Tischler ist ein körperlich belastender Beruf. Man hat mit schweren Gewichten zu tun und ist den ganzen Tag auf den Beinen.»


Theoretisches Rüstzeug bekommen angehende Tischler in der Berufsschule, wo unter anderem Technologie, Konstruktion und Arbeitsplanung, Wirtschaft und technische Mathematik auf dem Stundenplan stehen. Weibliche Tischlerlehrlinge sind keine Ausnahme mehr. Es sei aber für Frauen schwieriger, einen Job als Tischler zu finden, sagt Mieland. Sie selbst hat es trotz aller Unkenrufe geschafft. Mieland schätzt das kreative Arbeiten und die Tatsache, dass sie am Ende eines Arbeitstages sieht, was sie geleistet hat.


Mit einem prall gefüllten Geldbeutel könnten Tischler jedoch nicht unbedingt rechnen, sagt die Unternehmerin. Laut Tischlerinnung bekommt beispielsweise ein Auszubildender in Nordrhein-Westfalen im ersten Lehrjahr rund 410 Euro im Monat, ein Geselle etwa 13,50 Euro pro Stunde und ein Meister etwa 2400 bis 3300 Euro monatlich.


Im harten Konkurrenzkampf um die Kunden suchen sich viele Tischler Nischen. Hergen Garrelts etwa hat sich auf hochwertige Design-Möbel spezialisiert. Nach Fachabitur und Tischlerlehre sattelte er ein Design-Studium obendrauf und führt heute einen kleinen Betrieb in Bad Zwischenahn (Niedersachsen). Mittlerweile beliefert Garrelts Kunden im ganzen Norden. «Entscheidend ist, dass das Möbelstück zum Kunden passt», beschreibt der Design-Tischler seine Philosophie. Material und Form müssten jeweils auf die Inneneinrichtung abgestimmt werden.


Wer sich als Tischler im Bereich Design selbstständig machen möchte, braucht nach Garrelts Überzeugung mehr als nur ein handwerkliches Grundtalent. Kreativität gehöre dazu und der Spaß an neuen Trends. «Ich besuche regelmäßig Ausstellungen und Messen und lese Design-Zeitschriften, um mich auf dem Laufenden zu halten.»


Mit der Gesellenprüfung sei das Ende der Karriereleiter noch nicht erreicht, sagt Ehlers-Staack. Der Beruf biete gute Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele Tischler machten ihren Meister oder spezialisierten sich zum Holztechniker. Wieder andere strebten ein Design-Studium oder eine Laufbahn als Berufsschullehrer an.


In Kürze könnten sich junge Gesellen auch zu geprüften Kundenberatern, Fertigungsplanern und Fachbauleitern weiterbilden, sagt die Referentin. Als solche sollen sie die Betriebsinhaber entlasten und sich gleichzeitig für Führungspositionen qualifizieren - ein gutes Karrieresprungbrett.
Tourismusmanager

Stephanie Schulze zur Wiesch wusste schon in der Oberstufe, dass es etwas mit Tourismus sein soll. Heute kümmert sie sich bei der TUI in Hannover unter anderem um die Clubprogramme und das Qualitäts- und Umweltmanagement. Der Spaß am Reisen hat ihre Studienwahl maßgeblich mitbeeinflusst.

Die Entscheidung fiel für die Uni Paderborn. Dort hat Schulze zur Wiesch Fremdenverkehrsgeografie und BWL studiert. "Das war schön und gut, hatte aber mit dem späteren Berufsleben wenig zu tun." Schon nach einem Jahr hat sie nebenbei an der TUI-Flughafenstation in Paderborn gejobbt. Und das würde sie jedem empfehlen: "Praxiserfahrung schon im Studium suchen, jede Chance nutzen, Praktika zu machen. Das ist schon deshalb wichtig, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo ich überhaupt hinpasse."

Ähnlich und doch anders war es bei Sabine Gerhard, die seit 26 Jahren beim Reiseveranstalter Dertour arbeitet und viel Erfahrung im Tourismusmanagement hat, auch wenn ihr Arbeitgeber das nicht so nennt: Auf ihrer Visitenkarte steht Vice-President. "Nach dem Abitur war ich ziemlich ratlos", erzählt sie. "Meine Mutter hat gesagt: 'Geh zur Hotelfachschule, Opa war doch Koch.' Aber das war nur Service, Küche und Wäscherei, das reichte mir nicht." Und so hat Gerhard noch ein FH-Studium in Worms draufgesattelt. "Das war auch eine gute Grundlage für die spätere Arbeit. Es hat geholfen, Scheuklappen abzulegen, aber auch Kontakte in die Branche zu knüpfen."

Studienangebote für angehende Tourismusmanager gibt es heute zahlreiche, in Güstrow genauso wie in Berlin, Bad Honnef, Konstanz und Wernigerode: Dort hat die Hochschule Harz einen passenden Bachelor/Master-Studiengang im Angebot. Mit Tourismuswirtschaft nur schöne weite Welt zu verbinden, sei falsch, erklärt Prof. Harald Bastian. Und auch, wer im Ausland in einem Feriengebiet tätig sein will, müsse wissen: "Das ist Arbeit und nicht Urlaub."

Die Mehrzahl starte mit dem B.A. ins Berufsleben. Absolventen haben ein breites Spektrum an Möglichkeiten: "Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette ab", sagt Bastian - vom Reisebüro bis zum Tourismusverband, vom Hotelmanagement bis zum Reiseveranstalter. Die Folgen der Wirtschaftskrise seien für Berufseinsteiger derzeit zwar spürbar, sagt Prof. Bastian. "Aber die Tourismuswirtschaft weltweit wächst, und damit auch der Bedarf an Arbeitskräften."

Das schätzt Sabine Gerhard genauso ein. Die Anforderungen an den Nachwuchs seien aber größer geworden: "Die Branche hat sich stark verändert, Direktvertrieb und Onlinevertrieb sind viel wichtiger geworden", sagt Gerhard. "Die Arbeit ist heute komplexer, und es sind auch ganz andere Mengen zu bewältigen als vor 20 Jahren."

Praxiserfahrung sei bei der Stellensuche auf jeden Fall ein entscheidendes Kriterium. Hinzu kommen müssen Durchsetzungsvermögen, gutes Zeitmanagement und die Fähigkeit, sich problemlos auf neue Situationen und neue Gesprächspartner einzustellen.

Wer ins Tourismusmanagement will, weil er gern unter Palmen in der Hängematte liegt, wird wahrscheinlich frustriert. Führungskräfte in der Touristik sollten vielseitig, analytisch und kreativ sein, sagt Schulze zur Wiesch. "Und man muss wissen, dass es nicht nur darum geht, zum Beispiel Reisen zu produzieren, sondern mindestens genauso darum, sie zu vermarkten und neue Konzepte zu entwickeln." (dpa)

Triebwagenführer

Die wenigen Sprossen der senkrechten Leiter führen Gerd Schröder zu seinem Arbeitsplatz. Auf dem Endbahnhof Hamburg-Altona klettert er in den Führerstand des ICE, um den Zug über Berlin nach Leipzig zu fahren.

Seine Berufsbezeichnung klingt unromantisch: Triebfahrzeugführer. Die technische Entwicklung stand Pate für diesen Namen. Bekannter ist er als Lokführer. Schröder ist einer von mehr als 20 000 Lokomotivführern, die beim Marktführer Deutsche Bahn (DB) arbeiten. Dazu kommen noch die Lokführer, die bei den privaten Bahngesellschaften die Züge steuern. «Es sind bis zu 3000», schätzt Maik Brandenburger von der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) in Frankfurt/Main.

«Ein Beruf mit Perspektive», sagt Bahnsprecher Ole Constantinescu in Hamburg. Auch für Frauen: Nach seinen Angaben sind sie mit 370 Lokführerinnen zwar noch deutlich in der Minderheit, «doch auf dem Vormarsch». Denn eine Lok zu fahren, ist keine körperliche Schwerstarbeit mehr wie zu Zeiten der Dampfloks.

«Einen guten Real- oder sehr guten Hauptschulabschluss» nennt Constantinescu als Mindestgrundlagen für eine Bewerbung bei der DB. Auch Interesse an Technik, Verantwortungsbewusstsein sowie Bereitschaft zum Schicht- und Nachtdienst werden erwartet. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum «Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport (EiB L/T)», wie die korrekte Bezeichnung lautet. Sie gliedert sich jeweils etwa zur Hälfte in einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Am Ende der Ausbildung muss eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt werden, um das Facharbeiterzeugnis zu erhalten. Es ist mit einem Lokführerschein verbunden. «Das Anfangsgehalt beträgt derzeit 1780 Euro im Monat, dazu kommen Zulagen für Schicht- und Nachtdienst», berichtet Constantinescu.

«Der Weg zum ICE-Führerstand ist dann aber noch weit», sagt Gerd Schröder. So bestimmt ständige Weiterbildung das Berufsleben eines Triebfahrzeugführers, der anfangs im Rangier- und Güterverkehr eingesetzt wird. Später kann der Personenverkehr hinzukommen, bis hin zum Führen von ICs und ICEs. Für jeden Lokomotivtyp muss eine Art Führerschein gemacht werden.

Außer der DB bilden auch einige Privatbahnen Triebfahrzeugführer aus. Dazu gehört die Veolia Verkehr mit ihren diversen Transportunternehmen. Unter ihrem Dach fahren Dieseltriebwagen sowie Diesel- und E-Loks in ganz Deutschland. «Die Berufsaussichten für Lokführer sind gut, es ist ein Beruf mit Zukunft», sagt Matthias Roeser in der Zentrale in Berlin. Für die Ausbildung gelten die gleichen Bestimmungen wie bei der Deutschen Bahn.

Auch heute verkehren in Deutschland noch planmäßig von Dampfloks gezogenen Züge wie die Mecklenburgische Bäderbahn «Molli», die Rügensche Kleinbahn oder die Harzer Schmalspurbahn (HSB). «Wir bilden Dampflokführer nach Bedarf aus», erklärt HSB-Chef Jörg Bauer in Wernigerode. Die Dampflokführer müssen selbst zum Schraubenschlüssel greifen und die Maschine ölen und sehen entsprechend aus. Gerd Schröder dagegen verlässt nach seiner Tagesfahrt Hamburg-Leipzig und zurück den Führerstand so sauber wie er abgefahren ist. (dpa/tmn)

Tunnelbauer

Der Arbeitsplatz ist laut, heiß, feucht und dreckig, die Arbeit schwer und gefährlich. Die Arbeitszeiten sind lang, die Einsatzorte wechseln ständig. "Tunnelbau ist kein Job für Weicheier", sagt der Tunnelbauer Mike Mitternacht selbstbewusst. Für alle, die das nicht abschreckt, sei der Job aber genial - mit sehr gutem Verdienst und guten Arbeitsmarktaussichten.

Mit riesigen Bohrern und Baggern kämpfen sich die Tunnelbauer durch die Gesteinsschichten. Sie hantieren mit schweren Werkzeugen, steuern riesige Baumaschinen und müssen sich mit Sprengstoff auskennen. Die Mineure sind moderne Wanderarbeiter: Während der Zeit auf den Baustellen leben sie in Container-Dörfern. Wenn ein Tunnel fertiggestellt ist, ziehen sie zum nächsten - irgendwo in Deutschland.

Gearbeitet wird im Zwei-Schichten-System Tag und Nacht. "Im Normalfall arbeitet ein Mineur zehn Tage lang jeden Tag elf Stunden, dann kann er fünf Tage zur Familie nach Hause fahren", sagt Stephan Boos, Ingenieur beim Tunnelbauunternehmen Porr.

Viele der geschätzt 1500 Tunnelbauer in Deutschland lockt der Verdienst: "Schon das Einstiegsgehalt liegt bei durchschnittlich etwa 2500 Euro netto im Monat", sagt Volker Krautheim, Ausbildungsleiter der einzigen deutschen Ausbildungsstelle für Tunnelbauer in Gera. Bewährte Kräfte könnten gut 3500 Euro im Monat verdienen. "Voraussetzung für die Ausbildung sind eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bau oder Bergbau sowie ein oder zwei Jahre Berufserfahrung", sagt Krautheim. Auf dem Lehrplan der sechsmonatigen Fortbildung des Bildungswerks BAU Hessen-Thüringen stehen die verschiedenen Arten des Tunnelbaus, aber auch Gesteinskunde, Geologie und Statik.

Zum praktischen Teil gehört eine Einweisung in das Bohren von Sprenglöchern, im Umgang mit Beton und Stahl sowie im Schweißen. Dafür gibt es in Gera extra einen "Übungs-Tunnel". Ferner stehen eine Fortbildung zur Wartung und Pflege der teuren Spezialmaschinen und der Erwerb der Sprenggenehmigung auf dem Ausbildungsprogramm. Abschließend absolvieren die Schüler im sechsten Monat ein Betriebspraktikum. Die meisten Teilnehmer des Lehrgangs sind arbeitslose Bau- oder Bergarbeiter aus ganz Deutschland. Das Arbeitsamt finanziert die etwa 4500 Euro teure Fortbildungsmaßnahme.

Für die Zukunft erwartet Boris Engelhardt vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie rosige Zeiten für die Branche: "Insgesamt gibt es in Deutschland nur etwa zwölf Bauunternehmen, die das Know-how für einen Tunnelbau haben. Angesichts der Auftragslage wird es in den nächsten Jahren auf jeden Fall zu Kapazitätsengpässen kommen." Nach einer Statistik der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (STUVA) sind in den kommenden Jahren mehr als 200 Verkehrstunnelprojekte geplant.

Internet: www.biwbau.de

(dpa)

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