Ausbildungsberufe von A bis Z
Vom Abfallwirtschafter bis zum Zollbeamten - Über 200 Ausbildungsberufe im Porträt.
|
Verfahrensmechaniker
Kunststoffe werden immer wichtiger. Keine Branche kommt mehr ohne sie aus. Verständlich, dass die Industrie Nachwuchs sucht. Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik nennen sich die Fachkräfte. Diese Berufsbezeichnung dürfen sie nach drei Jahren Ausbildung und bestandener Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) tragen. «Die Berufsaussichten sind hervorragend», sagt Ralf Olsen. «Diese Industrie wächst, denn zunehmend mehr Produkte werden aus Kunststoff hergestellt. Dafür sind qualifizierte Kräfte notwendig», erläutert der Geschäftsführer des Bereichs Aus- und Weiterbildung im Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) in Bad Homburg. Für eine Lehrstelle sollten Bewerber einen qualifizierten Hauptschulabschluss, besser noch ein gutes Realschulzeugnis haben. Bei der Einstellung sehen Personalchefs besonders auf die Noten Mathematik und Physik und erwarten technisches Verständnis. Chemiekenntnisse brauchen die Azubis für den Unterricht in Kunststoffkunde. Das Berufsbild des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik löste 1997 das des Kunststoff-Formgebers ab. Nach Olsens Angaben machen derzeit mehr als 7000 junge Menschen eine Ausbildung. Als erfreulich bezeichnet der Geschäftsführer, dass der Frauenanteil unter den Azubis auf 16 Prozent gestiegen ist. Der Beruf sei gerade für Frauen geeignet, die eine technische Tätigkeit anstreben. «Unsere Verfahrensmechaniker brauchen keine Muskelkraft, sondern Grips.» Die Bedeutung dieses Industriezweigs lässt sich an Zahlen erkennen: Fast 13 Millionen Tonnen Kunststoffe werden jährlich von etwa 295 000 Beschäftigten in mehr als 2800 vorwiegend mittelständischen Betrieben verarbeitet. Ein Drittel wird für Verpackungen benötigt, 25 Prozent braucht die Bauindustrie. Fahrzeugbau, Elektroindustrie, Möbelproduktion, Landwirtschaft und Medizin - überall werden die Materialien eingesetzt. Die Ausbildungsvergütung ist von den jeweiligen Tarifbestimmungen abhängig. In Hessen beispielsweise erhalten Azubis etwa 600 Euro im ersten Jahr, etwa 650 Euro im zweiten und etwa 700 Euro im dritten Jahr. Viele Firmen zahlen außerdem Sozial- und Vermögensleistungen. Einen besonderen Start in die Kunststofftechnik hat in diesem Herbst erstmals die Hochschule Zittau/Görlitz im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien angeboten: Die Absolventen haben nach vier Jahren sowohl ihren Facharbeiterbrief als Verfahrensmechaniker als auch den Bachelor of Engineering in der Tasche. Voraussetzungen sind Abitur oder Fachhochschulreife. Informationen: GKV, Kaiser-Friedrich-Promenade 43, 61348 Bad Homburg, Telefon: 06172/92 66 61, E-Mail: info@gkv Mehr Infos vom Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV): dpaq.de/gkv Hochschule Zittau/Görlitz: www.hs-zigr.de
Vermessungstechniker
In einer Landkarte steckt viel Arbeit. Bevor sie gezeichnet wird, haben Fachleute in mühsamer Kleinarbeit Felder abgesteckt und ausgemessen. Sie arbeiten mit modernster Technik. Gleichzeitig zählt bei diesem präzisen Handwerk jeder Millimeter. Wer wissen will, wie groß ein Grundstück ist, holt den Vermessungstechniker. Sein Job ist es, die Länge und Breite sowie den Höhenverlauf eines Terrains genau zu erfassen. Sie sind auch gefragt, wenn Stadtpläne erstellt oder Straßen geplant werden. Damit haben sie einen Beruf, in dem es im Prinzip immer genug zu tun gibt. «Die Vermessung der Erde gelangt nie an ihr Ende», erklärt Christof Rek vom Deutschen Verein für Vermessungswesen (DVW) in im baden-württembergischen Vogtsburg, der Dachorganisation der Branche. Vermessungstechniker legen die Grundlagen für Stadtpläne, Land- und Seekarten oder dreidimensionale Modelle. Routenplaner im Internet, das Navi im Auto oder das 3D-Modell der Dresdner Gemäldegalerie - all das wäre ohne ihre Arbeit undenkbar. Bei Bauvorhaben, wenn Autobahnen gebaut oder Schienen verlegt werden: Stets sind die Fachleute gefragt. Die von ihnen zusammengetragenen Daten bilden die Grundlage für das Liegenschaftskataster. Dieses Karten- und Zahlenwerk beschreibt sämtliche Flurstücke eines Landes. Vermessungstechniker sind aber auch für Besitzfragen zuständig, wenn sie Privatgrundstücke ausmessen. «Vermessungstechniker arbeiten oft in der Eigentumssicherung», sagt Vermessungsingenieur Rudolf Wehmeyer aus Münster, der seit 17 Jahren ausbildet. Vermessungstechniker arbeiten im Freien wie im Büro. Viele dürften die Spezialisten mit den orangen Sicherheitswesten schon gesehen haben: Sie überprüfen mit mechanischen, optischen oder elektronischen Geräten die Lage von Vermessungspunkten, ersetzen fehlende Markierungen und bringen neue Zeichen an. Die Messtrupps müssen eingespielt arbeiten, denn bereits Abweichungen von wenigen Millimetern können zu fehlerhaften Ergebnissen führen. «Wetterfest» sollten Vermessungstechniker sein und auch einen Spaten in die Hand nehmen können, um alte Geländezeichen freizulegen, sagt Wehmeyer. Im Büro gleichen Vermessungstechniker alte und neue Messdaten ab und aktualisieren Planungsunterlagen. Dabei arbeiten sie am Computer, aber auch mit Bleistift, Kartiernadel und Tusche. Einige Arbeiten lassen sich mit Hilfe von Laptops neuerdings auch draußen erledigen. Die Arbeit erfordert viel Konzentration und Präzision. Außerdem ist mathematisches Verständnis und ein Sinn für räumliches Denken nötig, erläutert die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Die Branche sei vom Baugewerbe abhängig, sagt Wehmeyer. «Wir sind aber mehr als der verlängerte Arm von Architekten.» Vermessungstechniker finden Jobs in Ingenieurbüros oder dem öffentlichen Dienst. Sie arbeiten in Behörden oder Katasterämtern. Darüber hinaus werden sie im Hoch- und Tiefbau für Vermessungen benötigt - etwa beim Tunnel- und Brückenbau. In der zum 1. August neu geordneten Ausbildung geht es um die Grundlagen des Raumbezugs, der Fernerkundungsverfahren und der notwendigen technischen Methoden. Im ersten Jahr lernen sie gemeinsam mit angehenden Geomatikern. Im letzten Jahr spezialisieren sich einige Azubis auf die Bergvermessung, die zum Beispiel im Grubenbau unter Tage angewandt wird. Während Geomatiker sich mehr mit dem Verarbeiten und Aufbereiten von Geodaten beschäftigen, liegt bei Vermessungstechnikern der Schwerpunkt auf dem Messen und Berechnen. Die Lehrlinge erfahren, wie Geodaten erhoben und welchen Anforderungen sie genügen müssen. Auch Verwaltungswissen, Arbeitsschutz oder Planungs- und Baurecht stehen auf dem Lehrplan. Daneben werden Kenntnisse im Vermessen per Satellit und GIS vermittelt. Und die Azubis lernen, mit Hilfe von Fotos die Lage und Größe von Objekten zu bestimmen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Weiterführen lässt sich der Berufsweg mit einem Studium. Es ist neben einer Weiterbildung Voraussetzung für die Berufung als «Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur». Diese Spezialisten können mit staatlicher Vollmacht etwa Grenzsteine setzen und - ähnlich wie Notare - Unterschriften beglaubigen. «Jeder Bürger, der ein Grundstück erwirbt, etwas darüber wissen oder etwas damit tun will, kommt zu uns», sagt Hubertus Brauer vom Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BDVI) in Berlin. Die Job-Aussichten sind gut. «Wir haben enorme Ausbildungssorgen», sagt Christof Rek. Wer ausgelernt hat, besitze «fast eine Arbeitsplatzgarantie». Was Vermessungstechniker verdienen Als Richtwerte für die Vergütung in der Ausbildung gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) 651 bis 690 Euro monatlich im ersten und 745 bis 785 Euro im dritten Jahr an. Danach können Absolventen in Architektur- und Planungsbüros mit rund 1700 bis knapp 2000 Euro brutto im Monat rechnen. Etwas mehr ist es im Öffentlichen Dienst: So zahlen Kommunen laut der BA je nach Entgeltstufe knapp 2200 bis rund 2400 Euro. Weitere Informationen:
Vermögensberater
Sparbücher und ein Bündel Scheine unter der Matratze sind schon lange nicht mehr die bevorzugte Anlageformen der Deutschen. Wertpapiere etwa versprechen mehr Gewinn. Doch Aktien, Anleihen, Versicherungen und Zinsmodelle sind eine schwierige Materie. Vermögensberater sind die Experten dafür. Finanzoptimierung ist ihr Geschäft: das Begutachten und bestenfalls Vermehren von Geld. "Ein Vermögensberater geht bei der Kundenberatung systematisch vor", sagt Werner Hussong, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater in Frankfurt. Ausgangspunkt der privaten Finanzplanung sei die Bestandsaufnahme der Einnahmen und Ausgaben, des verfügbaren und investierten Vermögens sowie der Absicherungen gegen bestimmte Risiken. "Vermögensberater analysieren, strukturieren und verbessern die finanziellen Verhältnisse eines Kunden." Vermögensberater müssen dabei flexibel sein: "Wer für seine Kunden auch am Abend und am Wochenende da ist, wird sicherlich schneller erfolgreich arbeiten", sagt Peter Tauber, Sprecher der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) in Frankfurt. Da die meisten Vermögensberater selbstständig sind, sei Selbstdisziplin unverzichtbar. "Zielstrebigkeit, Einsatzbereitschaft und Fleiß sind wichtige Voraussetzungen, um zu bestehen", sagt Tauber. Noch wichtiger ist Fachkompetenz. Ganzheitlich und individuell sollte die Beratung sein, sagt Hussong. "Finanz- und Vermögensfragen, Risikoabsicherungen und Altersvorsorge sind komplexe Dienstleistungsbereiche." Sie erfordern Kenntnisse des gesetzlichen Sozialsystems, der privaten Absicherung und der Altersvorsorge - und ständige Beschäftigung damit, weil sich immer wieder etwas ändert. Vermögensberater ist allerdings kein Ausbildungsberuf, sondern einer für Quereinsteiger. "Grundsätzlich kann jeder mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung Vermögensberater werden", sagt Tauber. Bei der DVAG arbeiteten neben Akademikern auch Handwerker in diesem Beruf. Möglich sei dies durch "umfassende Aus- sowie Fort- und Weiterbildung." Auch Hussong bestätigt, dass die bisherige berufliche Tätigkeit für den Einstieg nicht von Ausschlag gebender Bedeutung sei. Unabdingbar sei aber, vor dem Start in die Beratungspraxis eine solide und umfassende Fachausbildung absolviert zu haben. Dabei habe sich besonders die betriebliche Ausbildung bewährt, so die Experten. "Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten wie IHK-Lehrgänge, Studienkreise oder eine Qualifikation mittels Studium oder Fernstudium", sagt Hussong. Aus den Hochschulen eignen sich vor allem Absolventen wirtschaftlicher Studiengänge oder solche, die einen ökonomischen Schwerpunkt gewählt haben, etwa Wirtschaftsjuristen. Viele Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien bieten Studiengänge mit einem Schwerpunkt Finanzen an. So gibt es etwa an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn einen Studiengang zum Diplom-Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Finanzdienstleistungen, den die Absolventen mit Diplom und Wirtschaftsberaterlizenz abschließen. An anderen Hochschulen wird zunächst Wirtschaft auf den Bachelor-Abschluss hin studiert, dabei gibt es Schwerpunkte wie "Finanz- und Rechnungswesen" in Bremen, "Finanz- und Anlagemanagement" in Brühl, "Insurance and Finance" in Wiesbaden oder "Finanzdienstleistungsmanagement" in Eichstätt. Darauf aufbauend bieten die Hochschulen außerdem Master-Studiengänge an. Die DVAG geht praktischer ans Werk: Dort bekommen Anfänger in einer fest umrissenen Grundausbildung die Grundlagen und das notwendige Fachwissen vermittelt - bei gleichzeitiger praktischer Berufseinführung. "Damit ist eine ideale Wechselwirkung von Theorie und Praxis sichergestellt", sagt Tauber. "Die Karriere beginnt in den einzelnen Direktionen vor Ort." Unabhängige Institutionen wie das Berufsbildungswerk Vermögensberatung (DBBV) prüfen das Wissen - dort kann ein Lernender auch ein IHK-Zertifikat erwerben. "Das bietet dem Kunden die Gewähr, sachlich und fachlich korrekt beraten zu werden." Schlecht geht es Vermögensberatern nach Auskunft der Experten nicht: "Ein hauptberuflicher Vermögensberater kann nach einer Einarbeitungszeit von drei bis vier Jahren Einnahmen in Höhe von durchschnittlich 6000 Euro monatlich erzielen", sagt Hussong. Langjährig tätige Berater erreichten noch weitaus höhere Einkünfte. Tauber weist auf die Möglichkeit hin, zunächst nebenberuflich als Vermögensberater zu arbeiten: "Man kann das Risiko auf dem Weg in die Selbstständigkeit mindern, wenn man sich vor dem entscheidenden Schritt in den Hauptberuf bereits einen Kundenstamm aufgebaut hat."
Versicherungsdetektiv
Erst trat er auf das Handy einer Freundin und dann brannte er mit seiner Zigarette ein Loch in das Designerjackett eines Kollegen. Der Versicherung-Sachbearbeiter setzte einen Ermittler ein und entlarvte den Mann als Versicherungsbetrüger. Immer häufiger treten so genannte Versicherungsdetektive in Aktion. Eine Ausbildung für oder einen vorgeschriebenen Weg in diesen Beruf gibt es allerdings nicht. «Der Betrug zum Nachteil von Versicherungen verursacht inzwischen Schäden von jährlich vier Milliarden Euro», stellt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin fest. «Dagegen müssen wir rigoros vorgehen. Im Verdachtsfall schalten wir externe Sachverständige und auch Detektive ein, um Beweismaterial zu haben. Es geht schließlich um Straftaten.» In der Bevölkerung dagegen wird das Problem offenbar anders gesehen: In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Gewis in Hamburg vom Herbst 2004 hielten 48 Prozent der Befragten Versicherungsbetrug für ein Kavaliersdelikt, das ja «keine Armen trifft». Nur 13 Prozent verurteilten ihn. Versicherungen halten sich bedeckt beim Thema, wie sie mit Betrügern umgehen. «Das Vorgehen bleibt den einzelnen Unternehmen überlassen», sagt Schweda. Wolfgang Wiens von der Barmenia in Wuppertal bestätigt: «Jede Versicherung hat ihre eigene Strategie. Ob wir die Polizei einschalten, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalles, beispielsweise nach der aufgewandten kriminellen Energie oder der Höhe des Schadens.» Auch private Ermittler sind den Betrügern auf der Spur. «Rund 16 Prozent der Aufträge, die Detektivbüros in Deutschland erhalten, kommen aus der Versicherungswirtschaft», sagt Eveline Wippermann, Chefin einer Detektei in Bielefeld und Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Detektive (BDD). Ein Schwerpunkte sei Rentenmissbrauch, das heißt, sich nach Unfallverletzungen für die Zukunft berenten lassen zu wollen, sowie das unberechtigte Geltendmachen von Verdienstausfallsforderungen oder die unberechtigte Beanspruchung von Leistungen aus Berufsunfähigkeitsversicherungen. Wiens nennt Gefälligkeitsschäden für die Haftpflicht als häufigste Fälle. Die Detektive im Auftrag der Versicherung ermitteln in Verdachtsfällen, wie sie es in ihrem Beruf gelernt haben. Sie beobachten, halten Fakten fest, sichern Beweise und sprechen mit Zeugen. Das Ergebnis ihrer Arbeit geht dann an den Auftraggeber. Nicht selten landen die Unterlagen bei der Staatsanwaltschaft, die dann Anklage wegen Betrugs erhebt. In vielen Fällen trägt das Material eine weibliche Handschrift. «In unserem Gewerbe sind als Ermittler etwa 60 Prozent Frauen tätig», sagt die BDD-Präsidentin. Eine eigenständige Berufslaufbahn als Versicherungsdetektiv gibt es ebenso wenig wie als Privatdetektiv. «Es ist kein Ausbildungsberuf im Sinn des Berufsbildungsgesetzes, er wird über eine Fortbildung erlernt», erklärt BDD-Sprecher Josef Riehl. Dazu gibt es die Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe, an deren Ende eine staatliche Prüfung steht. In diesem Unterricht gilt es vor allem Gesetze und rechtliche Verordnungen zu büffeln und sich in den breiten Bereich der Kriminalistik hineinzuarbeiten. «Im Interesse der Ermittlungsarbeit und des Datenschutzes sind in diesem Beruf Verschwiegenheit und Diskretion absolut notwendig», heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit. Polizisten oder andere Fachleute aus der Sicherheitsbranche, die sich verändern wollen, finden als Spezialisten für Aufklärung von Versicherungsbetrug bei Gesellschaften ebenfalls ihre Jobs. Dazu gibt es bei einigen Firmen spezielle Referate. «Eine gezielte Weiterbildung für den Assekuranzbereich wird von der Versicherungsbranche nicht angeboten», sagt Wippermann. «Der Detektiv, der in diesem Bereich tätig ist, schöpft aus seiner Berufserfahrung und seiner Arbeit das notwendige Wissen. Er selbst hat ein Interesse daran, die versicherungstechnischen Abwicklungen zu kennen.»
Versicherungskaufmann
In der Versicherungsbranche ist viel in Bewegung. Dreimal ist in den vergangenen zehn Jahren die Ausbildungsverordnung erneuert worden, zuletzt in diesem Sommer. Seitdem hat der Beruf auch einen neuen Namen: Die Azubis werden zu Kaufleuten für Versicherungen und Finanzen ausgebildet. Die neue Verordnung lege größeres Gewicht auf Kundenorientierung, Beratungskompetenz sowie Kenntnisse bei Vorsorge- und Finanzprodukten, heißt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Nur mit Haftpflichtschäden und Teilkasko-Policen haben Versicherungskaufleute schon lange nicht mehr zu tun. Themen wie Altersvorsorge spielten schon in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle. «Aber sie hatten in der Ausbildung noch nicht das Gewicht wie jetzt», sagt Lutz Schlünsen, Ausbildungsleiter bei der Provinzial Versicherung in Kiel. Ebenfalls an Bedeutung gewonnen hätten kommunikative Fähigkeiten. Thomas Schubarth findet diese Akzentverschiebung durchaus positiv: Die Berufsperspektiven werden nach seiner Einschätzung eher größer, wenn sich die Lehrlinge nicht nur mit Versicherungsprodukten auseinandersetzen müssen, sagt der Auszubildende bei der HUK Coburg. Der größere Stellenwert von kommunikativen Fähigkeiten kommt ihm ebenfalls entgegen. «Kundenkontakt ist ja durchaus attraktiv.» Schubarth wird seit Anfang September nach der neuen Verordnung ausgebildet. In den ersten Wochen hat er sich wie seine Co-Azubis vor allem in die Feinheiten der Kfz-Versicherungen eingearbeitet. «Wir haben zum Beispiel Kundengespräche zusammen mit dem Ausbilder simuliert und dann hinterher gesagt bekommen, was gut gelaufen ist und was weniger.» Als nächstes stehen Themen wie Haftpflicht-, Unfall- und Sachversicherungen an. Die Aufgaben der Versicherungskaufleute haben sich spürbar verändert: «Als ich selbst damit angefangen habe, war das ein Büroberuf», erzählt HUK-Ausbildungsleiter Michael Krauß. «Da ging es vor allem darum, Verträge zu bearbeiten. Heute ist es viel wichtiger, die Produkte zu verkaufen.» Der Außendienst wird in der Ausbildung wichtiger, ist auch die Beobachtung von Gunther Wunderlich vom Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) in München. Lutz Schlünsen von der Provinzial sieht gerade dort auch künftig Chancen für den Nachwuchs: «Der Außendienst wird nicht verschwinden.» Die Anforderungen an die Bewerber um einen Ausbildungsplatz sind nach Einschätzung des BWV noch gestiegen. Erwartet wird ein guter Schulabschluss mit mittlerer Reife oder Abitur. Schon jetzt sind mehr als 60 Prozent der Azubis Abiturienten. Auszubildende dürfen derzeit mit 740 Euro im ersten bis 885 Euro im dritten Jahr rechnen. Mitarbeiter im Innendienst erhalten je nach Tarifgruppe 2069 oder 2121 Euro brutto im Monat. Sowohl für Lehrlinge wie für Angestellte gibt es am 1. April 2007 eine leichte Gehaltserhöhung. Informationen: Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft, Arabellastraße 29, 81925 München (Tel.: 089/92 20 01 30, E-Mail: info@bwv-online.de).
Vertriebsingenieur
Windräder oder Druckmaschinen zu bauen, ist die eine Sache - sie zu verkaufen, eine andere. Bei Maschinen besonders für die Großindustrie möchten Kunden oft individuelle Lösungen. Verlangt der Auftraggeber also ein Windkraftrad für den Betrieb in der Ostsee mit zusätzlichen technischen Komponenten, kommt der Vertriebsingenieur zum Einsatz. Durch seine Ausbildung bringt er das nötige Verhandlungsgeschick eines Verkäufers mit, außerdem versteht er durch seine technischen Kenntnisse die Wünsche des Auftraggebers. «Vertriebsingenieure sind die Menschen, die technische Produkte verkaufen, zum Beispiel Messgeräte, Computer oder Kraftwerke», erklärt Hinrich Mewes, Dekan der Fakultät Ingenieurswissenschaften der Fachhochschule Aschaffenburg. «Die braucht man, weil technische Anlagen sehr komplex sind und sehr erklärungsbedürftig.» Ingenieure im Vertrieb sind auch verantwortlich für das Management von Kundenbeziehungen: «Im Auftrag ihrer Unternehmen pflegen sie Geschäftsbeziehungen zu Kundenunternehmen oder stellen Beziehungen zu neuen Kundenunternehmen her», erläutert Dieter Moll vom Verein der Deutschen Ingenieure (VDI) in Düsseldorf. Für den Arbeitsort eines Vertriebsingenieurs bedeutet das: Er kann sowohl im In- als auch im Ausland eingesetzt werden. Dabei sind die Experten nicht auf einen Industriezweig festgelegt. «Vertriebsingenieure findet man in allen Branchen, die erklärungsbedürftige technische Produkte und Dienstleistungen vermarkten», sagt Moll. Dazu gehörten zum Beispiel der Maschinen- und Anlagenbau, die Informations- und Telekommunikationstechnik, die Energie- und Umwelttechnik sowie die Medizintechnik. Wer diesen Job ausüben will, kommt nicht um ein Studium herum, zum Beispiel an der Fachhochschule Kiel. Beim Studiengang Internationales Vertriebs- und Einkaufsingenieurwesen würden sich die Studenten zu 50 Prozent mit technischen Themen befassen, die anderen 50 Prozent nehme die Betriebswirtschaftslehre ein, erklärt Studienfachberater Rainer Geisler. Mit dem Bachelor hat man nach einer Regelstudienzeit von drei Jahren einen international anerkannten Berufsabschluss. Nach Geislers Einschätzung sind Vertriebsingenieure derzeit genauso gesucht wie andere Ingenieure. Dies spiegele sich auch beim Gehalt wieder. «Unsere Absolventen verdienen genauso viel wie ihre rein technischen Kollegen, und die Bachelor-Absolventen sind vom Gehalt mit ihren Diplom-Kollegen gleich auf.» Mit 35 000 bis 40 000 Euro brutto im Jahr könnten Berufseinsteiger am Anfang rechnen, sagt Mewes. Wer dann möglichst viele Produkte seines Unternehmens gewinnbringend verkaufen kann, dürfe auf Erfolgsprämien hoffen. «20 Prozent des Gehalts sind variabel.» Informationen: Verein Deutscher Ingenieure, Postfach 101139, 40002 Düsseldorf, E-Mail: kundencenter@vdi.de Verein Deutscher Ingenieure: www.vdi.de Institut für Internationales Vertriebs- und Einkaufsingenieurwesen Kiel: www.ive-online.de Hochschule Aschaffenburg: www.fh-aschaffenburg.de Englisch, Spanisch, Französisch - Vertriebsingenieure können gar nicht genug Fremdsprachen sprechen, um sich später auch außerhalb Deutschlands zu behaupten. Bereits während des Studiums werde daher Wert auf die Sprachschulung gelegt, sagt Hinrich Mewes, Dekan der Fakultät Ingenieurswissenschaften der Fachhochschule Aschaffenburg. «Sprachen sind wichtig, weil der technische Vertrieb oft mit internationalen Kunden geschieht.» Zudem sollten die Experten ein Händchen für den Umgang mit Menschen haben. «Eine gewisse Extrovertiertheit ist hier wichtig.» Liebe zur Technik, Zahlenaffinität und Reiselust schaden in dem Beruf ebenfalls nicht.
Videospieleentwickler
Sie haben Mario das Hüpfen beigebracht und die «World Of Warcraft» erschaffen. Und quasi rund um die Uhr tüfteln Videospieleentwickler an neuen Helden und fernen Welten. Da liegt es nahe, dass viele «Zocker» darin einen Traumjob sehen. Die Chancen, diesen Traum wahr werden zu lassen, stehen für talentierte Leute zurzeit gar nicht schlecht. «Die Branche steckt hier noch in den Kinderschuhen, aber sie wächst weltweit und damit auch in Deutschland», sagt Felix Wittkopf von der Games Academy in Berlin. Dahinter verbirgt sich eine Schule, die ausschließlich Kurse für angehende Spielemacher anbietet. Gut 100 Entwicklerstudios gibt es laut Wittkopf im deutschsprachigen Raum. In der Summe ergibt das zwar einen überschaubaren Arbeitsmarkt - aber einen, in dem sich eine Menge tut: «Vor einigen Jahren hat die Branche einen Tiefpunkt erreicht, seither geht es stetig bergauf», sagt Gerald Köhler. Beim Studio Bright Future in Köln ist er für den PC-Klassiker «Fußball Manager» verantwortlich. Eine Reihe von Studios hat sich neu gegründet, bestehende haben Belegschaften vergrößert. Die Aktivitäten in Deutschland seien zwar noch nicht mit denen in England oder Frankreich zu vergleichen, sagt Florian Knappe vom Studio 49 Games in Hamburg. «Aber die Zahl der Entwickler steigt, und auch ausländische Publisher gucken inzwischen mehr nach Deutschland.» Den Beruf «Spieleentwickler» gibt es jedoch nicht: Die Teams setzen sich aus Leuten mit eigenen Spezialgebieten zusammen - je größer die Firma, desto größer ist die Arbeitsteilung. «Da ist zunächst der Produzent», sagt Köhler. Er muss dafür sorgen, dass ein Spiel rechtzeitig fertig und der Finanzrahmen nicht gesprengt wird. Wenn es um zündende Ideen geht, ist der Gamedesigner gefragt. «Er denkt sich das Spiel aus», erklärt Köhler. Die Umsetzung liegt an den Grafikern und den Programmierern. Und dann kommen die «Leveldesigner» zum Zug: «Sie nehmen die vorhandenen Elemente und machen daraus die Spielwelten - sie bauen zum Beispiel die Charaktere ein oder legen fest, wann und wie sich die Gegner bewegen sollen.» Wie die Spezialisten zu ihren Spezialkenntnissen und damit an ihre Jobs kommen, ist höchst verschieden. «Es gibt bis heute keine festgeschriebene Ausbildung», sagt Florian Knappe. Deshalb haben zum Beispiel manche Produzenten BWL studiert - während andere vielleicht als Programmierer angefangen haben und irgendwann auf dem Sessel von demjenigen gelandet sind, der die Fäden in der Hand hält. «Ich habe eine Fachoberschule für Grafik und Design besucht», sagt Knappe, heute grafischer Leiter bei 49 Games. Die Programmierer haben oft ein Informatikstudium oder eine entsprechende Ausbildung hinter sich. «Es gibt hier auch jede Menge Autodidakten», sagt Köhler. Ganz egal, ob in der Bewerbungsmappe am Ende «Games Academy», «Informatikstudium» oder «langjährige Projektarbeit in Eigenregie» steht: Wer in der Entwicklerbranche arbeiten will, darf zumindest am Anfang keine Reichtümer erwarten. Ein Einstiegsgehalt von etwa 1500 Euro ist laut Felix Wittkopf nicht unüblich. Auch wer auf eine geregelte 40-Stunden-Woche Wert legt, schaut sich besser nach einem anderen Job um. Denn das Entwickeln von Videospielen ist auch Terminarbeit, deshalb sind pünktliche Feierabende mitunter Mangelware.
Vulkaniseur
Bei Autos, Bussen oder auch Flugzeugen sind Vulkaniseure und Reifenmechaniker für die Reifen verantwortlich. In drei Jahren lernen junge Menschen diesen Beruf, dessen Ausbildungsrahmen zum 1. August ein neues Profil erhält. Auch der Name ändert sich. Je nach Spezialisierung im dritten Ausbildungsjahr heißen diese Fachleute künftig Mechaniker für Reifen- und Fahrwerktechnik oder Mechaniker für Vulkanisationstechnik. «Die Aussichten in diesem Beruf sind sehr gut, denn ohne Reifen läuft kein Auto», sagt Peter Hülzer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk in Bonn. Derzeit gibt es in den etwa 550 Betrieben der Branche rund 400 Lehrlinge. Diese müssen künftig weit mehr lernen als nur den Umgang mit Reifen. «Sie sind im gesamten Autoservice-Bereich gefragt.» «Die ersten zwei Jahre der Ausbildung sind für beide Fachrichtungen gleich», erläutert Walter Ehrlich, Studiendirektor an den Berufsbildenden Schulen in Neustadt am Rübengebirge bei Hannover. Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres muss eine Zwischenprüfung abgelegt werden. «Zum dritten Jahr wird dann die Fachrichtung Fahrwerk oder Vulkanisation entschieden», erklärt Ehrlich. Die Aufgaben im Bereich Reifen- und Fahrwerktechnik umfassen das Warten und Instandsetzen von Bremsen und Fahrwerken sowie der Rad- Reifen-Systeme. Die Fachleute in diesem Bereich sorgen für die Fahrdynamik und kümmern sich auch um Abgas- und Klimaanlagen. Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten reicht von der Werkstatt an der Ecke über Industriebetriebe bis hin zum Motorrennsport. Mechaniker für Vulkanisationstechnik konzentrieren sich auf Reifen aller Arten; dazu gehört das Flicken, Wechseln, Auswuchten und Prüfen. Und natürlich das Runderneuern. Alles, was mit Förderbändern, Treibriemen und Gummiauskleidungen zu tun hat, fällt ebenfalls in ihren Zuständigkeitsbereich. «Mit der neuen erweiterten Ausbildung sind die Leute künftig vielseitiger einzusetzen», sagt Bernd von der Lancken, Werkstattleiter bei Autokraft Kiel, dem größten Busunternehmen Schleswig-Holsteins. Gerade hat der Betrieb einen neuen Verantwortlichen für die Reifenabteilung eingestellt. Dieser ist Herr über mehrere 1000 Pneus für die gut 350 Busse, davon ein Drittel Gelenkzüge mit zehn Reifen. «Er muss unter anderem ständig die Profiltiefen nachmessen, nach etwaigen Wandbeschädigungen suchen und neue Reifen montieren.» Unter den Auszubildenden und Berufstätigen sind praktisch nur Männer zu finden. «Mädchen an unserer Schule gelten schon als Exoten», so Ehrlich. Wohl, weil der Beruf als schwer gilt und auch als schmutzig. Ehrlich bricht aber eine Lanze für den Beruf: «Es geht hier nicht nur um den Reifenwechsel.» Da seien beispielsweise Achsen elektronisch zu vermessen, Spuren einzustellen und ganze Bremssysteme zu prüfen. Hauptschule oder Mittlere Reife sind Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz, dazu kommen Interesse für Technik, handwerkliche Geschicklichkeit, körperliche Fitness und die Bereitschaft, sich die Hände schmutzig zu machen. Die Vergütung bewegt sich von etwa 475 Euro im ersten Jahr bis 575 Euro im dritten Jahr, wie es bei der Handwerkskammer in Hamburg heißt. Am Ende der Ausbildung steht die Gesellenprüfung. Die Anfangsgehälter im Beruf können dann bei 1800 Euro liegen. |
||||||||||||||||||||
Ich möchte diese Seite an jemanden weiterempfehlen.