Künstler-Archiv
In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.
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Alban Berg QuartettAbschiednehmen ist eine hohe Kunst – den richtigen Zeitpunkt zwischen einem »zu früh« und einem »zu spät« abzupassen, das gelingt wenigen. Als Experten des richtigen Timings in der Musik werden die Mitglieder des Alban Berg Quartetts für sich auch den richtigen Zeitpunkt für den Abschied vom Podium gefunden haben: Am 22. Juni 2008 gaben Günter Pichler, Gerhard Schulz, Isabel Charisius und Valentin Erben ihr letztes Konzert in der Kölner Philharmonie. Lange Jahre hat das »ABQ« in diesem Saal eine eigene Konzertreihe bestritten und sein Publikum zur Kammermusik, zur Moderne, zum konzentrierten Zuhören bekehrt. »Mit einem heitern, einem nassen Aug’« – so lässt sich nach Shakespeares Motto der Abschied begehen, und dieses Motto passt auch zum Programm mit Schuberts jugendlich beschwingtem Forellenquintett und jenem bewegenden C-Dur-Quintett, in dem Schubert Ernst und Heiterkeit so kunstvoll verschmolzen hat. Viel Vergnügliches wissen die Quartettmitglieder zu berichten, doch auch Trauriges gehört dazu. Der Tod des Bratschers Thomas Kakuska im Juli 2005 war ein schmerzlicher Verlust, doch mit der hervorragenden jungen Bratscherin Isabel Charisius setzte das ABQ dem Wunsch Kakuskas und dem eigenen Willen folgend seine Konzerttätigkeit fort und konnte seinem Publikum noch viele Sternstunden der Kammermusik schenken. 37 Jahre liegt das Debüt des Alban Berg Quartetts im Wiener Konzerthaus zurück. Damals schon gehörten die Mitglieder des ABQ zu den Wegbereitern der Moderne und setzten mit der Wahl ihres Namenspatrons ein deutliches Zeichen. Sie hatten sich zum Prinzip gemacht, kein Programm ohne ein Werk des zwanzigsten Jahrhunderts aufzuführen, was in den siebziger Jahren noch eine wahre Pioniertat war. Viele zeitgenössische Komponisten waren dankbar für die Offenheit und das hohe Niveau des Alban Berg Quartetts. Berio, Lutoslawski, Rihm, Schnittke und viele andere arbeiteten eng mit dem ABQ zusammen und schrieben eigens Werke für diese Quartettformation. Rund 170 Aufnahmen zeugen von dem Elan und der Produktivität des Alban Berg Quartetts, Haydn und Mozart kann man mit warmer, satter »Wiener« Tongebung erleben, Durchsichtigkeit und Durchhörbarkeit lassen auch komplizierte Strukturen in der Musik des 20. Jahrhunderts erkennbar werden. Mehr als dreißig renommierte Schallplattenpreise sprechen für sich. Der enorme Idealismus, der hinter einem fast vierzigjährigen Engagement für die Gattung Streichquartett steckt, lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken, man kann nur ahnen, wie nachhaltig das Alban Berg Quartett die Kammermusikkultur geprägt hat. Die Mitglieder des ABQ unterrichten seit 1993 an der Kölner Musikhochschule und stehen den jungen Nachwuchskünstlern auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite: Ihre Lehrtätigkeit setzen sie fort und haben große Freude an der blühenden Streichquartettlandschaft der Gegenwart.
Artemis Quartett
„Ein Streichquartett ist eine Ehe zu viert.“ Das sagt man gerne so hin. Bei Eckart Runge hingegen hört sich das schon etwas dramatischer an: „Das Streichquartett ist wahrscheinlich eine der extremsten Lebensformen, die es gibt.“ Runge weiß natürlich, wovon er da spricht. Denn seit 1989 ist er Cellist vom Artemis-Quartett. Und in den nunmehr über 20 Jahren hat Runge miterleben können, wie das Nervenkostüm während einer so langen Partnerschaft auf die Probe gestellt wird. Wenn schließlich gleich vier ausgeprägte Persönlichkeiten den Schritt wagen und den Bund fürs Leben eingehen, ist neben der hohen Streicherkultur gleich auch noch eine hohe Streitkultur programmiert. Doch Runge & Co. hatten sich nicht zufällig nach einer griechischen Göttin benannt, die neben ihrer Zuständigkeit für die Jagd gleich noch für die Fruchtbarkeit verantwortlich ist. Und so sorgt der gute Geist der Artemis selbst hinter den Kulissen, bei den Proben des Quartetts dafür, dass all die Reibungen und Diskussionen spätestens im Aufnahmestudio und im Konzertsaal auf fruchtbaren Boden fallen. Dass man sich auf seine Schutzheilige aber auch in Zeiten des Umbruchs verlassen kann, ist das eigentliche Erstaunliche beim Artemis-Quartett. Runge ist zwar der letzte Mohikaner vom Ur-Stamm der Artemisianer. Doch mit jeder Neubesetzung formierte sich auf Anhieb gleich wieder eine neue Idealbesetzung. So auch 2007, als sich die beiden Violinisten Gregor Sigl und Natalia Prishepenko, der Bratscher Friedemann Weigle und eben Runge zusammenfanden, um fortan einen Volltreffer nach dem anderen zu landen. Mit Aufnahmen von Franz Schubert und Astor Piazzolla – und vor allem mit Streichquartetten von Ludwig van Beethoven! |
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