Künstler-Archiv

In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.

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Caballé, Montserrat
Concerto Köln

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Caballé, Montserrat

Die langjährige und erfolgreiche Karriere von Montserrat Caballé, die neben Maria Callas, Joan Sutherland und Beverly Sills zu den bedeutendsten Belcanto-Sopranistinnen der Jahre nach 1950 gehört, begann unbemerkt von der internationalen Opernwelt in Basel und Bremen.

Ihr künstlerischer Durchbruch kam über Nacht. An der New Yorker Carnegie Hall wurde 1962 kurzfristig ein Ersatz für Marilyn Horne in einer konzertanten Aufführung von Donizettis Oper »La Favorita« gesucht. Montserrat Caballé wurde eiligst aus Bremen nach New York eingeflogen – und mit diesem inzwischen legendären Abend begann ihr Aufstieg zur weltweit gefeierten Starsopranistin in Partien von Bellini, Donizetti, Rossini und Verdi.

Plácido Domingo wurde von Montserrat Caballé stets als ihr Lieblingspartner auf der Bühne und im Aufnahmestudio bezeichnet – und dass nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Herkunft aus Spanien. Ihre Gesamtaufnahmen von »Norma«, »La Bohème« und »Giovanna d’Arco« sind Meilensteine des Operngesangs.

Doch auch im Leben von Montserrat Caballé gibt es noch einen Traum, den sie sich erfüllen möchte. Sie hat weltweit alle wichtigen Partien ihres Fachs gesungen, nur die Titelheldin in Donizettis dramatischer Oper »Maria Padilla« fehlt in ihrem Repertoire. »In dieser Oper gibt es zwei Rivalinnen« erzählt Montserrat Caballé in einem Interview, »es sind Mutter und Tochter.« Somit möchte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Montserrat Martí in Donizettis Oper im Jahr 2009 wieder auf der Bühne stehen. Montserrat Caballé wird die Maria Padilla singen, die Opern-Tochter Ines Padilla wird Montserrat Martí übernehmen. »Das wird dann wohl auch einer meiner letzten Auftritte auf der Opernbühne sein«, verrät Montserrat Caballé, die 2008 ihren 75. Geburtstag feierte.
Concerto Köln

Bei der Musik verhält es sich ähnlich wie bei der Politik: Oft helfen nur provokante oder radikal innovative Impulse, um allzu etablierte Strukturen aufzurütteln. Mit dem Unterschied, dass diese Impulse in der Musik weitaus nachhaltiger zu wirken scheinen.

Aus der in den 1960er Jahren entstandenen »Musizieropposition«, zu der sich neben Nikolaus Harnoncourt so profilierte Köpfe wie Gustav Leonhardt, Frans Brüggen und Sigiswald Kuijken gesellten, entwickelte sich eine »Originalklang-Bewegung«, der sich 1985 auch einige Studenten der Kölner Musikhochschule anschlossen.

Dem Gedanken verpflichtet, dieser Bewegung innovative ästhetische Impulse zu verleihen, fanden sich die Musiker unter dem Namen »Concerto Köln« schnell in der Alten-Musik-Szene wieder, folgte jedoch von Beginn an den Spuren unbekannter oder selten aufgeführter Werke des 18. und 19. Jahrhunderts.

So bescherten die gerne als »musikalische Trüffelschweine« bezeichneten Musiker Werken von Koželuch, Wilms, Eberl, Vanhal, Kraus oder – zuletzt – Rigel neue Aufmerksamkeit – im Konzertsaal oder auf CD.

Zu den Wiederentdeckungen zählen sicherlich auch Mozarts »Schauspieldirektor« und die dritte Sinfonie Napoléon Henri Rebers. Als besonders exquisite »Trüffeln« erwiesen sich die Sinfonien des deutsch-französischen Komponisten Henri-Joseph Rigel.

Für die Weltersteinspielung einiger dieser Sinfonien fuhr Concerto Köln neben dem ECHO Klassik (»Sinfonische Einspielung des Jahres«, 2009) sogar den bedeutenden MIDEM Classical Award ein (»First Recording«, 2010). Nicht nur hier entpuppte sich das Ensemble als Idealbesetzung, zahlreiche Instrumental-Einspielungen, aber auch Opernproduktionen (Mozart, Händel, Graun) wurden vielfach ausgezeichnet.

Authentizität bedeutet für den musikalischen Leiter Martin Sandhoff hingegen nicht, auf vermeintliche »historische Wahrheiten « zurückzugreifen, sondern vielmehr »lebendiges Musizieren im Hier und Jetzt«.

Dieses »Hier und Jetzt« begegnet jedem wieder, der sich auf den Weg nach Köln-Ehrenfeld macht und das tagtägliche Arbeitsumfeld dieses Ensembles aufsucht. Denn ein eher unscheinbares Gebäude unmittelbar an der S-Bahntrasse, umgeben von Industrie und Verkehrslärm, lässt nicht gerade den Eindruck entstehen, an einem Ort der Muse gelandet zu sein. Doch hier, unweit vom Heliosturm, der einst Leuchtreklame für die Pioniertaten der Elektrotechnik betrieb, wird heute eine ganz andere Art von Pionierarbeit geleistet.

Mit innovativer Energie sowie der Lust am Unkonventionellen und Kontrast setzt das Ensemble (nicht nur) die Alte Musik unter Strom. Mit Projekten wie »Dream of the Orient«, »The Waltz – Ecstasy and Mysticism« (beide mit dem Ensemble Sarband aufgenommenen CDs wurden mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet) oder »Diabelli-Variationen « (mit dem Jazzpianisten Uri Caine) unternimmt Concerto Köln außerdem selbst Ausflüge in die Avantgarde und den Jazz und schlägt so Brücken, die nicht in einem Stilmix enden, sondern auf plastische Weise die eine der anderen musikalischen Welt gegenüberstellen.

Doch selbst musikalische Brückenschläge gelingen nicht ohne ein solides Fundament. Aus welchen Bausteinen besteht aber nun der langjährige Erfolg dieses Ensembles? Ist es das basisdemokratische Prinzip, das weitestgehende Spielen ohne die autokratische Führung eines Dirigenten, die Trennung zwischen Konzertmeister und künstlerischer Leitung, der solide strukturelle Rahmen, die je nach Projekt flexible personelle Erweiterung einer eingespielten 17-köpfigen Stammformation?

Ist es der permanente künstlerische Dialog, die Selbstbestimmung hinsichtlich der Wahl des Programms und der Labels, die Balance zwischen Standardrepertoire und alten Neuentdeckungen, die charakteristische Spielkultur und Klangästhetik?

Wohl von allem etwas. Darüber hinaus bildet (neben der überwiegenden Selbstfinanzierung und angesichts knapper öffentlicher Gelder) die Kooperation mit Sponsoren einen mindestens ebenso stabilisierenden Faktor. Seit kurzem arbeitet das Orchester mit einem renommierten Berliner Akustikgeräte-Hersteller zusammen. Das klingt nicht nur vielversprechend, sondern steht gleichermaßen für die Brücken zwischen Tradition und Moderne, zwischen Originalklang und eigener Klangästhetik, für die Concerto Köln seit 25 Jahren eintritt.

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