Künstler-Archiv
In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.
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Dudamel, GustavoWer zurzeit unter den internationalen Pultstars den Namen »Gustavo Dudamel« fallen lässt, der bekommt unisono nur Lobeshymnen und Jubelarien zu hören. Für Simon Rattle ist er der »am erstaunlichsten begabte Dirigent, dem ich je begegnet bin.« Und Lorin Maazel stellte kürzlich klar: »Was für ein leidenschaftliches, spontanes, vor Kreativität überschäumendes Talent!« Gustavo im Glück. Denn aktuell gibt es - bis vielleicht auf den chinesischen Pianisten Lang Lang - wohl niemanden aus seiner Generation, dem eine solche Welle der Begeisterung entgegenschlägt. Überall, wo der 27-jährige Lockenkopf mittlerweile gastiert, erobert er Orchester und Publikum im Sturm. Mit seinem ansteckenden Temperament und Zugriff, mit seinem unbedingten Willen zur Sinnlichkeit und Ausdrucksraserei. Wenn Dudamel dirigiert, ist man daher zwangsläufig mittendrin. Im prallen Musik-Leben, zu dem er ein naturgegebenes Verhältnis zu besitzen scheint. Ob bei den Sinfonien Gustav Mahlers, mit denen er schon 2004 die Jury des Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs in Bamberg fesselte. Oder ob es nun die Partituren von Beethoven bis Bernstein sind – ihre Herz-Rhythmus-Systeme erfüllt Dudamel mit einer künstlerischen Leidenschaft, die formen und gestalten kann. Kein Wunder, dass so ein Wunderknabe inzwischen in der Belle Etage der Orchesterwelt angekommen ist. Seit 2007 ist er Chefdirigent der Göteborgs Symfoniker. 2009 wird er zudem die Los Angeles Philharmonic von Esa-Pekka Salonen übernehmen. Und zwischendurch sind Gastdirigate beim Chicago Symphony Orchestra und den New Yorker Philharmonikern geplant. So eine Raketenkarriere bringt viel Ruhm und Ehr. Zugleich weiß Dudamel um die Verlockung abzuheben: »Man muss sehr vorsichtig sein, die richtige Geschwindigkeit beizubehalten. Natürlich ist es gefährlich, wenn man eine Menge Angebote hat und sich sagt: Wunderbar, ich bin der Beste! Man muss immer auf dem Boden bleiben.« Um sich die nötige Bodenhaftung zu bewahren, versucht Dudamel daher auch so oft wie möglich, zu den Wurzeln zurückkehren. Nach Caracas, wo seine Familie lebt. Und wo auch jene, inzwischen legendär gewordene Organisation ihren Stammsitz hat, die seit über dreißig Jahren in der Nachwuchsförderung wahre Wundertaten vollbracht hat. Auch Dudamel kam schon früh in den Genuss des Musik-Projekts »El sistema«. Mit zehn Jahren trat er in das »sistema« ein. Mit 14 Jahren war er bereits musikalischer Direktor des Amadeus Chamber Orchestra. Und drei Jahre später wurde er schließlich an die Spitze des Simón Bolívar Youth Orchestra gewählt. Bis heute ist er ihm treu geblieben – nur dass er es jetzt ist, der die jungen, rund 220 Musiker fördert und fordert. Was für eine Vitaminspritze er selbst für altgediente Orchestermusiker sein kann, bewies er aber auch schon 2006 in Köln. Als Gustavo Dudamel das Gürzenich-Orchester in der Kölner Philharmonie dirigieren sollte, war er den Musikern damals zwar noch kein Begriff. »Aber schon als er den ersten Einsatz gab«, erinnert sich Cellist Johannes Nauber, »dachte ich: Hoi! Es war unglaublich, wie er aus diesem Kollektiv von neunzig Mann ungeahnte Sachen rausgeholt hat, wie er uns Grenzen geöffnet hat.« Längst ist Gustavo Dudamel in aller Munde. Und bei seinem philharmonischen Debütkonzert als Chef der Göteborgs Symfoniker zeigt er, warum… |
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