Künstler-Archiv
In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.
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Flórez, Juan Diego
Des einen Leid ist manches Mal des anderen Freud: Weil ein Kollege erkrankt war, sprang der damals noch unbekannte Juan Diego Flórez 1996 beim Rossini-Festival in Pesaro ein – und schaffte damit den Durchbruch zur Weltkarriere. »Der Tenor, auf den die Welt gewartet hat«, jubeln heute die großen Blätter wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, und das Publikum huldigt ihm mit minutenlangen Ovationen, wie jüngst im Rahmen der Salzburger Festspiele. Inspiriert durch seine Eltern, entdeckt der in Peru geborene Flórez schon früh seine Liebe zur klassischen Musik und beginnt mit 17 Jahren sein Studium am Nationalkonservatorium in Lima. Bei seinem Operndebüt in Pesaro in »Matilde di Shabran« überzeugte er alle Kritiker mit seiner enormen Ausdrucksfähigkeit und seinem phänomenalen Koloraturgesang, mit dem er lange als unsingbar geltende Passagen hörbar macht. Er verzaubert mit Grazie und Vitalität und verblüfft durch offene Freude und Spaß beim Singen. Inzwischen gastiert er an renommierten Häusern wie der Mailänder Scala, der New Yorker Metropolitan Opera, im Londoner Royal Opera House und der Deutschen Oper Berlin.
Fray, DavidTarbes liegt in den Pyrenäen. Touristen sind hier meist nur auf der Durchreise nach Lourdes unterwegs oder pilgern von dem südfranzösischen Städtchen aus auf dem Jakobsweg nach Spanien. Die Luft ist klar in den Pyrenäen. Sterne am Nachthimmel scheinen zum Greifen nah. Man muss kein Romantiker sein, um die örtlichen Naturschönheiten zu bestaunen. David Fray ist in Tarbes aufgewachsen und für den 29-jährigen Shootingstar unter den jungen Tastentalenten stehen die Sterne gut. Preise und Auszeichnungen reihen sich nahtlos aneinander: 2004 kürte ihn Radio Francophones in Montréal zum Nachwuchssolisten des Jahres. In Frankreich wurde der smarte Franzose im selben Jahr zum Nachwuchskünstler des Jahres ernannt. Seit David Fray 2006 kurzfristig bei Konzerten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen für die erkrankte Hélène Grimaud einsprang, ist er endgültig in aller Munde. Für seine Einspielung mit Solowerken von Bach und Boulez erhielt David Fray 2008 einen Echo Klassik, das renommierte BBC Music Magazine pries ihn als Newcomer of the Year. Seine Begegnung mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen erwies sich als ausgesprochen fruchtbar. Man entschied sich für eine gemeinsame CD-Produktion: vier Klavierkonzerte von Johann Sebastian Bach wurden aufgenommen. Für diese erste Orchester-CD erhielt David Fray 2009 einen Echo Klassik als Instrumentalist des Jahres.
Subjektiv und intim Als Vorbild nennt der Sohn einer Deutsch-Lehrerin den Grandseigneur des Klavierspiels und unvergessenen Beethoven-Interpreten Wilhelm Kempff, der schon als Neunjähriger Bachs Wohltemperiertes Klavier auswendig in alle Tonarten transponieren konnte. David Fray nimmt Bach denn auch nicht wie einst Glenn Gould rhythmisch pochend. Bei Fray stimmen die polyphonen Linien einen anrührenden Belcanto-Gesang an, erzählen Geschichten, fein umsponnen von zarten Emotionen. Weit entfernt von der schroffen Klangästhetik der historischen Aufführungspraxis, nimmt David Fray die Bachschen Klavierkonzerte kammermusikalisch intim, umspielt ihr kontrapunktisches Gewebe mit einer subjektiven, romantisch wohltönenden Note. Ein Griff zu den Sternen, aufregend neu, originell und inspiriert.
Aufgehoben in Gott
Fröst, MartinWer bislang der Meinung war, die Klarinette sei altbacken und brav, hat Martin Fröst noch nicht erlebt. Rasant lässt der große Blonde aus dem hohen Norden die schlanken Finger über die Klappen gleiten, sein langgestreckter Körper und das dunkle Holz umschlingen einander, die Klarinette schmiegt sich an wie eine zweite Haut. Ein Magier und sein funkensprühender Zauberstab, die zur Einheit verschmelzen. Mozart, Brahms und Weber sind seine Weggefährten, ihnen huldigt der begnadete Klarinettist in Konzerten mit den Wiener Symphonikern, der Jungen Deutschen Philharmonie, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Auch das New York Philharmonic und Minnesota Symphony Orchestra haben bereits angeklopft. Martin Fröst hat sich eingereiht in die Zunft der großen Virtuosen. Aber er ist mehr als ein Instrumentalist, der klangschön auf der Klarinette singt und sein Publikum mit verblüffender Bühnenpräsenz in den Bann zieht. Der schwedische Allrounder kündigt gewohnte Rituale auf und katapultiert das Konzertgeschehen in neue Umlaufbahnen. »Ich liebe es, nach neuen Dingen zu suchen. Ich gebe meine Energie für etwas, das mich durchschüttelt. Das lässt mich lebendiger sein als Künstler.« Mit Volldampf schlägt das Energiebündel Martin Fröst die Brücke zur Gegenwart, lässt in zeitgenössischen Werken die Klarinette raunen, seufzen, jaulen, wispern und schnarren und verbündet sich mit anderen Künsten. Wenige technische Mittel genügen ihm und schon verwandelt sich die Konzertbühne zum Erlebnisraum. Zum ersten Mal agierte Martin Fröst als »Rattenfänger« in der Oper von Wilfried Hiller und Michael Ende zeitgleich als Tänzer, Schauspieler und Musiker auf der Bühne. Seitdem stellt der mehrfache Preisträger einmal im Jahr ein Projekt mit Choreografen, Lichtdesignern und Multimediakünstlern auf die Beine. Hinter Masken und Kostümen mutiert er zum Tänzer und Artisten. Ein Unterhaltungskünstler im besten Sinne, der mit allen Raffinessen der Vortragskunst gewaschen ist und die alte Tante Kammermusik in szenischen Momenten neue Geschichten erzählen lässt. Bewegung und Musik verband Martin Fröst in seinen philharmonischen Konzerten »Dance Preludes« und »Double Points«. |
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