Künstler-Archiv

In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.

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Labèque, Katia und Marielle
Levy, Yasmin

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Labèque, Katia und Marielle

Die eine ist stürmisch und extrovertiert, die andere ruhig und geerdet. Auf der ganzen Welt werden sie bei ihren Auftritten gefeiert, von der Carnegie Hall bis zur Berliner Philharmonie. Wer könnte besser geeignet sein für den glanzvollen Saison-Auftakt des Gürzenich-Orchesters als die Schwestern Katia und Marielle Labèque?

1968, vor über vierzig Jahren, begann ihre Karriere mit dem Abschluss am Conservatoire de Paris. Galt bis dahin auf dem Podium schmallippiger Ernst als der Ausweis höchster künstlerischer Seriosität, war mit dem Auftreten der französischen Pianistinnen eindeutig Schluss. Wie die jungen Katzen huschten sie um die Flügel, ließen ihre Haare fliegen, stets kurz vor dem Losprusten und immer musikalisch auf den Punkt.

Seitdem verzaubern sie ihr Publikum mit einer unnachahmlichen Mischung aus Entertainment, Brillanz und französischer Clarté.
Levy, Yasmin

Yasmin Levy bezieht ihre Inspiration aus dem Schicksal der sephardischen Juden. Die Wurzeln der jüdisch-spanischen Kulturgemeinschaft des 15. Jahrhunderts führten sie zu ihrem Vater, der sich intensiv mit der Sprache der sephardischen Juden, dem Ladino, befasst und viele einschlägige Liederhandschriften gesammelt hat. Obwohl sie bereits im Alter von einem Jahr ihren Vater verlor, hat sich Yasmin Levy das Interesse für das jüdische-spanische Erbe bewahrt.

Durch das Studium des Flamenco in Sevilla zusätzlich motiviert, widmet sie sich seit einigen Jahren voll und ganz der sephardischen Musik. Und diese Lieder der spanischen Juden, ursprünglich für den ganz privaten, familiären Kreis gedacht, sind bei Yasmin Levy in denkbar guten Händen. Die 33-jährige Sängerin aus Jerusalem hat es sich zum Ziel gesetzt, sie vor dem endgültigen Aussterben zu retten – angesichts der schwindenden Verbreitung der Ladino-Sprache in der jüdischen Diaspora ein beinah aussichtsloses Unterfangen.

Dabei klingen ihre teils klagenden, teils sinnlichen Lieder alles andere als museal. Nichts wirkt hier verstaubt, antiquiert oder sonstwie ewig gestrig – einerseits. Andererseits verfällt Yasmin Levy jedoch nicht in den Fehler, jeder profitablen Weltmusikmode hinterher zu hecheln und alle möglichen ethnisch verschiedenen Sounds zusammenzufügen. Im Gegenteil: Verbunden mit einem kleinen, ungemein präzise arbeitenden Ensemble und historisch belegten musikalischen Einflüssen auch aus dem Maghreb, der Türkei und dem Nahen Osten hebt sich ihre Musik von der Masse allzu leicht verderblicher Weltmusik-Veröffentlichungen wohltuend ab.

Da darf es auch keine Berührungsangst mit dem Arabischen geben. Wie das? Eine israelische Künstlerin, die sich islamischer Kunstmittel bedient? Mancher Purist, mancher Gralshüter sephardischer Kultur, nicht nur in Israel, mag da die Nase rümpfen.

Für die Sängerin selbst jedoch ist die Einbeziehung vordergründig fremder Einflüsse in ihre Musik mittlerweile selbstverständlich geworden: »Natürlich haben wir hier in Israel die radikalsten religiösen Leute, die man sich vorstellen kann. Aber ich sehe auch eine andere Realität, gerade in Jerusalem: Menschen mit verschiedenen Religionen und Kulturen, die zusammen leben. Ich wünschte wirklich, wir könnten mehr Respekt füreinander aufbringen in dieser Stadt der verschiedenen Weltanschauungen.

Die Ladino-Lieder sind dafür ein gutes Medium, denn sie entstanden in einer Zeit, in der die Juden in Frieden mit Muslimen lebten. Wir müssen uns daran erinnern, dass es eine sehr lange Zeit des gegenseitigen Respekts gab. Und es gibt keinen Grund, warum wir dies nicht heute ebenso tun sollten.« In der Tat, hört man ihre Lieder, so scheinen uralte Konflikte auf einmal nicht mehr existent. Aus der Verschmelzung alter osmanischer Musik mit iberischen Klängen, umrahmt mit archaischer Perkussion, bildet die klare, dunkle und warme Stimme von Yasmin Levy die perfekte Symbiose.

Ein Musikgenuss wie aus einer versunkenen Welt. Oder, um mit Charlie Gillett, dem wohl besten Kenner der World-Music-Szene zu sprechen: »Wenn Yasmin aufhört zu singen, möchte man ungern wieder die Augen öffnen und den Realitäten ins Gesicht sehen.«

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