Künstler-Archiv
In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.
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Pollini, MaurizioEinem Maurizio Pollini folgt man gespannt auf Schritt und Tritt. Note für Note. Auch wenn es dabei auf den ersten Blick etwas unbequem wird. So geschehen, als der italienische Pianist in die Kölner Philharmonie zurückkehrte und ein Solo-Recital bot, das nur von der Papierform her zwei unterschiedlichen Meistern der Musik gewidmet war. Zunächst stand Beethoven auf dem Programm. Und im zweiten Teil dann mit der 2. Sonate von Pierre Boulez ein Stück zeitgenössische Musikgeschichte, das vom Interpreten und Publikum alles abverlangt. Doch wenn es bis zum Schluss mucksmäuschenstill in der voll besetzten Philharmonie bleibt, angesichts einer phänomenalen Klangvergegenwärtigung dieser komplexen wie enorm sinnlichen Sonatenarchitektur – dann hat Pollini einmal mehr alles richtig gemacht. Manuell, intellektuell und nicht zuletzt mit seinem Einsatz für einen der bedeutendsten Leuchttürme der neuen Musik. Denn davon ist der gebürtige Mailänder zu Recht fest überzeugt: "Wie in früheren Zeiten ist es auch heute für die Gesellschaft von grundlegender Bedeutung, eine Beziehung herzustellen zu der Musik, die in der Gegenwart gemacht wird." Seit nunmehr einem halben Jahrhundert widmet Pollini sich daher unvermindert dieser Vermittlungsarbeit. Seit er mit seinen befreundeten Mitstreitern Claudio Abbado und Luigi Nono sog. "Arbeiterkonzerte" in Fabrikhallen veranstaltet hat und dabei den Beweis antrat, dass atonal keine Qual, sondern ein nachhallendes Erlebnis sein kann. Und wenn er dann später, bei seinem Salzburger Festival "Progetto Pollini", gar den Bogen von Johannes Ockeghem bis zu Salvatore Sciarrino schlug, glückte einmal mehr die Einladung, sich auf einen spannenden Klang-Dialog zwischen Gestern und Heute einzulassen. Ähnliches erwartete das Kölner Publikum ein zweites Mal. Immerhin präsentierte der Überzeugungstäter und fesselnde Musikvermittler Pollini nach der B-Connection Beethoven und Boulez bei seinem Gastspiel eine namhaft besetzte S-Klasse. Mit Robert Schumann, Arnold Schönberg und Karlheinz Stockhausen. Alle drei Komponisten verbindet miteinander, dass sie die Klangwelt zwar nicht aus den Angeln, aber doch auf gänzlich unbekannte Umlaufbahnen geschossen haben. Weil Pollini seit jeher den geistigen Anspruch und die emotionale Tiefe bewundert, die in der avancierten Klangsprache Stockhausens steckt, zeigte er sich in Köln zwischendurch aber auch als Teamplayer. Wenn er in das Sextett "Kreuzspiel" einsteigt, mit dem Stockhausen schlagartig berühmt wurde und das jetzt neben zwei weiteren Ensemble-Stücken vom Klangforum Wien unter Peter Eötvös gespielt wird. Luigi Nono hat einmal von der Musik gefordert, dass sie "das Ohr und das menschliche Denken aufwecken" solle. Nichts anderes ist seinem Kollegen Stockhausen mit den zu hörenden Werken geglückt. Und auch Maurizio Pollini gelang dies – das Publikum folgte ihm gebannt. Note für Note. |
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