Künstler-Archiv

In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.

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Quasthoff, Thomas

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Quasthoff, Thomas

Gelegentliche Abstecher in das Opern-Genre sowie in den Jazz unterstreichen Thomas Quasthoffs Ruf als omnipräsenten und vielseitigen Sänger immer wieder, doch die Leidenschaft, zu der er immer wieder zurückkehrt, ist der Liedgesang. Denn dieser ursprünglichsten und intimsten Kunstform des klassischen Gesangs ist der von ihm initiierte Internationale Lied-Wettbewerb in Berlin gewidmet, dessen künstlerische Leitung er auch gleichzeitig übernimmt.

Liedgesang meint hier in erster Linie das Kunstlied im engeren Sinne, das sich im 19. Jahrhundert mit den Hauptvertretern Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms und Hugo Wolf entwickelte und infolge dessen zum Eigenbegriff avancierte. Das bisher vorherrschende Strophenlied erweiterte Schubert zum variierten Strophenlied bis hin zum gänzlich durchkomponierten Lied. Auch der Klavierpart erschien aufgewertet und emanzipierte sich als gleichwertiger Gegenpart zur Melodie.

Ausgehend vom "schlichteren" Volkslied ist der Liedgesang die "naturgemäßeste " Form, Musik zu machen, basiert sie doch auf der menschlichen Stimme, dem ureigensten musikalischen Ausdruck, dem empfindlichsten und farbenreichsten aller Instrumente, das durch alle Gattungen, Stile und Zeitepochen hindurch dichterische Vorlagen mit allen Nuancen von Stimmung und Ausdruck am vollkommensten wiederzugeben vermag. Für Quasthoff kommt es folglich darauf an, eine "Winterreise" nicht nur schön zu singen, sondern die Stimme so zu nutzen, dass der Inhalt dem Publikum zugänglich wird, ohne dass man jedes einzelne Wort verstehen müsse. Damit der Liedgesang nicht sein Gesicht verliere, müsse die Symbiose zwischen Text und dramatischer Erfassung von Text und Melodie – oft dem bloßen "Schön-Singen" geopfert – im Vordergrund stehen. Auch zuviel Gestik und Mimik sei eine Ersatzhandlung in Ermangelung an Stimmfarbe oder Ausdrucksvermögen.

Der Berliner Bassbariton ist überzeugt, dass "alles, was man im Leben erlebt und auch die Art, wie man es erlebt und für sich verarbeitet, immer in den Gesang mit einfließt, und ganz besonders in das Lied, weil dieser Gesang etwas sehr Intimes besitzt, zugleich aber auch etwas sehr Gefährliches. " Denn jeder Liederabend sei wie eine exhibitionistische Enthüllung der Seele, bei der man immer damit rechnen müsse, ein Stück von sich weggegeben zu haben.

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