Künstler-Archiv
In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.
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Uchida, Mitsuko»Verschiedene Leute versicherten mir, dass die Tasten unter meinen Händen zu singenden Stimmen würden, welches, wenn es wahr ist, mich sehr freut, weil ich das vermaledeyete Hakken, welches auch ausgezeichneten Clavierspielern eigen ist, nicht ausstehen kann, indem es weder das Ohr noch das Gemüth ergötzt.« Schubert nahm kein Blatt vor den Mund und hatte eine genaue Vorstellung davon, was gutes Klavierspiel ist – und was nicht. »Schubert war kein brillanter Pianist, und ob er alle Noten wirklich genau gespielt hat, wissen wir nicht – wahrscheinlich hat er das nicht getan.« Dieses Urteil ist durchaus keine Respektlosigkeit und stammt von einer Interpretin, die sich in Schuberts musikalischen Seelenlandschaften bestens auskennt: Mitsuko Uchida. Sie wünscht sich manchmal, sie hätte Schubert am Piano hören können, denn wenn sein Spiel vermutlich auch nicht brillant war, ist sie sich doch sicher, dass es unendlich beseelt gewesen sein muss. Bei ihrem eigenen Klavierspiel finden Intellekt und natürlicher Ausdruck, Schönheit und Wahrheit, Pioniergeist und Tradition zu einer wunderbaren Synthese. Ihr spannungsreiches Recital-Programm, eine kreative und beziehungsreiche Kombination aus Musikstücken unterschiedlicher Epochen und Stimmungen, beginnt mit einer von Schuberts späten Sonaten, die Mitsuko Uchida so sehr am Herzen liegen. Feuriges Temperament und analytischer Geist Seit ihrem ersten Auftritt in der Philharmonie im Jahr 1988 ist die feinsinnige Japanerin regelmäßig zu Gast in Köln. Den internationalen Durchbruch schaffte Mitsuko Uchida mit ihren eindrucksvollen Mozart-Deutungen, längst gilt sie als enorm vielseitige Pianistin, deren feuriges Temperament durch einen analytischen Geist in Schach gehalten wird. Im Alter von zwölf Jahren kam die Diplomatentochter nach Europa, studierte in der Klasse von Richard Hauser in Wien und spricht noch heute Deutsch mit Wiener Akzent. Sie liebt es, auf der Bühne zu sein, spielt leidenschaftlich gern vor Publikum und gibt doch nicht mehr als 50 Konzerte im Jahr: »Ich brauche nicht mehr Ruhm oder Geld – die Zeit ist mir viel kostbarer. Ich brauche die Zeit zum Studieren und zum Reflektieren«, sagt sie und ist überzeugt, dass die Erfahrung der Einsamkeit eine wichtige Voraussetzung für klassische Musik bildet. Vor 30 Jahren wurde Mitsuko Uchida zur Wahl-Londonerin, sie lebt mit fünf Klavieren im Inviertel Notting Hill und ist eine ausgesprochene Kennerin von feinem Tee, erlesenem englischem Porzellan und Rotwein höchster Güte. |
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