Künstler-Archiv

In unserem Künstler-Archiv finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Gästen der Kölner Philharmonie: In den Porträts beantworten Fragen zum musikalischen Werdegang der Künstler ebenso wie zu prägenden Karrierestationen. Außerdem eine Beschreibung der stilistischen Besonderheiten der Solisten.

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Zimerman, Krystian

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Krystian Zimerman Zimerman, Krystian

Krystian Zimerman im Konzert erleben zu können, ist ein seltenes Glück. Er gibt weltweit nicht mehr als 50 Konzerte im Jahr, die er akribisch plant und vorbereitet: Die akustische Situation in den unterschiedlichen Sälen analysiert er genau, die Programmabfolge überlässt er nie dem Zufall, beim Stimmen legt er vor jedem Konzert selbst Hand an. Da er stets mit seinem eigenen Steinway anreist, ist das Konzertieren nach seinen Angaben kaum kostendeckend. Dramatische Geschichten kann Krystian Zimerman aus seinem Alltag als reisender Pianist erzählen: Als er kurz nach dem 11. September 2001 zu einer Konzertreise in die USA aufbrach, wurde sein Flügel von amerikanischen Zollbeamten konfisziert und zerstört – die Beamten fanden, dass der Leim des Instruments verdächtig rieche. »Wir waren während der Tournee gezwungen, die Klaviatur praktisch völlig neu zu bauen«, berichtet Krystian Zimerman. Sein handwerkliches Geschick und sein enormes Wissen über Aufbau und Akustik von Flügeln sind ein praktisches Rüstzeug, wenn solch widrige Umstände eintreten. Für den perfektionistischen Pianisten gehört dieses Rüstzeug zu den Grundvoraussetzungen, um den eigenen Klangvorstellungen annähernd nachkommen zu können. Gelernt hat er seine Fertigkeiten als Klavierbauer noch vor dem Studium. Im Polen der 1960er Jahre gab es für einen Flügel keine Ersatzteile. »Es war undenkbar, zu Renner zu gehen und zu sagen: ‚Schickt uns mal einen Satz Hammerköpfe.‘ Die musste man selbst machen.« Wenn Krystian Zimerman sich – selten genug – ins Tonstudio begibt, um der Welt eine seiner kostbaren CD-Einspielungen zu schenken, die mit ebenso großer Sorgfalt vor- und nachbereitet werden wie seine Konzerte, legt er beim Schneiden der Aufnahmen selbstverständlich selbst Hand an.

"Das Klavier ist mein zweites Ich!"
1975 gewann Krystian Zimerman im Alter von 18 Jahren als jüngster Teilnehmer den Chopin-Wettbewerb in Warschau. In den 1980er Jahren war er der bevorzugte Pianist Leonard Bernsteins, gemeinsam nahmen sie die Gesamteinspielung der Klavierkonzerte von Beethoven in Angriff. Als Bernstein starb, bevor dieses Unterfangen abgeschlossen werden konnte, vollendete Krystian Zimerman die Einspielungen in Eigenregie und übernahm dabei auch die Aufgabe des Dirigenten. Seine musikalische und intellektuelle Neugierde reicht von Bach bis Lutostawski – und weit darüber hinaus, er hat ein sehr enges Verhältnis zur Jazzmusik und improvisiert gern. Als er sechsjährig seine ersten öffentlichen Konzerte in Polen gab, spielte er seine eigenen Kompositionen. Chopin ist Krystian Zimerman sehr nahe. Für die empfindsame Musik dieses Komponisten, dessen Ausspruch »Das Klavier ist mein zweites Ich!« die völlige Identifizierung mit dem Instrument offenbart, hat er ein besonderes Einfühlungsvermögen. Wer je Chopins Sonaten von Krystian Zimerman hörte, wird es schwer vergessen.

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